Das neue Semester beginnt und wir sind noch dabei… (von Anja Poloubotko und Franziska Liebetanz)

mit zahlreichen Seminaren, Workshops und natürlich der Schreibberatung. Wir freuen uns ganz besonders auf dieses Semester.

  • Wir gehen zunächst auf Tour an die Georg- August Universität in Göttingen. Wir sind an der 4. Peer- Schreib TutorInnen Konferenz mit vielseitigen Beiträgen vertreten. Vor vier Jahren haben wir die erste Konferenz an der schönen Viadrina ins Leben gerufen und nun wandern wir jedes Jahr an eine andere Universität in Deutschland, um uns mit SchreibberaterInnen und SchreibzentrumsleiterInnen auszutauschen.

  • Die Feriensprechzeiten sind bald beendet und die Schreibsprechstunde ist wieder für internationale und heimische Studierende sowie Gaststudierende regelmäßig von Montag bis Donnerstag offen. http://www.europa-uni.de/schreibzentrum

  • Jeden zweiten Dienstag bietet Dr. Daniela Liebscher die Schreibberatung für Promovierende an. In Zusammenarbeit mit dem Viadrina Center for Graduate Studies finden außerdem Workshops speziell für Promovierende statt. http://www.europa-uni.de/de/forschung/vcgs/index.html

  • Dieses Semester werden Simone und Anja ein Methodenseminar zum wissenschaftlich Schreiben für den Masterstudiengang „Master of European Studies“ geben und mit rund 30 Studierenden zusammen arbeiten.

  • Dorothea wird ein Seminar für den neuen Bachelorstudiengang „Interkulturelle Germanistik“ durchführen und so intensiv mit polnischsprachigen Studierenden zusammen arbeitet.

  • Anja wird Simone ablösen und immer mittwochs die Schreibgruppe für Abschlussarbeiten anleiten.

  • In Zusammenarbeit mit der Kuwi Fakultät bietet Ramona Jakob das Seminar:“Knete für Kultur- von der Projektidee bis zum fertigen Antrag“, Dr. Martin Kaluza: „Medienkompetenz für das Internet. Produktion von Audiopostcasts“,

    Dr. Gregor Ohlerich „Lektorat als Berufsfeld für Kulturwissenschaftler/- innen“ an.

  • Alle Studierende, die eine Ausbildung zum/zur SchreibberaterIn machen wollen: Das Modul 2 der Schreibberaterausbildung kann erneut genossen werden. In Zusammenarbeit mit der Kuwi Fakultät hält Franziska Liebetanz das Seminar „Wissenschaftliches Schreiben lernen durch Prozessschritte und Schreibberatung“.

  • Wir fördern weiterhin den wissenschaftlichen Nachwuchs! Wir arbeiten auch dieses Semester mit der Robert Bosch Stiftung und der Rahnschule in Fürstenwalde zusammen. An dieser Schule geben vom Schreibzentrum der Viadrina ausgebildete SchülerInnen Workshops rund um das Thema Schreiben und bieten Schreibberatung an.

  • Auch die Eisenhüttenstädter SchülerInnen kommen in den Genuss des Dream-Tutoren Teams. Anja V. und Sebastian und die EKO Stahlstiftung ermöglichen SchülerInnen sich intensiv mit dem kreativen Schreiben auseinander zusetzen.

  • In Zusammenarbeit mit dem Career Center gibt Dorothea den Workshop zum Thema „Wie schreibe ich meine BA-/MA- Arbeit?“.

  • Das DAAD-Projekt „Schreiben(d) lernen im Team“ befindet sich in der Abschlussphase. Das Buch zum Projekt wird gerade geschrieben und wir freuen uns auf das Geleitwort von unserem Universitätspräsidenten Dr. Gunter Pleuger.

  • Katrin Girgensohn befindet sich auf DFG- Forschungsreise in den USA und Deutschland wird viele wichtige Erkenntnisse von ihr bekommen.

  • Außerdem planen wir Schreibzentrumsführungen mit internationalen Gaststudierenden.

  • Wir freuen uns, mit dem deutsch-französischen Projektteam von Duett (http://www.duett.fr/) erneut zu kooperieren.

  • Im Oktober kommt eine Schreibzentrumsikone, Dr. Gerd Bräuer aus Freiburg in die kleine Stadt an der Oder. Im Rahmen der Weiterbildung „Hochschulzertifikat Schreibzentrumsarbeit Literacy Management“ wird er über das reflexive Schreiben referieren.

Wir heißen herzlich unsere neue Schreibtutorin Lene willkommen und freuen uns auch auf Dorotheas Mitarbeit. Wir verabschieden Patrick und danken ihm herzlichst!

That’s it! Or not….?

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„Undergraduates in positions of intellectual leadership“ – Wie Peer Tutoren in die Lehre eingebunden werden

Heute berichte ich vom Writing Fellows Programm des Schreibzentrums, weil ich eben netterweise an einem der Ausbildungsseminare teilnehmen durfte.

Das Writing Fellows Programm basiert auf den gleichen Prinzipien von Peer Tutoring wie die studentische Schreibberatung im Schreibzentrum, ist aber anders eingebunden in die Lehre.
Und so funktionierts: Es gibt Lehrende, die entscheiden, dass sie schreibintensive Seminare für Studienanfänger anbieten. Schreibintensiv heißt, dass mehrere Schreibaufgaben obligatorisch sind und dass sie über mehrere Entwürfe hinweg begleitet werden. Diese Lehrenden können darum bitten, mit Writing Fellows zusammenzuarbeiten. Je nach Kursgröße werden dann ein oder zwei Fellows ihrem Kurs zugeordnet, so dass jeder Fellow mit 10-16 Studierenden zusammenarbeitet.
Die Fellows treffen sich zunächst mit den Lehrenden, um zu besprechen, welche Schreibaufgaben gestellt werden und wie die Zusammenarbeit aussehen soll. Sie gehen außerdem zu Beginn des Semesters in den Kurs und stellen sich und das Writing Fellow Programm vor. Während des Semesters stellen die Lehrenden dann zwei Schreibaufgaben, die, soweit ich das bisher mitbekommen habe, vergleichbar sind mit kurzen Hausarbeiten, d.h. es muss recherchiert werden und Lektüre eingebunden werden. Die Studierenden müssen spätestens zwei Wochen vor dem Abgabetermin eine erste Fassung dieses Textes an ihren Writing Fellow mailen, zusammen mit einem „Cover Letter“, in dem sie folgende Fragen beantworten:

Your name:
Title of paper:
What do you like most about this draft?
What did you find most difficult about writing this assignment?
List some aspects of this draft to which you would like me to pay special attention when I comment on your paper.
Anything else you need me to know?
(Quelle: http://writing.wisc.edu/writingfellows/?page_id=139, Zugriff 27.9.11)

Die Writing Fellows lesen den Text und kommentieren ihn. Sie machen Anmerkungen und notieren Fragen, heben Gelungenes hervor und versuchen, so konkret und so geduldig wie möglich auf den Text einzugehen. Den kommentierten Text mailen sie zurück und verabreden gleichzeitig ein Treffen. Ein paar Tage später treffen sich Fellow und Autor des Textes an einem beliebigen Ort, z.B. in einem Café oder in der Bibliothek, um eine halbe Stunde über den Text zu reden und mögliche weitere Schritte zu besprechen.

Die Studierenden müssen schließlich zum endgültigen Abgabetermin bei den  Lehrenden nicht nur ihre Endversion einreichen, sondern auch den ersten Entwurf und die Kommentare der Fellows, so dass die Lehrenden sehen können, dass wirklich eine Überarbeitung stattgefunden hat. Natürlich bekommen die Studierenden auch von ihren Lehrenden ein Feedback zu ihrem Text. Die Benotung bleibt ganz in der Hand der Lehrenden.

Diese Prozedur wiederholt sich, wie gesagt, dann noch einmal im Verlauf des Semesters mit einem zweiten Text.

Wie werden die Writing Fellows auf diese Arbeit vorbereitet?

Zunächst einmal ist schon die Bewerbung eine Art Vorbereitung, denn die Studierenden müssen in einem Essay begründen, warum sie sich bewerben und außerdem zwei Textproben und ein Empfehlungsschreiben von einem Lehrenden einreichen. Danach findet ein Bewerbungsgespräch statt, indem die Studierenden über ihren eigenen Schreibprozess und über ihre Vorstellungen von der Arbeit reden müssen.

Wer ausgewählt wurde, nimmt im darauf folgenden Semester an einem Seminar zur Theorie und Praxis des Peer Tutoring teil. Dieser Kurs findet an zwei Terminen wöchentlich statt und geht mit 3 ECTS benotet ins Studium Generale ein. Wie an amerikanischen Unis üblich, müssen die Fellows für die Teilnahme an diesem Kurs bezahlen!

Zugleich beginnen die Writing Fellows ihre Arbeit mit dem Kurs, dem sie zugeordnet wurden. Nicht immer ist das ein Kurs, in dem sie sich auch  fachlich auskennen. Durch das zeitgleich laufende Seminar besteht die Möglichkeit, die anlaufende Arbeit immer auch in der Gruppe zu besprechen und zu reflektieren.

Ich war heute in einem dieser Kurse. Emily, die Leiterin des Writing Fellows Programm, sammelte zunächst Hausaufgaben ein: alle hatten einen Essay über ihre eigene Schreibbiografie geschrieben. Dieser war in den Wochen zuvor von den anderen Seminarteilnehmenden kommentiert und mit ihnen besprochen worden, so dass alle die Erfahrung von Texte kommentieren, Texte besprechen und Texte überarbeiten aufgrund von Kommentaren schon einmal gemacht hatten. Wie in den schreibintensiven Kursen, mussten auch die Writing Fellows ihre Essays zusammen mit den ersten Entwürfen und den Kommentaren ihrer Kommilitonen abgeben und außerdem selbst ein Coverletter dazu schreiben.

Der Kurs heute begann dann damit, dass alle nacheinander berichteten, was es Neues gibt in Bezug auf ihre Tätigkeit als Writing Fellows und einige auftauchende Fragen besprochen wurden: Wie gehe ich damit um, wenn ich die Aufgabenstellung der Professorin zu schwierig finde für Studienanfänger? Wann soll ich die Formblätter für die Cover Letter verteilen?

Anschließend wurde eine „conference“, d.h. eine Textbesprechung zwischen einer Fellow und einer Studentin, auf Video gezeigt. Die Teilnehmenden besprachen ihre Eindrücke von dem Video zunächst in Kleingruppen und trugen  die Ergebnisse anschließend in der großen Gruppe zusammen. Die Kursleiterin leitete daraus Empfehlungen für die Arbeit der Fellows ab, machte auf potenziell schwierige Situationen aufmerksam und stellte immer wieder Rückbezüge zur Literatur her, die die Studierenden in den ersten Wochen gelesen hatten.

Wichtig finde ich, dass die Ausbildung der Fellows nicht mit diesem einen Seminar aufhört, auch wenn die Fellows in den folgenden Semestern keinen Extrakurs mehr belegen. Die Leiterin des Programms, der Leiter des Schreibzentrums und einige andere, sehr erfahrene Personen, lesen Kommentare der Fellows zu den Texten und geben ihnen dazu eine Rückmeldung. Außerdem gibt es verschiedene kurze Weiterbildungsworkshops und eine Evaluation am Ende jedes Semesters, die sehr persönlich ist.

Das hört sich nach viel Arbeit für alle Beteiligten an – und das ist es auch. Aber es ist zugleich auch eine sehr anspruchsvolle Möglichkeit für Studierende, in Lehre und Forschung eingebunden zu werden und sich intellektuellen Herausforderungen zu stellen. Natürlich sind die $ 1.000, die die Fellows pro Semester als Honorar bekommen, nicht zu verachten. Aber darüber hinaus wird die Arbeit als Writing Fellow von den Studierenden als Ehre wahrgenommen. Sie sind – zu Recht – stolz auf ihre Arbeit. Und da wir aus Studien wissen, dass Textfeedback geben sehr hohe Lerneffekte hat, spricht  auch das für die Arbeit als Writing Fellow: die Studierenden lernen viel für ihr eigenes Studium, auch wenn die Texte aus einem anderen Fach kommen mögen.

Getragen wird das Programm übrigens vom Schreibzentrum, vom College (also der Institution, die für die Ausbildung der BA-Studierenden zuständig ist) und dem Programm „Pathways to Excellence“, mit dem die Uni ihre Exzellenz unter Beweis stellt!

Diversity im Schreibzentrum

Ich habe eben auf dem Blog meines Writing Centers hier einen interessanten Artikel von Paula Gillespie über ihr Schreibzentrum in Florida gelesen. Sie beschreibt darin, wie unterschiedlich die Hintergründe ihrer dortigen Peer Tutoren sind und meint, dass sie aufhören sollte, von „we“ (= writing center staff) und „them“ (= Nicht-Muttersprachler) zu sprechen.

Mir ist aufgefallen, dass wir das in Teammeetings auch machen. Wir bräuchten auch mehr Tutoren mit verschiedenen Muttersprachen. Mandy hat das neulich sehr gut auf den Punkt gebracht in ihrer Masterprüfung zu „Diversity im Schreibzentrum“ – ich hoffe, du publizierst das in JoSch, Mandy!

Hier im Schreibzentrum gibt es extra eine Person für „Writing Center Multicultural Initiatives“. Danielle arbeitet eng zusammen mit anderen multikulturellen  Initiativen auf dem Campus, z.B. dem „Multicultural Student Center„, um die Studierenden dort besser zu erreichen und ihnen deutlich zu machen, was das Schreibzentrum anbietet. Das sind alles etwas andere Dimensionen hier, aber ich glaube der Stand von Ariane und Patrick beim International Day ging in die gleiche Richtung.

Demnächst mehr über die verschiedensten Angebote hier, schöne Grüße von Katrin

Angekommen im Writing Center in Madison

„Do you feel welcome?“

„Yes, I do!“

Indeed, das tue ich. Der Empfang hier ist wirklich überwältigend. Und das Schreibzentrum auch. Ich war heute den zweiten Tag dort und bin absolut fasziniert.  Ich freue mich unglaublich, dass ich hier ein ganzes Jahr lang bleiben darf. Schon in zwei Tagen habe ich so viele Anregungen und Ideen gesammelt, dass es für Jahre reichen würde.

Ich werde fürs Erste mal versuchen, ganz grob zu erklären, wie das Writing Center hier aufgebaut ist, damit das, was ich nach und nach berichten werde, verständlich ist. Allerdings kann es sein, dass ich noch nicht alles richtig verstanden habe, weil das Schreibzentrum sehr groß ist und entsprechend komplex strukturiert ist. Angaben also vorerst ohne Gewähr!

Im Schreibzentrum arbeiten 11o (!) schreibbegeisterte Menschen. Leiter ist Brad Hughes und er hat ein Team von ca. 10 Leuten, die ihn auf dieser Ebene unterstützen und zum Teil unterschiedliche Aufgaben haben, zum Teil aber auch die gleichen. Unterschiedlich ist z.B. dass einer die Onlinearbeit macht und eine andere sich eher um Naturwissenschaften kümmert, gemeinsam ist, dass sie alle sich das Mentoring der Mitarbeitenden teilen, Ideen entwickeln, Tutoren ausbilden usw.

Dann gibt es die Teaching Assistents, das sind Graduate Students, die verschiedene Aufgaben haben. Sie beraten z.B.  im Schreibzentrum. Erfahrenere Teaching Assistents übernehmen aber auch Leitungsfunktionen, zum Beispiel im Writing Across the Curriculum-Programm (wac).

Außerdem gibt es Writing Fellows. Das sind BA-Peeer Tutoren, die aber nicht im Schreibzentrum beraten, sondern Seminaren zugeordnet sind und nur in diesen Seminaren als Peer Tutoren arbeiten. Wie das funktioniert, werde ich noch genauer berichten.

Und dann gibts noch die Studierenden, die an der Rezeption arbeiten und auf dieser Ebene das Schreibzentrum am Laufen halten.

Das Schreibzentrum besteht aus zwei gr0ßen Räumen mit Tutoring-Ecken und Rezeption, einem Computerraum, zwei Workshopräumen, einem Versammlungsraum   – stellt euch mal Teamtreffen mit über 100 Leuten vor – und zahlreichen Büros (eins davon teile ich mir mit Stephanie, die das wac-Programm mit leitet).

Außerdem gibt es noch jede Menge „Satellite-Locations“, z.B. in Wohnheimen und Bibliotheken überall auf dem riesigen Campus (hier studieren über 40.000 Studierende). Und es gibt sogar Schreibberatungen in öffentlichen Bibliotheken in Madison, wo alle Menschen hinkommen können, nicht nur Studierende.

Auch wenn es unglaublich klingt: Brad gelingt es, ein so großes Team zusammenzuhalten und zu motivieren. Er kennt jeden Einzelnen und ich hab den Eindruck, dass alle sehr gerne im Schreibzentrum arbeiten, sehr motiviert und engagiert sind und sehr professionell sind. Also genau wie bei uns in FfO – nur in größer ; )

Mehr dazu demnächst. Grüße von Drüben

Katrin

Schreibmarathon

Der Wasserkocher rauscht. Die Sonne strahlt mit ihrer letzten sommerlichen Kraft durch die Fenster des Schreibzentrums. Gerade ist das morgendliche Gespräch zuende gegangen und die Teilnehmer machen sich an ihre Arbeit. Schade, dass die Tastaturen nicht mehr Klappern, wie Schreibmaschinen in schwarz/weiß Filmen. So ist fast Stille über den Desktops, ab und zu kippt Kaffee in eine Tasse oder die Straßenbahn poltert vorbei. Die Uhr tickt, sie verrät uns, dass wir besser den Browser schließen sollten, um nicht selber in den Strudel der Prokrastination zu geraten. Was Katrin wohl inzwischen macht und ob Patrick seinen letzten Tag noch feiern wird, das weiß noch keiner. Das Klicken der Tastaturen wird jetzt auch lauter, klingt wie postmodernes Geflicker aus den Boxen eines Nurds. Die Wand des Schreibzentrums ist gespickt mit Kommas. Der Weg zur Kaffeemaschine ist weit. Die Buchdeckel neigen sich unter dem Gewicht der Gedanken. Das Blinken des Cursers ist wie ein Pulsschlag. Frankfurt (Oder) wirkt wie eine Kulisse in den Ferien, vielleicht garnicht so schlecht zum Schreiben.

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