Madison Area Writing Center Colloquium

Einmal im Monat gibt  es hier ein Writing Center Colloquium für die ganze Region. Ziel ist es, Graduate Students, die vorhaben, später professionell im Schreibzentrumsbereich arbeiten, die Möglichkeit zu geben, in das Feld hineinzuwachsen. Auch Undergraduates sollen die Möglichkeit bekommen, mehr zu erfahren über Schreibzentrumsarbeit, wenn sie das möchten. Und professionelle Schreibzentrumsleute aus der ganzen Region bekommen hier die Gelegenheit, sich über Berufliches auszutauschen und sich zu vernetzen.

Bei dem Colloquium am Donnerstag waren ca. 20 Leute anwesend, die sich bunt gemischt aus den drei oben genannten Gruppen zusammensetzten. Thema des Abends war, ob und wie Schreibzentren mit Lehrenden zusammenarbeiten sollten, d.h. Aufgaben von writing-across-the-curriculum-Programmen übernehmen sollten. Der Austausch zu diesem Thema basierte auf drei Kapiteln aus dem Buch „Academic Writing Consulting and WAC“ von Jeffrey Jablonksi (von 2006).

Ich fand die Texte aus zwei Gründen interessant:

Methodisch könnte das Vorgehen von Jablonski für mich zu einem Vorbild werden für mein eigenes Vorhaben, Schreibzentrumsleiterinnen und -leiter zu interviewen und deren Wissen zu abstrahieren. Jablonski stellt nämlich vier Leute vor, die verschiedene Erfahrungen mit dem Aufbau von Kooperationen mit Lehrenden haben und die er ausführlich und mehrfach interviewt hat. Er sieht in seinem Vorgehen eine Möglichkeit, kritische Reflexionen über vergangene Praxis anzuregen. Mir hat gut gefallen, wie er Interviewteile in seine Porträts einbaut, die Leute also selbst sprechen lässt, und dann seine Reflexionen anschließt: lesenswert!

Inhaltlich haben mich die Texte angeregt, darüber nachzudenken, wie sich Zusammenarbeit mit Lehrenden besser gestalten lässt. Einerseits gibt es die klassischen „service-orientierten“ Modelle, bei denen man Workshops anbietet oder in 1:1-Gesprächen bei der Entwicklung von Schreibaufgaben und schreibintensiven Settings hilft. Darüber hinaus gibt es aber auch die Möglichkeit, in Form gemeinsamer Forschungsprojekte herauszuarbeiten, was und wie in den Fächern geschrieben wird und wie sich das am besten vermitteln lässt. Jablonski schlägt für solche Zusammenarbeiten vor, gemeinsame Forschungsanträge zu schreiben und immer auch Publikationen zu planen, damit beide Seiten in ihren Rollen als Experten und Forschende ernst genommen werden.

Das Colloquium war für mich ein guter Anstoß, mich mit den Texten zu befassen und darüber nachzudenken, Schreibzentren auch in dieser Richtung weiter zu denken. Wie Brad so schön meinte: Es ist für ein Schreibzentrum zunächst das wichtigste, ein gutes Team und gute interne Zusammenarbeit aufzubauen. Das ist wichtig, weil man nur guten Gewissens Öffentlichkeitsarbeit machen kann, wenn man weiß, dass das eigene Team professionelle, gute Arbeit macht. Aber wenn man an diesem Punkt stehen bleibt, verpasst man auch Chancen, weiter zu gehen und die Unikultur nachhaltiger zu verändern.

Natürlich ist das immer auch eine Frage der Ressourcen. Auch dafür fand ich den Text erhellend: eine Frau beschreibt darin, dass sie erst gemerkt hat, wie sehr sie sich eigentlich überarbeitet und für ihr Schreibzentrum aufreibt, als sie mit zwei verschiedenen Schuhen an den Füßen in der Uni rumlief. Notiert habe ich mir: „A writing center’s efforts should match ists resources“. Andererseits: wenn wir uns an dieses Credo immer gehalten hätten, wären wir in Frankfurt (Oder) nicht da, wo wir jetzt sind!

Über diese Frage hätte ich im Colloquium gerne noch mehr geredet, aber die Zeit verging wie im Flug und dazu sind wir nicht mehr gekommen. Vielleicht beim nächsten Mal!

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One Response to Madison Area Writing Center Colloquium

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