Center for Excellence in Writing an der Florida International University

Florida International University  Letzte Woche konnte ich das Center for Excellence in Writing an der Florida International University besuchen. Das    Schreibzentrum wurde vor knapp drei Jahren neu gegründet, bzw. ersetzte das alte Writing Center nach dem Umzug auf einen neuen Campus. Ich habe mich sehr gefreut, dort auf Paula Gillespie als Direktorin zu treffen, denn sie und Harvey Kail waren diejenigen, von denen ich vor vielen Jahren erstmals etwas über Peer Tutoring gelernt habe – als sie 2002 einen Workshop am Schreiblabor der Universität Bielefeld gaben.

Warum Excellence?

Als ich mich im Vorfeld über das Center informierte, bin ich zunächst über die „Excellence“ im Namen gestolpert. Einerseits finde ich es eine gute Idee, das Schreibzentrum so zu benennen, um deutlich zu zeigen, dass es sich nicht um eine Nachhilfeeinrichtung handelt, sondern um eine Institution die zur Exzellenz der Uni beiträgt. Andererseits erscheint mir der Begriff „Exzellenz“ inflationär gebraucht, aber das ist vielleicht eine sehr deutsche Perspektive, denn eine „Exzellenz-Initiative“ gibt es meines Wissens hierzulande nicht. Einen interessanten Artikel zum Thema fand ich in dem auch sonst empfehlenswerten Band „Before and After the Tutorial“ von Mauriello, Macauley und Koch (2011). Emily Isaacs setzt sich in ihrem Essay „The Emergence of Centers for Writing Excellence“ ausführlich mit dem Begriff auseinander (S. 131-149). Centers for Writing Excellence seien demnach Center, die der gesamten Instutition dienen, indem sie eine intellektuelle Diskussionskultur fördern. Ihrer Meinung nach haben Schreibzentren es trotz vieler Diskussionen nicht geschafft, jenseits der eigenen Kreise deutlich zu kommunizieren, was sie machen und anbieten und warum sie wichtig sind. Der Eingang zum Center for Excellence in Writing
Für Außenstehende ist es am Naheliegendsten, davon auszugehen, dass Schreibzentren vor allem dazu da sind, schwachen Studierenden dabei zu helfen, ihre Schreibaufgaben zu bewältigen. Das zeigt sich auch in der Diskussion, die Anfang des Jahres im Forum der ZEIT zu dem Artikel über unser Schreibzentrum geführt wurde. Da hieß es z.B., dass jemand, der seine Gedanken nicht selbst strukturieren kann, sich fragen sollte ob ein Studium das Richtige ist und dass die Uni dafür keine Ressourcen verschwenden sollte, solchen Menschen zu helfen. Für uns, die wir in Schreibzentren oder als Schreibberaterinnen arbeiten ist es klar, dass man Schreiben nicht auslernt, dass alle Schreibenden Gespräche über das Schreiben brauchen und dass es in Schreibzentren um viel mehr geht als nur um gute Texte. Aber für Außenstehende kommt unsere Botschaft oft nicht rüber, selbst wenn wir ausführlich darüber reden, wie im Falle des Zeit-Artikels. Deshalb plädiert Isaacs dafür, die Sprache derjenigen zu nutzen, die wir erreichen wollen und uns mit dem Namen des Schreibzentrums entsprechend zu positionieren.

Eine internationale Uni

Im Falle der Florida International University (FIU) ging der Wunsch nach einem starken Schreibzentrum, das sich an alle Studierenden und Lehrenden richtet, von der Institution aus. Die FIU ist „international“ weil 57% der Bevölkerung von Miami nicht in den USA geboren wurden. International zu sein ist dort Normalität, nicht die Ausnahme. Entsprechend haben auch die Studierenden an der FIU sehr häufig Familien, in denen Zuhause nicht Englisch gesprochen wird. Viele haben Einwanderungsgeschichten, die ihnen nur wenig formales Training in Englisch ermöglicht haben. Bei uns würden sie „Studierende mit Migrationshintergrund“ genannt werden. An der FIU gibt es keine besondere Bezeichnung für sie, weil sie den ganz normalen studentischen Durchschnitt repräsentieren.  Die Uni-Leitung sieht in einem starken Schreibzentrum eine Möglichkeit, es allen Studierenden zu ermöglichen, sich gleichermaßen an den intellektuellen Diskussionen zu beteiligen, die von Studierenden und Absolventen  einer Universität  in den USA erwartet werden. Entsprechend hat sie viel daran gesetzt, eine besonders erfahrene Leiterin für das Zentrum zu finden und unterstützt und fördert das Center for Excellence in Writing sehr.

Eindrücke aus der FIU

Paula und ihr Team sind im Erdgeschoss des Gebäudes der zentralen Bibliothek zu finden, außerdem gibt es zwei Zweigstellen auf anderen Teilen des Campus.
Blick ins Center for Excellence in WritingIch konnte zwei Tage lang hospitieren und habe erlebt, wie international es wirklich zugeht. So habe ich an einem Workshop für sogenannte „Personal Statements“ teilgenommen, die hier zur Bewerbung für die Graduate School dazu gehören. Für alle der knapp 20 Teilnehmenden war Englisch eine Zweit- oder Fremdsprache! Paula und Glenn, der Associate Director, begannen den Workshop daher damit, die Teilnehmenden zu ermutigen, sich trotzdem für Graduate Schools zu bewerben. Sie hoben hervor, dass Absolventen der FIU geschätzt und gesucht werden, gerade weil Englisch für sie nur eine von mehreren Sprachen ist und sie interkulturell erfahren sind. Sehr gut gefallen hat mir, wie stark thematisiert wurde, dass das „Personal Statement“ eine sehr kulturell geprägte Textsorte ist. Da ich dieses Genre aus Deutschland auch nicht in dieser Form kenne, war ich nämlich genauso befremdet wie viele der Teilnehmenden, als ich hörte, dass es darum geht, eine persönliche Geschichte zu erzählen, wenn man sich um ein Promotionsstipendium bewirbt. Ich kann jetzt besser nachvollziehen, wie befremdlich für internationale Studierende in Deutschland unsere Textsorten sein können.

Auch viele von Paulas Tutoren sind keine English Native Speaker. Mit drei von ihnen habe ich mich länger unterhalten. Dabei ist mir aufgefallen, dass sie es von sich aus überhaupt nicht thematisiert haben, was es für sie heißt, Schreibberatung in einer Zeit- oder Fremdsprache anzubieten. Das ist für sie einfach normal. Unsere Gesprächsthemen rund um das Tutoring waren die gleichen, die auch bei uns im Team immer wieder aktuell sind: Wie lenke ich das Gespräch und stelle trotzdem die Bedürfnisse der Ratsuchenden in den Mittelpunkt? Wie gehe ich damit um, wenn die Gesprächszeit zu Ende geht und trotzdem noch so viel Redebedarf da ist? Wie kann ich Gespräche strukturieren, wenn meine Gesprächspartner sehr viel reden? Was mache ich, wenn ich keine Antwort auf die Fragen weiß, die im Gespräch aufkommen? Ich fand es schön zu sehen, dass die Tutoren sich als Team wahrnehmen und das Schreibzentrum gerne auch dann aufsuchen und zum Arbeiten und Reden nutzen, wenn sie nicht mit Beraten dran sind. Paula hält außerdem wöchentlich Teamtreffen ab.

Leadership Team FIU
Das Leadership Team des Centers for Excellence in Writing vor einem Baum mit unglaublich riesigen Wurzeln in der Nähe von Paulas Haus. Ich finde, das ist eine schöne Metapher: Ein gutes Leadership-Team ist eine starke Wurzel für ein starkes Schreibzentrum.

Seit diesem Semester gibt es zudem ein Writing Fellows Program, das sich an dem der UW Madison orientiert und diesmal mit Seminaren in Architektur und Soziologie zusammen arbeitet. Ich konnte an zwei der wöchentlich stattfindenen Ausbildungsseminare für die Fellows teilnehmen. Die Fellows hatten gerade Artikel zum Thema Genderrollen im Schreibzentrum gelesen und die Aufgabe gehabt, die Rollenverteilungen in  Gesprächen in ihrer Umgebung (nicht im Schreibzentrum) zu beobachten. Paula wollte damit einBewusstsein dafür wecken, wie wir uns in Gesprächen verhalten und welche genderspezifischen Signale wir senden.

Das war wieder ein sehr spannender und inspirierender Besuch! Zumal er mir, über die Schreibzentrumsarbeit hinaus,  wurde durch einen Abstecher in den tropischen  Sommer erlaubt hat. Ein Uni-Campus unter Palmen ist schon etwas Besonderes. Im Teich schwammen Schildkröten statt Enten und in den Everglades, die ganz in der Nähe der Uni beginnen, lauern die Alligatoren.

Schildkröte im Uniteich

Schildkröte im Uniteich

Wer mehr über Paulas Sicht auf ihr Schreibzentrum erfahren möchte, kann in diesen Blogs weiterlesen:

http://writing.wisc.edu/blog/?p=1076

und http://cccc-blog.blogspot.com/2010/09/successes-and-mini-successes-of-latin.html

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Das Veröffentlichen lernen: Neue Ratgeber für Promovierende

Das Veröffentlichen gehört zunehmend zum Alltag der Promovierenden. Ich bemerke diese Veränderung auch in der Schreibberatung für Promovierende an der Viadrina: Schreibberatung geht immer öfter einher mit Publikationsberatung. Jetzt sind die ersten deutschsprachigen Ratgeber dazu erschienen. Ich sprach mit ihrer Herausgeberin Dr. Kathrin Ruhl, der Geschäftsführerin des Interdisziplinären Promotionszentrums der Universität Koblenz-Landau.

Daniela Liebscher: Gratuliere, Frau Ruhl! Soeben haben Sie als Herausgeberin einen Ratgeber über das Schreiben von Postern in der Wissenschaft veröffentlicht. Was war Ihr Anliegen mit diesem Buch?

Kathrin Ruhl: Vielen Dank. Seitens des Interdisziplinären Promotionszentrums haben wir an unserer Hochschule im Wintersemester 2010/11 eine Postersession für Nachwuchswissenschaftlerinnen organisiert und begleitend dazu einen Workshop zur Postererstellung angeboten, um den Promovierenden, die bislang keine oder wenige Erfahrungen mit dieser Form der Wissenschaftskommunikation gesammelt haben, eine Hilfestellung zu geben. Im Rahmen der Vorbereitung dieser Veranstaltungen recherchierte ich, welche Literatur es zu diesem Thema gibt und stellte fest, dass Informationen bislang nur vereinzelt und vor allem als knappe Handlungsempfehlungen im Internet verfügbar sind. Dadurch entstand die Idee, einen Band herauszugeben, der sich inhaltlich und nicht nur formal mit dem Thema Poster in der Wissenschaft beschäftigt und zugleich Beispiele liefert.

Sie haben außerdem 2010 einen Sammelband zum „Publizieren während der Promotion“ mitherausgegeben. Es ist der erste deutschsprachige Ratgeber zu diesem Thema. Wie sind Sie darauf gekommen, Promovierende beim Publizieren zu beraten? Sollten diese sich nicht besser ganz auf das Schreiben ihrer Doktorarbeit konzentrieren?

Auch dieser Band ist aus meiner regulären Arbeit heraus entstanden. In der Vergangenheit hatten wir im Promotionszentrum bereits mehrere Veranstaltungen zum Verfassen von Fachartikeln oder auch Rezensionen im Programm. Bei der Planung und im Gespräch mit den verschiedenen Referentinnen und Referenten dachte ich immer wieder über die Unterschiede in den Disziplinen nach und auch über die Veränderungen bezüglich des Publikationsverhaltens von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern. Es wird immer stärker von Promovierenden erwartet, dass sie sich bereits in dieser Phase in der Scientific Community vernetzen und mit Vorträgen und Publikationen präsent sind. Dies ist zwar in den Fächern unterschiedlich stark ausgeprägt, aber grundsätzlich ist die Tendenz erkennbar. Der Gedanke, dass Promovierende mit der Veröffentlichung der Dissertation erstmals in der Wissenschaft in Erscheinung treten, gilt daher so nicht mehr. Dies zeigt sich zum Beispiel auch in der Entwicklung der kumulativen, also publikationsbasierten, Promotion, die in einigen Fächern, wie beispielsweise den Naturwissenschaften, verstärkt vorzufinden ist und die als Alternative für die bisherige Form der Promotion auch in anderen Fächern eingeführt wird. Wer kumulativ promoviert, muss sich mit den Kriterien von Fachartikeln auseinandersetzen und die Gepflogenheiten im Fach kennen. Es ist aufgrund der vielfältigen Veränderungen wichtig, frühzeitig die verschiedenen wissenschaftlichen Textsorten und die Anforderungen an diese zu kennen.

Sehen Sie Unterschiede zwischen Natur- und Geisteswissenschaftlern in der Nachfrage nach Unterstützung beim Schreiben?

Zumindest für unsere Hochschule kann ich sagen, dass die Nachfrage zwischen den Fächern nicht größer oder kleiner ist. Aber es gibt verschiedene Gepflogenheiten bei den Fachartikeln, d.h. was die Strukturierung der Artikel, den Grad der Standardisierung, die Sprache und auch die formale Gestaltung anbelangt. Und darauf nehmen wir bei unseren Veranstaltungen Rücksicht und bieten die Workshops zum Verfassen von Fachartikeln deshalb für die Disziplinen getrennt an.

Was ist Ihr Hauptanliegen mit diesen beiden Schreibratgebern?

Die Idee war, systematisch über das Thema Publizieren zu informieren und dieses in seinen verschiedenen Facetten aufzubereiten. Es gibt für jede Textsorte bestimmte Konventionen und ungeschriebene Regeln, die vorausgesetzt werden, aber die Promovierende nicht unbedingt kennen. Daher sollten in den Bänden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Expertise weitergeben, die sie als Autoren oder als Herausgeberinnen von Fachzeitschriften gesammelt haben. Natürlich gibt es keinen festen Ablaufplan, den man nur befolgen muss und schon ist ein Beitrag fertig und wird auch automatisch angenommen – zentral ist die Qualität des Inhalts. Aber wenn sich Promovierende über die Anforderungen an eine Textsorte informieren können, bleibt ihnen hoffentlich mancher Fehler oder manche Enttäuschung erspart. Und ich denke, dass eine Person umso erfolgreicher ist, je mehr Informationen sie sich vorab einholt und Gedanken macht.

Das Poster gehört inzwischen für viele deutschsprachige Promovierende zum Promotionsalltag. Gibt es auch andere Textsorten, die von Promovierenden genutzt werden oder die sich für Promovierende besonders eignen?

Die wissenschaftlichen Textsorten und Publikationsmöglichkeiten sind vielfältig, es gibt beispielsweise Artikel in Fachzeitschriften, Beiträge in Lexika und Handbüchern, Artikel in Sammelbänden und Festschriften usw. Das sind sehr umfangreiche und komplexe Texte – zum Teil wird man für diese angefragt und muss daher schon einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Scientific Community haben oder ein Auswahlverfahren durchlaufen wie bei den Fachzeitschriften. Die Hürden liegen bei diesen Texten also hoch bzw. sehr hoch.

Aber es gibt auch Texte, die Promovierenden eher offen stehen, wo die Hürde niedriger liegt – zum Beispiel Posterbeiträge, Rezensionen oder Tagungsberichte. Sie sind gut geeignet, um einen Einstieg ins wissenschaftliche Veröffentlichen zu realisieren, weil sie einen überschaubaren Arbeitsumfang haben. Viele Fachzeitschriften veröffentlichen eine Liste der Bücher, die besprochen werden können – das ist eine gute Chance, sich an die Redaktion zu wenden und Interesse für eine Rezension zu bekunden. Das heißt nicht, dass es sehr einfach ist, eine Rezension zu schreiben – es sollte eine gute Kenntnis des Feldes vorliegen, um das Buch einordnen zu können, die Fachbegriffe sollten richtig platziert werden. Und auch den richtigen Ton zu treffen, erfordert Geschick.

Die Frage bezüglich der Nutzung ist nicht eindeutig zu beantworten, das ist meines Erachtens je nach Fach verschieden. In Fächern, in denen Postersessions mittlerweile ein fester Bestandteil von Tagungen geworden sind, werden Promovierende sich an diesem Format versuchen. In anderen Disziplinen sind die ersten Publikationsschritte vielleicht eher über Rezensionen. Welche Veröffentlichungen die Ersten sein sollten und welches Medium dafür geeignet ist, all das sind Überlegungen, die sehr gut mit dem Betreuer oder der Betreuerin reflektiert werden können, da würde ich auf deren Urteil und Empfehlungen vertrauen.

Wie sieht es mit der Nutzung des Web fürs wissenschaftliche Schreiben aus? Ich denke da an Forschungsblogs?

Das Internet bietet vielfältige Möglichkeiten, wissenschaftlich zu kommunizieren. Online-Journals oder Forschungsblogs sind für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler ebenfalls eine gute Möglichkeit, Publikationserfahrungen zu sammeln, wobei sich ein Forschungsblog sehr von den „klassischen“ Formen unterscheidet, weil man selbstverantwortlich schreibt und es keine Redaktion gibt, die die Qualitätssicherung übernimmt. Und genau das ist auch der Knackpunkt bei Forschungsblogs, sie sind bei renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern daher häufig nicht sehr anerkannt.

Was sind Ihre drei wichtigsten Tipps an Promovierende, die während ihrer Promotion publizieren wollen?

1. Ich würde mich vorab gut informieren, was die Bedingungen des favorisierten Mediums sind und dann meinen Beitrag genau darauf zuschneiden, damit ich nicht an formalen Dingen scheitere oder mein Beitrag zwar inhaltlich gut ist, aber leider nicht in das wissenschaftliche Profil der Zeitschrift passt.

2. Auch wenn Publikationen nicht bis ins letzte Detail geplant werden können und häufig Zufälle eine Rolle spielen (dass man beispielsweise aufgrund einer Publikation zu einer weiteren eingeladen wird), würde ich versuchen, so etwas wie eine Publikationsstrategie zu entwerfen: Welche Inhalte kann ich bereits während der Promotion veröffentlichen? Wie kann ich mich in meiner Community platzieren? Worauf kommt es in meiner Disziplin an – nationale oder internationale Veröffentlichungen etc.?

3. Publikationen sind wichtig und Promovierende sollten frühzeitig damit beginnen, aber sie sollten vor lauter Veröffentlichungen auch nicht den Abschluss der Dissertation aus den Augen verlieren und sich bei allem Engagement für die verschiedenen Herausforderungen auch genug Freiräume für ihr Privatleben bewahren.

Literaturtipps:

Kathrin Ruhl u.a. (Hg.), Publizieren während der Promotion, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010.

Kathrin Ruhl (Hg.), Das Poster in der Wissenschaft. Zum Stellenwert des Posters in der Nachwuchsförderung am Beispiel der Universität Koblenz-Landau, Gießen: Johannes Herrmann Verlag 2011.

Happy Valentine’s Day

Der Valentine’s Day als Tag der Liebe ist hier sehr präsent. Daher will ich ihn nicht verstreichen lassen, ohne euch, liebes Team und liebe KollegInnen in Deutschland, zu sagen dass ich euch sehr vermisse und mich schon darauf freue, zukünftig auch wieder analog mit euch zusammen zu arbeiten.

Statt eines Berichts (der nächste kommt bald!) gibt es heute Fotos zum Valentinstag.

Tafel mit Happy Love Day

Das Whiteboard des Schreibzentrums im Gang - immer tagesaktuell!

Das geschmückte Schreibzentrum

Das geschmückte Schreibzentrum

Amors Pfeile

Das Writing Center Team wurde kreativ in die Deko einbezogen

Poesieaktion des creative writing programs

Ein interaktives Poesiespiel des Creative Writing Programs im Flur

Gedicht zum Valentinstag

... sehr inspirierend!

Schreibberatung von SchülerInnen für SchülerInnen

In einem Kooperationsprojekt des Schreibzentrums der Europa- Universität Viadrina mit Schulen aus Berlin und Brandenburg, gefördert durch die Bosch Stiftung, werden SchülerInnen von studentischen SchreibberaterInnen dazu ausgebildet, Schreibprozesse ihrer MitschülerInnen zu begleiten. Einen schönen Einblick in das Projekt gibt der Artikel von der Süddeutschen Zeitung: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/538968/Tuefteln-am-Text

Das Projekt wird von Gerd Bräuer http://www.literacy-management.de/index.php?option=com_content&view=article&id=11&Itemid=2  evaluiert und begleitet.

Assessment und eine Studie zur Wirksamkeit von Peer Tutoring

Diese Woche fand wieder das Madison Area Writing Center Colloqium statt. Das Thema war  „Writing Center Assessment“, also die Begutachtung und Bewertung unserer Arbeit. Oder, um eine von vielen Definitionen zu nennen:  “Assessment is any effort to gather, analyze, and interpret evidence which describes institutional, departmental, divisional, or agency effectiveness. (Upcraft and Schuh 1996, 18).

Writing Center Assessment

Im Austausch wurde deutlich, dass das Thema Assessment zwiespältige Gefühle auslöst: zu oft beinhaltet es eine Bewertung von außen, von Leuten die von unserer Arbeit wenig wissen, und löst dann eine defensive Haltung aus. Oft wird Assessment auch mit großem bürokratischem Aufwand assoziiert. Andererseits muss Assessment keine endgültige Beurteilung sein, sondern kann nützliches Feedback geben und Qualität sichern. Allerdings ist es dafür wichtig, sich vorher zu überlegen, was man wissen will und wonach man guckt, damit man Daten sammeln kann, die zu Aussagen führen. Obwohl das eigentlich für alle Forschung gilt, ist es für Assessment besonders wichtig, weil letzteres immer für einen bestimmten Kontext stattfindet in dem es zu politischen bzw. meist finanziellen Konsequenzen führt. Neil Lerner hat in einem Essay über Writing Center Assessment zum Beispiel gezeigt, dass die meisten Schreibzentren nur ca. 10-15% der Studierenden einer Uni erreichen – eine Zahl, die die Verwaltung nicht glücklich machen wird, auch wenn für mehr gar keine Kapzität da ist. Wenn es aber die Mission der Uni sein sollte, besonders attraktiv für internationale Studierende zu sein, dann könnte es viel sinnvoller sein, im Jahresbericht aufzuführen, dass das Schreibzentrum zu 40% von internationalen Studierenden genutzt wird – was im Verhältnis von 20% internationalen Studierenden an der Uni eine sehr gute Zahl ist.

Studie zu einem Writing Fellows Programm

Textgrundlage für die weitere Diskussion war eine Studie, in der die Wirksamkeit eines Writing Fellow Programms gemessen werden sollte und die durch ihr sorgfältiges Design – darüber waren sich alle einig – über Assessment weit hinaus ging und eigentlich schon in die Kategorie „Forschung“ gehört.

Die Fragestellung der beiden Autorinnen war, ob ein Writing Fellows Programm an ihrem College im Verlauf eines Semesters Studierenden nachweisbar hilft, bessere Schreiber zu werden. Im Writing Fellows Programm geben ausgebildete Peer Tutoren den Studierenden eines Seminars Feedback auf mehrere Texte, die sie in einem Semester schreiben. Die Peer Tutoren lesen die Texte, geben schriftliche Rückmeldungen vor allem im Hinblick Higher Order Concerns und den Schreibprozess. Die schriftlichen Rückmeldungen werden in einem mündlichen Gespräch diskutiert und die Studierenden überarbeiten ihre Texte, bevor sie sie zur Benotung bei den Lehrenden einreichen – genau wie hier an der UW Madison.
Die Autorinnen begründen die Notwendigkeit ihrer Studie damit, dass die wac-Bewegung schon länger Studien fordert, die über subjektive Erfahrungsberichte oder Selbsteinschätzungen der Studierenden hinaus gehen – wobei sie diese Berichte durchaus wertschätzen. Den Anlass für die Studie gab die Frage, ob es sinnvoll wäre, ein Writing Fellows Programm am College der Autorinnen zu etablieren oder ob die Energien lieber auf andere wac-Initiativen gelenkt werden sollten.

Forschungsdesign
Das Design der Studie wird in dem Artikel genau vorgestellt und seine Begrenzungen werden mit thematisiert. Untersucht wurden zwei Seminare, die obligatorisch für Studierende sind, die Englisch im Haupt- oder Nebenfach studieren. Die Seminarleiter stellten in beiden Seminaren im Laufe des Semesters die gleichen Schreibaufgaben: zwei kürzere Essays bei denen Literaturtheorien auf literarische Texte angewandt werden sollten und eine längere Arbeit, für die eigenständige Forschung nötig war. In einem der Seminare wurde mit Writing Fellows in der oben beschriebenen Art und Weise gearbeitet. In dem anderen Seminar gab es keine Writing Fellows. In beiden Seminaren bezog sich das Feedback der Lehrenden auf die zur Benotung abgegebenen Texte.
Die Studierenden wussten vorher nicht, dass in einem der Seminare mit Writing Fellows gearbeitet wurde. Sie schrieben sich für die Seminare ein, weil sie besser in den Stundenplan passten oder weil sie möglicherweise unterschiedliche Lehrende präferierten.
Die Studierenden, die sich damit einverstanden erklärten, dass ihre Texte im Rahmen einer Studie anonym bewertet werden, wurden in die Studie einbezogen. Nach Abschluss des Semesters wurden deren zur Benotung abgegebenen Texte (in der Reihenfolge ihres Entstehens) in Portfolios. Die Portfolios wurden anonymisiert. Es wurde ein Lesergremium zusammengestellt, dass aus einem anderen College rekrutiert wurde. Die Lesenden wussten nichts über den Aufbau der Studie, ihnen wurde nur gesagt, dass Texte aus zwei Seminaren verglichen werden sollten. Die Lesenden wurden zunächst geschult, indem sie gemeinsam Kriterien zur Bewertung von Texten brainstormten und diskutierten und diese probeweise und jeweils zu zweit an verschiedenen Essays testeten, die von der Aufgabenstellung denen in den Seminaren entsprachen. Als die Studienleiterinnen feststellen konnten, dass die Lesenden offenbar gemeinsame Kriterien und Bewertungsweisen entwickelt hatten, wurden diese gebeten, die Portfolios zu bewerten und zu kommentieren. Dabei sollten sie sowohl die Texte einzeln bewerten als auch die Entwicklung, die im Laufe der Zeit stattgefunden hat. Jeweils ein Portfolio wurde von zwei Leuten bewertet. Wenn es zu Abweichungen kam, wurden dritte, vierte oder sogar fünfte Lesende hinzu gezogen.

Ergebnisse
Die Ergebnisse der Studie lassen darauf schließen, dass es deutliche Unterschieden zwischen den beiden Gruppen gab. Die Portfolios der Testgruppe wurden statistisch signifikant besser bewertet und die Entwicklung der Schreibenden war signifikant besser als bei der Kontrollgruppe. Hinzu kommt, dass die Selbstaussagen der Studierenden der Testgruppe darauf schließen lassen, dass sie auch in ihrer Selbstwahrnehmung das Gefühl haben, ihre Schreibkompetenzen verbessert zu haben und metakognitive Kompetenzen hinsichtlich Schreibprozessen und disziplinärem Wissen erlangt zu haben.

Mein Fazit

Ich finde diese Studie aus verschiedenen Gründen sehr interessant. Zum einen natürlich, weil sie stützt, was wir in Schreibzentren täglich beobachten: Feedback durch geschulte Tutoren hilft Studierenden in ihrer Entwicklung als Schreiber und führt zu besseren Texten. Zum anderen finde ich das Design der Studie sehr überzeugend und anregend für weitere Untersuchungen. Natürlich sind die Aussagen nur begrenzt übertragbar auf andere Kontexte und natürlich kann es nie eine „objektive“ Bewertung von Texten geben (mehrere Portfolios mussten von mehr als zwei Personen bewertet werden bis es zu einer Einigung kam). Dennoch zeigt die Studie, dass die Selbstaussagen der Studierenden hier mit der Wahrnehmung von Außenstehenden übereinstimmen. Darüner hinaus möchte ich den Artikeln all jenen empfehlen, die in unserem Fachgebiet nach einem Musterartikel zur Genre-Analyse für Publikationen von Forschungsergebnissen auf Englisch suchen: sehr gut gemacht!

Allerdings: Im Rahmen der alltäglichen Arbeit lässt sich so eine Studie nicht nebenbei als Assessment durchführen. Aber vielleicht ja in Zusammenarbeit mit einzelnen Lehrstühlen? Im Rahmen von Abschlussarbeiten? Ich finde es lohnt sich, darüber nachzudenken und die Statistiken, die wir führen, nicht nur als lästiges Übel anzusehen. Dass es Studierende gibt, die auf dieser Basis wertvolle Aussagen herausarbeiten können, zeigt ja auch unsere Abschlussarbeiten-Reihe.

Genannte Literatur:

Rossman Regaignon, D.; Bromley, P. (2011) ‚What Difference Do Writing Fellows Programs Make?‘ The WAC Journal  22 41-63

Upcraft, M. L. and Schuh, J. H. (1996). Assessment in student affairs: A guide for practitioners. San Francisco: Jossey-Bass.

Lerner, N. (2003) ‚Writing Center Assesment. Searching for the “Proof“ of our Effectiveness. ‚ in. Pemberton/Kinkead: The center will hold – critical perspectives on writing center scholarship. Logan, Utah: Utah State Univ. Press, 58-73

Weitere Ressourcen:

Barbara E. Fassler Walvoord, Trudy W. Banta: Assessment clear and simple :a practical guide for institutions, departments, and general education (Google eBook)

Isabelle Thompson (2006): Writing Center Assessment: Why and a little How. In Writing Center Journal 26.1, 33-61

A Selected Bibliography on Empirical Writing Center Research

Research Podcasts des Writing Centers der UW Madison:

New Directions in Writing Center Assessment

Two Experts Talk Writing Center Assessment: A Conversation with Neal Lerner and Jason Mayland

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