Teamtreffen mit mehr als 60 Leuten

Am Freitag war Teamtreffen im Schreibzentrum. Obwohl eigentlich nur das halbe Team da war, nämlich alle außer den Writing Fellows, waren das mehr Leute als auf so mancher Tagung: gut 60.

Diese „halben“ Teamtreffen finden 3-4x pro Semester statt, und im Januar wird es dann auch noch eins mit allen 110 Leuten geben. Immer wechselweise bereitet jemand der Assistant Directors oder Senior Staff-Leute das jeweilige Treffen vor. Die Themen werden gemeinsam gesucht. Dieses Mal ging es um das Thema „Personal Statements for professional schools“. Dazu gleich mehr. Ebenfalls abwechselnd bereiten 1-2 Leute Snacks für das Meeting vor und so kam ich in den Genuss eines ganz hervorragenden Lemon-Humous und einer Karamellcreme zum Äpfel reindippen. Akribisch beschriftet, damit man wusste, was vegan ist und was nicht.

Dave, der das Meeting diesmal leitete, machte zunächst ein paar organisatorische Ansagen und stellte mich vor, da ich auch nach fast vier Wochen noch immer nicht alle Leute kennen gelernt habe, die im Schreibzentrum arbeiten. Einmal mehr wurde mir versichert, wie sehr sich alle freuen, dass ich da bin, und das konnte ich meinerseits nur bestätigen!

Anschließend trafen sich alle Tutorinnen und Tutoren für ca. 20 min. in ihren „Mentoring-Gruppen“. In diesen Kleingruppen von 5-6 Leuten wurde über aktuelle Tutoringsituationen und Schwierigkeiten geredet. In der Gruppe, an der ich teilnahm, ging es zum Beispiel darum, dass man immer wieder mal Beratungen hat zu Genres, mit denen man sich nicht auskennt und wie man damit umgehen kann. Es gibt hier einen großen Aktenschrank mit Handouts, so viele, dass niemand alle kennt. Trotzdem kommt es wohl vor, dass es Genres gibt, zu denen (noch) kein Handout erstellt wurde, z.B. zur „Teaching Philosophy“ in einer Bewerbung. Ergebnis der Diskussion war, zu sagen, dass man mit dem Genre noch nicht zu tun hatte und einfach als interessierter Leser oder Leserin fungiert. Außerdem ist es gut, gemeinsam zu überlegen, wo noch mehr Informationen herkommen könnten. (Hier gibt es in den meisten Departments extra Leute, die den Absolventinnen und Absolventen bei der Jobsuche helfen – fachspezifisch und zusätzlich zu den Career Centern!)

Eine der Mentoringgruppen

Eine der Mentoringgruppen: Aussicht und Buffet bitte beachten!

Nach dem Mentoring-Austausch kamen wieder alle in der großen Runde zusammen und Dave stellte drei Gäste vor, die zu diesem Treffen eingeladen worden waren: von der Juristischen Fakultät und der medizinischen Fakultät jeweils eine Vertreterin bzw. ein Vertreter der Auswahlkommissionen und ein weiterer Vertreter von der Auswahlkommission zur Graduiertenschule für Soziale Arbeit. Diese uni-internen ExpertInnen hielten Kurzvorträge zum Thema „Personal Statements“.

Für mich war das ein ganz neues Genre, deshalb schiebe ich hier einen Exkurs ein: Ich hatte am Freitag bereits im Seminar zu „Perspectives on Literacies“, an dem ich wöchentlich teilnehme, erfahren, wie aufwändig es hier ist, einen Studienplatz zu bekommen. Zur Bewerbungsprozedur gehören neben Tests, Abschlussnoten und Empfehlungsschreiben auch Essays, in denen man sich selbst beschreibt und deutlich macht, warum man genau dieses Fach an dieser Uni studieren möchte – eben die Personal Statements. In dem Seminar war es um die Frage gegangen, inwiefern mit Bildung auch der Mythos verbunden ist, dass ein Uniabschluss eine bessere Zukunft bedeutet. Und auch wenn das aktuell in Zeiten der Krise nicht mehr so sein mag, so ist diese Vorstellung doch tief verwurzelt genug, um damit Geld zu machen. Deshalb gibt es „For Profit Colleges“. Das sind Unternehmen, die akkreditierte Hochschulen aufkaufen und dann diverse Abschlüsse anbieten. Um Kosten zu sparen, laufen viele der Studiengänge nur noch online und sie haben keinen besonders guten Ruf. Aber viele Menschen hören über die Medien von ihren Zukunftschancen, wenn sie diesen Abschluss machen, und rufen die angepriesenen Telefonnummern an. Dann erfahren sie, dass sie keine Essays schreiben müssen, sondern nur klarmachen müssen, dass sie die Kosten tragen können. Und die Colleges arrangieren dann gleich die Kredite…

Kurzum: wer an einer seriöseren Uni angenommen werden will, muss sich der komplizierten Aufnahmeprozedur stellen und außerdem das nötige Geld auftreiben. Die ersten vier Jahre (bis zum Bachelor) sind hierzulande allerdings noch recht allgemein. Deshalb ist die Bewerbung für die „Professional School“ danach umso wichtiger. Wer Arzt oder Rechtsanwältin wird, das entscheidet sich offenbar auch zu großen Teilen danach, wie das  Personal Statement geschrieben wird.

Und da das so wichtig ist, ist es im Schreibzentrum oft nachgefragt. Aus dem gleichen Grund ist es für die TutorInnen eine besonders verantwortungsvolle Beratungsaufgabe und deshalb also dieser Schwerpunkt beim Teamtreffen.

Ende des Exkurses und zurück zum Teamtreffen: Die drei Vorträge waren gut strukturiert, informativ und trotzdem kurz, so dass nach einer kurzen Pause noch genügend Zeit für eine Fragerunde blieb.

Die eingeladenen Expertinnen und Experten

Die eingeladenen Expertinnen und Experten

Ich fand es auffällig, was für eine große Rolle Originalität spielt. Das ist verständlich, wenn  die Komiteemitglieder hunderte oder tausende dieser Essays lesen müssen. Andererseits: wie  originell können die Gründe dafür sein, dass man Rechtsanwalt oder Ärztin werden möchte? Auf jeden Fall sind Studierende hier mit Abschluss ihrer Studien gut darauf vorbereitet, sich selbst darzustellen und zu verkaufen. Obwohl das Genre befremdlich ist für mich, ist es positiv, dass man schlechte Noten zumindest teilweise ausgleichen kann, wenn man ein tolles Personal Statement schreibt. Und das zeugt doch zumindest davon, was für einen hohen Stellenwert das Schreiben hier hat – fächerübergreifend!

Pause - vorne meine hochgeschätzte "office mate"  Stephanie White, Assistant Director for Writing across the curriculum

Pause - vorne meine hochgeschätzte "office mate" Stephanie, TA Assistant Director for Writing across the curriculum

Jedenfalls waren das zwei spannende Stunden und ich freue mich jetzt schon auf das Teamtreffen im November!
(Und auf das anschließende Feierabendbier mit meinen geschätzten Kolleginnen Stephanie, Ann und Kim auch!)

2 Responses to Teamtreffen mit mehr als 60 Leuten

  1. Franziska Liebetanz sagt:

    Teamtreffen mit 60 Leuten! Die Treffen sind ja größer als unsere Peer TutorInnen Konferenzen. Ich bin beeindruckt. Haben die SchreibberaterInnen auch außerhalb der Teamtreffen die Möglichkeit, sich auszutauschen und über ihre Arbeit zu sprechen? Wir treffen uns ja alle zwei Wochen und sind 8-10 Leute und oft wünschen wir uns mehr Zeit für all die Themen und Fragen, die wir besprechen wollen.

  2. Am Anfang sehen sich die SchreibberaterInnen jede Woche, weil sie schon während ihrer Ausbildung anfangen zu arbeiten. In dieser Zeit wird jede Woche über die aktuellen Beratungserlebnisse berichtet. Danach finden nicht mehr so regelmäßige Auswertungen wie bei uns statt. Aber es gibt die „ongoing education“, davon werde ich nochmal gesondert berichten.
    Die BeraterInnen schreiben hier auch nicht so ausführliche Protokolle wie bei uns. Sie tragen statistische Daten und jeweils 5-6 Zeilen pro Ratsuchendem in eine Datenbank ein. Gelesen wird das von denen, die eine Anschlussberatung machen (im Schreibzentrum vereinbaren die Ratsuchenden Termine, in den Satelite-Locations ist es ein Drop-in-System).
    Fortlaufend alle Protokolltexte zu lesen wäre ganz schön schwierig. Alle der über 50 Beratenden haben 6-12 Beratungsgespräche pro Woche…
    Es wird betont, dass die Mentoren und die Career Staff (also die festen Angestellten) jederzeit angesprochen werden können und alle werden ermutigt, das auch zu tun. Inwieweit das passiert, kann ich nicht beurteilen.
    Apropos Teamtreffen: viel Spaß morgen!

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