The Writing University – ein Writing Center an der University of Iowa

Klingt das nicht traumhaft? Eine Universität, die sich selbst als „The Writing University“ bezeichnet! Hinter der Bezeichnung steht die Feststellung, dass Schreiben ein Markenzeichen der University of Iowa ist. Es gibt hier so viele Angebote zum Schreiben, und Schreiben ist insgesamt so wichtig, dass man leicht den Überblick verliert. Deshalb hat die Uni ein Webportal für alle Schreibangebote aufgebaut und nennt sich „writing university“.

Iowa Wegweiser

Das Schreibzentrum gehört, wie das Speaking Center, zum Department für Rhetorik

Angefangen hat es mit dem „Iowa Writer’s Workshop“, dem ersten Creative Writing Angebot eine Universität in den USA – das war 1897. Seit 1922 kann man an der University of Iowa mit Romanen, Gedichten und anderen Texten einen akademischen Titel erlangen, den Master of Fine Arts in Creative Writing. Seit dem hat die Universität unzählige SchriftstellerInnen ausgebildet, von denen viele berühmt geworden und z.B. den renommierten Pulitzer Preis gewonnen haben (17x bisher). Und berühmte SchriftstellerInnen, die nicht hier ausgebildet wurden, haben höchstwahrscheinlich mindestens ein Semester lang hier gelehrt, denn die Uni hat immer Gastlehrende. Mittlerweile gibt es außer dem Writer’s Workshop auch verschiedene Studiengänge in Creative Non-Fiction, Poetry, International Literature (auf Spanisch) und Spezialsierungsmöglichkeiten für BA-Studierende. Inzwischen ist Iowa City eine von drei Städten weltweit, die den Titel „Unesco City of Literature“ tragen dürfen. Ich habe mich in der Stadt ein bisschen an Walter Moers‘ „Stadt der träumenden Bücher“ erinnert gefühlt, denn an jeder Ecke ist ein Buchladen, in jedem Café sitzen schreibende oder Texte diskutierende Menschen herum und überall stehen Bücherdenkmäler.

Schreibzentrum University of Iowa

Blick ins Writing Center

In so einem Klima sollte ein Schreibzentrum doch hervorragend gedeihen. Und in der Tat gibt es an der Uni nicht nur ein Schreibzentrum, sondern jede Menge. Es gibt ein Schreibzentrum für Geschichtswissenschaften, eins für Ingenieure, eins für Wirtschaftswissenschaften, und sogar eins in der Medizin, das aber weniger beim akademischen Schreiben unterstützt und eher dafür da ist, gestresste Ärzte durch das Schreiben von Lyrik zu entspannen. Das Schreibzentrum, das ich besucht habe, gehört zum Department für Rhetorik und ist das Älteste von allen. Es wurde bereits 1938 gegründet. Wie alle der Schreibzentren, die ich bisher besucht habe, arbeitet es mit gut ausgebildeten Peer Tutoren. Aber es gibt eine Besonderheit, und das ist die „Iowa-Methode“: Neben den normalen Sprechzeiten, für die man sich anmelden kann, gibt es die Möglichkeit, sich gleich für ein ganzes Semester verbindlich anzumelden und sich dann 2x die Woche mit dem gleichen Tutor oder der gleichen Tutorin zu treffen. Bei diesen Treffen werden natürlich die für das Studium zu schreibenden Texte besprochen, aber wenn mal nichts aktuell anliegt wird kreativ-reflexiv geschrieben. Im Laufe der Jahre wurden reichlich Schreibaufgaben zu diesem Zweck entwickelt, z.B. um die eigene Schreibentwicklung oder den eigenen Stil zu reflektieren. Es gibt auch wechselnde Kunstausstellungen an den Wänden des Writing Centers, die zum Objekt für kreative Texte werden.

Außerdem gibt es drei Schreibgruppen im Schreibzentrum, eine für Non-Fiction, also Schreiben über eigene Erfahrungen, eine für Fiction und eine für Poetry. In der Non-Fiction-Gruppe, an der ich teilnehmen konnte, wurde erst ein berühmter Beispieltext mit bestimmten Stilmitteln gelesen, dann eine eigene entsprechende Schreibaufgabe durchgeführt und schließlich ein Text einer Teilnehmerin diskutiert, die diesen eine Woche vorher verschickt hatte. Die Autorin durfte sich erst nach der Diskussion selbst äußern.
In der Fiction-Gruppe wurde gleich die vorab verschickte Geschichte diskutiert und die Autorin durfte auch mit diskutieren. In die Lyrikgruppe habe ich es leider nicht geschafft.

Bei so viel kreativem Schaffen liegt es nahe, auch Texte zu veröffentlichen. Einmal pro Semester gibt das Schreibzentrum daher die Sammlung „Voices from the writing center“ heraus, in der Texte veröffentlicht werden, die im Schreibzentrum besprochen wurden.

Wie schon so oft habe ich auch hier wieder viele interessante Anregungen mitgenommen!

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