Neuer Durchgang Weiterbildung „Schreibzentrumsarbeit und Literacy Management“ 2015

coverflyer_hpLiebe Kolleginnen und Kollegen,

wir bieten ab 2015 eine neue Runde der Weiterbildung „Schreibzentrumsarbeit und Literacy Management“ für externe Interessierte an. Das Angebot reagiert auf verschiedene Anfragen und auf den wachsenden Bedarf an schreibdidaktisch ausgebildeten Menschen, die an Schreibzentren an Schulen und Hochschulen, in hochschuldidaktischen Einrichtungen, Graduate Schools oder auf dem freien Markt als SchreibberaterInnen, SchreibtrainerInnen und Literacy ManagerInnen arbeiten möchten. Unsere Weiterbildung unterstützt die Implementierung und Institutionalisierung schreibdidaktischer Angebote. Sie umfasst fünf dreitägige Präsenz-Module sowie Online-Arbeit zum Literacy-Management mit der E-Portfolio-Software Mahara.

Die Weiterbildung wird in Kooperation mit der PH Freiburg am Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina durchgeführt. Sie bringt außerdem die Expertise von Expertinnen und Experten weiterer universitärer Schreibzentrum und freiberuflich tätiger SchreibberaterInnen ein. Die Weiterbildung kostet 4.000 Euro incl. Lehrmaterialien sowie für die Präsenzmodule jeweils zwei Übernachtungen und Verpflegung. Übernachtungen und Verpflegung gehören zum Konzept der Ausbildung, da wir langfristige kollegiale Netzwerke initiieren wollen und die gemeinsam verbrachte Zeit dafür wichtig finden.

Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten gibt es auf unserer Homepage: www.europa-uni.de/schreibzentrumsweiterbildung und in unserem Flyer (Flyer_Schreibzentrum_web).
Bis zum 01.02. 2015 ist die Anmeldung möglich.

Wir freuen uns, wenn diese Informationen weiter geleitet werden!

Mit den besten Grüßen
Franziska Liebetanz & Katrin Girgensohn

 

 

 

 

 

Zehn Jahre Schreibcenter der Uni Klagenfurt – Herzlichen Glückwunsch!

Klagenfurt

Am 14.und 15. November 2014 hat das Schreibcenter der Alpen Adria Universität Klagenfurt sein 10jähriges Jubiläum gefeiert und aus diesem Anlass auch zu einer Tagung eingeladen, die gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Wissenschaftliches Schreiben (Gewiss) ausgerichtet wurde. Außerdem wurde eine Lange Nacht des Schreibens veranstaltet. Ich möchte hier ein paar Eindrücke teilen, die ich mitgenommen habe, ganz ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

In Erinnerung bleibt mir zum Beispiel der Film, den das Schreibcenter anlässlich des Jubiläums produziert hat. Darin kommen unter anderem Lehrende zu Wort, die mit dem Schreibcenter zusammenarbeiten, um die Lehre durch Schreiben aktiver und studierendenzentrierter zu gestalten. Es wird von den vielen Facetten berichtet, die den Alltag des Schreibcenters ausmachen – neben der Arbeit mit Studierenden gibt es zum Beispiel Schulkooperationen und viele weitere Kooperationen in der Region Kärnten. Gespickt wird der Film mit vielen Zitaten über das Schreiben, die Lehrende, Forschende und SchriftstellerInnen vortragen – einer sogar auf dem Kopf stehend.

Im Eröffnungsvortrag erinnerte Gerd Bräuer an die Entstehungszeit des Schreibcenters, die er begleitete. Das Motto damals war zunächst: „Mit wenig Geld viel bewirken“, denn, wie so oft in unserem Bereich, war die Anfangszeit vor allem von viel Engagement der Beteiligten getragen. Unbestritten ist sehr viel bewirkt worden und die Arbeit des Schreibcenters dreht sich keineswegs nur um das Schreiben, sondern auch sehr viel um das Lernen und Lehren. Bei dem „wenig Geld“ dürften Schreibzentren aber nicht stehen bleiben, mahnte Gerd Bräuer im Hinblick auf die vielen Schreibzentrumsgründungen der letzten Jahre an. Zu groß ist sonst die Gefahr, dass Schreibdidaktik nur zu kosmetischen Veränderungen führt und nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung der Lehr-Lernkulturen im Sinne des Literacy Management.

Ein Workshop von Alexandra Peischer brachte die Schreibberatung zusammen mit der Systemischen Beratung. Es war für mich nicht das erste Mal, dass ich versucht habe, zu verstehen was die systemische Beratung von der nicht-direktiven, schreibendenzentrierten Beratung unterscheidet, die in vielen Schreibzentren der Beratungsansatz ist (siehe zum Beispiel den Aufsatz von Ulrike Lange und Maike Wiethoff im Band „Schreiben“ von Stephanie Dreyfürst und Nadja Sennewald). Auch dieses Mal fand ich die Unterschiede in den Beratungsansätzen theoretisch wenig fassbar. Allerdings konnten wir einige Werkzeuge der systemischen Beratung in Rollenspielen erproben. Durch diese praktische Herangehensweise konnte ich erleben, inwiefern einige dieser Werkzeuge den „Beratungskoffer“ für die Schreibberatung sinnvoll ergänzen. Das war überzeugend und hat mir Lust auf mehr gemacht.

Als Ergänzung zur Schreibberatung haben Birgit Huemer und Marcus Rheindorf ihren Ratgeber vorgestellt: „Das Betreuungsgepräch: ein Ratgeber für die Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten“. Das von der Universität Luxembourg herausgegebene Booklet basiert auf den in vielen Schreibberatungen gesammelten Erfahrungen zur Betreuungsproblematik und richtet sich explizit an Lehrende, nicht an SchreibdidaktikerInnen. Es geht darin u.a. darum, das Betreuungsverhältnis zu definieren und zu klären, welche unterschiedlichen Betreuungsleistungen in den unterschiedlichen Phasen von Schreibprozessen erforderlich sind. Ein weiteres Kapitel unterstützt dabei, eine gemeinsame Sprache der Betreuenden und der Betreuten zu entwickeln, um das Sprechen über das wissenschafliche Arbeiten zu erleichtern. Die AutorInnen plädieren dabei dafür, sich bewusst mit dem Gebrauch von Metaphern auseinanderzusetzen. Ein Kapitel zum Textfeedback erläutert schließlich die verschiedenen Dimensionen des Feedbacks auf wissenschafliche Arbeiten und betont dabei, dass diese jeweils auch abhängig davon sind, in welcher Studienphase die Schreibenden sind – StudienanfängerInnen bräuchten anderes Feedback als Studierende, die ihre Abschlussarbeit schreiben.

Otto Kruse stellte in einem Vortrag Forschungsergebnisse aus einer Fragebogenstudie mit BA-Studierenden und deren Lehrenden vor, die in Kooperation mit der Universität Konstanz entstanden ist. Diese Studie basiert auf dem in einem EU-Projekt entwickelten, ursprünglich länderübergreifenden und mehrsprachigen „European Writing Questionnaire“. Ziel der Studie ist es, Daten zu gewinnen, mit denen ein Verständnis für Schreibkulturen an Hochschulen entwickelt wird und die z.B. Schreibzentren bei der Argumentation für ihre Arbeit unterstützen können. Die Schwerpunkte sind dabei Schreib- und allgemeine Studienkompetenzen, Schreibpraktiken, Einstellungen zum Schreiben, Genres im Studium und Interpretation der Genres, Vergleich zwischen Fächergruppen bzw. Disziplinen, Vergleich von Stufen des Studiums, Vergleich von Lehrenden vs. Studierenden (Selbst- und Fremdeinschätzung der Kompetenzen) und der Bedarf an Unterstützung für das Schreiben aus Sicht Studierender. Die Ergebnisse vorzustellen würde an dieser Stelle zu weit gehen. Das Instrument dieses Fragebogens erscheint mir jedenfalls sinnvoll, auch wenn sich gezeigt hat, dass es gar nicht so einfach ist, bestimmte Dinge zu erfragen. Zum Beispiel scheinen die Befragten unter dem Begriff „Hausarbeit“ nicht immer das gleiche zu verstehen.

An dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Glückwunsch zum 10jährigen Geburtstag und vielen Dank für die gelungene Feier an alle Beteiligten!

 

 

Writing Centers in Motion EWCA Conference 2014

Special welcome from Viadrina President Gunter Pleuger for participants from South Africa

Special welcome from Viadrina President Gunter Pleuger for participants from South Africa

Thank you all for this successful conference! It has been a great pleasure and honour to host you here at European University Viadrina on the river Oder, on the German-Polish border right at the heart of Europe. During our conference from July 19th to July 22nd 2014 we could welcome you, over 200 people from 36 nations, to present, discuss and share their thoughts, ideas and opinions about this year’s main motto “Let’s peer across Borders, Writing Centres in motion”. A motto encouraging us to cross all kinds of borders: the borders of our many different home countries, language and cultural borders and not least, the metaphorical borders of the different discourse communities and writing cultures. The motto further involved peering into writing centre work as an idea of collaborative learning: A method situated right in the centre of writing center theory and practice. With a pre-conference peer tutor day, a peer tutor presentation track, workshop track and keynote, we could also gather many peer writing tutors from all over the world and so make the conference a collaborative learning event. Especially our youngest researchers so had the chance to gain some experience at an international conference and to socialise with people from all over the world.
On four days the Campus has been busy as a beehive with writing enthusiast even though subtropical summer temperatures gave us a bit of a hard time. However, as our conference team and our many helpers provided everyone with water and refreshing tissues, no one bothered too much.
Many of you enjoyed the possibility to connect with one another at our idyllic Conference Barbecue at Ziegenwerder, well prepared against cheeky insects. Others joined a trip to explore the city of Frankfurt (Oder) or took part in our history trip to „Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR“ in Eisenhüttenstadt.
We hope you had a great time participating at the conference with the academical programme we provided and the leisure time activities, we offered to give you the possibility to relax in between. We hope that you could share your ideas and visions, got inspired by each other’s research, could enrich your networks and make some new friends.
The only thing left to say regards writing centers increasing importance across the globe, stressed by your many different home countries: A rising interest in our work can make us all proud and encourage our growing community to keep developing. We are strikingly in motion!

Please scroll down for some impressions from the conference our Peer Tutors would like to share with you:

The Contribution of Peer Writing Tutors to the sustained Development of Writing Centers

It was a huge honour for me to present the process and results of my empirical research for my master thesis as a keynote at the EWCA conference 2014. My research was on the subject

Participants could post each other messages in the "conference post office"

Participants could post each other messages in the “conference post office”

of “The Contribution of Peer Writing Tutors to the sustained Development of Writing Centres“ which I conducted from September 2013 till April 2014. I developed a prezi-presentation for the international EWCA 2014 audience focusing on the background information (research questions, aim, hypothesis, and research method), the research process (data collection and analysis) and the results. The presentation is available on request. The German speaking audience can find my master thesis published here: http://opus.kobv.de/euv/volltexte/2014/92/pdf/Masterarbeit_Poloubotko.pdf

I was very moved by the elaborate introduction of Dr. Katrin Girgensohn concerning my five-years work at the writing centre at European University Viadrina and my engagement within the EWCA as a researcher and board member. Moreover was I truly touched and overwhelmed by the positive response to my keynote presentation. The standing ovation still feels like a dream. It was great to have the support from all the peer tutors which I got to know at different (peer tutoring) conferences and during the European Peer Tutor Day 2014. It was really fantastic to be in charge of organising the Peer Tutor Day and a pre-conference event for exchange and networking among peer tutors from writing centres worldwide. (For more information on the Peer Tutor Day please see another blog article.)
Anja Poloubotko

A new Method for collaborative Writing

While we tend to think that it is difficult (or at least challenging) to write a piece of text together, a group of writing tutors from Goethe Universität at Frankfurt (Main) presented an

Keynote speakers Paula Gillespie, Brad Hughes and Harvey Kail

Keynote speakers Paula Gillespie, Brad Hughes and Harvey Kail

interactive workshop to experiment with a new, self-invented method. At first, we brainstormed about what collaborative writing means (for example working on the same text together, rather than writing a chapter each), and reflected on experiences, we may have had. Next, we shifted to the experimental part of the workshop: splitting up in groups of two, we received instructions to write a page of text in any style we would like (news article, diary entry, poem, fairytale…) about how we imagine our ideal writing centre to look like, therefore only using three main ideas. Key to the exercise was the time limit of 30 minutes, during which each pair of authors had to organise themselves around which type of text to write, writing the actual text and editing a final version.
When sharing our texts back in the group, we discussed our experiences and found that this method could come in useful for future collaborative writing projects. We were surprised to find that we were able to get a lot done in the short time provided!
Juliane

 

Short Impression of the Workshop „When Tutor meets Tutor“

gd foyer

conference participants arriving

Being a Peer Tutor myself, I completely enjoyed taking part in the workshop. The two Workshop leaders started by explaining how the idea for pursuing this topic has come into their minds: At the Writing Center of the European University Viadrina, where both of them are working, it sometimes happened, that no student at all was attending the writing consultation. Hence they decided to use this time to have a tutoring session for and by themselves, i.e. a peer to peer writing consultation. They realised that this could be quite fruitful and interesting so they decided to share their experiences with us. During the Workshop we got together in pairs and had a peer-to-peer- writing consultation on our current writing projects.
In the end we summed up, that this is a really interesting experience due to our different backgrounds and due to the consciousness that we were consulting another peer tutor, who probably knew as much about writing methods and strategies as ourselves. It was different but really helpful!
Maike Tjaden

My Favourite Project

Keynote speaker Swantje Lahm

Keynote speaker Swantje Lahm

From all the interesting and inspiring presentations I listened to during the EWCA conference, there is one project I immediately thought of, when a colleague asked me to write a comment for this blog. The presentations name was „How I Write, Ireland“, a contribution by the University of Limerick in Ireland. It consisted of a series of interviews with prolific Irish writers in which the authors answered questions concerning both their individual writing process in general and the strategies they used to reach a particular writing goal.
The University of Limericks Regional Writing Center provides not only the interviews’ video recordings but further transcripts and possible outlines for a teachers lesson. That way, the interviews can be used as a learning tool by both, staff and students. Further, the Writing Center wishes to collect some data about how teachers use the interviews in their attempts to help improve students writing.
While giving information about the project in their presentation “How I Write, Ireland: Sharing the Experiences, Processes, and Strategies of Prolific Writers“, Lawrence Cleary and Aoife Lenihan were showing some sequences of the interviews. Even if these tiny snippets have only been providing the audience with small insights in the interviewees writing processes, they were really interesting for me. I was surprised to hear from professor Tom Moylan that he – after numerous published works – is still struggling with his role as a writer, feeling that his working-class background keeps him from really belonging to the scientific community he is actually writing for. This made me think of my own experiences as a student and a Peer Tutor: A lot of students feel insecure when discussing their writing projects with their lecturer – a person they expect to know everything, while they consider themselves to know nearly nothing. For this reason some of them choose to dismiss their own ideas and strictly follow the lecturers impulses instead. Doing so, they are disempowering themselves from pursuing their own style and developing new ideas and thoughts. Likewise, a lot of them, at times including myself, consider themselves to write for credit points only instead of writing for an academic audience. They simply feel to young and inexperienced to contribute to the world of science – following these trains of thoughts, a lot of them do not recognise the actual worth of their writing. In my view, this is a pity and I am sure that a lot of ideas get lost due to a lack of self-confidence from student writers. To show them that even their professors face similar problems during the writing process could be one way to improve students confidence with their work and to consider themselves as members of the academic community. At the same time, the project offers them the opportunity to hear about strategies that might help them during their own writing process. To conclude, I really like this project and I think the concept can provide students with a lot of ideas that are worth to think about.
Anne Kirschbaum

Polka w niemieckim centrum pisania

Alicja Pitak

Alicja Pitak

*hier geht es zum Beitrag auf Deutsch*
Gdyby przed rokiem ktoś powiedział mi, że będę pracować w jakimś biurze czy jednostce na uczelni w Niemczech, na pewno uznałabym ten pomysł za szalony. Ja, cudzoziemka w niemieckim centrum pisania na niemieckim uniwersytecie??? Wtedy trudno mi było w to uwierzyć, a dzisiaj to jest rzeczywistością.
Nazywam się Alicja, pochodzę z Polski i studiuję kierunek magisterski Komunikacja Interkulturowa na Uniwersytecie Europejskim Viadrina we Frankfurcie nad Odrą. Z uniwersytetem łącza mnie nie tylko studia, ale również i praca w centrum pisania (niem. Schreibzentrum). Piszę ten blog, aby nie tylko przedstawić moje miejsce pracy, ale również podzielić się kilkoma doświadczeniami i refleksjami na temat tego, czym jest dla mnie to centrum oraz jak postrzegam pracę w charakterze tutora pisania (niem. Schreib Peer Tutorin, tutor lub peer tutor to student, który odbył szkolenie w jakieś dziedzinie naukowej (np. pisanie naukowe, kompetencje interkulturowe, nauka języków obcych) i pomaga w niej innym studentom).
Swoją pracę na uczelni rozpoczęłam w kwietniu tego roku. To zajęcie traktuję jako ogromne wyzwanie a zarazem wspaniałą przygodę. Właśnie siedzę w Schreibzentrum, pomieszczenie 115 na August-Bebel-Straße i przygotowuję ten wpis. Mimo, że pracuję zaledwie czwarty miesiąc w charakterze peer tutora, zdążyłam już dość dobrze poznać cele i założenia naszego centrum a także ekipę w nim pracującą. Obok mnie niedaleko siedzi koleżanka, która przygotowuje się na konsultacje w ramach programu Writing Fellows. Więcej na ten temat dowiecie się na stronie http://schreibzentrum.wordpress.com/. Jest jeszcze inna osoba, która na pełnych obrotach zajmuje się przygotowaniem programu konferencji tutorów EWCA (http://www.europa-uni.de/de/struktur/zfs/schreibzentrum/EWCA2014/index.html), która odbędzie się na naszym uniwersytecie w terminie od 19 do 22 lipca. Już teraz zapraszam wszystkich do wzięcia udziału w EWCA. To jest ważne wydarzenie dla nas i dla całej uczelni.
Wracając do pokoju, w którym teraz siedzę, chciałabym zwrócić uwagę na atmosferę pracy i nauki, jaka panuje w naszej ekipie i w Schreibzentrum. Jest ona po prostu przyjacielska i bezstresowa. Dzięki tej atmosferze ja osobiście zmieniłam podejście do samego pisania. Wcześniej kojarzyło się mi ono tylko z czynnością przelewania myśli na kartkę czy ekran komputerowy. W naszym centrum zrozumiałam i doświadczyłam, że jest to proces, który dokonuje się w dialogu z drugą osobą, a także z samym sobą. Ponieważ wielu znajomych z uniwersytetu podziela moje wcześniejsze zdanie, chciałabym przekazywać dalej moje nowe podejście i atmosferę panującą w naszym centrum nauczycielom akademickim, studentom oraz wszystkim osobom napotkanym w kontekście pisania naukowego czy literackiego. Chciałabym, aby inni mogli spojrzeć na ten proces z innej perspektywy, która może przynieść im wiele korzyści: nie tylko pozytywne nastawienie wobec samego pisania, ale również doskonalenie tej kompetencji oraz przyjemność i radość z samego tworzenia tekstów . A czym jest dla mnie praca w charakterze peer tutora? Hm… To moje zajęcie na uniwersytecie, podczas którego ja doskonalę swoje kompetencje pisania i pomagam innym w ich doskonaleniu. Ale to tylko jedna strona medalu. Tak naprawdę praca w charakterze doradcy to super przygoda i nieustające spotkanie z ludźmi oraz wymiana wiedzy, doświadczeń, wartości, uśmiechu i radości. Cieszę się, że właśnie w taki sposób mogę ubogacać moje studia na Uniwersytecie Viadrina i pobyt na pograniczu polsko-niemieckim.
Teraz opowiem Wam, czym się zajmujemy w Schreibzentrum i dlaczego jest ono tak potrzebne na uniwersytecie. Mam nadzieję, że dzięki tym informacjom dojdziecie do przekonania lub umocnicie swoje zdanie, że warto zakładać takie centra w szkołach i na uniwersytetach w Polsce.
Gdybym miała w jednym zdaniu powiedzieć czym jest nasze centrum na uniwersytecie Viadrina, to określiłaby je jako miejsce, gdzie wszystko i wszyscy kręcą się wokół pisania. To tutaj spotykają się nauka i badania, to tutaj praca pracowników naukowo-dydaktycznych oraz studentów dotyczy pisania naukowego i procesów z nim związanych. Niektóre osoby z lub spoza środowiska uniwersyteckiego mogą sądzić, że Schreibzentrum jest jedynie jednostką, świadczącą pomoc studentom i doktorantom w sporządzaniu prac naukowych. Ja chciałabym takiej opinii stanowczo zaprzeczyć i zwrócić uwagę na szeroką i urozmaiconą ofertę naszego Schreibzentrum skierowaną nie tylko do studentów czy doktorantów, ale również do nauczycieli akademickich, uczniów, a nawet obcokrajowców. W naszym centrum pracują pracownicy naukowo-dydaktyczni, którzy w kontekście międzynarodowym poprzez badania, konferencje oraz publikacje przyczyniają się do rozwoju pisania naukowego jako dziedziny naukowej oraz uczestniczą w dyskursach pisania naukowego. Oprócz pracowników naukowo-dydaktycznych w Schreibzentrum są zatrudnieni studenci. Cała ekipa posiada gruntowne wykształcenie. Ja, żeby zostać tutorem, uczęszczałam na trzy seminaria związane z pisaniem naukowym i doradztwem w tej dziedzinie oraz zdobyłam odpowiedni certyfikat. To było dość czasochłonne i czasami bardzo wymagające, ale teraz przynosi wiele satysfakcji i korzyści :-). Jestem z siebie bardzo dumna, że sprostałam wymaganiom wykształcenia na tutora oraz z tego, że teraz pracuję wśród studentów niemieckojęzycznych. Poza tym dzięki mojej pracy mogę się stale rozwijać, np. doskonalić takie umiejętności jak aktywne słuchanie, empatia czy miłe traktowanie rozmówców :-) .
Ale wróćmy do naszej oferty. Studentom wszystkich kierunków oferujemy indywidualne rówieśnicze doradztwo odnośnie procesów pisania, pisania naukowego i literackiego, sporządzania prac naukowych, rodzajów tekstów, stylu itd. Rówieśnicze oznacza, że między studentem a osobą tutora nie ma zasady hierarchii, jak np. w przypadku studenta i wykładowcy, a tutor nie występuję w charakterze eksperta. Oprócz spotkań indywidualnych mamy grupy (np. grupa pisania prac dyplomowych), w których uczestnicy rozwijają swoje umiejętności sporządzania i przerabiania tekstów. Podczas różnego rodzaju seminariów, warsztatów czy tzw. Lunch_Time Lessons, czyli lekcji w porze obiadowej (ja prowadzę taką lekcją na temat „Pisanie w języku obcym”) studenci mogą lepiej poznać różne wymogi dotyczące pisania naukowego. Mogą też nauczyć się stosować różne strategie jak również rozbudować swoje kompetencje pisania. W naszym Schreibzentrum panuje przyjazna atmosfera pracy i nauki, która zachęca do dalszego kształcenia oraz dzielenia się swoim doświadczeniem w grupach, seminariach i warsztatach. Nie zapominamy o doktorantach, którym oferujemy warsztaty oraz doradztwo. Mamy też coś dla nauczycieli akademickich, a mianowicie wspieranie ich zajęć informacjami odnośnie pisania naukowego. W programie Writing Fellows nasi tutorzy pomagają studentom u konkretnego wykładowcy i udzielają informacji zwrotnej, czyli feedback na sporządzone przez nich teksty. Wszystko odbywa się w ramach konkretnego zajęcia u konkretnego wykładowcy. Do naszej oferty należy również wspieranie uczniów w rozwijaniu umiejętności pisania, co może ułatwić im przejście ze szkoły na studia. Schreibzentrum na Uniwersytecie Viadrina jest więc zarówno miejscem naukowym i dydaktycznym a także miejscem spotkań indywidualnych oraz w grupach, gdzie ma miejsce wymiana wiedzy i doświadczeń na temat pisania i procesów z nim związanych.
Na zakończenie wpisu chcę podkreślić jeszcze jedno: pisanie, szczególne to naukowe, może wydawać się wielu osobom nudne, żmudne i mało satysfakcjonujące. Tak może być, ale wcale być nie musi. Nasze Schreibzentrum na Viadrinie dowodzi czegoś zupełnie innego. Pisanie sprawia radość, jest ciekawe i rozwija pod względem naukowym i społecznym. To potwierdzają moje doświadczenia i odczucia. To potwierdzam ja, polska studentka studiująca na niemieckim uniwersytecie i pracująca w niemieckim centrum pisania.
Alicja Pitak

Ich, polnische Muttersprachlerin an einem deutschen Schreibzentrum

*Po Polsku*
Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich an einem Schreibzentrum in Deutschland arbeiten werde, hätte ich diese Idee bestimmt für verrückt gehalten. Ich, polnische Muttersprachlerin in einem deutschen Schreibzentrum an einer deutschen Universität??? Damals kaum zu glauben. Aber es ist doch wahr geworden.
Über mich
Ich heiße Alicja, komme aus Swiebodzin in Polen, 60 km von der deutsch-polnischen Grenze entfernt, und studiere den Masterstudiengang Interkulturelle Kommunikation an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Mit der Uni bin ich nicht nur durch das Studium, sondern auch durch meine Arbeit am Schreibzentrum verbunden. Mit diesem Blog-Eintrag möchte ich meine Arbeitsstelle vorstellen und auch ein paar Erfahrungen und Reflexionen teilen, die verdeutlichen, was das Schreibzentrum für mich bedeutet und wie ich die Arbeit als Schreib-Peer-Tutorin wahrnehme.
Ich habe die Arbeit am Schreibzentrum im April dieses Jahres angefangen. Ich halte diese Tätigkeit für eine große Herausforderung und ein wunderbares Abenteuer zugleich. Gerade sitze ich im Schreibzentrum (Raum 115 des Unigebäudes in der August-Bebel-Straße) und schreibe diesen Eintrag. Obwohl ich erst den vierten Monat als Schreib-Peer-Tutorin arbeite, habe ich sowohl die Ziele und Voraussetzungen, als auch das Team unseres Zentrums schon ziemlich gut kennen gelernt. Außer mir sitzt im Raum eine andere Peer-Schreibberaterin, die sich auf eine Schreibberatung im Rahmen des Writing-Fellow-Programms vorbereitet. Mehr davon könnt Ihr unter http://schreibzentrum.wordpress.com/ erfahren. Es gibt noch eine andere Person, die sich intensiv mit dem Programm der EWCA-Konferenz (European Writing Centers Association: http://www.europa-uni.de/de/struktur/zfs/schreibzentrum/EWCA2014/index.html) beschäftigt. Die Konferenz fand vom 19. bis 22. Juli statt. Das war ein großes Ereignis für uns und für die ganze Uni.

Unsere Arbeit im Schreibzentrum
Aber jetzt zurück zum Raum, in dem ich sitze… Ich möchte auf die Lern- und Arbeitsatmosphäre in unserem Team aufmerksam machen. Sie ist einfach freundlich und stressfrei. Dank dieser Atmosphäre habe ich meine Haltung zum Schreiben verändert. Früher habe ich immer gedacht, dass das Schreiben ausschließlich das Festhalten von Gedanken auf Papier oder am PC ist. Aber es ist nicht so! Schreiben ist ein Prozess, der in einem Dialog mit sich selbst und mit anderen geschieht. Da viele meiner KommilitonInnen meine frühere Meinung zum Schreiben teilen, möchte ich meine neue Einstellung und die im Schreibzentrum herrschende Atmosphäre weitergeben und zwar an Lehrende, Studierende und alle, denen ich im Kontext des wissenschaftlichen Schreibens begegne. Ich möchte, dass auch andere das Schreiben aus einer neuen Perspektive betrachten. Dadurch können sie nicht nur eine positive Einstellung zum Schreiben entwickeln, sondern auch ihre Schreibkompetenz verbessern und viel Spaß und Freude am Schreiben haben. Und was bedeutet mir die Arbeit als Schreib-Peer-Tutorin? Einerseits ist es meine Beschäftigung an der Uni, andererseits verbessere ich dadurch meine Schreibkompetenzen. Darüber hinaus helfe ich anderen Studierenden dabei, ihre Schreibkompetenzen zu entwickeln. Aber das ist natürlich nur eine Seite dieser Tätigkeit. Tatsächlich ist meine Arbeit als Schreibberaterin ein wunderbares Abenteuer, das mit unaufhörlicher Begegnung mit Menschen und mit Austausch von Wissen, Erfahrungen, Werten, Lächeln und Freude verbunden ist. Ich freue mich, dass ich auf diese Art und Weise mein Studium an der Universität Viadrina und den Aufenthalt im deutsch-polnischen Grenzgebiet bereichern kann.
Jetzt erkläre ich euch, womit wir uns am Schreibzentrum befassen und warum das Zentrum an der Universität so wichtig ist. Ich hoffe, ihr gelangt dank dieser Informationen zur Überzeugung, dass es sich lohnt, Schreibzentren an Schulen und Universitäten in Polen zu gründen.
Wenn ich in einem Satz sagen müsste, was das Schreibzentrum an unserer Universität ist, würde ich es als einen Ort bezeichnen, an dem sich alles um das Schreiben dreht. Hier begegnen sich Wissenschaft und Forschung, hier beziehen sich die Tätigkeiten wissenschaftlicher MitarbeiterInnen und Studierender auf das wissenschaftliche und literarische Schreiben sowie Schreibprozesse. Außenstehende könnten meinen, dass das Schreibzentrum lediglich eine Einrichtung ist, die den Studierenden und Promovierenden beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten Hilfe leistet. Ich möchte dieser Annahme jedoch widersprechen und darauf aufmerksam machen, dass unser Schreibzentrum nicht nur für Studierende oder Promovierende, sondern auch für Lehrende, SchülerInnen und Auswärtige ein breites und abwechslungsreiches Angebot hat. Beispielsweise arbeiten in unserem Schreibzentrum wissenschaftliche MitarbeiterInnen, die im internationalen Kontext durch Forschung, Konferenzen und Veröffentlichungen zur Entwicklung der Schreibwissenschaft beitragen und an den Schreibdiskursen teilnehmen.
Außer den wissenschaftlichen MitarbeiterInnen sind in unserem Zentrum auch Studierende eingestellt. Das ganze Team besitzt eine fundierte Ausbildung. Um Schreibberaterin zu werden, habe ich drei Seminare zum wissenschaftlichen Schreiben und der Schreibberatung besucht und das Zertifikat zur Schreib-Peer-Tutorin erhalten. Das alles war ziemlich zeitaufwendig und anspruchsvoll, aber bringt mir jetzt viel Zufriedenheit und Nutzen. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich den Anforderungen der Ausbildung zur Schreibberaterin gerecht wurde, und dass ich zusammen mit deutschen MuttersprachlerInnen arbeite. Außerdem kann ich mich dank der Arbeit am Schreibzentrum auch ständig weiterentwickeln und von den Schreibenden, die uns aufsuchen, viel lernen, z.B. aktives Zuhören, Empathie oder den freundlichen Umgang mit Menschen.
Aber zurück zu unserem Angebot. Wir bieten den Studierenden aller Studiengänge individuelle Schreibberatung auf Augenhöhe, d.h. peer-to-peer Beratung, bezüglich der Schreibprozesse, des wissenschaftlichen Schreibens, der wissenschaftlichen Texte und des wissenschaftlichen Arbeitens an. Außer den individuellen Treffen haben wir Schreibgruppen (z.B. Schreibgruppe für Abschlussarbeiten), in denen die Studierenden ihre Fähigkeiten bezüglich des Schreibens und der Überarbeitung von Texten entwickeln. Während unterschiedlicher Seminare, Workshops oder sog. Lunchtime Lessons (meine LTL dreht sich um „Schreiben in der Fremdsprache“) können sich Studierende mit den unterschiedlichen Anforderungen des wissenschaftlichen Schreibens vertraut machen. Sie lernen unterschiedliche Schreibstrategien und können ihre individuellen Schreibkompetenzen entwickeln und ausbauen. In unserem Schreibzentrum herrscht eine angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre, die zur Weiterbildung und zum Austausch in Gruppen, Seminaren und Werkstätten anregt. Für Promovierende bieten wir Schreibworkshops und –beratung an. Auch eine Unterstützung der Lehrveranstaltungen für Lehrende bezüglich des wissenschaftlichen Schreibens bieten wir an. Im Writing-Fellow-Programm helfen unsere BeraterInnen den Studierenden beim wissenschaftlichen Schreiben und geben Feedback zu den angefertigten Texten, die sie in einem bestimmten Seminar verfassen müssen.
Zu unserem Angebot gehört auch die Unterstützung von SchülerInnen bei der Entwicklung der Schreibfähigkeiten, was den Übergang von der Schule zum Studium erleichtern kann. Das Schreibzentrum an der Universität Viadrina ist somit sowohl ein wissenschaftlicher und didaktischer Ort, als auch ein Ort der Begegnungen, an dem man Wissen und Erfahrungen zum wissenschaftlichen Schreiben und den Schreibprozessen austauscht.

Schreiben kann schön sein
Zum Schluss des Blog-Eintrags möchte ich noch etwas unterstreichen: Schreiben, besonders wissenschaftliches Schreiben kann vielen Menschen langweilig, zeitraubend und wenig zufriedenstellend erscheinen. Es kann, aber es muss nicht so sein. Unser Schreibzentrum an der Viadrina beweist etwas völlig Anderes. Schreiben macht Spaß, ist interessant und hilft Schreibenden in wissenschaftlicher und sozialer Hinsicht weiter. Das bestätigen meine Erfahrungen und Gefühle. Das bestätige ich, polnische Studentin, die an einer deutschen Universität studiert und in einem deutschen Schreibzentrum arbeitet.
Alicja Pitak

Ich als Testpilotin: Writing Fellows in Frankfurt (Oder

„Also meine Texte wolltest du nie Korrekturlesen!“ muffelt mein Freund vor sich hin und stapft zum Kochen in die Küche. In der Tat konnte er mich in mehreren Jahren Jurastudium nicht dazu bringen, mehr als ein paar Absätze seiner Arbeiten zu lesen: Langweilig und verwirrend, viel zu viele Paragraphen… Nun aber sitze ich schon den dritten Tag an meinem Schreibtisch und kommentiere die Hausaufgaben fremder Jura-ErstsemestlerInnen. Was ist passiert?

Das Writing Fellows Programm

Ich arbeite als Schreib-Peertutorin im Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina und habe als Writing Fellow eine Jura AG betreut. Es war das erste Mal, dass das Projekt in Frankfurt (Oder) stattgefunden hat. Meine Betreuung der Jurastudierenden im Januar war gleichsam Testlauf und Generalprobe vor der Einführung des Projekts im Sommersemester 2014.

Aber was ist das eigentlich, ein/e Writing Fellow? Writing Fellows sind Peer-SchreibberaterInnen, die für einen konkreten Kurs AnsprechpartnerInnen für das Schreiben sind. Das Projekt basiert auf zwei Grundannahmen: Zum einen erleben wir in der Schreibzentrumsarbeit stets, dass kollaboratives Lernen auf Augenhöhe sehr fruchtbar sein kann. Zum anderen glauben wir, dass alle Schreibenden in der Lage sind, ihr Schreiben zu verbessern, wenn sie durch individuelles und konstruktives Feedback dabei unterstützt werden.

Die Writing Fellows geben den Studierenden ausgewählter Kurse genau solches Feedback auf zwei Schreibaufgaben, die diese im Rahmen der Veranstaltung erstellen. Im Vorfeld arbeiten sie eng mit den Dozierenden zusammen, z.B. spiegeln sie ihnen, wie sie die von ihnen gestellte Schreibaufgabe verstehen. So können etwaige Missverständnispotentiale in der Kommunikation zwischen Studierenden und Dozierenden gefunden und beseitigt werden. Die Studierenden erhalten die Schreibaufgabe dann in schriftlicher Form und erstellen zunächst eine Rohfassung ihres Textes. Ihr Writing Fellow liest und kommentiert diese. Auf das schriftliche Feedback folgt ein Treffen mit den Schreibenden. Dabei werden gemeinsam die Stärken und Schwächen des Textes erarbeitet und Überarbeitungsschwerpunkte festgelegt. Erst nach dieser Überarbeitung reichen die Studierenden den fertigen Text bei ihren Dozierenden ein.

Da die Writing Fellows ebenfalls Studierende sind und die Texte nicht bewerten, können sie den Schreibprozess in entspannter Atmosphäre ohne Ergebnisdruck unterstützen. Doch nicht nur die Studierenden profitieren von dem Projekt, auch für die Dozierenden hat es Vorteile: Beispielsweise beklagt ein Großteil von ihnen die schlechte Qualität der eingereichten Texte. Diese kann jedoch durch die Arbeit mit Writing Fellows verbessert werden. Indem die Dozierenden ihre Aufgabenstellung ausführlich formulieren müssen, konkretisiert sich auch ihr eigener Erwartungshorizont und die Kommunikation mit den Studierenden verbessert sich. Dadurch und durch den Zwischenschritt der Überarbeitung bekommen sie Texte eingereicht, die ihren Erwartungen besser entsprechen. Auch für die beteiligten Schreibzentren lohnt sich das Projekt: Durch die Betreuung durch Writing Fellows kommen mehr Studierende mit dem Schreibzentrum in Kontakt und auch die Lehrenden erhalten einen detaillierten Eindruck in die Schreibzentrumsarbeit. Ihre positiven Erfahrungen im Rahmen des Writing Fellow Programms führen dazu, dass ein Teil der Betreuten auch nach Ende des Projekts die Angebote des Schreibzentrums nutzt. Außerdem können sie Anderen davon berichten und so neue Studierende in das Schreibzentrum locken.

 Der Testlauf

Den endgültigen Startschuss für das schon lange anvisierte Writing Fellow Projekt in unserem Schreibzentrum gab ein Vortrag zum Thema von Brad Hughes, Direktor des Writing Centers der University of Wisconsin – Madison, im Novemer 2013. Dabei gelang es ihm, nicht nur uns, sondern auch die anwesenden Dozierenden von dem Programm zu überzeugen und wir vereinbarten den Testlauf mit „meiner“ Jura AG.

Aus organisatorischen Gründen betreute die Dozentin die erste Schreibaufgabe selbst. Im Januar fand dann der zweite Durchgang mit mir als Writing Fellow statt. Da ich nur etwa die Hälfte ihrer AG betreuen konnte, hat die Dozentin die Arbeit mit mir als Belohnung für jene Studierende genutzt, die die Aufgaben für ihre AG bisher stets termingerecht eingereicht hatten. So kam es, dass sich auf meinem Schreibtisch die Texte von 16 Studierenden sammelten. Ihre Aufgabe war es, einen Gesetzesentwurf danach zu untersuchen, ob er verfassungsgemäß ist. Dazu sollten sie eine kurze Erläuterungsaufgabe bearbeiten und – als wichtigsten Teil – ein juristisches Gutachten erstellen.

Bevor ich die Texte kommentierte, las ich sie einmal komplett, um einen Gesamteindruck zu erhalten. Erst im Laufe des zweiten Lesens formulierte ich mein Feedback. Dabei achtete ich besonders darauf, nicht nur zu kritisieren, sondern auch zu loben. Dass ich den Studierenden nicht nur ihre Schwächen, sondern auch ihre Stärken aufzeigte, sollte sie motivieren und ihnen helfen, sich bei der Überarbeitung auf das Wesentliche zu fokussieren. Da es beim Gutachten sehr wichtig ist, die viergliedrige Struktur der Textsorte einzuhalten, bezog ich mich in meinen Feedbacks unter anderem sehr auf diesen Aspekt. So enthielten viele meiner Kommentare solche oder ähnliche Hinweise: „Man sieht, dass du dich in deinem Text am Gutachtenstil orientiert hast. Ich habe dir jeweils an den Rand geschrieben, wo ich welche Strukturpunkte erkannt habe […]. Leider konnte ich nicht immer alle vier Teile finden.“ Indem ich die von mir erkannten Strukturelemente an den Rand der Arbeiten schrieb, wollte ich den Studierenden die Möglichkeit geben, zu überprüfen, ob das, was sie ausdrücken wollten mit dem übereinstimmt, was ich als Leserin verstanden hatte.

Kurz darauf fanden die Konsultationen mit den Schreibenden statt. Für mich war es sehr interessant, die Studierenden, die ich bisher nur durch ihre Texte kannte, persönlich zu treffen. Für viele von ihnen war das Konzept des Peer-Tutoring noch neu und ich musste mich oft ihren Versuchen erwehren, mich zu siezen. Die Zusammenarbeit war jedoch ein tolles Erlebnis: Besonders interessant fand ich, in den Beratungen zu sehen, wie unterschiedliche Schreibtypen mit der sehr formalisierten Textsorte Gutachten umgehen. Mein Eindruck war, dass sie der Arbeitsweise planender Schreibender entgegenkommt. Studierende, die das Schreiben als Medium zum Denken benutzen und währenddessen neue Ideen entwickeln, hatten hingegen größere Probleme. Gerade bei handschriftlichen und zeitlich begrenzten Klausuren ist es aber schwierig, die spontan entstehenden Gedanken zu integrieren, ohne die Struktur des Textes zu gefährden. Mit diesen SchreiberInnen versuchte ich, Strategien zu entwickeln, um vor dem Schreiben der Reinschrift schon ein paar Assoziationen abzufangen, die dann bei der Planung des Textes schon berücksichtigt werden könnten. Vor allem das Erstellen von stichpunktartigen Lösungsskizzen und Mindmaps schien mir dafür geeignet zu sein.

Mein Fazit

Das Projekt zeigt, wie viel man erreichen kann, wenn verschiedene Akteure zugunsten der Studierenden zusammenarbeiten. So habe ich durch das Schreibzentrum tolle Unterstützung erfahren: Projektkoordinatorin Anja kümmerte sich um alles Organisatorische und stand mir stets mit Rat und Tat zur Seite. Mein Kollege Pascal wiederum las die Rohfassungen zu meinen Feedbacks und kommentierte sie. Dieses Feedback zum Feedback gab mir Sicherheit und sorgte dafür, dass die an die Studierenden geschickten Endfassungen auch wirklich verständlich und konstruktiv formuliert waren. Außerdem klappte die Zusammenarbeit mit der Dozentin super. Sie war für mich immer ansprechbar und stets bereit, eigenen Mehraufwand für Feedbackrunden, Treffen und die Digitalisierung der Arbeiten in Kauf zu nehmen. Besonders toll fand ich, wie sie mich gegenüber den Studierenden angekündigt hat. Ihre wiederholten Hinweise darauf, dass ich eine „Diskussionspartnerin, keine Korrektorin“ sei, hat dazu geführt, dass die Studierenden das Projekt als Chance verstanden und größtenteils gut vorbereitet in die Konsultationsgespräche kamen. Ich denke, dass die Studierenden und ich auch deshalb so motiviert und entspannt zusammen gearbeitet haben. Viele von ihnen äußerten dann auch, dass sie das Writing Fellow Projekt toll fänden und das Feedback ihnen geholfen hätte.

Aber nicht nur für die Schreibenden hat sich das Programm gelohnt, auch ich habe viel gelernt. Die Arbeit als Writing Fellow hat mir einen starken Anreiz gegeben, mich auf neues Terrain zu wagen und mich mit juristischen Textsorten und Themen zu beschäftigen – etwas, dass ich als Studentin der Kulturwissenschaften sonst sicher nicht gemacht hätte. Nun weiß ich aber genau, wie ein juristisches Gutachten strukturiert sein muss und habe von den Schreibenden viele Rechtsbegriffe und -prinzipien erklärt bekommen. Es zeigt sich also: Auch beim Writing Fellow Projekt können Peers miteinander und voneinander lernen. Mit seiner nächsten Seminararbeit steht mein Freund jedenfalls nicht mehr alleine da.

 

      Anne Kirschbaum

 

 

 

 

Peer Schreib TutorInnen Konferenz 2013

Bereits zum sechsten Mal hat am vergangenen Wochenende die Peer Schreib TutorInnen Konferenz stattgefunden. Was in Frankfurt (Oder) 2008 mit 20 Teilnehemenden begonnen hatte, ist mittlerweile zu einem großen Event geworden, für das sich 150 Peer TutorInnen und SchreibzentrumsmitarbeiterInnen angemeldet hatten. Das Team des Bochumer Schreibzentrums schuf einen wunderbaren Rahmen mit Café, zu gestaltender Deutschlandkarte und perfekter Organisation.

Am ersten Tag hielt Otto Kruse einen Keynote-Vortrag. Es war für die Teilnehmenden sehr spannend, den Autor von „Keine Angst vor dem leeren Blatt“  live zu erleben. In seinem Vortrag unterstrich Otto, wie wichtig es ist, in der prozessorientierten Schreibberatung auch Sprachwissen zu vermitteln. Unter Sprachwissen versteht er ein Wissen über Formulierungen, die in wissenschaftlichen Texte bewusst eingesetzt werden können, zum Beispiel um Vorsicht bzw. Distanz zu einer Position zu signalisieren.

Anschließend gab es zahlreiche Workshops und einige Vorträge, alle vorbereitet von verschiedenen Schreibzentren. Unser Schreibzentrum war vertreten mit einem Workshop über die Gestaltung von Konferenz-, Lehr- und Schreibzentrumspostern, den Anja Poloubotko und Michal Zytyniec durchführten. Marlene Schulze und Katrin Girgensohn erprobten in einem weiteren Workshop die „beschreibende Gliederung“, eine Methode im Rahmen der Peer TutorInnen Ausbildung nach Kenneth Bruffee. In anderen Workshops wurden kreative Methoden in der Schreibberatung erprobt und diskutiert, in eine Google+-Community für Peer Schreib TutorInnen eingeführt, Mission Statements für Schreibzentren entwickelt, Beratungsmethoden ausprobiert, Forschung zu Mehrsprachigkeit in Schreibzentren vorgestellt und vieles mehr. Wir konnten zahlreiche neue Impulse mitnehmen, uns mit anderen austauschen und gemeinsam neue Ideen entwickeln.

Der zweite Teil der Tagung war als ein Open Space gestaltet. Ein Open Space ist ein sehr offenes Format, bei dem sich mehrmals Gruppen zusammenfinden, um gemeinsam Themen zu bearbeiten. Zur Einstimmung gab Katrin Girgensohn einen Rückblick auf die Geschichte der Schreibzentren in Deutschland und auf die vielen Erfolge, die wir schon dem Engagement von Peer TutorInnen zu verdanken haben, wie zum Beispiel die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten oder die Fachzeitschrift JoSch (Journal der Schreibberatung). Dieser Rückblick machte Lust darauf, über eigene Themen und Anliegen nachzudenken und diese einzubringen. Die Themen wurden von den Anwesenden gesammelt und dann bestimmten Decken zugeteilt. Decken deshalb, weil die Gruppen sich auf Decken und Kissen gruppierten. In vielen Gruppen wurden Themen aus den voran gegangenen Workshops wieder aufgegriffen und weiter besprochen oder bearbeitet. Andere beschäftigten sich mit darüber hinaus gehenden, die Peer TutorInnen betreffenden Themen. So entstanden z.B. konkrete Pläne für ein gemeinsames Wiki mit Schreibmethoden für Schreibberatungen und Schreibworkshops. Auf einer anderen Decke überlegten Peer TutorInnen, die demnächst mit dem Studium fertig werden, wie es im Anschluss an das Studium für sie weitergehen kann: Wo lassen sich die in der Schreibberatungspraxis gewonnenen Kompetenzen im Beruf einbringen? Die Themenvielfalt war spannend und führte dazu, dass viele als „Hummeln“ von einer Decke zur anderen fliegen wollten. Das Format des Open Space erlaubt das Hummeln ausdrücklich. Doch meistens waren die Diskussionen dann doch so spannend, dass die Hummeln an den Decken hängen blieben.

Auch der Sonntag wurde noch einmal im Open Space Format gestaltet. Diesmal ging es dabei darum, Anliegen zu bearbeiten, die über die Peer TutorInnen Konferenz hinaus umgesetzt werden können. Dabei entstanden viele konkrete Vorhaben. So wird die Google+-Community der Peer TutorInnen weiter bestehen, sich über eine gemeinsame Ethik verständigen und auch die Erstellung eines Schreibmethoden- und Schreibworkshop-Wikis begleiten. Es fanden sich auch Peer Tutorinnen zusammen, die dafür sorgen werden, dass auf der im Juli 2014 stattfindenden Konferenz der European Writing Centers Association das Engagement der Peer TutorInnen im deutschsprachigen Raum sichtbar wird. So soll es dort einen Peer Tutor Day geben, eigene Panels für Peer TutorInnen und eine Ausstellung, die die Arbeit und Vernetzung visualisiert. Ebenfalls sehr wichtig ist die Bildung einer Speziellen Interessengruppe (SIG), die die Anliegen der Peer TutorInnen in der neu gegründeten Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung vertreten wird. Die Gruppe möchte sich zum einen der Öffentlichkeitsarbeit widmen und diese Gesellschaft insbesondere bei Peer TutorInnen bekannt machen. Zum anderen möchte sie eng mit der SIG zur Erarbeitung von Qualitätsstandards für die Peer TutorInnen Ausbildung zusammen arbeiten. Die Gruppe formulierte das Anliegen, dass Peer TutorInnen-Ausbildungen bundesweit in Umfang und Inhalten vergleichbar werden, dass verschiedene Beratungsansätze integriert und wechselseitige Hospitationen ermöglicht werden.

Die Peer TutorInnen Konferenz 2013 wird uns lange als eine Veranstaltung in Erinnerung bleiben, auf der wir nicht nur viel von- und miteinander gelernt haben, sondern auf der auch in bildungspolitischer Hinsicht Vieles in Bewegung gekommen ist. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im Rahmen der EWCA Konferenz 2014 in Frankfurt (Oder) und im Rahmen der nächsten Peer Schreib TutorInnen Konferenz 2014 in Frankfurt am Main!

Weitere Eindrücke gibt es übrigens bei Twitter: #ptk13

Anja, Michal, Marlene, Josi, Franziska und Katrin

Welche Fehler können Schreibzentren vermeiden? Aus der Geschichte von Schreibzentren lernen

idea of a writing laboratoryIch lese gerade „The idea of a writing laboratory“ von Neal Lerner. Wer sich mit Schreibzentrumsarbeit befasst wird wissen, dass der Titel anspielt auf den Essay “The idea of a writing center” von Stephen North, ein Essay der sehr viel zitiert wird und als programmatisch gilt für Schreibzentren. Lerner sucht in seinem Buch genau danach – was ist programmatisch für Schreibzentren? Wie sind sie entstanden und wie haben sie sich entwickelt? Und wie wurden sie immer auch geprägt durch die zeitlichen Umstände?

Experimentelles Lernen im Schreiblabor

Bewusst nutzt Lerner dabei den Begriff „Writing Lab“ statt „Writing Center“. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen bezieht er sich damit auf die historischen Wurzeln, denn die ersten Schreibzentren waren „Writing Laboratories“. Zum anderen geht es Lerner auch sehr stark um naturwissenschaftliches Schreiben: um das Schreiben, das im naturwissenschaftlichen Unterricht und in den naturwissenschaftlichen Laboren stattfindet. Naturwissenschaftliches Lernen läuft im Idealfall, so Lerner, über Beobachten und Experimentieren. Diese Art des experimentellen Lernens war es, die zur Entstehung von Schreibzentren – bzw. Writing Labs – führte. Entgegen der in der Literatur verbreiteten Annahme, dass Writing Labs in ihren Anfängen darauf ausgerichtet waren, schlecht Schreibende zu kurieren, ging es laut Lerner ganz am Anfang nämlich um ein reformpädagogisches Experiment. Die Idee der ersten Writing Labs war es, Labore zu schaffen in denen ein experimentelles Lernen stattfindet, ein learning-by-doing, so wie auch in den Lernlaboren der Naturwissenschaftlichen Fakultäten. Writing Labs sollten eine individualiserte Ergänzung sein zum Schreibunterricht im Klassenzimmer und ein eigenständiges Lernen ermöglichen.

Das allererste Schreibzentrum?

In seinem Buch begibt sich Lerner auf Spurensuche und versucht in Uniarchiven und frühen Publikationen das allererste Writing Lab zu finden. Obwohl diese Suche nicht dazu führt, das allererste Schreiblabor zu identifizieren, ist die Recherche, auf die Lerner die Lesenden mitnimmt, sehr spannend.  Leider hat Lerner  viele Zeugnisse dafür gefunden, dass writing labs oder writing clinics sehr bald nach den ersten und aus heutiger Sicht sehr modernen Ansätzen tatsächlich zu Straf- und Heilanstalten für schwache Schreibende wurden, in denen man sie von der “desease of bad writing” heilen wollte. Lerner zeigt allerdings, dass dies weniger dem mangelnden Reformwillen geschuldet war als vielmehr dem erdrückenden Mangel an Ressourcen der English/Composition teacher. Oft hatten ihre Klassen um die 100 Schüler und Labormethoden waren schlichtweg aus Mangel an Kapazitäten nicht möglich.

Lerner warnt ausdrücklich davor, wie leicht experimentellen und reformerischeAnsätze in ihr Gegenteil umschlagen können und zu billigen Möglichkeiten werden, schlecht vorbereitete Studierende abzufertigen und sie außer Sicht zu manövrieren.

Historische Beispiele von Writing Labs und Writing Clinics

Im vierten Kapitel beleuchtet Lerner zwei historische Beispiele genauer. Das eine ist das Writing Laboratory des General Colleges in Minnesota, einem Two-Year-College das 1932 eröffnet wurde. Es sollte diejenigen Studierenden ausbilden, die es nicht auf ein normales College schafften oder dort im Laufe ihres Studiums an den Anforderungen scheiterten. Der Anspruch des Colleges war explizit ein Reformansatz, bei dem es darum ging, mehr Praxisbezug herzustellen und eine Allgemeinbildung zu fördern, von der man hoffte, sie würde die Menschen zu mündigen und verantwortungsbewussten Bürgern machen. Dieses Writing Lab entsprach, wie Lerner zeigt, schon in den 1930er Jahren in Vielem den heutigen Ansätzen. Die Studierenden konnten “writing lab” als Fach wählen, es gab kein First-Year- Composition. Sie verbrachten ihre Zeit schreibend im Lab und bekamen dabei individuelle Unterstützung durch die dort anwesenden Lehrenden, ganz wie in einem naturwissenschaftlichen Labor. Die Wahl der Schreibaufgaben war weitgehend frei. Viele Studierende wählten Schreibaufgaben, die sie für andere Kurse schreiben mussten, andere schrieben literarisch. Allerdings zeigt Lerner anhand der historischen Dokumente, dass auch damals schon fehlende Ressourcen und Überabeitung des Personals ein großes Problem waren und schließlich zum Scheitern des Writing Labs führten.

Das andere Beispiel ist die Writing Clinic am Dartmouth College, einer extrem elitären Einrichtung. Hier wurde die clinic zunächst von einem Studenten eingerichtet, der von sich aus auf die Idee kam, jüngeren Kommilitonen beim Schreiben zu helfen. Da er selbst eine große Affinität zum Schreiben hatte, war der Ansatz zunächst sehr positiv. Aber schon bald sprang auch die Presse, die New York Times, darauf an wie schlecht Studierende schreiben und bald war alles nur noch auf die schlechten Schreibenden ausgerichtet.  In den folgenden Jahren gab es wechselnde Schreibzentrumsleiter von denen keiner mehr als drei Jahre blieb. Der Job muss sehr undankbar gewesen sein. Vor allem war es sehr schwierig, Lehrende dazu zu bewegen, mit der Clinic zu kooperieren. Es gab ein Kommittee, das immer wieder schriftlich an die Lehrende appelierte, schwache Schreibende zu schicken, aber wenig Reaktionen. 1959 erhielt das College dann eine Spende von 60.000 Dollar zur Untersuchung des studentischen Schreibens. Es wurden zwei anerkannte Forscher aus Kansas geholt, Alber Kitzinger und Vincent Gillespie. Kitzinger wehrte sich gegen das Image von der Heilanstalt für „kranke“ Schreibende und meinte, die Lehrenden müsste nicht schwache Studierende identifizieren, sondern anspruchsvollere Schreibaufgaben stellen und diese unterstützen. Kitzinger schloss die Writing Clinic, weil er der Meinung war, dass eine Schreibförderung mit Breitenwirkung die Unterstützung aller Lehrenden braucht. Eine Writing Clinic führe dagegen dazu, dass man als Lehrperson unangenehmen Fälle einfach abschieben kann an die Clinic. Kitzinger bezog sich auf die Tradition von Rhetorik, um Composition als akademische Disziplin zu etablieren. Das heutige Writing Program am Dartmouth College richtet sich explizit auch an gute Studierende und solche, die sich verbessern wollen und ist damit auf einer Linie mit zeitgemäßer Schreibzentrumstheorie und -praxis.

Problematische Folgen guter Absichten

Die beiden Beispiele zeigen, wie schnell gute Absichten problematisch werden können: “What starts off as an experiment can easily become a convenient means of sorting out and marking underprepared students, quarantining them in a clinic until they’re cured of the disease of bad writing.” (S.76) Lerner warnt sehr eindringlich – und anhand zahlreicher Beispiele auch sehr anschaulich – vor dieser Gefahr. Da sich die Problematik, dass Writing Labs unterfinanziert und schlecht ausgestattet sind, leider als roter Faden durch deren gesamte Geschichte zieht, scheint der einfachste Weg, an Ressourcen zu kommen, oft die Argumentation zu sein, dass gezielt Schwächen identifiziert und ausgebügelt werden müssen. Lerner hält dagegen, dass sowohl die Forschung der vergangenen Jahrzehnte als auch die Praxiserfahrung ganz klar zeigt, wie wenig es bringt, sich bei der Schreibförderung auf Fehler und Schwächen zu fokussieren.  Zumal diese „Schwächen“ in der Regel lediglich auf der Sprachoberfläche identifiziert werden. Er beschäftigt sich sogar ein ganzes Kapitel lang mit dem „Project English“, einem staatlich finanzierten Forschungsprogramm aus den frühen 1960er Jahren. Dabei wurden an einigen Universitäten Forschungszentren eingerichtet, die Möglichkeiten der Kompetenzmessung für Schreib- und Lesefähigkeiten entwickelten und daraus Curricula zur Sprachförderung an den High Schools und Colleges entwickelten. Diese staatlich vorgeschriebenen Curricula sollten dazu führen, einen einheitlichen Standard von geschriebenem Englisch zu erreichen. Die entwickelten Curricula entstanden ohne wesentlichen Anteil der Lehrenden, geschweige denn Tutoren, Studierenden oder Schüler. Das Ergebnis waren standardisierte Tests, Grammatik-Arbeitshefte, linguistische Dia-Serien für den Unterricht und vor allem, so Lerner, gähnende Langeweile – aber keine nennenswerte Steigerung der Schreibkompetenzen.

Lerner schlägt vor, dass wir uns wieder auf die Idee von Schreibzentren als Laboren zurück besinnen, die ein anderes Lernen ermöglichen.  Diese Labore dürfen jedoch nicht total außerhalb des Fachunterrichts angesiedelt sein, sondern müssen diesen ergänzen. Dafür ist Zusammenarbeit mit den Lehrenden wichtig, auch wenn sie nicht immer einfach sein mag: „getting faculty to complain about poor student writing is relatively easy. Helping faculty create meaningful opportunities for students to write and receive response is not.” (S.103)

Wird studentisches Schreiben immer schlechter?

Mich begeistert Lerners Buch, weil es mir bewusst gemacht hat, dass gute Absichten allein nicht ausreichend sind um Schreibzentren zu etablieren. Die Vorstellung von Schreibzentren als Nachhilfeinstitutionen für all die nicht genügend vorbereiteten Studierenden, die nun an unsere Universitäten strömen, begegnet mir allenthalben. Aus Lerners Buch lässt sich lernen, wie sich genau dieser Mechanismus immer wieder wiederholt: Die Universitäten müssen sich öffnen und dann werden Klagen laut, wie schlecht die heutigen Studierenden schreiben: „We periodically learn that ‚Johnny can’t write‘ and that a crisis in students’ literacy skills means that civilization as we know it is going to hell.“ (106) Ob Studierende wirklich schlechter vorbereitet sind, lässt sich nicht beweisen. Auch für den deutschsprachigen Raum lassen sich genau diese Klagen seit rund 200 Jahren nachweisen. Thorsten Pohl hat das in seinem Buch „Die studentische Hausarbeit“ getan. Eine Reaktion auf diese Klagen scheint aber immer wieder zu sein, dass Forschungsprogramme aufgelegt werden, die messen was sich kaum messen lässt. Es folgen kurzfristige Maßnahmen, mit denen das Schlimmste verhindert werden soll und die möglichst wenig kosten, aber große Breitenwirkung erzielen sollen. Was Studierenden wirklich helfen würde ist eigentlich bekannt. Sie brauchen interessierte Leserinnen und Leser, die sie dabei unterstützen zu verstehen, wie akademisches Schreiben funktioniert, warum sie überhaupt schreiben, in welchem Kontext sie schreiben und wie sie beim Schreiben immer auch ihre eigene Identität verhandeln. Ein solcher Ansatz geht weit über Messbares hinaus, und auch weit über das, was viele unter Schreibfertigkeiten verstehen. Aber er kann damit im Hochschulkontext auch wesentlich mehr leisten und zum Beispiel den Umgang mit Diversität und eine studierendenzentrierte Lehre unterstützen. Nur geht das alles gar nicht ohne eine vernünftige und langfristige Finanzierung!

Besorgniserregender Schreibzentrumsboom

In diesem Sinne finde ich den eigentlich wirklich wunderbaren „Boom“ von Schreibzentren an Hochschulen, der sich derzeit beobachten lässt, zugleich auch besorgniserregend. Denn die neuen Schreibzentren bauen fast alle – wie leider auch viele der alten –  auf befristete Projektgelder und sind häufig nicht in dem Maße ausgestattet, wie es eigentlich nötig wäre. Hinzu kommt, dass die staatliche Forschungsförderung ganz stark auf Kompetenzmessungen ausgerichtet ist, die der Arbeit von Schreibzentren nicht gerecht werden. Wie wir uns dieser Ausrichtung auf messbare Ausmerzung von Fehlern und auf Nachhilfe entgegenstellen können, wenn wir zugleich auf Fördergelder angewiesen sind, weiß ich derzeit auch nicht. Lerners Buch ist aber auf jeden Fall ein guter erster Schritt um sich bewusst zu machen, was es in der Geschichte von Schreibzentren alles schon gab und welche Fehler sich vielleicht vermeiden lassen, wenn wir uns dieser Geschichte bewusst sind – auch wenn sie in einem anderen Land stattfand. Und darüber hinaus sei das Buch auch all jenen empfohlen, die sich mit dem Schreiben in Naturwissenschaften befassen.

Call for Papers: die Konferenz der European Writing Centers Association 2014 an unserem Schreibzentrum

Postkarte EWCA Konfernez 2014 2014 werden wir die Konferenz der European Writing Centers Association an der Viadrina ausrichten. Die Vorbereitungen laufen schon und wir freuen uns sehr auf das Ereignis!

Mittlerweile ist der Call for Papers draußen. Bis Ende November können Vorschläge eingereicht werden. Natürlich wollen wir keineswegs tatsächlich papers im Sinne von abgelesenen Vorträgen. Vielmehr sind wir gespannt auf lebendig vorgetragene Forschungsergebnisse, Konzepte und Ideen. Außerdem möchten wir möglichst viele Workshops anbieten, denn wenn man gemeinsam etwas ausprobiert und erarbeitet lernt man oft am Meisten. Wer Schreibzentren, Events oder Ideen vorstellen möchte kann dies auch in Form von Postern oder Pecha Kucha Sessions tun.

Um das Netzwerken vor Ort zu unterstützen werden wir Raum lassen für Special Interest Groups. Wer sich also zu bestimmten Themen oder auch zu Regionalgruppen mit anderen zusammen tun möchte, kann die SIGs dafür nutzen. Ein Open Space-Format am Ende der Konferenz soll neue Kooperationen anstiften.

Natürlich wird auch der informelle Austausch nicht zu kurz kommen. In guter EWCA-Tradition wird es zum Auftakt nicht nur einen Empfang geben, sondern auch ein kreatives Schreibevent für alle, die Lust haben auf diese Weise neue Leute kennen zu lernen oder alte Bekannte wieder zu treffen. Statt eines Konferenz-Dinners planen wir einen fröhlichen Grillabend auf der Insel Ziegenwerder in der Oder. Und wer zum Abschluss noch etwas Geschichte erfahren möchte, fährt mit uns zum Museum für DDR-Alltagskultur nach Eisenhüttenstadt. Weitgereiste können die Gelegenheit nutzen, um nach der Konferenz eine Polenreise zu machen.

Wir hoffen auf zahlreiche Beiträge! Und obwohl wir auf der Konferenz Englisch miteinander reden werden, freuen wir uns auch auf Beiträge auf Deutsch, Polnisch oder Französisch.

Neue PeerTutoring-Ausbildung an der Viadrina: Die ersten Abschlüsse wurden gefeiert

Der letzte Freitag der Vorlesungszeit im Sommer 2013 war ein ganz besonderer Tag an der Europa-Universität Viadrina. Die Abschlusspräsentationen der frisch ausgebildeten Peer TutorInnen fand im Schreibzentrum satt.

IMG_8398Das Schreibzentrum hatte mit seinem Konzept des Peer Tutorings (PT) 2011 die KollegInnen anderer Abteilungen der Viadrina überzeugen können, dieses als ein zentrales Element in den Antrag der Viadrina im Qualitätspakt Lehre aufzunehmen. Auch das BMBF ließ sich überzeugen und so konnte die Viadrina ab April 2012 das Konzept des PT auf die gesamte Universität ausdehnen. Die Ausbildung der Schreib Peer TutorInnen ist damit ein Teil einer gemeinsamen, universitätsweiten Ausbildung geworden.

Im neu entstanden Zentrum für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen http://www.europa-uni.de/de/struktur/zfs/index.html werden mit Beteiligung des Schreibzentrum, des Zentrums für Interkulturelles Lernen und des Career Centers Studierende als Peer TutorInnen für alle drei Fakultäten der Viadrina ausgebildet. Sie arbeiten anschließend entweder in der Fachlehre oder als  Peer TutorInnen für Interkulturelle Kompetenzen, für allgemeine Schlüsselkompetenzen und für das Schreiben.

„Der Begriff des Peer bedeutet unter anderem Kollege, Gleichaltriger, Gleichgestellter. Peertutoring ist demnach eine Lern- bzw. Beratungssituation zwischen Gleichgestellten. Im Gegensatz zu einer klassischen Beratungssituation, beispielsweise zwischen Dozentin und Studierendem, gibt es hier kein Autoritätsverhältnis, sondern eine symmetrische Machtbeziehung zwischen der Tutorin und ihrem Kommilitonen.
Wesentlich beim Peer Tutoring ist, dass die Tutorin oder der Tutor kein Hilfs- oder Ersatzlehrer ist. Peer TutorInnen bieten Hilfe zur Selbsthilfe an und agieren als Lernbegleiter. Durch Moderations- und Beratungstechniken werden Kommilitonen dazu angeregt, eigene Lernprozesse und Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und ihr eigenes Handeln zu reflektieren. Im Einzelgespräch, in der Peer Gruppe oder im Peer Training entstehen gemeinsam Ideen für Lernwege und zur Lösung von Problemen.“
(Quelle: http://www.europa-uni.de/de/struktur/zfs/peer-tutoring/Was-ist-PT1/index.html 31.07.2013).

Die Ausbildung ist folgendermaßen aufgebaut:

AusbildungsgrafikNEU

Das Grundmodul „Wissen schaffen im Team“ belegen alle Peer TutorInnen gemeinsam, dann gehen sie je nach Interesse in die fachspezifischen Module. Die SchreibtutorInnen besuchen beispielsweise im Modul „Lernprozesse begleiten“ das Seminar „Wissenschaftliches Schreiben lernen und Schreibprozesse begleiten.Anschließend absolvieren sie das Modul „Peer Tutoring in der Praxis“ mit dem Seminar „Theorie und Praxis der Schreibberatung“.

Die Peer TutorInnen für Interkulturelle Kompetenz belegen auch zuerst gemeinsam mit allen anderen zukünftigen Peer TutorInnen das Grundlagenmodul „Wissen schaffen im Team“ um anschließend das  fachspezifische Modul „Lernprozesse begleiten“ „Peer Tutoring für Interkulturelle Kompetenz im Hochschulkontext – Methoden, Beratung und Workshops“ zu belegen. Abschließend nehmen sie im Modul „Peer Tutoring in der Praxis“ am Seminar „Peer Tutoring in der Praxis – Begleiteter Praxiseinsatz“ teil.

Alle Module sind im Curriculum der Universität verankert und alle Studierende können die Seminare besuchen, auch wenn er/sie nicht beabsichtigt, Peer TutorIn zu werden. Die kontinuierliche Arbeit an einem reflexiven ePortfolio im Modul E-Portfolio- Gespräch (http://www.mahara.at/) ist ebenfalls ein Element, welches die gesamte Ausbildung begleitet.

 

Bei der Abschlusspräsentation stellten die Peer TutorInnen ihr Präsentationsportfolio, welches aus einer Vorstellung aller besuchten Module besteht und ihre wichtigsten Lern- Und Lehrerfahrungen dokumentiert.

IMG_8350Ich war tief von der Abschlussveranstaltung beindruckt, da alle frisch ausgebildeten Peer TutorInnen unglaublich viel für die Ausbildung geleistet hatten. Sie haben sich theoretisch und praktisch umfassend mit ihren jeweiligen Fachgebieten auseinandergesetzt, alles ständig in ihrem ePortfolio dokumentiert und reflektiert.

 

 

 

 

 

IMG_8359Ein Peer Tutor äußerte er habe gelernt, dass Gruppenarbeit nicht einfach so funktioniert und das eine Gruppe wegen einer durchdachten Methode so gut funktionieren kann. Viele Peer TutorInnen äußerten, sie haben Methoden kennen gelernt, die sie in ihrer zukünftigen Arbeit an der Universität einsetzen können und später auch als Dozierende in ihren Seminaren verwenden möchten. Einige erklärten, sie haben reflektieren gelernt. Bisher wurden sie zwar immer – bereits in der Schule-  aufgefordert zu reflektieren, aber niemand erklärte ihnen wie die Textsorte Reflexion aufgebaut ist…

 

 

 

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Mich faszinierten außerdem die Produkte der Teams, die das Grundlagenmodul „Wissen schaffen im Team“ besucht hatten. Ein Team entwickelte eine Methodenkiste für Peer TutorInnen, die didaktische Methoden zum Lernen oder zur Begleitung von Gruppenprozessen benötigen. Diese Kiste steht im Schreibzentrum und kann von allen Peer TutorInnen verwendet werden.

MethodenkisteEin weiteres Team entwickelte einen polnisch/deutsch/englischen Leitfaden für interkulturelle Katastrophen. Diese grafisch schön gestaltet Broschüre erklärt mit einem Augenzwinkern Studierenden, die an der Viadrina zu studieren beginnen, welche interkulturellen Fettnäpfchen es gibt, in die sie treten können.

Ein Leitfaden zu erfolgreichen Gruppenarbeit eines weiteren Teams fundiert die satirische Broschüre wissenschaftlich. Es entstanden auch Filme. Ein Film setzt sich mit der Frage auseinander, was eine gute Leitung ausmacht. Zu sehen waren unter anderem lauter Leitern und Leitungen.

Ich war begeistert von allen Studierenden. Sie haben eine sehr arbeitsintensive und umfangreiche Ausbildung absolviert, unglaubliche nützliche Produkte für weitere Studierende und Peer TutorInnen entwickelt. Selten habe ich als Lehrende erlebt, dass alle Studierende, trotz des großen Arbeitsumfangs alle mit ihren Leistungen pünktlich fertig waren, sogar Produkte erschufen und so fundierte und mit so viel Liebe zum Detail und kreativer Kraft ihre ePortfolios gestalteten.

Für uns, die die Ausbildung entwickelt haben und sehr viel Arbeit und Zeit in den Aufbau des Zentrums für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen und in die neue Ausbildung der Peer TutorInnen gesteckt haben, war es ein unglaublich schönes Geschenk, die Früchte sehen zu können, die durch dieses Projekt immer reifer werden, wachsen und teilweise bereits geerntet werden können. Es gibt viele Momente, in denen ich meinen Beruf liebe und einer ist, wenn ich sehe, was Studierende geschaffen und entwickelt haben.

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