9. Schreib-Peer-Tutor*innen- Konferenz in Freiburg

*von Diana Koppelt*

freiburg_web

Freiburg im Septembersonnenschein

Die 9. Schreib-Peer-Tutor*innen-Konferenz fand in Freiburg statt. Freiburg ist die Stadt mit den meisten Sonnenstunden in Deutschland, die deshalb auch das Toskana des Südens genannt wird.

Doch nicht nur das erfuhr ich zum Konferenzort: In der Straßenbahn verriet mir eine liebe Einheimische keck, dass hier der Geburtsort des Flammkuchens sei und dieser auch nur hier seine ganzes Geschmacksvolumen entfalten würde.

Sehr dankbar und voller neuer Impulse und Motivationsmomente schaue ich jetzt auf drei Konferenz- tage am Schreibzentrum der PH Freiburg zurück und möchte im Folgenden etwas genauer auf einige schöne Lernmomente eingehen.

Der Mehrwert von funktionierendem Teamwork ist und bleibt essentielle Schlüsselkompetenz eines spannenden Persönlichkeitsprofils und ein notwendiger Dauerbrenner für die Vorbereitung, Durchführung und Evaluation von Konferenzbeiträgen. Dies zeigte sich uns,  Jana, Juliane und mir, ganz praktisch beim Ausführen des unterhaltsamen Schreibzirkus-Events, der Einstiegsdarbietung und interaktiven, alle Teilnehmenden einbindenden, Show.

schreibzirkus2016_web

Jana, Juliane und Diana präsentierten den Schreibzirkus

Hierbei durften wir drei moderieren und dem Publikum die einzelnen Rollen, Charaktere des Zirkus, näher bringen, sowie den Arbeitsauftrag für die nächsten 50 Minuten bis zur Show auf kreative Art und Weise rüberbringen. Besonders beim Einlaufen, dem Moment des Übergangs von der Rede des Rektors zur  Präsentation des Zirkusevents, spürte ich, wie wichtig gute Gruppendynamik ist. So konnten wir für einen kurzen Moment aus unserer Haut fahren und echtes Zirkusfeeling erzeugen, indem wir tanzend, Konfetti werfend und jauchzend zur Bühne liefen. Ab diesem Zeitpunkt lag die Aufmerksamkeit des Publikums auf unserer Seite und spätestens ab jetzt war ein Aufschwung in der Stimmung zu bemerken.

schreibzirkus_jongleur

Die Jongleur*innen haben Wörter gezähmt — alles aus dem Wort „Schreibprozess“

Die Darbietungen der sich dann passend zu den Rollen gefundenen Gruppen überzeugten uns darüber hinaus alle davon, dass ein tiefgründiger, emotionaler und gleichzeitig unterhaltsamer Einstieg in die Schreibthematik jederzeit möglich und sogar gewünscht ist.

Die von mir besuchten Workshops drehten sich um die Themen direktive vs. nicht-direktive Gesprächsführung sowie der Kunst des Fragen-Stellens. Besonders in den Rollenspielen und der daran gekoppelten gemeinsamen Reflexion und Diskussion in 3er-Teams mit jeweils einer ratsuchenden Person, einer beratenden Person sowie einer beobachtenden Person, zeigte sich mir die Wirkung und Nachhaltigkeit von folgenden Gesprächstechniken: offenen vs. geschlossenen Fragen, aktives Zuhören, Spiegeln, Paraphrasiere, Herausforderns und  Konfrontieren.  All diese Gesprächstechniken sind mir bereits aus meiner Ausbildung zur studentischen Schreib-Peer-Tutor*in bekannt. Jedoch ergaben sich nach beinahe zwei Jahren Berater*innen-Tätigkeit am Schreibzentrum der Viadrina dennoch bestärkenden Lernmomente zur Effektivität und Wirkungsreichweite dieser Techniken für mich. Indem ich mich beispielsweise noch einmal im Modus des spielerischen Ausprobierens noch einmal beraten ließ, wiederholten sich „Aha“-Momente, die ich bereits in meiner Schreibberater*innen-Ausbildung erfahren durfte. Nur lag dem Ganzen diesmal Tiefe und Erfahrung zugrunde, die in der Bestätigung zur Effizienz und Notwendigkeit der Tätigkeit abgerundet wurde. Wieder einmal zeigte sich, wie produktiv der verbale Austausch zum aktuellen Schreibprojekt sein kann, wenn es eine neutrale, zuhörende Person gibt, die nur gelegentlich durch bestimmte Gesprächstechniken in den Redefluss einwirkt und somit zur Vervielfältigung der Gedanken und eigenständig generierten Erkenntnissen der sprechenden und schreibenden Person beiträgt. Zusammenfassend lässt sich konstatieren: Die Genialität liegt im Einfachen. In diesem Fall im dynamischen Austausch einer ratsuchenden und einer geschulten beratenden Person.

Im Zusammenhang mit der Keynote von Daniel Spielmann (akademischer Mitarbeiter an der Goethe-Universität Frankfurt/Main) zur sprachsensiblen Schreibzentrumsarbeit nehme ich gekoppelt an die oben aufgeführten Workshop-Themen die Erkenntnis mit, dass ich zukünftig noch mehr auf potentiell wertende Äußerungen achten und mich dahingehend noch bewusster damit auseinander setzen will. Häufig mischen sich schnell persönliche Interpretationen und Wertungen in den verbalen Output, die potentiell zur Verengung von Beratungsmöglichkeiten führen können. Das Geheimnis einer gelungenen Beratung jedoch liegt für mich in einer sich zu einem Ziel zuspitzenden Kommunikation, die im Idealfall von Erkenntnisprozessen der ratsuchenden Person begleitet wird.

Ein wunderbarer Moment der Verselbstständigung der Teilnehmenden-Kommunikation ergab sich auch in dem von mir gegebenen Workshop zu den „(Inter-)nationalen Tandems für Schreiben und Austausch“. Zu folgenden Leitfragen und Gesprächsanregungen ergab sich wie von selbst ein langwieriger und tiefgründiger Austausch:

  • „Schreiben – ein Werkzeug …“
  • Welcher Schreibtyp bist du?
  • Was sind aktuelle Anliegen an deinem Schreibzentrum?

Kurzzeitig dachte ich anfangs mit der Frage „Welcher Schreibtyp bist du?“ ein eher bekanntes als spannendes Fass aufzumachen. Jedoch bestätigte mir die rege Gesprächsbereitschaft der teilnehmenden Personen des Workshops, dass gerade der Austausch zu Basisanliegen bis heute nicht an Relevanz eingebüßt hat. Im Gegenteil: Ich bemerke seit einiger Zeit, dass die Auseinandersetzung mit Basisthemen (z.B. Gesprächsführung, Fragen stellen etc.) verstärkt wieder gewünscht wird und plädiere zu Workshops solcher Gestalt.

team_freiburg

Das Lieblingsteam

Die Konferenz war auch diesmal wieder ein Raum des Lernens von meinen Team-Mitgliedern. Im informellen Rahmen eines Restaurantbesuchs mit meinem Lieblingsteam durften wir auf vergnügliche und zugleich tiefgründige Art und Weise Basislektionen zum Auftreten und Benehmen als Frau im öffentlichen Raum erhalten. Ich fühle mich darin ermutigt, meinen Platz noch bewusster einzunehmen und meiner Stimme, meinen Ideen und Kommentaren, noch proaktiver Gehör und Sichtfeld zu verleihen, was einerseits durch bewussten Sprachgebrauch und andererseits durch Mut zum Gesehen-Werden geschehen kann.

Writers‘ Circus

schreibzirkus2016_web

Jana, Juliane and Diana presenting the writers‘ circus at the peer writing tutor conference 2016 in Freiburg, Germany

 

The Writers‘ Circus is a writing event developed at the writing center at European University Viadrina in Germany. The writers‘ circus invites big groups to exchange ideas about writing in a playful and creative way. Participants come together in small groups and create circus performances, each group orientated at one circus character. Eventually, all groups come together and share their results by creating a common circus show.

The writers‘ circus is fun and a meaningful warm-up for conferences as well as for writing center team meetings.

We had fun with the writers‘ circus at several events:

Would you like to run a writers‘ circus? Download here:

English Version: writers-circus_cc_license

German version: schreibzirkus_deutsche_version_cc-license

Have fun!

Creative Commons License
Writers‘ Circus by Schreibzentrum Europa-Universität Viadrina is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

 

Schreibzirkus

schreibzirkus2016_web

Jana, Juliane und Diana präsentieren den Schreibzirkus 2016

Der Schreibzirkus oder Writers‘ Circus ist ein Schreibevent, das wir am Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina entwickelt haben. Es eignet sich besonders gut, um in großen Gruppen auf kreative und spielerische Art und Weise miteinander in einen Austausch über das Thema Schreiben zu kommen. Die Teilnehmenden erarbeiten in Kleingruppen verschiedene Zirkusdarstellungen rund um das Thema Schreiben und orientieren sich dabei an verschiedenen Zirkusfiguren. Schließlich kreieren alle gemeinsam eine große Zirkusshow mit verschiedensten Nummern: Großer Spaß und ein tolles Warm-Up für Konferenzen, Tagungen oder auch als Teambuilding-Maßnahme im Schreibzentrum!

Erprobt haben wir den Writers‘ Circus äußerst erfolgreich auf folgenden Konferenzen:

Wer den Schreibzirkus ausprobieren möchte kann sich das Material als pdf herunterladen: schreibzirkus_deutsche_version_cc-license . Es steht unter creative commons license, d.h. es darf genutzt, weiter verbreitet und auch weiter entwickelt werden. Wichtig ist nur, dass es nicht für kommerzielle Zwecke genutzt wird und dass auf unsere Urheberschaft verwiesen wird. Viel Spaß!

Und hier gibt es das Material zum Schreibzirkus zum Download auf Englisch: writers-circus_cc_license
Creative Commons License
Schreibzirkus by Schreibzentrum Europa-Universität Viadrina is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

Creative Commons License
Writers‘ Circus by Schreibzentrum Europa-Universität Viadrina is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

 

EWCA conference 2016 – in the (he)art of success(ful) writing

From 7th to 10th july, our team participated in the European Writing Centers Association’s Conference and the foregoing Peer Tutor Day.

20160709_160150

Looking forward to the keynote (foto: Franziska Liebetanz).

This year, the EWCA Conference was hosted by the Writing Center of the University of Łódz (Uniwersytet Łódzki). Łódz is in the middle of Poland and we went with 10 people from our Writing Center team to the conference. On Wednesday, four of us went by train from Frankfurt (Oder) to Łódz, we enjoyed taking a very slow train, seeing the countryside of Poland and having time to talk and relax. Another colleague of us came by car, because she took her baby and boyfriend with her to the conference. One day later the rest of our team came in the evening. We all stayed in a student dorm next to the University building. The student dorm was a typical old building made from prefabricated slabs, with a lot of levels but not much privacy because of a very light construction. However, it was very close to the conference and in convenient distance to town. We enjoyed being there all together.

As Writing Center of the European University Viadrina we have a special connection to our neighbours from Poland. We work at a University which has a strong partnership with the AM University in Poznan, we have many polish students and of course three of our peer tutors are from Poland. Even some of our Writing Center team speak polish or try to speak more or less. So we all were very excited to travel to Poland, to talk to our polish colleagues, to exchange our expertise with Writing Center work and to learn from our Writing Center Colleagues from all over the world. Two of our peer tutors also gave their workshop in polish to share their experiences with Writing Center work in Poland.

During the conference, the elections for the new EWCA board were hold. The new board constists of nine engaged writing center people from all over Europe and the USA. We are happy to announce that the director of our Writing Center, Franziska Liebetanz, will be the organization’s chair for the next two years. We are sure that she and the other board members will continue the great work of the former boards and help to further advance Writing Center work and the close co-operations of the European Writing Center community.

In the following blog entry, some of our team members want to share their impressions from the conference:

Exploring the Writing Center map

At the conference in Łódz, in the center of Poland, most inspiring to me was getting to know tutors with initiatives at the rather „periphery“  of the European Writing Center map.

20160707_094302

A former factory site in the city, now hosting a lot of alternative restaurants and bars (foto: Franziska Liebetanz).

For example, it was stimulating to hear various stories from the Writing Center of Niš, Serbia, with very committed Peer-Tutors in a kind of „start-up“-setting in the process of establishing itself. Writers coming there do not exclusively refer to an academic context, but might (also) discuss their own creative writing or a motivation letter.

Talking to people from Armenia, the Ukraine and Turkey, the importance of (external) institutional support and funding for sustainable Writing Center work became especially visible. It is good to see how the concept of (peer-)tutoring in academic writing can gain ground in academic contexts to which it (hitherto) might seem unfamiliar.

Being hosted in the center of the Polish Writing Center landscape, Michał Żytyniec and I were excited to hold a session in polish about how Writing Center work can find more ground also in Poland. Deriving partly from our experiences, an interesting discussion evolved, with people differently related and engaged in this field: Coming from a secondary school aiming to bridge the gap to universities, from the Law faculty wishing to teach students writing in English, from the Writing Centre in Łódz … We hope that this initial exchange can be a starting point for a network that helps to bring academic writing more to the center of curricula and university environments in Poland and are willing to contribute to this.

(Pascal)

The Pecha Kucha Sessions

A format that seems to be special at EWCA conferences is that of the Pecha Kucha Powerpoint Presentation. Presenters prepare a presentation with 20 slides, with an automatic change of slides every 20 seconds. The slides should show visual images rather than much text. In Łódz we enjoyed three Pecha Kuchas. In the first one, Olesya Shatunova shared her concept of quick and short writing prompt sessions that she uses to enhance the writing fluency of her students at a Japanese university. Simon Freise presented his ideas about tutoring sessions and writing center encounters that are not “normal” and brought this together with the theoretical framework of the sociologist Zygmunt Baumann about ambivalence, asking where the place of diversity in a Writing Center can be. Kelsey Monzka-Boettiger, Nevena Radulovic, Danilo Asanin, Aleksandra Jankvic, Milena Simic and Stevan Dinic introduced their community writing center in Niš, Serbia, in their Pecha Kucha session. This Writing Center is sponsored by the “American corner”, a local branch of a US-American governmental program. It is the only Writing Center in Serbia and is located outside the university, but inviting students from the university. All the tutors work on a volunteer basis. The short and visual format made these brief insights into three very different topics very inspiring and refreshing.

(Katrin)

My favourite workshop

I really enjoyed the many great talks with Writing Center colleagues from all over the world and the beautiful city of Łódz. Moreover, the conference programme, persisting of a lot of presentations and workshops, was very inspiring to me.

WP_20160710_16_05_55_Pro

Hexagonal writing (foto: Anne Kirschbaum).

On Saturday, I joined the workshop of Katja Günther and Ingrid Scherübl. The method they introduced was the strategic hexagon: Unlike the research pentagon we often use in our Writing Center, this method aims not mainly at planning texts, but is meant to sharpen ones writing process. It sets one off to think about the limitations that the assignment, the norms to follow, the time, the author and the readers set for ones writing project. After I had done the method during the workshop, it felt less painful to me to decide what my next steps would be with the article I currently work on – and to see, which priorities I want to set while working. I guess it will take me some time to go through my insights again and to put them into practice, but still I feel that I progressed some steps in the right direction.

(Anne)

 

Diana und Dilnaz

Exploring the city together with new friends (foto: Dilnaz Alhan).

What belongs into your heart of successful writing?

The EWCA in Łódz touched my heart on several dimensions.

First of all, I enjoyed the lovely and dynamic atmosphere and interactions among all participants with ever-enriching moments, conversations and unexpected happenings. I recognized how easily we can put ourselves into deep talks about our passion concerning our work as well as private things.

Secondly, I was very encouraged to stay stuck to the notion of networking, collaborative work and international tandems, due to the keynote of Brandon Hardy. In order to implement the spirit within our Writing Centers sustainably and all over the surface of the world on a long-term scale, it is essential, that we try to step out of our comfort zones and start thinking processes more outside the box, allowing ourselves to cooperate and work together internationally. I am glad for the respond towards the workshop “International tandem for writing and exchange” my colleague Alyssa and me conducted and all lovely and enthusiastic contributions towards it. It touched my heart to see how the fire of excitement started to spread among the participants of the workshop. Moreover, first blog entries and promises to involve into the project made my heart jumping.

WP_20160707_16_55_07_Pro

Our travel-activity (foto: Anne Kirschbaum).

A nice side effect of the conference was the travel together with my lovely team. We had lots of fun playing a famous German game called “Stadt-Land-Fluss” and replacing the standard categories “city”, “country” and “river” with writing center-related ones such as “type of writer” or “equipment of the writing center”. By this, we developed new types of writers and figured out what belongs into the equipment of a writing center and what not. The new type of writer named “The Radish” became popular within our team: The Radish type of writer likes to write tricky and difficult parts of his or her texts at a very first stage of his or her writing. Furthermore, he or she is in love with challenging kinds of phrases and structures of his or her text. This writer is very eloquent both in written and spoken words.

During the whole time of the conference my heart was dug into an ocean of friendship and the warm atmosphere of belonging. I spent very beautiful moments on our balcony in abstract and philosophical conversations with some team members about the power of love and it’s sometimes appearing impossibility, using the metaphor of an elephant to explain. Moreover, I was deeply touched by the amazing grasp of a hidden value catalog within people hearts. I am thankful in eternity for this conference and the nice community.

Bild Blog klein

Networking at it’s best (foto: Dilnaz Alhan).

“Don’t walk behind me – I may not lead!

Don’t walk in front of me – I may not follow!

Just walk beside me and be my friend!”

(Albert Camus)

(Diana)

 

Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten – ein Rückblick

Vor etwas mehr als einem Monat, am 3. März 2016, veranstalteten wir die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten: Von 16 bis 1 Uhr luden wir Studierende aller Fakultäten der Europa-Universität Viadrina in die Bibliothek ein, um dort an ihren Schreibprojekten zu arbeiten. In der motivierenden Gesellschaft anderer Schreibender und unterstützt durch unser Begleitprogramm aus Workshops und Schreibberatungen konnte die Nacht produktiv genutzt werden. Ob Abschlussarbeit, Falllösung oder Essay – alles, was noch nicht aufgeschrieben oder gedacht wurde, konnte in dieser Nacht besprochen und auf das Papier gebracht werden.

Noch Wochen nach der Veranstaltung sehen wir Studierende, die wir in der Langen Nacht in Workshops, in Schreibberatungen oder am Empfangstisch kennengelernt haben, im Schreibzentrum zur Schreibsprechstunde wieder. Grund genug für unser Team, noch einmal zurückzublicken und unsere Eindrücke von der Langen Nacht niederzuschreiben:

2016-lange-nacht_schreibzentrum-viadrina

„Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten (LNdaH) fühlte sich für mich eher an wie eine „Lange Nacht, um nachts in der Bibliothek mal ordentlich zum Arbeiten zu kommen“. Die Themen der Schreibberatung waren demnach vielfältig; vom Schulreferat bis zur Doktorarbeit. Die Zeit verging schnell, so dass aus meiner Sicht eher eine kurze Nacht daraus wurde. Eigentlich schade, dass es die Gelegenheit zur nächtlichen Kurzweil in der Bibliothek nicht öfters gibt.“ (Pascal)

„Bereits zum 7. Mal haben wir vom Schreibzentrum die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten nun schon veranstaltet – doch es ist immer wieder so aufregend und spannend wie beim ersten Mal im Jahr 2010. Neu in diesem Jahr war für uns der Veranstaltungsort: die Uni-Bibliothek. Von der zentralen Lage auf dem Campus hat die LNdaH in diesem Jahr deutlich profitiert. Viel mehr Studierende als sonst nutzten den Abend, um mit ihren Schreibprojekten voran zu kommen. Die von den Schreib-Peer-Tutor*innen angebotenen Schreibberatungen waren restlos ausgebucht und auch die Workshops wurden sehr gut besucht.“ (Simone)

Schreibberatung LNdaH

Ideenschmiede im Lerncontainer (Foto: Franziska Liebetanz).

„Es war schön, das Schreibzentrum für eine lange Nacht von der Peripherie der August-Bebel-Straße 12 in das Herz der Uni zu verlagern. So konnten wir (auch wenn ich es nur gefühlt habe und nicht statistisch beweisen kann) zusätzlich die Menschen ansprechen, die Tag für Tag in den Fahrstuhl steigen und bis zum Abend den Lesesaal nur für eine Kaffeepause verlassen. Ich glaube, die in die Bibliothek beheimateten disziplinierten Eigenbrötler*innen könnten wir dauerhaft als Zielgruppe gewinnen, wenn wir in Kooperation mit der Uni-Bibo einen kleinen SZ-Ableger in einem der Lerncontainer gründen würden. Quasi jede Woche einen Langen Tag der aufgeschobenen Hausarbeiten!“ (Simon)

„Auch von zu Hause konnte man sich von der Atmosphäre der Langen Nacht anstecken lassen: Auf Twitter war ziemlich viel los. Die Tweets mit dem Hashtag #LNdaH haben einen Einblick in den Ablauf der Langen Nacht in ganz Deutschland ermöglicht. Schöne Fotos wurden gepostet, auf denen einladende Schreibräume und motivierte Schreibende zu sehen waren. Die digitale Teilnahme an dieser Schreibaktion kann auch Spaß machen! Man muss nur aufpassen, Social Media wirklich zur Inspiration und nicht zum Aufschieben zu nutzen.“ (Michał)

„Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten bleibt mir in Erinnerung als ein kleiner Rausch im Land der Schreibdidaktik. Die Gesichter von Ratsuchenden sehe ich vor mir und die dazugehörigen Anliegen hängen noch in meinem Ohr; ob Zitation, Textfeedback oder Hausarbeiten schreiben in Jura. Am Infostand auf die Zielscheibe hinzuweisen – der eigene Arbeitsstand innerhalb der Nacht kann markiert werden – hat Spaß gemacht. Zu sehen, dass Teilnehmende von Workshop zu Workshop an ihren Plätzen blieben und sich eine kleine Stammgemeinschaft abzeichnete, empfand ich als sehr befriedigend. Ich hatte das Gefühl, dass die Bibliothek einen guten Veranstaltungsort bildete. Sie wird von Studierenden ohnehin mit dem wissenschaftlichem Arbeiten verbunden und die LNdaH könnte für die Teilnehmenden das i-Tüpfelchen eben dafür dargestellt haben.“ (Alyssa)

buffett-zugeschnitten

Am Büffet konnten Schreibende ihre Energiereserven auffüllen (Foto: Franziska Liebetanz).

„Mir ist eine Situation während der Langen Nacht besonders im Gedächtnis geblieben; wahrscheinlich weil sie die tolle Atmosphäre spürbar macht, die an diesem Abend herrschte. Ich saß am Begrüßungsstand vor der Bibliothek und war in ein Gespräch mit einem Promovierenden vertieft, als ein Studierender mich höflich, aber doch ungeduldig unterbrach und mich fragte, wo denn die Liste für die Anmeldung zur Schreibsprechstunde hin sei. Er komme gerade aus einer Beratung und sei so begeistert von der Offenheit des Gesprächs und den vielen interessanten Hinweisen, dass er sich sofort noch einmal eintragen wollte. Ich habe ihm die Liste schmunzelnd hingeschoben und ihm geantwortet, dass wir glücklicherweise die halbe Nacht da sind und vorher sogar noch etwas Zeit bleibt, um sich am Büffet zu bedienen. Damit war sein Glück an diesem Abend perfekt, er war von guten Gesprächen und gutem Essen gesättigt.“ (Anja)

Viele bekannte Gesichter von der Langen Nacht nun im Schreibzentrum wiederzutreffen und auch die vielen dankbaren Kommentare von Schreibenden während der Langen Nacht bestätigen unsere eigenen positiven Eindrücke und zeigen uns, dass wir mit dieser Veranstaltung immer wieder aufs Neue für eine veränderte Schreibkultur werben können: eine Schreibkultur, für die Offenheit, konstruktive Rückmeldung und Austausch zentral sind.

Weitere Stimmen zur Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten finden Interessierte unter anderem auch hier:

http://www.wlnjournal.org/blog/2015/03/the-long-night-against-procrastination-2015-a-german-perspective/

https://schreibnacht.wordpress.com/

Von der hedonistischen Funktion des Schreibens und dem sonderbaren Erlebnis, einen Roman gleichzeitig zu schreiben und zu lesen

NaNo-2015-Winner-BannerIn diesem und letztem Jahr habe ich mich immer wieder mit dem kooperativen Schreiben befasst. Es hat mich interessiert, wie das Schreiben von Texten funktioniert, an denen mehrere AutorInnen beteiligt sind. Unter anderem habe ich einen Workshop für NachwuchswissenschaftlerInnen eines Forschungskollegs gegeben, die gemeinsam wissenschaftliche Artikel verfassen wollten, und einen Workshop für unser Schreibzentrum konzipiert, der Schreibberatende darauf vorbereiten sollte, Studierende zu unterstützen, die Hausarbeiten in Gruppen schreiben müssen. Für alle, die diese Themen interessieren, empfehle ich folgende Lektüre: Schindler & Wolfe 2014 sowie Wolfe 2010.

Allerdings werde ich an dieser Stelle NICHT verraten, worin das Geheimnis guter kooperativer Schreibprozesse im akademischen Bereich liegt, sondern möchte berichten von einem Experiment, das sich ganz außerhalb aller akademischen Vernunft bewegt hat. Dieses Experiment hat keine einzige der Empfehlungen für das kooperative Schreiben in der Wissenschaft befolgt und gehört vielleicht auch gar nicht in einen Blog wie diesen, aber es war so aufregend, dass ich trotzdem davon erzählen möchte. Wir haben nämlich zu viert, zwischenzeitlich auch zu sechst, innerhalb von vier Wochen einen Roman geschrieben, zu dem bis zum ersten November diesen Jahres nicht einmal eine Idee existierte. Wir sind vier Autorinnen, die sich aus einer seit vielen Jahren bestehenden Schreibgruppe kennen, die einzig und allein dem Zweck dient, unser Schreiben zu feiern. Anders gesagt: Es macht uns einfach Spaß. Akademisch ausgedrückt: Wir genießen die hedonistische Funktion des Schreibens. Und in diesem Jahr haben wir beschlossen, beim Nanowrimo mitzumachen, dem National Novel Writing Month, dem vermutlich größten Schreibspiel der Welt. Jedes Jahr im November nehmen daran weltweit zigtausende Menschen teil und versuchen, innerhalb eines Monats einen Roman mit 50.000 Wörtern zu schreiben – normalerweise 50.000 Wörter pro AutorIn. In unserem Fall haben wir versucht, die 50.000 Wörter gemeinsam zu schaffen, in einer gemeinsam erdachten Geschichte.

Eigentlich wollten wir uns vor dem Startschuss am ersten November treffen, uns einen Plot ausdenken und das Vorgehen besprechen. Da wir das nicht mehr geschafft haben, zog eine von uns am ersten Tag aus dem Kartenspiel „Geschichtenerfinder“ einen Ort (ein Museum), eine Handlung (eine Verwechslung passiert) und vier Figurenkarten (zwei Spione, ein Journalist, ein frisch verheiratetes Paar und eine Tänzerin). Wir haben uns dann per E-Mail kurz abgesprochen, wer aus der Perspektive welcher Figuren schreiben möchte und dann einfach losgelegt, ohne die geringste Idee, wohin das führen würde.

Als Plattform zum Schreiben haben wir google.docs benutzt. Anfangs haben wir noch festgelegt, wer wann Zeit hat zum weiter Schreiben und sind auch schön linear vorgegangen. Im Laufe der Zeit hat sich der gemeinsame Schreibprozess dann aber verselbständigt und ist so chaotisch geworden, wie Schreibprozesse nunmal sind. So haben wir teilweise gleichzeitig geschrieben (sehr lustig zu beobachten, wenn man gerade online ist und sieht, wie der Text sich wie von alleine weiter schreibt), teilweise auch zwischendurch offline geschrieben und die Szenen dann reinkopiert, und immer mehr auch wild Text produziert, der erst an spätere Stelle gehören würde (hoffentlich), bzw. an frühere Szenen anknüpfte, also in der Handlung zurück lag. Sehr praktisch war dabei, dass die Handlung in einem Museum spielt und wir daher die Gelegenheit hatten, die Texte zu schreiben, die die Ausstellungsstücke erklären, wenn uns mal nichts anderes einfiel. Unser Roman spielt in der Zukunft und das Museum ist ein Museum des vordigitalen Zeitalters, so dass wir so kuriose Dinge wie Festnetztelefone, papiererne Bücher oder Brettspiele beschreiben konnten.

Foto Plotgenerator

Hier entsteht unser Plotgenerator

Bei einem Treffen zwischendurch hat uns eine unserer Mitschreiberinnen, die eigentlich nicht am Roman beteiligt war, mit einem Plotgenerator beglückt und für unverhoffte Wendungen gesorgt: Wir erstellten gemeinsam ein Raster, das viele verschiedene Kombinationen zuließ, was unseren Figuren passieren könnte und was sie tun. Dann haben wir alle gewürfelt und mussten zu den erwürfelten Kombinationen schreiben. So passierte es dann, dass unsere Figuren auf einmal Unterwäsche tauschen oder Türen aufbrechen mussten.

In den letzten zwei Wochen haben wir uns abends oft noch kurze E-Mails geschickt, mit kurzen Andeutungen, was zuletzt wieder alles passiert ist und welche Cliffhänger wir eingebaut haben, um uns gegenseitig zum Weitermachen und Durchhalten anzufeuern. Das war fast wie eine spannende Serie zu gucken oder einen Fortsetzungsroman zu lesen, nur dass wir es zugleich selbst in der Hand hatten, den weiteren Verlauf der Geschichte zu steuern. Es war also zugleich ein Lese- und ein Schreiberlebnis.

Erst am vorletzten Abend haben wir mündlich gemeinsam überlegt, wie wir die letzten 8000 Wörter nutzen könnten, um die Geschichte zu Ende zu bringen. Wir haben den anderen beiden Mitgliedern unserer Schreibgruppe die Geschichte erzählt und mit ihnen gemeinsam überlegt. Wie immer beim Schreiben hat das Reden darüber sehr geholfen und uns fiel auf einmal auf, dass unser Jungvermählter gar nicht so ein unbeschriebenes Blatt ist wie es bis dahin schien. Eigentlich ist er nämlich ein Schurke… Der Endspurt war dann auf einmal gar nicht mehr so schwierig. Zum erstem Mal im ganzen Schreibprozess hatten wir zumindest eine ungefähre Ahnung, worauf die ganze Geschichte hinauslaufen würde. Und wir haben es geschafft! Pünktlich am letzten Abend konnten wir die Geschichte dem Roman-Validierer von Nanowrimo anvertrauen und unsere Siegerinnen-Urkunde einheimsen.

Und ja, natürlich ist die Geschichte nicht druckreif geworden. Es gibt Ungereimtheiten, Sprünge, Längen und sprachliche Abgründe. Aber es ist eine Geschichte entstanden, von der im Oktober noch nicht einmal die kleinste Idee zu ahnen war. Das zu erleben und die Möglichkeit zu haben, eine Geschichte zugleich zu lesen und zu schreiben, war einfach großartig. Vielleicht werden wir irgendwann mal mehr draus machen. Aber erstmal werden wir jetzt unseren Sieg genießen und feiern. Zur Nachahmung empfohlen!

Und am Ende glaube ich sogar, dass ich auch für akademische kooperative Schreibprozesse etwas aus dieser Erfahrung mitnehmen kann. Was für unser Experiment nämlich absolut wichtig war, war die sich mit jedem Tag mehr steigernde Gewissheit, sich auf die anderen Mitschreibenden verlassen zu können. Zu wissen, dass die anderen es auch schaffen wollen und sich reinhängen und die Ideen der anderen mittragen, auch wenn sie vielleicht ganz anders sind als das, was man ursprünglich im Sinn hatte, war unbedingt notwendig für das Gelingen. Sich aufeinander verlassen zu können, ist sicherlich für jedes gemeinsame Schreibprojekt eine Grundvoraussetzung.

Literatur

Schindler, Kirsten; Wolfe, Joanna (2014): Beyond single authors: Organizational text production as collaborative writing. In: Jakobs, Eva-Maria; Perrin, Daniel (Hrsg.) Handbook of Writing and Text Production, Berlin/Boston: De Gruyter, 159-173.

Wolfe, Joanna (2010): Team writing. a guide to working in groups. Boston: Bedford/St. Martin’s.

Geschichten-Erfinder: Kartenspielerei für kreative Köpfe. Editon Büchergilde.

Fünf mal fünf Worte zur 8. Peer-Tutor*innenkonferenz in Hamburg

Logo PTK 15 Foto_ UHH_Schreibwerkstatt Mehrsprachigkeit

Bild: Schreibwerkstatt Mehrsprachigkeit

Vom 17.-19.09.2015 fand an der Universität Hamburg die 8. Peer-Tutor*innenkonferenz statt. Organisiert vom Team der Schreibwerkstatt Mehrsprachigkeit trafen sich rund 100 Schreib-Peer-Tutor*innen und Schreibzentrumsmitarbeiter*innen, um gemeinsam über das Motto „Sprache zum Schreiben – zum Denken – zum Beraten“ nachzudenken und zu diskutieren.

Die Beiträge – Vorträge, Workshops und Posterpräsentationen – näherten sich diesem Thema aus vielfältigen Perspektiven. Unter anderem wurde, so fasste das PTK-Team im Vorwort zum Konferenzprogramm zusammen, Sprache als Gegenstand des Schreibens, als Medium des Sprechens über das Schreiben und als Werkzeug des Sprechens über die Beratung thematisiert. Ein weiterer Hauptpunkt war Mehrsprachigkeit als Ressource für das Schreiben. Im Zug zurück nutzten wir die 5-Wort-Methode, um die Eindrücke der Konferenz zu reflektieren und diesen Blogbeitrag vorzubereiten. Jede*r schrieb schnell fünf Wörter auf, die er oder sie mit der Konferenz assoziierte. Im Anschluss schrieben wir zu diesen Impulsworten jeweils ein oder bis drei Sätze. Die dabei entstandene Sammlung von Eindrücken und Gedanken wollen wir im Folgenden mit Euch teilen:

Warum nicht einmal die Schreibblockade mit einem Sprachwechsel lösen? Mindmaps und Cluster lassen sich auch in anderen Sprachen als der Erst- und Muttersprache erstellen und können zu neuen Gedanken führen. Nutze deine Mehrsprachigkeit als Ressource zur Ideengenerierung, der Transfer aus der Wohlfühl- oder Fremdsprache erfolgt danach in die Zielsprache.

Ich mal mir nicht die Welt, wie sie mir gefällt, aber dafür mein Ich und wenn ja, dann viele. Also platziere ich ein Sprachmännchen auf einem weißen Blatt Papier, male in verschiedenen Farben, Motiven, Mustern und Formen meine Sprachkenntnisse hinein, die meine Identität prägen und bunt machen. Und welche Sprache spricht dein Herz?

Sprachenmännchen_Foto_Diana Koppelt

Mehr Informationen zum Sprachmännchen/Sprachenportrait gibt es hier. (Foto: Diana Koppelt)

Textfeedback kann so bunt sein. Mit Grün markiere ich, was mir auf der Satz- und Wortebene auffällt, mit Gelb inhaltliche Ungenauigkeiten und mit Orange gehe ich auf die Folgerichtigkeit der Argumentationskette ein. Durch die Benutzung eines Farbschemas wird die sprachliche Überarbeitung von der inhaltlichen getrennt und das Textfeedback strukturiert.

Und dann fällt mir mein Keks in der Kaffeepause in die Tasse des*der Peer Tutor*in aus der anderen Stadt, und mir fällt ein, ihn*sie doch einmal nach seinen*ihren Lieblingsberatungsmethoden zu fragen und mit ihm*ihr ein Handout zu besprechen, das ich selbst sehr gerne in der Schreibberatung einsetze. Aus einem Keks werden drei, Kontaktdaten sind schnell ausgetauscht und die überregionale Zweierschaft, ein Peer Tutor*innen-Tandem, kann gestartet werden.

Freewriting mal anders. Falte dein Blatt, schreibe links deinen Gedankenfluss auf und gebe das Blatt an deine*n Nachbar*in. Diese*r kann dein Freewriting dann kommentieren und somit schriftlich darauf Bezug nehmen. Auf diese Weise kannst du zu neuen Aspekten und Ideen gelangen und deinen Text weiter überarbeiten.

Diana Koppelt

Neben den tollen Workshops und Vorträgen waren die vielen Gespräche, die oft ganz informell waren, unheimlich inspirierend. Bei mir hat die Konferenz Lust auf mehr geweckt, erste Ideen für die nächste (S)PTK in Freiburg sind entstanden und ich fahre voll neuer Motivation nach Hause.

Obwohl es Teilnehmer*innen gab, die sich schon kannten, entstand für mich ein Community-Gefühl: wir alle haben ähnliche Ausbildungen und Erfahrungen und sind oftmals ganz unbefangen in Gespräche gekommen.

Mir wurde deutlich bewusst, wie verhältnismäßig wenig Literatur und Forschung bzw. Publikationen es gibt und wie essentiell aktives forschendes Lernen und publizieren in der Schreibzentrumscommunity ist!

Zum ersten Mal gab es auf der PTK digital slots. Da ich selbst keine Erfahrung zu digital slots und möglicher Software und daher Berührungsängste habe, waren für mich gerade diese digital slots besonders spannend. Mein Fazit: teils erschweren technische Probleme die Präsentation, die Vortragsweise und Power Point-Gestaltung ist anders als bei analogen Vorträgen – aber eine großartige Chance! Die Frage bleibt: Wie geht’s jenen, die präsentieren?

Ein wahnsinnig spannendes Thema, mit dem ich mich zukünftig mehr auseinandersetzten möchte: Das Differenzdilemma! Danke dafür an Tina Werner.

Anne Rothärmel

Auf der Konferenz habe ich zusammen mit Juliane Homann einen Workshop zum Thema Schweigen in der Schreibberatung durchgeführt. Der darin entstehende Austausch war sehr anregend und es wurde deutlich, dass die meisten Schreib-Tutor*innen Schweigen eher als Chance denn als Problem betrachten.

So könnte die entstehende Stille beispielsweise Raum zum Weiterdenken oder Verarbeiten von Erkenntnissen bieten oder als kurze Pause vor weiteren Arbeitsschritten genutzt werden.

Vielen Dank and die Hamburger Organisatorinnen!_Foto Leonardo Dalessandro

Vielen Dank and die Hamburger Organisatorinnen! (Foto Leonardo Dalessandro)

Im Workshop zum Thema „Mündliches Feedback für heterogene Studierende“ der Tutor*innen von skript.um und PunktUm aus Bielefeld wurde mir zudem in einer lebhaften Diskussion vor Augen geführt, wie wichtig und bereichernd es ist, seine eigenen Feedbackhaltungen zu reflektieren. Unter anderem wurde die Frage aufgeworfen, ob ein Text von Schreibberater*innen anders wahrgenommen wird, wenn diese wissen, dass der*die Schreibende Nicht-Muttersprachler*in ist.

Auch zeigte sich, dass sich aus den Beratungserfahrungen an der jeweiligen Universität oder Hochschule Feedbackgewohnheiten entwickeln können, die es immer wieder zu hinterfragen gilt.

Außerdem habe ich viele neue Impulse durch die in mehreren Beiträgen stattfindende Auseinandersetzung mit dem Thema Mehrsprachigkeit erhalten.

Anne Kirschbaum

Sehr beeindruckend war der Workshop von Juliane Patz und Ramon Schroeder, die als an anderen Hochschulen ausgebildete Peer-Tutor*innen nun in Magdeburg gelandet sind, wo sie autonome Aufbauarbeit leisten mit der “Initiative wissenschaftliches Schreiben an Magdeburger Hochschulen”.

Schreibprozesse können Wasserräder sein, oder Schrebergärten, Berge, Lauftraining, Schlösser, Einkaufskörbe, Puzzle… – all das kam im Metaphern-Workshop der Peer-Tutorinnen aus Bayreuth ans Licht.

Dass man durch die Arbeit im Schreibzentrum eine Leidenschaft für Wissenschaft entwickeln kann, zeigte sich in fundierten und spannenden Vorträgen und Posterpräsentationen von Peer-Tutor*innen, die Schreibzentrumsforschung aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven angehen.

Schön zu beobachten war die allerorten stattfindende Vernetzung zwischen Peer-Tutor*innen aus verschiedenen Schreibzentren in ganz Deutschland.

Die Begeisterung, aber auch die Professionalität der Peer-Tutor*innen, hat inzwischen zu einer standortübergreifenden Verwurzelung der Schreibdidaktik in Deutschland geführt.

Katrin Girgensohn

Viele Aspekte des Schreibprozesses können wir mit Metaphern und Vergleichen bildhaft machen. In einem Workshop von Peer-Tutor*innen aus dem Schreibzentrum Bayreuth haben wir spannende Vorschläge aus solchen Bereichen wie Bauwesen, Sport oder Reisen ausgearbeitet. Sie sollen uns jetzt helfen, die Inhalte in unseren Veranstaltungen verständlicher darzustellen.

Schreiben in einem Zug_Auf dem Weg zum Blogeintrag_Foto Anne Kirschbaum

„Schreiben in einem Zug“ – Auf dem Weg zum Blogeintrag. (Foto: Anne Kirschbaum)

Auf der Konferenz hatten wir wieder die Gelegenheit, uns im Team besser kennenzulernen. Ich schätze unsere Teamkultur, die eine gute Mischung aus Mut und Demut ist. In der Freizeit hatten wir Spaß beim Lachen, Essen, und der Erkundung der Stadt Hamburg.

Den intensiven fachlichen Austausch fand ich wieder sehr bereichernd, vor allem die Diskussionen um den Begriff „Peer“. Damit konnte ich (Schein-?)Probleme unserer Arbeit identifizieren. Diskussionspotenzial besteht immer noch.

Die Peertutorenkonferenz in Hamburg war eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Schreib-Peer-Tutoren zu vernetzen. Ich hoffe, dass sich bald Wege finden, die die Vernetzung auch im Alltag ermöglichen. Und dass der Elan und die Begeisterung für die Themen „Schreiben“  und „Schreibberatung“ nicht verpuffen.

Michał Żytyniec

Learning about Writing Fellow Programs

Almost three exciting weeks are lying ahead of us. We, Franziska Liebetanz and Simone Tschirpke, two staff members of the Viadrina Writing Center (Frankfurt/Oder, Germany), are staying in the US, in order to learn more about writing fellow programs, about writing center work in general but also in order to reflect on our own practice back home.

For this educational journey, Franziska got a grant from ReiseLectureN/ VW. One important tasks is to find out, what writing fellows, teachers and the coordinators of other writing fellow programs think about the program: What works well? What needs to be improved? When can you call a writing program a writing fellow program and how flexible can a writing fellow program be? Answers to those questions can be useful in order to reflect, adjust and/or improve our own writing fellow program, that we started in 2013 in cooperation with the writing center of the Goethe University Frankfurt/Main. Furthermore, the knowledge and insights gained from other projects will also be helpful when transferring the idea of a writing fellow program to other universities.

In order to learn more about writing fellow programs and writing centers in general, we have the great opportunity to stay for a little more than a week at the writing center of the University of Wisconsin-Madison. We will meet its director Brad Hughes, from whom we learned so much about writing fellow program. Additionally, we will visit the Center for Writing-based Learning at the De Paul University in Chicago as well as the Norman H. Ott Memorial Writing Center at the Marquette University and the Writing Center of the University Wisconsin-Milwaukee, which are both located in Milwaukee. We’ll end our journey with a visit to the IWCA Conference in Pittsburgh where Franziska and Anja Poloubotko, coordinator of the Multilingual Writing Center of the Leibniz University of Hannover, will do a presentation about the history of German Writing Centers.

Schreiben in den Rechtswissenschaften – Stellenausschreibung

Die Juristische Fakultät und das Schreibzentrum der Europa-Universität
Viadrina haben eine Stelle im Bereich juristische Schreibdidaktik zu
vergeben. Wir freuen uns über zahlreiche Bewerbungen und über
Weiterleitungen dieses Gesuchs an möglicherweise interessierte
Juristinnen und Juristen.

Das Handwerkszeug eines jeden Juristen und einer jeden Juristin ist die
Sprache; und die Abfassung von Texten ist Ihr tägliches Brot. Nicht
umsonst besteht ein Hauptteil des Leistungsnachweises im Ersten Examen
deshalb im Schreiben von Klausuren. Oftmals unterschätzt wird von den
Kandidatinnen und Kandidaten, dass der berüchtigte „Korrektor“ nicht nur
ein juristischer Fachmann oder eine juristische Fachfrau ist, sondern
vor allem eines bleibt: eine Leserin bzw. ein Leser.

Die Kunst, sich möglichst klar und verständlich auszudrücken, eine
stringente Gedankenführung zu verfolgen, sinnstiftend Schwerpunkte zu
setzen und technisch überzeugend zu argumentieren, sind deshalb
notwendige, wenn auch unausgesprochene Teile der Prüfungsleistung und
müssen bewusst geübt werden.

Um unsere Studierenden dabei zu unterstützen, suchen die Juristische
Fakultät und das Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina eine/n
engagierte/n Juristin/en als akademische Mitarbeiter/in. Detaillierte
Informationen entnehmen Sie bitte der Stellenausschreibung unter
folgendem Link:
http://www.europa-uni.de/de/struktur/verwaltung/dezernat_2/stellenausschreibung/3300-15-13.pdf

Beste Grüße
Franziska Liebetanz & Katrin Girgensohn

Lessons learned in Tallinn – a review on the EATAW Conference

A warm welcome

Welcome at the conference (Photo: EATAW 2015)

From 15.06-18.06.2015, the 8th Biennal Conference of the European Association for the Teaching of Academic Writing (EATAW) took place in Tallinn. Hosted by the Language Centre of Tallinn University of Technology, 270 delegates from 40 countries were meeting to talk, discuss and work on a wide variety of topics in line with the conference theme of “Academic Writing in Multiple Scholarly, Socio-Cultural, Instructional and Disciplinary Contexts: Challenges and Perspectives”. Our Writing Center took part with eight delegates and as many contributions. With these, we covered a wide range of topics including visualisation techniques, multilingual writing groups, alternative writing assignments and tutor to tutor consultations. In this blog entry, some of our delegates would like to give a review on this event and to share their impressions, favourite contributions and insights from the conference.

Anne Kirschbaum

A promising future

EATAW conference, as always, was a great opportunity to meet people, to connect with colleagues and to learn about academic writing in other countries. It is wonderful to see how the European community that is dedicated to academic writing is developing. Representing a new generation of writing didacts, there were also many peer writing tutors at the conference. I was impressed how naturally they acted as colleagues and how self-confident and cleverly they were presenting. This shows that there is a promising future for the field of academic writing in Europe.

I heard a lot of stimulating presentations. For example, Julie Nelson Christoph from the Writing Center at the University of Puget Sound, USA, reported about her research on personal writing: What makes academic writing personal beyond obvious markers in the language of texts? She has investigated the academic texts of several researchers throughout their careers and then interviewed those researchers about their choices with regard to personal writing. A very inspiring workshop was held by Swantje Lahm from the Writing Center at the University of Bielefeld and Paul Anderson from Elon University, USA. They made us think about the local context of our work: How do politics, governmental decision, or local developments at our university foster or hinder our work? And how could we make use of this strategically?

As I was also presenting, I reported about a seminar based on the method of inquiry-based or research-oriented learning. Our students conducted empirical research to learn more about the quality-development of other students’ texts. Since this was a fascinating teaching experience for me and because I am very convinced of this method, it was great to have a broader audience for this topic. My other presentation was about our Writing Fellow program. Together with Stephanie Dreyfürst from Frankfurt/Main writing center and Franziska Liebetanz from our writing center, we were hosting a symposium about this topic. I was lucky enough to present preliminary results from an empirical study on written feedback that our Writing Fellows gave to other students. The study is a Master thesis, conducted by Jana Gutendorf, and I am really looking forward to reading and discussing the thesis later this year. It is so valuable to have intelligent students, that are so committed to writing center work that they dedicate their final theses to empirical research and contribute to this field. Jana’s thesis will help us to understand the Writing Fellow program in depth and develop support for written feedback on students’ texts. It will be published in our series “Schreiben im Zentrum”.

Katrin Girgensohn

Listening to the Keynote

Listening to the Keynote (Photo: EATAW 2015).

New ideas for establishing a fruitful tutor-tutee relationship

I am working as a peer tutor since the winter term of 2014/2015. One of the most important issues for me is establishing a good relationship between the student and the tutor in order to have a good basis for learning from and with each other, developing ones competences and seeing more perspectives of a discussed topic. That’s why I visited the impulse-speech “A working alliance: Framing the tutor-tutee relationship” of Monica Broido and Harriet Rubin from Tel Aviv University. It made me think about three essential issues to consider while having a one-to-one-session: a respectful and friendly partnership between tutors and tutees, an agreement on goals or expected outcomes and an agreement on activities and responsibilities, designed to achieve these goals. All these aspects are necessary for the work to be fruitful, balanced, and sustainable. At the beginning of each session, the tutor discusses with the tutee what he or she wants to work on. So during the consultation they are focused on what they want to achieve till the end of their meeting. This process of finding an agreement happens orally.

Furthermore I liked the idea of an activity that could be part of writing consultations: The tutor could go for a walk with the tutee in the case a student would like to do this to make sense of their thoughts. In my mind this is an appropriate and innovative way in order to combine ones mental and physical activity: When the tutee puts his or her legs in motion, the thinking process can also be innervated. Hence, new ideas for ones writing process and/or project can be explored, discussed and evaluated. This outdoor refreshment and different kind of conversation can lead to new thoughts. Besides during the talking process a certain level of mutual trust and connection can establish between the tutor and the tutee.

Diana Koppelt

Multilingualism – a valuable writing resource

As a peer tutor I was especially interested in other peer tutors’ perspectives on the field of supporting fellow students with their academic writing. That is why I will keep in mind the presentation of Özlem Alagöz-Bakan and Marco Linguri from the Writing Centers in Hamburg and Frankfurt/Main concerning multilingualism. Students coming from a language background that is different from the standard language in their academic surrounding are often regarded as problematic or in need of special support. Certainly, this can be the case and should not be underestimated.

However, Özlem and Marco support the view that this differing background can be a valuable resource for writing and that writers should consider their (foreign-) languages as a tool. They presented their small-scale study, in which students were encouraged to use different languages during the process of academic writing. In the preparation process, doing brainstormings, freewritings or other creative methods, this turned out to be easily adaptable. Not only bilinguals, but also monolingual writers used different languages within one text and found this fruitful.

What also became clear during the presentation is that multilingual-writing was not that easy for the non-creative, more formalized part of writing. One reason is that sources are read in one specific language, and the terms are not always easily transferable into another. But I do think that the use of multiple languages can still be very valuable. Why not translate an abstract into another language? The little insecurities and shifts in terms and language structure will provoke a reflection of what the writer actually wants to say. The text can than even be retranslated, in order to check how much the versions after being translated actually correspond. This method thus makes use of synonyms and the rich vocabulary pool of multilingual speakers.

But even languages that one has a lesser command of can be valuable: If a writer tends to write too widely and complicated, a peer tutor of writing might ask him or her to formulate in a rather insecure language, for example in French as learned in school. This can force them to express basic ideas and enforces the need to find synonyms. Just the fact that the writer is limited in his or her way of verbal expression can be fruitful to broaden perspectives on one‘s own text.

Pascal Bittner

Exploring logic and Estonia

Alexander Nevsky Cathedral in Tallinn's old town

Alexander Nevsky Cathedral in Tallinn’s old town (Photo: Anne Kirschbaum).

The conference was a great chance to learn a lot more about Academic Writing and to connect with people from other Writing Centers in the world.

My colleague Anne Kirschbaum and I did a Workshop about Logic in Academic Writing. We were working on some basic argumentative structures like syllogism and logical fallacies. The aim of the workshop was to make more aware the logical structures most writers are already applying intuitively and to use this knowledge more consciously when producing their own texts. Related to this subject, I visited another interesting workshop conducted by Gamze Oncul from the School of Foreign Languages at Middle East Technical University Northern Cyprus, Turkey: “Teaching argumentation: The Toulmin model at work”. This Argumentation Model is based on the ideas of the British philosopher Stephan Toulmin. It is very helpful to plan and structure the different steps of an argumentative essay.

Besides the professional input, I had a great time with the other conference participants tasting Estonian food, listening to a choir singing traditional songs, trying to learn a few words in a lovely language-class and visiting the old town of Tallinn. All in all, it was an instructive and pleasant time!

Alma Klein

%d Bloggern gefällt das: