Peer Tutoren Ausbildung in Oklahoma – Preparing for Surprise is Education

Neulich war ich am Writing Center der University of Oklahoma, bei Michele Eodice, Moira Ozias und ihrem Team. Michele leitet das Schreibzentrum, Moira ist Associate Director. Außerdem gibt es noch einen Graduate Assistant Director und eine Office Managerin, die sich um alles Organisatorische kümmert. Und dann sind da natürlich noch ca. 20 Schreibberaterinnen und –berater (sowohl Graduates als auch Undergraduates). Das Schreibzentrum hat tolle Räume, in denen es sogar ein Piano gibt.

Ausbildungsmodelle für Peer TutorInnen

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir unser Gespräch über die Ausbildung der Peer Tutoren. Ich habe ja an dieser Stelle schon einige Male von der Aus- und Weiterbildung am Schreibzentrum in Madison berichtet, und auch von anderen Hochschulen die ich besucht habe. Insgesamt würde ich sagen, dass allen Schreibzentrumsleitenden, die ich gesprochen habe, sowohl eine Grundausbildung als auch die kontinuierliche Weiterbildung sehr wichtig sind. Aber die Modelle dafür sind durchaus unterschiedlich. An einigen Schreibzentren müssen die Studierenden erst die Ausbildung durchlaufen, bevor sie sich für die Arbeit im Schreibzentrum bewerben können. In anderen Schreibzentren bewerben sie sich erst, um dann die Aubildung zu durchlaufen, aber manchmal läuft es auch parallel: die Ausbildung erfolgt während die Beratenden schon anfangen zu arbeiten. Weiterbildungen gibt es überall, manchmal wöchentlich, manchmal nur monatlich, manchmal unregelmäßig. Auch Mentoring gehört dazu. In einigen Schreibzentren haben die erfahreneren TutorInnen regelmäßige Gespräche mit den

mit Moira vor dem Writing Center
(Foto: Michele Eodice)

neueren, in anderen übernimmt das Leitungsteam die Mentoring-Gespräche.

Keine Lehrbuch-Vorschriften

In Oklahoma führt Moira am Ende jedes Semester mit allen TutorInnen einzeln Gespräche und leitet daraus ab, was es für Weiterbildungsbedarf gibt und welche Schwerpunkte die Ausbildungsklasse für die angehenden TutorInnen haben soll. Michele sagte mir im Gespräch, für sie sei es besonders wichtig, Studierende nicht mit Dogmen zu belasten. Sie ist gegen Lehrbuch-Vorschriften, wie z.B. „Sei nicht-direktiv!“ oder „Schreibe nie in den Text der Studierenden!“ oder „Gehe in diesen Schritten vor!“. Daher mag sie auch den Begriff Training nicht. „To prepare against surprise is training“, meinte sie, denn wenn man für etwas trainiert wurde sei man der Meinung man könne es nun und wisse wie es geht. Sie findet den Begriff „education“ besser: „To prepare for surprise is education”. Zu dieser Vorbereitung auf Überraschungen gehört es zum Beispiel, dass man Improvisationsregeln verinnerlicht: Ja sagen, zu dem was kommt und spontan darauf reagieren. Eine solche Haltung kann man nicht mit einem Lehrbuch lernen, meinte sie. Deshalb nutzt sie für die Ausbildung der TutorInnen auch keins, sondern bespricht mit ihnen Studien, die in Schreibzentren durchgeführt und veröffentlicht wurden, wie z.B. „Scaffolding the Writing Center“ von Isabelle Thompson. Mit diesem Artikel hat das Team ein ganzes Semester lang in der Weiterbildung gearbeitet. Erst haben sie die im Artikel identifizierten Strategien besprochen, erprobt und Vor- und Nachteile erarbeitet. Dann haben alle Beratenden aus diesem eine persönliche Forschungsfrage abgeleitet und das Semester über bearbeitet, z.B. indem eigene Beratungen aufgezeichnet und angeguckt wurden. Aus einer publizierten Schreibzentrumsforschung wurden also persönliche kleine Forschungsprojekte abgeleitet, die es den TutorInnen erlaubten, ihre eigenen Beratungstätigkeiten strukturiert zu reflektieren.

Nicht dogmatisch werden

Auch generell plädiert Michele dafür, die Schreibzentrumsarbeit nicht zu dogmatisch zu sehen, sondern offen zu bleiben für Neues. So lasse sie auch mal Leute im Schreibzentrum mitarbeiten, die die Ausbildung noch nicht durchlaufen haben, wenn sie sie gerne dabei haben möchte und es gerade anders nicht passt.

Blick ins Writing Center der University of Oklahoma

Surprise!

Ich finde sowohl die Idee, Weiterbildung mit eigener Forschung zu verbinden, als auch die Grundhaltung, keine Dogmen aufzustellen und offen für Überraschungen zu sein, sehr inspirierend. Und apropos Überraschungen: Ich konnte das auch gleich testen! Am Freitag überraschte mich das Madisoner Schreibzentrumsteam mit einer echten Surprise-Party zu meinem Geburtstag. Das kannte ich nur aus Filmen bisher. Ich habe mich sehr gefreut!

Surprise Party für mich am Writing Center in Madison

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