Das Mindeste, was SchreibberaterInnen wissen sollten…

– so lautete der Titel des Staff Meetings vom letzten Freitag hier im Schreibzentrum in Madison, wo ich zwischen meinen ganzen Reisen endlich auch mal wieder war: „The least you need to know about…“.
Die Idee dahinter: Es gibt viele Fragen zu verschiedenen Bereichen in der Schreibberatung, die immer wieder auftauchen. Das Meeting sollte dazu dienen, einige Fragen zu diskutieren und mehr über bestimmte Bereiche zu erfahren. Folgende Themen wurden in sogenannten Breakout Sessions, also in Kleingruppen, behandelt:

– Legal Writing (also Schreiben an der rechtswissenschaftlichen Fakultät)

– Literature Reviews across Disciplines (das Genre Literature Review taucht immer wieder auf)

– APA & Chicago Style Citations (Zitierrichtlinien)

– Productive Ways to End a Conference (wie lässt sich eine Beratung produktiv beenden)

– Technology in the Face-to-Face Writing Conference (z.B. der Einsatz von IPads o.ä. während der Beratung)

Die Sessions liefen in drei halbstündigen Zeitfenstern jeweils 3x hintereinander, so dass alle, die nicht selbst eine Session leiteten, die Chance hatten an drei verschiedenen Sessions teilzunehmen. Ich war zunächst bei der Literature Review, weil ich mich mit diesem Thema gerade für meine eigene Forschungsarbeit befasse. IBei uns nennt man das „Darstellung des Forschungsstands“. Nancy und Stephanie vom Leitungsteam hatten eine sehr informative Präsentation zusammengestellt und versorgten uns mit vielen Materialien. Trotzdem blieb noch Zeit, um Beratungserfahrungen mit diesem Genre zu diskutieren und Fragen in der Runde zu besprechen.

Als zweites war ich in der Session zum produktiven Beenden von Schreibberatungen. Hier machten wir zunächst ein Freewriting und fragten uns dabei, wieviel Zeit wir normalerweise zum Beenden einplanen, wie wir das machen und was wir vielleicht nur manchmal machen. Anschließend sammelten wir gemeinsam die Bestandteile einer gelungenen Beendung von Beratungssituationen und überlegten, wie sich das praktisch umsetzen lassen würde, was in der Theorie allen klar war. Dabei ist mir ein Vorschlag besonders hängen geblieben: Auf den Beratungstischen könnte ein Formular liegen, auf dem die Studierenden am Ende der Beratung eintragen, was ihre nächsten Schritte sind. Darauf könnten auch gleich die Sprechzeiten aufgedruckt sein und ein Feld zum Eintragen des nächsten Beratungstermins.
Die Tafel, auf der wir die Ideen sammelten, füllte sich sehr schnell und am Ende stellten wir fest, dass alleine das Beenden eine ganze Session ausmachen könnte. Ein Fazit war daher, dass nicht alles, was unter „Beenden einer Beratung“ fällt, erst am Ende kommen muss. Zum Beispiel kann man auch zwischendurch schonmal einladen, wiederzukommen, oder man kann auch zwischendurch die Studierenden schonmal bitten, zusammenzufassen, was bisher für sie in der Beratung klar wurde. Und natürlich kann man auch zwischendurch nachfragen, wie es den Studierenden mit der Beratung gerade geht!

Als drittes war ich in der Session zum Legal Writing. Diese wurde von einer Professorin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät angeboten, die dort vor allem juristische Arbeitstechniken und juristisches Schreiben unterrichtet. Sie stellte zunächst fest, dass Jura- Studierende generell die gleichen Schwierigkeiten haben wie andere Studierende auch, und dass bestimmte Prinzipien des Schreibprozesses oder guten Stils sich mit anderen Fächern decken. Dann erklärte sie, dass eine große Schwierigkeit für Studierende darin besteht, sich ihr Publikum vorzustellen. Denn einerseits ist es ein Prinzip, alle Fälle und Gesetze erklären zu müssen – kein Leser kann alles auswendig wissen und keiner will jedes Mal extra Gesetzestexte wälzen. Andererseits kann man aber ein juristisches Grundwissen vorraussetzen. Das ist dann schwer einzuschätzen – und tatsächlich nicht so viel anders als für alle anderen Studierenden, die beim Schreiben ihrer Arbeiten die Balance halten müssen zwischen dem, was im eigenen Fach als bekannt vorausgesetzt werden kann und dem, was erklärt werden muss. Anschließend erklärte die Professorin die wichtigsten Genres und wie sie strukturiert werden und ging auch kurz auf den Stil ein. Insgesamt machte sie den SchreibberaterInnen Mut, ohne Hemmungen mit Jura-Studierenden zu arbeiten. Sie betonte, wie wichtig sie das Schreibzentrum findet und wieviel die Jura-Studierenden dort auch fachunabhängig lernen können.

Ich fand alle drei Sessions sehr interessant und hätte gerne auch noch die anderen besucht. Alles in allem war ich erstaunt, wieviel man in so kurzer Zeit lernen und besprechen kann. Und die Idee, ProfessorInnen einzuladen für eine kurze „Breakout-Session“ sollten wir uns merken, denn das ist eine gute Möglichkeit, sich mit ihnen zu verbünden.

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