EWCA 2012 Bulgarien

In der letzten Woche reiste ein großer Teil unseres Teams zur EWCA (European Writing Center Association) Konferenz. Dieses Mal fand sie an der American University in Blagoevgrad in Bulgarien statt.
Wir kamen im sonnigen Sophia an, verbrachten zwei schöne Tage miteinander, um dann mit dem Zug nach Blagoevgrad zu reisen. Wir fieberten der Konferenz entgegen, den vielen Beiträgen, wir freuten uns auf all die Schreibzentrumsleute, die aus Europa, den USA, den Vereinigten Emiraten usw. anreisen würden. Nicht zuletzt freuten wir uns auf die Keynotespeaker, Sarah Haas und ganz besonders auf Chris Baty der vor dreizehn Jahren, den „National Novel Writing Month“ gründete und der mit seinem Projekt jedes Jahr mehr und mehr Menschen begeistert, im November einen Roman zu schreiben.
Seit Jahren nimmt das Team unseres Schreibzentrums an Konferenzen teil. Für uns ist es ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit, uns regelmäßig fortzubilden und zu vernetzen und somit an der aktuellen Diskussion der Schreibdidaktik und Schreibforschung teilzuhaben. Darüber hinaus finden wir es wichtig, mit möglichst allen Teammitgliedern zu vereisen und bereits unseren studentischen SchreibtutorInnen die Möglichkeit zu geben, an Konferenzen, den fachlichen Austausch und der Forschung teilzuhaben.

 

    

Es ist außerdem eine schöne Gelegenheit, gemeinsam etwas zu unternehmen, sich außerhalb der Arbeit zu treffen und gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen. Das optimale Teambuilding 😉
In Blagoevgrad wohnten wir in einem familiären, hübschen Hotel. Von hier aus brachen wir jeden Morgen zu zahlreichen Vorträgen und Workshops auf. Wir haben uns dabei auch selbst sehr stark in die Konferenz eingebracht, indem wir Workshops und Vorträge hielten.
Simone Tschirpke und Franziska Liebetanz aus dem Schreibzentrum der Viadrina und Nora Peters (Leibniz Universität Hannover, ZfSK, Schreibwerkstatt, (http://www.zfsk.uni-hannover.de/index.php?id=schreibwerkstatt) haben am Montag einen Workshop zum Publizieren in Fachzeitschriften gegeben. Luise Herkner und Lene Albrecht (Schreibzentrum Viadrina) verzauberten die KonferenzteilnehmerInnen mit ihren Kitchen Stories. In diesem Workshop ging es darum, dass alle TeilnehmerInnen kreativ und schreibend reflektieren, welche Zutaten für eine gelungene Teamarbeit innerhalb eines Schreibzentrums notwendig sind.

Sebastian Schönbeck (Schreibzentrum Viadrina/Masterstudiengang Literaturwissenschaften) hielt gemeinsam mit Matthias Preuss (Masterstudiengang Literaturwissenschaften) einen Vortrag darüber, was Literaten uns über das Schreiben lehren können (Letters and Lectures: What literature Teaches about Writing).

Anja Poloubotko und Simone Tschirpke (Schreibzentrum Viadrina) stellten die Bachelorarbeitsgruppe des Schreibzentrums der Europa- Universität Viadrina innerhalb einer Pecha Kucha Session vor. Was ist eine Pecha Kucha? 20 Folien müssen 400 Sekunden erklärt werden, das bedeutet, für jede Folie haben die Vortragenden 20 Sekunden Zeit. So wird verhindert, dass Vortragende nicht auf den Punkt kommen.
Die AutorInnen des Buches „Zukunftsmodell Schreibberatung. Eine Anleitung zur Begleitung von Schreibenden im Studium“, Franziska Liebetanz, Nora Peters (Leibniz Universität Hannover, ZfSK, Schreibwerkstatt Hannover), Jana Zegenhagen (Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim) und Ella Grieshammer (Internationales Schreibzentrum der Georg August Universität Göttingen), stellten ebenfalls in einer Pecha Kucha Session den Entstehungsprozess ihres Buches vor.
Die Konferenz wurde sehr schön abgeschlossen. Hier hatten wir die Gelegenheit die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ allen vorzustellen und konnten die Schreibzentren aus den USA, Paris, Polen usw. begeistern, ebenfalls an der „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ mitzuwirken.

 

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Peer Tutoren Ausbildung in Oklahoma – Preparing for Surprise is Education

Neulich war ich am Writing Center der University of Oklahoma, bei Michele Eodice, Moira Ozias und ihrem Team. Michele leitet das Schreibzentrum, Moira ist Associate Director. Außerdem gibt es noch einen Graduate Assistant Director und eine Office Managerin, die sich um alles Organisatorische kümmert. Und dann sind da natürlich noch ca. 20 Schreibberaterinnen und –berater (sowohl Graduates als auch Undergraduates). Das Schreibzentrum hat tolle Räume, in denen es sogar ein Piano gibt.

Ausbildungsmodelle für Peer TutorInnen

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir unser Gespräch über die Ausbildung der Peer Tutoren. Ich habe ja an dieser Stelle schon einige Male von der Aus- und Weiterbildung am Schreibzentrum in Madison berichtet, und auch von anderen Hochschulen die ich besucht habe. Insgesamt würde ich sagen, dass allen Schreibzentrumsleitenden, die ich gesprochen habe, sowohl eine Grundausbildung als auch die kontinuierliche Weiterbildung sehr wichtig sind. Aber die Modelle dafür sind durchaus unterschiedlich. An einigen Schreibzentren müssen die Studierenden erst die Ausbildung durchlaufen, bevor sie sich für die Arbeit im Schreibzentrum bewerben können. In anderen Schreibzentren bewerben sie sich erst, um dann die Aubildung zu durchlaufen, aber manchmal läuft es auch parallel: die Ausbildung erfolgt während die Beratenden schon anfangen zu arbeiten. Weiterbildungen gibt es überall, manchmal wöchentlich, manchmal nur monatlich, manchmal unregelmäßig. Auch Mentoring gehört dazu. In einigen Schreibzentren haben die erfahreneren TutorInnen regelmäßige Gespräche mit den

mit Moira vor dem Writing Center
(Foto: Michele Eodice)

neueren, in anderen übernimmt das Leitungsteam die Mentoring-Gespräche.

Keine Lehrbuch-Vorschriften

In Oklahoma führt Moira am Ende jedes Semester mit allen TutorInnen einzeln Gespräche und leitet daraus ab, was es für Weiterbildungsbedarf gibt und welche Schwerpunkte die Ausbildungsklasse für die angehenden TutorInnen haben soll. Michele sagte mir im Gespräch, für sie sei es besonders wichtig, Studierende nicht mit Dogmen zu belasten. Sie ist gegen Lehrbuch-Vorschriften, wie z.B. „Sei nicht-direktiv!“ oder „Schreibe nie in den Text der Studierenden!“ oder „Gehe in diesen Schritten vor!“. Daher mag sie auch den Begriff Training nicht. „To prepare against surprise is training“, meinte sie, denn wenn man für etwas trainiert wurde sei man der Meinung man könne es nun und wisse wie es geht. Sie findet den Begriff „education“ besser: „To prepare for surprise is education”. Zu dieser Vorbereitung auf Überraschungen gehört es zum Beispiel, dass man Improvisationsregeln verinnerlicht: Ja sagen, zu dem was kommt und spontan darauf reagieren. Eine solche Haltung kann man nicht mit einem Lehrbuch lernen, meinte sie. Deshalb nutzt sie für die Ausbildung der TutorInnen auch keins, sondern bespricht mit ihnen Studien, die in Schreibzentren durchgeführt und veröffentlicht wurden, wie z.B. „Scaffolding the Writing Center“ von Isabelle Thompson. Mit diesem Artikel hat das Team ein ganzes Semester lang in der Weiterbildung gearbeitet. Erst haben sie die im Artikel identifizierten Strategien besprochen, erprobt und Vor- und Nachteile erarbeitet. Dann haben alle Beratenden aus diesem eine persönliche Forschungsfrage abgeleitet und das Semester über bearbeitet, z.B. indem eigene Beratungen aufgezeichnet und angeguckt wurden. Aus einer publizierten Schreibzentrumsforschung wurden also persönliche kleine Forschungsprojekte abgeleitet, die es den TutorInnen erlaubten, ihre eigenen Beratungstätigkeiten strukturiert zu reflektieren.

Nicht dogmatisch werden

Auch generell plädiert Michele dafür, die Schreibzentrumsarbeit nicht zu dogmatisch zu sehen, sondern offen zu bleiben für Neues. So lasse sie auch mal Leute im Schreibzentrum mitarbeiten, die die Ausbildung noch nicht durchlaufen haben, wenn sie sie gerne dabei haben möchte und es gerade anders nicht passt.

Blick ins Writing Center der University of Oklahoma

Surprise!

Ich finde sowohl die Idee, Weiterbildung mit eigener Forschung zu verbinden, als auch die Grundhaltung, keine Dogmen aufzustellen und offen für Überraschungen zu sein, sehr inspirierend. Und apropos Überraschungen: Ich konnte das auch gleich testen! Am Freitag überraschte mich das Madisoner Schreibzentrumsteam mit einer echten Surprise-Party zu meinem Geburtstag. Das kannte ich nur aus Filmen bisher. Ich habe mich sehr gefreut!

Surprise Party für mich am Writing Center in Madison

Das Writing Lab der Purdue University: Online und Offline aktiv

Das Writing Lab der Purdue University kennen viele Menschen weltweit, weil es eines der ersten Online-Angebote in unserem Bereich war. Das OWL (Online Writing Lab) bietet jede Menge Ressourcen für akademisch Schreibende an, von Tipps für Lehrende über Schreibprozessinformationen über Grammatik bis hin zu Styleguides. Ich hatte neulich die Gelegenheit, das Writing Lab auch offline zu besuchen, als ich in Indiana war. Dabei konnte ich mich davon überzeigen, dass auch im echten Leben viel los ist im Writing Lab.

Konversationsgruppen

Neben den Beratungen und Schreibgruppen finden beispielsweise fast jeden Tag Konversationsgruppen für ausländische Studierende statt. Diese sind auf Wunsch von Studierenden entstanden und wurden immer mehr, weil sie so gut nachgefragt werden. Die TutorInnen, die die Gruppen leiten, erarbeiten für jedes Semester einen wöchentlichen Themenvorschlag, so dass alle Konversationsrunden der Woche sich mit dem gleichen Thema befassen. Als ich dabei war, drehte sich das Gespräch um das Thema Familie. Laurie, die Gruppenleiterin, ließ uns zunächst eine kleine kreative Aufgabe lösen: wir sollten einen Stammbaum zeichnen. Dann erklärten alle fünf Teilnehmenden nacheinander ihren Stammbaum und Laurie nutzte das, um Vokabeln auf die Tafel zu schreiben und sie nach dem Gespräch zu erklären. Die Tafelbilder veröffentlich sie in ihrem Blog. Obwohl diese Runden überwiegend mündlich sind, scheinen sie doch gut ins Schreibzentrum zu passen. Sie helfen ausländischen Studierenden, ihren Wortschatz zu erweitern und sie können ausländischen Studierenden helfen, das Schreibzentrum kennenzulernen und sich dort Zuhause zu fühlen.

Seminar zu Schreibzentrumstheorie und -praxis

Beeindruckt hat mich auch das Seminar für Graduate Students zum Thema Schreibzentrumsarbeit in Theorie und Praxis. Studierenden müssen in dem Seminar zwischen ein und drei Projekten bearbeiten, je nachdem was sie studieren und welche Note sie haben wollen. Obligatorisch müssen alle mindestens fünf Schreibberatungen beobachten und in einem Essay in Bezug setzen zu der Schreibzentrumstheorie, die sie im Seminar lesen.

Weitere Projekte sind:

–          Ein Proposal für eine Schreibzentrumskonferenz vorbereiten und eine Powerpoint-Präsentation dazu erstellen.

–          Einen Vorschlag für ein Forschungsprojekt im Schreibzentrum erarbeiten.

–          Eine Rezension für ein Schreibzentrumsbuch schreiben und dabei auch eine annotierte Bibliografie zum Thema erstellen.

–          Ein Szenario für eine Schreibzentrumsweiterbildung erstellen.

–          Eine Reflexion zu den Diskussionen auf wcenter-listserv schreiben und diese auf die im Seminar gelesene Lektüre beziehen.

Ich erlebte dort im Seminar Semesterabschluss-Präsentationen. Eine war theoretisch angelegt und der Student befasste sich mit Community Writing Centers und dem außeruniversitären Engagement von Schreibzentren. Eine andere Studentin präsentierte gleich zwei Projekte. Zuerst hatte sie sich in das Archiv des seit 1975 bestehenden Writing Labs begeben und sich die Jahresberichte daraufhin angeguckt, wie das Writing Lab ESL-Studierende thematisiert. Das Thema hat im Laufe der Jahre immer mehr an Bedeutung gewonnen und das Writing Lab hat schließlich angefangen, von sich aus aktiv zu werden im Bereich ESL, statt nur auf bestimmte Anfragen zu reagieren.

Blick ins Writing Lab

Darüber hinaus hat die Studentin das Schreibzentrum ihrer früheren Uni untersucht, an der sie ihren BA-Abschluss gemacht hatte. Dort hatte sie die TutorInnen in einer Online-Umfrage zu ihrer Ausbildung befragt und dies mit dem im Seminar Erlernten in Verbindung gebracht. Sie wird nun für das Schreibzentrum ein neues Aus- und Weiterbildungskonzept entwickeln – was für ein Geschenk für den dort gerade neu eingesetzten Leiter, der das Schreibzentrum nur nebenbei betreuen kann!

Das Seminar scheint sehr umfassend auf Mögliche Tätigkeiten im Bereich von Schreibzentren vorzubereiten – sowas wünsche ich mir für Deutschland auch.

Schreibzentrumsforschung: Gesprächs- und Gestenanalyse einer Beratung

Isabelle Thompson hat 2009 von der International Writing Centers Association den Preis für den besten Artikel des Jahres für ihren Artikel „Scaffolding the Writing Center. A Microanalysis of an Experienced Tutor’s Verbal and Nonverbal Tutoring Strategies“ bekommen (erschienen in Written Communication, 26 (4), 417-453)

Isabelle Thompson untersucht in diesem Artikel eine Tutoring-Session eines erfahrenen Peer Tutors, die sie auf Video aufgezeichnet hat, sowohl gesprächsanalytisch als auch im Hinblick auf die Gesten. Dabei stellt sie in Frage, inwiefern eine gelungene Beratung tatsächlich nicht-direktiv ist und stellt fest, dass der Begriff „Scaffolding“ für die Tätigkeit des Tutors in der Beratung passt. Scaffolding bedeutet in etwa: ein Gerüst geben.

Kognitives Scaffolding
Thompson stellt in der analysierten Beratung verschiedene Varianten von „scaffolding“ fest. So gibt es zum einen kognitives Scaffolding. Darunter zählt sie alle Strategien, die den Ratsuchenden die Möglichkeit geben, eine Lösung zu finden. Sie zählt dazu folgende verbale Strategien:
– etwas demonstrieren
– die Wahl geben zwischen verschiedenen Lösungsmöglichkeiten
– Hinweise geben um einen Sachverhalt zu vereinfachen
– eine Vorgehensweise vorschlagen
– eine Frage teilweise beantworten
– die Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtes lenken
– einen Rahmen herstellen für etwas Neues oder ein neues Thema einführen
– beim Antworten eine Leerstelle lassen, so dass die Ratsuchende selbst aktiv werden muss
– Ermunterungen zum Suchen einer Antwort ohne inhaltliche Hinweise zu geben
– den Text laut vorlesen oder vorlesen lassen
– als Leser antworten

Entsprechende nonverbale Strategien von kognitivem Scaffolding sind:
– Gesten die als Hinweise fungieren
– Gesten die die Ratsuchende auf bestimmte Textteile fokussieren

Motivationales Scaffolding
Eine weitere Strategie ist das motivationale Scaffolding. Dazu gehören folgende verbale Strategien:
– Anerkennung für die Schwierigkeit der zu bewältigenden Aufgabe
– Humor
– negatives oder positives Feedback
– Bestärkung richtiger Antworten durch Wiederholung derselben
– Erhaltung der Motivation und Bekämpfung von Frustration durch Sympathie und Empathie
Nonverbale Gesten die als motivationales Scaffolding zählen sind alle Gesten, die eine Übereinstimmung und Verbindung mit der Ratsuchenden signalisieren.

Neben dem Scaffolding gab es im aufgezeichneten Gespräch auch direkte Instruktionen.

Methode
Thompson hat das Gespräch im Hinblick auf dieses Scaffolding seitens des Tutors untersucht, indem sie es zunächst gesprächsanalytisch transkribiert und dieses Transkript vom Tutor hat korrigieren und kommentieren lassen. Beim Kodieren ist die den Scaffolding-Definitionen von Cromley und Azevedo (2005) gefolgt und den Gesten-Definitionen von Bavela (1992). Sie hat beim Kodieren ihre Interpretationen mit einem Doktoranden abgeglichen, wobei sie auf 90% Übereinstimmung kamen und die restlichen 10% im Gespräch klären konnten.

Ergebnisse
Die Analyse zeigt, dass der Tutor kognitives und motivationales Scaffolding gleichzeitig nutzt, um die aktive Beteiligung der Ratsuchenden zu erhöhen, die Diskussion voran zu treiben und effektive Überarbeitungen des Textes zu ermöglichen. So ist es wichtig, dass der Tutor eine Art Sicherheitsnetz bildet, mit dem er die Ratsuchende vor Frustration und Scham schützt. Dabei spielen auch die Gesten eine wichtige Rolle, sie sind ein entscheidender Faktor in der gelungenen Gesprächsführung.
Thompson stellt zudem fest, dass der Tutor die verschiedenen Strategien unterschiedlich stark einsetzt: Wenn die Ratsuchende verwirrt ist, bietet er mehr Hilfe an, und wenn sie selbst einen Weg zu finden scheint hält er sich zurück.
Thompson betont, dass eine Schreibberatung offensichtlich nicht einem vorab festgelegten Schema folgen sollte. Zwar beginnt die Beratung damit, gemeinsam eine Agenda festzulegen, doch ist es im Verlauf wichtiger, den Bedürfnissen der Ratsuchenden zu folgen als dem, was vorab festgelegt wurde. Diese Bedürfnisse werden u.U. nicht gleich am Anfang sichtbar, weil sich das Vertrauensverhältnis zwischen Tutor und Ratsuchender erst im Verlauf des Gesprächs entwickelt.
Ferner kritisiert Thompson, dass die Nutzung des Begriffs „Direktivität“ unser Verständnis von Beratungsabläufen limitieren könnte. Scaffolding sei ein günstigerer Begriff, der sowohl direktivere als auch nicht-direktivere Strategien beinhalten könne, aber vor allem auf darauf abziele, dass die Ratsuchende sich wohl fühle und aktiv werde. Wenn Studierende im Verlaufe der Beratung motivational bereit genug seien, könnten Tutoren auch direktiv sehr produktiv agieren, so Thompson. Sei dagegen die Motivation noch nicht genügend aufgebaut wenn Tutoren anfangen direktiver zu agieren, dann würde die Beratung vermutlich weniger erfolgreich verlaufen.
Thompson plädiert dafür, Motivation im Zusammenhang mit Schreibzentrumsarbeit näher zu untersuchen und dabei auch Gesten, Körperhaltung, Gesichtsausdruck etc. stärker in die Forschung mit einzubeziehen.

Unser Buch ist erschienen: Schreiben lehren, Schreiben lernen. Eine Einführung

Ich habe es zwar noch nicht in den Händen gehalten, aber bei meiner geschätzten Kollegin Nadja ist es heute angekommen: Unser Lehrbuch. In den ersten Monaten, als ich hier war, haben wir noch online am letzten Schliff gearbeitet, buchstäblich Tag und Nacht, da wir ja praktischerweise zeitversetzt wach waren. Nun ist es also lieferbar und das freut mich so sehr, dass ich es hier gleich posten muss.

Buchcover Girgensohn Sennewald Schreiben lehren Schreiben lernen

Zum Inhalt:

Diese kompakte und verständliche Einführung gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Schreibforschung und Schreibdidaktik im Hochschulbereich. Sie stellt Schreibprozesstheorien vor, führt in die disziplinär unterschiedlichen Methoden der Schreibforschung ein und beleuchtet dabei beispielhaft einzelne Forschungsprojekte. Schreibdidaktische Ansätze an Hochschulen, wie zum Beispiel Schreibzentren, schreibintensive Lehre und Portfolioarbeit, werden vorgestellt. Ein Praxisteil gibt Impulse und Anregungen für Studierende, um das eigene Schreiben im Kontext der Universität zu verbessern.

Das Buch ist bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt in der Reihe Einführungen in die Germanistik erschienen und kostet bei der WBG studentenfreundliche  9,90 Euro und im Buchhandel 14,90 Euro.

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