Center for Writing – University of Minnesota, Minneapolis

Gestern hatte ich Gelegenheit, das Center for Writing an der University of Minneapolis zu besuchen, ein sehr schönes und großes Schreibzentrum, das verschiedene Programme vereint. So bietet es neben der Schreibberatung für Studierende auch Unterstützung von Lehrenden beim Unterrichten mit Schreiben an, fördert Schreibforschung – auch finanziell! – und arbeitet mit Lehrerinnen und Lehrern vom Kindergartenlevel bis zur Highschool zusammen. Die verschiedenen Programme arbeiten einerseits autonom und mit eigenen Personal, kooperieren aber andererseits eng miteinander und sind auch räumlich gemeinsam untergebracht, in Büros und Sitzungsräumen im hinteren Teil des Schreibzentrums. Es gibt an dieser Uni ein Department for Writing Studies, und diesem ist das Schreibzentrum formal angegliedert. Praktisch wird es aber als eigene Einheit wahrgenommen.

Campus in Minneapolis

Campus in Minneapolis

Die Schreibberatung findet an verschiedenen Orten statt. Im Schreibzentrum selbst kann man Termine ausmachen, es ist jeden Tag ganztätig geöffnet, genauso wie ein zweiter Raum in einem anderen Gebäude auf dem Campus, wo man aber ohne Anmeldung kommen kann. Außerdem gibt es Online-Beratungen per Chat. Und schließlich haben noch die Uni-Athleten eine eigene Zweigstelle des Schreibzentrums. Die Sportler unter den Studierenden sind hier in den USA sehr wichtig, weil die Unis sich ganz stark mit ihren Sport-Teams identifizieren. Die Spiele werden oft im Fernsehen übertragen, die Uni-Shops sind voll von Fanartikeln und gute Sportler werden von den High Schools gezielt mit Stipendienangeboten abgeworben. Entsprechend sorgt man sich auch um diese Studierenden, die die Athleten der Uni sind. Vor ein paar Jahren gab es an dieser Uni Vorwürfe, dass den Sportlern beim Schreiben der Hausarbeiten zu sehr geholfen wurde. Deshalb hat die Abteilung sich dann ans Schreibzentrum gewandt. In dem Wissen, dass die Tutoren gut ausgebildet sind und den Ratsuchenden keine Arbeit abnehmen, wurde die Schreibzentrums-Zweigstelle für die Athleten eingerichtet.

Tutoring Arbeitsplatz

Einer der Schreibberatungsplätze

Die Schreibberatenden arbeiten abwechselnd in allen vier Locations. Interessant finde ich, dass „Peer Tutoren“ hier nicht nur Studierende sind. Jeder, der das Schreibzentrum betritt, ist ein Schreibender, und jeder, der dort arbeitet, auch. Die gleichberechtigte Ebene, das „Peer sein“, wird also mehr über die Identität als Schreibende/r definiert als über die Stellung in der Studienabschluss-Hierarchie. Undergraduates, Graduates, Doktoranden und Festangestellte arbeiten gleichberechtigt nebeneinander. Wer Termine ausmachen möchte, kann sich auf der Team-Homepage angucken, wer alles Schreibberatung macht und einen entsprechenden Termin wählen. Offenbar klappt das sehr gut, denn das ganze Team ist gleichmäßig ausgelastet. Übrigens beteiligen sich auch alle am Rezeptionsdienst.

Blick in die zweite Location des Schreibzentrums

Blick in die zweite Location des Schreibzentrums

Für jeden Beratungstermin wird auch Vorbereitungszeit für die Beratenden eingeplant. Die ganze Organisation läuft elektronisch. Die Ratsuchenden bekommen mit der Anmeldung eine Deadline für das Hochladen ihres Textes und ihrer Fragen zum Text. Wenn sie bis dahin etwas einreichen, wird automatisch Vorbereitungszeit in den elektronischen Dienstkalender der Beratenden eingetragen. Aber natürlich kann man auch kommen, wenn man vorher keinen Text einreicht. Auch für die Online-Beratung gibt es eine eigene Plattform, auf der die Gesprächspartner neben dem Chatfenster auch den Text mit allen Änderungen sehen und simultan am Text arbeiten können.

Neben der Anmeldung und der Onlineberatung läuft auch die ganze Statistik und Dokumentation sehr automatisiert ab. Und es gibt einen internen Blog für das Team, in dem sich alle Mitglieder  –  über 40 Leute aus verschiedenen Disziplinen und aus unterschiedlichen Nationalitäten – rege über Beratungssituationen, Fragen, Tipps und Erlebnisse austauschen. Natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Entsprechend gibt es im Team auch zwei Technikspezialisten, die nur dafür da sind, das Schreibzentrum in diesen Dingen zu unterstützen.

Blick vom Flur zum Schreibzentrum

Bemerkenswert ist auch , dass die Universität das Schreibzentrum bei der Umgestaltung des Gebäudes, in dem es sich befindet, eingeplant hatte. So konnten das Team die Pläne mitgestalten und den Raum entsprechend designen. Es gibt einen Teil, der Computer Lab ist und den die Studierenden einfach nutzen können, dann Beratungsplätze mit halb transparenten Raumteilern dazwischen, außerdem Sofa- und Sesselecken, einen großen Tisch für Teamgespräche oder Pausen, natürlich die Rezeption und weiter hinten dann Büros und Platz für Teamtreffen. Vor dem Schreibzentrum, also im Flur, ist auch nochmal eine Lounge mit Sesseln und Tischen, wo Studierende einfach abhängen können, das fand ich sehr gelungen und einladend.

Ich konnte den ganzen Tag Gespräche führen und bei Beratungen hospitieren, sowohl online als auch live, und habe wieder viele interessante Einblicke und Anregungen bekommen!

One Response to Center for Writing – University of Minnesota, Minneapolis

  1. Maike Wiethoff sagt:

    Man soll ja diesem Gefühl keinen Raum geben, aber immer, wenn ich deine Berichte lesen, überkommt mich der Neid. Viele Grüße an dich im Schreibzentrumsparadies. Maike

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