Peer Tutoring leicht gemacht – die gelben Seiten für Schreibberatung

ImageLaut Eigenwerbung des Telefonbuchverlags kennen 97,8 % der Personen über 20 Jahre in Deutschland Gelbe Seiten, 58,8 % nutzen Sie regelmäßig. Bei uns im Schreibzentrum ist nun seit einem halben Jahr ein Buch in regem Gebrauch, das wir auch nur noch „das gelbe Buch“ nennen und das für die Schreibzentrumszunft in kürzester Zeit auf ähnlich gute Werte für Bekanntheitsgrad und Nutzung kommen dürfte. Die Rede ist natürlich von „Zukunftsmodell Schreibberatung“, dem Anleitungsbuch zur Begleitung von Schreibenden im Studium. Geschrieben wurde es von vier ehemaligen Peer TutorInnen, die alle mittlerweile die Schreibzentrumsarbeit zu ihrem Hauptberuf gemacht haben. Ella Grieshammer, Franziska Liebetanz, Nora Peters und Jana Zegenhagen brennen für ihr Thema. Ihre Begeisterung für Schreibberatung und Schreibdidaktik steckt an und ihre umfassenden Kenntnisse beeindrucken – da bleibt wirklich kein Aspekt Außen vor.

So enthält das Buch zunächst einen umfangreichen theoretischen Teil, der viel Hintergrundwissen anschaulich erklärt. Dargestellt wird was Schreibberatung überhaupt ist und sein kann – auch jenseits des Schreibzentrums in Sprechstunden von Hochschullehrenden oder in Studienberatungen. Es folgen Einführungen zu den Themen Schreibkompetenz, Schreibprozesse, Schreibtypen und -strategien, Lesekompetenz und Leseprozesse. Zusammenfassend erläutert dann ein Kapitel, was für vielfältige Anforderungen wissenschaftliches Lesen und Schreiben stellen und wie man Schwierigkeiten erkennen und erklären kann. Zu jedem Kapitel gibt es Anregungen für die Lesenden zum Weiterdenken und weiterführende Literaturhinweise.

Der zweite Teil des Buches widmet sich dann ausführlich dem Thema Schreibberatung. Es geht um Aufgaben und Grenzen von Schreibberatung, um verschiedenste Settings und um wichtige Grundsätze. Mit vielen Beispielen wird illustriert wie Schreibberatungsabläufe gestaltet werden können, wie Gesprächstechniken wirken und helfen oder wie konstruktives Feedback auf Texte gegeben werden kann. Damit in der Schreibberatung nicht nur gesprochen wird, stellt das Buch auch viele Schreibtechniken vor, sortiert nach den verschiedenen Phasen von Schreibprozessen, in denen sie besonders nützlich sind. Zu jeder Technik wird überlegt, was im Anschluss an den Einsatz der Technik im Gespräch thematisiert werden sollte und worauf zu achten ist.

Natürlich befassen sich die Autorinnen auch mit schwierigen Beratungssituationen. Auch hier ist das Buch durch die Fallbeispiele sehr anschaulich. Auch wenn die Beispiele fiktiv sind merkt man deutlich, dass sie auf der langjährigen Erfahrung der Autorinnen basieren.

Wie schon angedeutet ist das gelbe Buch gar nicht mehr wegzudenken. Es gibt im Schreibzentrumsalltag nichts, was man dort nicht nachschlagen könnte. Für uns kommt das Buch genau zum richtigen Zeitpunkt, weil wir die Ausbildung für unsere Schreib Peer TutorInnen verändert haben. Da wir an der Viadrina mittlerweile Peer TutorInnen in verschiedenen Bereichen auch außerhalb des Schreibzentrums ausbilden, sind wir dabei, neue Strukturen zu schaffen. Ein Teil der Ausbildung widmet sich zwar dem kollaborativen Arbeiten und dem Peer Tutoring, hat aber nicht direkt mit dem Schreibzentrum zu tun. Unsere neuen Peer TutorInnen kommen nun zwar schon gut vorbereitet und haben auch schon ein Seminar zum wissenschaftlichen Schreiben besucht in dem sie viel Feedback geben und nehmen, aber der Teil der Ausbildung der direkt im Schreibzentrum stattfindet ist kürzer geworden. Es ist großartig, dafür nun ein Buch zur Hand zu haben, in dem alles Wesentliche zu finden ist.

Und auch im Sinne einer Qualitätssicherung wissenschaftlicher Schreibdidaktik ist dieses Buch ein großer Schritt nach vorn. Denn einerseits bietet es auf knapp 300 Seiten einen umfassenden Überblick und ermöglicht so auch Neueinsteigenden, sich gründlich weiterzubilden. Und andererseits ist es inhaltlich vielfältig. Es wird sehr deutlich, dass es nicht die eine richtige Art gibt, Schreibberatungen durchzuführen und auch keine Patentlösungen oder gar ein Schema X.

Da bleibt am Welttag des Buchs also nur zu hoffen und zu wünschen, dass dieses Buch nicht nur zum gelben Standard in den Regalen aller deutschsprachigen Schreibzentren wird, sondern auch seinen Weg findet in die Hochschulbibliotheken und professoralen Handapparate!

PS: Wie beim Welttag des Buches üblich: wer diesen Blogbeitrag kommentiert kann das Buch gewinnen! Verlosung folgt am1.5.2013 – bis Mitternacht könnt ihr also noch kommentieren!

About these ads

12 Responses to Peer Tutoring leicht gemacht – die gelben Seiten für Schreibberatung

  1. Daniel sagt:

    Wie wertvoll dieses Buch in so kurzer Zeit für praktizierende Schreibberater ist, mag man auch daran ablesen können, dass mein bei Amazon erstandenes und anschließend an irgendwen “verliehenes” Exemplar seit sieben Monaten den Weg zu mir zurück nicht mehr findet… Ich weiß nur, dass es nach der Ausleihe nochmal verliehen wurde und so nahm es seinen Lauf und trat in die Welt hinaus. Möge es noch mannigfach weiter verliehen worden sein!

    Ich für meinen Teil begehe heute übrigens einen etwas anderen Tag als den des Buches:

    http://www.kleiner-kalender.de/event/tag-des-deutschen-bieres/

    Prosit!

    • Franziska Liebetanz sagt:

      Lieber Daniel,

      leider hast du kein Buch gewonnen. Ich hoffe aber, dass du dein Buch zurück bekommst oder dir gar mal ein weiteres Exemplar in die Hände fällt!

      Viele Grüße aus Frankfurt (Oder) von Franziska

  2. snjoris sagt:

    Oho, ich leide beim Thema “Schreiben” unter Prokastrination – die würde ich gern hinfortlesen!

  3. Christine sagt:

    Klingt, als wäre das ein Buch, was unbedingt zu mir will!!! Ich würde mich jedenfalls frenen!
    Schöne Grüße
    Christine

    • Franziska Liebetanz sagt:

      Hallo Christine,

      dankeschön für deinen Kommentar! Leider wurde dein Name heute nicht gezogen.

      Alles Gute von Franziska Liebetanz

  4. Natalie sagt:

    Hallo :)

    Das Buch hört sich schon ziemlich gut an.
    Ich bin Studentin und muss natürlich auch viele Arbeiten usw. schreiben, da ist solch eine Hilfe natürlich nützlich.

    Lieben Gruß
    Natty

    • Franziska Liebetanz sagt:

      Hallo Natalie,

      leider wurde dein Name nicht gezogen. Aber ich kann dir zwei gute Bücher zum Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten empfehlen:
      “Frei geschrieben” von Judith Wolfsberger und “keine Angst vor dem leeren Blatt” von Otto Kruse.

      Herzliche Grüße von Franziska Liebetanz

  5. Uwe Hermann sagt:

    Das Thema interessiert mich, ich lege dann mal ein Los in den Topf!
    Liebe Grüße
    Uwe

    • Franziska Liebetanz sagt:

      Hallo Uwe,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar. Leider hat die Glücksfee deinen Namen nicht gezogen.

      Herzliche Grüße von Franziska Liebetanz

  6. Rachel sagt:

    Huhu,
    ich würde gern in den Lostopf hüpfen. :)
    LG,
    Rachel (buecherwahn@gmx.de)

    • Franziska Liebetanz sagt:

      Hallo Rachel,

      herzlichen Glückwunsch! Die Glücksfee hat heute deinen Namen gezogen. Ich schreibe dir gleich eine Mail.

      Viel Freude mit dem Buch!

      Franziska Liebetanz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 41 Followern an

%d Bloggern gefällt das: