Writing Center Leadership Series

Was mich am hiesigen Schreibzentrum besonders beeindruckt, ist, wie sehr Brad nicht nur an sein eigenes Schreibzentrum denkt, sondern weit darüber hinaus auch an die Sicherung der Qualität anderer Schreibzentren. So war er der Mitbegründer der jährlichen Writing Center Summer Institutes, die es Schreibzentrumsleitenden ermöglichen, sich eine Woche lang intensiv weiterzubilden und auszutauschen (bei dem Writing Centers Summer Institut 2009 hatte ich ihn kennen gelernt). Weiterbildung und Austausch bietet auch das schon mehrfach erwähnte Madison Area Writing Center Colloquium. Und innerhalb seines Teams sorgt er gut dafür, dass diejenigen, die nach dem Abschluss in Schreibzentren Leitungspositionen übernehmen möchten, sich gut darauf vorbereiten können. Mit großem Erfolg: Allein 2011 wurden sieben Alumnis des hiesigen Schreibzentrums in Leitungspositionen an anderen Unis eingestellt. Im Schreibzentrum hängt eine Karte, die aufzeigt, wo überall Ehemalige in Schreibzentren arbeiten – ich werde darauf bestehen, dass die Karte um Deutschland erweitert wird!

Schreibzentrums Alumni Karte

In diesem Semester gibt es die „Writing Center Leadership Series“, bei der interessierte Peer Tutoren ihr Wissen über Schreibzentrumsleitung und Leitung von Writing-Across-the-Curriculum-Programmen erweitern können. In vier anderthalbstündigen Sitzungen vermittelt Brad Basiswissen über die Aufgaben von Schreibzentrumsleitenden, über die Rekrutierung und Ausbildung von Peer Tutoren und Mitarbeitenden, über Finanzierung und Fundraising und über mögliche Argumentationswege für die Begründung von Schreibzentren. Zwischen den Sitzungen werden Grundlagentexte gelesen und kleinere Schreibaufgaben bewältigt. Dieses Mal zum Beispiel sollten wir eine Art Mission Statement für unser Wunsch-Schreibzentrum schreiben. Da ich mich noch gut daran erinnere, wie wir im Team in Frankfurt (Oder) vor anderthalb Jahren einen ganzen Sommer damit zugebracht haben, unser Mission Statement zu entwickeln, war mir klar wie schwierig diese Aufgabe ist und ich war froh, dass ich auf diese schon geleistete Arbeit zurückgreifen und sie ins Englische übersetzen konnte. Allerdings habe ich dabei auch gemerkt, dass sich meine Perspektive durch den Aufenthalt hier verändert und ich inzwischen einiges wieder anders formulieren würde. Jedenfalls war es sehr spannend, die Texte der anderen zu lesen und zu diskutieren. Alleine über die Namen der Zentren oder die Bezeichnungen für die Peer Tutoren (Consultants, Assistants, Collaborators…) ließe sich ewig reden. Brad meinte allerdings, es könnte auch zu viel werden, denn letztendlich würden die Studierenden auch jenseits des Namens schnell merken, um was es im Schreibzentrum geht und was wir anbieten.

Mission Statements für Schreibzentren

Die Lektüre war auch wieder sehr interessant für mich. So bin ich zwar schon öfter darauf gestoßen, dass über den Ansatz der nicht-direktiven Beratung kontrovers diskutiert wird, aber ich hatte mich bisher noch nicht systematisch mit dem Thema befasst. Peter Carino zeigt in seinem Artikel „Power and Authority in Peer Tutoring“ auf, dass es schon verschiedene Debatten dazu gab, ob Nicht-Direktivität Peer Tutoren nicht vor ein Dilemma stellt und unlösbare Konflikte heraufbeschwört. Denn es gibt durchaus Ratsuchende, die verärgert sind, wenn Tutoren sich weigern, Bemerkungen in ihre Texte zu schreiben oder auf Fragen mit Gegenfragen antworten. Auch stimmt es nicht immer, dass Peers in der Beratung gleichgestellt sind, oft haben die Tutoren mehr Wissen. Wir haben diese Themen in Frankfurt (Oder) schon oft diskutiert, daher ist es schön für mich, nun zu wissen, wo ich die passenden Texte dazu finde.

Gut gefallen hat mir auch ein Artikel von Tom Truesdell über die Anwesenheit der Leitungspersonen im Schreibzentrum. Er hat untersucht, wie es sich auswirkt, wenn Leitende ein eigenes Büro und viele Verpflichtungen innerhalb der Universität haben und deshalb nicht mehr viel im Schreibzentrum anwesend sind. Dabei kam heraus, wie wichtig die Tutoren es finden, dass sie die Leitenden regelmäßig sehen. Unser aus der Not geborenes Ein-Raum-Wunder in FfO, bei dem das Schreibzentrum zugleich unser Büro ist, bietet in dieser Hinsicht einen großen Vorteil!

Angesichts der momentan in Deutschland so erstaunlich zahlreich entstehenden Schreibzentren ist es vielleicht eine gute Idee, darüber nachzudenken, wie auch wir unseren Peer Tutoren eine berufliche Perspektive im Bereich der Schreibzentrumsarbeit aufzeigen können. Und eine Alumni-Karte können wir ebenfalls aufhängen: Gruß nach Hannover zu Nora!

Erwähnte Texte:

Carino, P. (2003) ‚Power and Authority in Peer Tutoring‚ in The center will hold – critical perspectives on writing center scholarship Logan, Utah: Utah State Univ. Press, 96-115

Truesdell, Tom (2004) ‚Don’t forget us: the impact of director presence on tutors‚ The Writing Lab Newsletter  29 (3), 1-5

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