Gemeinsam alleine schreiben – Mellon Wisconsin Writing Camps für Promovierende

Das Semester ist hier schon seit Mai zu Ende und ein Großteil der Studierenden ist längst nach Hause oder sonstwohin gefahren. Aber es laufen auch Sommerkurse und das Schreibzentrum ist weiterhin offen – wenn auch mit reduzierten Öffnungszeiten. Diese relative Ruhepause lässt Raum für andere Projekte, zum Beispiel die Disseration Camps des Schreibzentrums. Die Camps sind eine Kooperation des Schreibzentrums mit der Graduate School der Universität, die über die Mellon Foundation finanziert werden. Die Camps bieten Promovierenden in der Schreibphase die Möglichkeit, konzentriert über einen bestimmten Zeitraum an ihren Arbeiten zu schreiben und dabei die Unterstützung des Schreibzentrums zu bekommen – ähnlich wie bei unseren Schreibmarathons in Frankfurt (Oder). Nach einem sehr erfolgreichen Probelauf im letzten Sommer wurden in diesem Sommer gleich drei Camps angeboten: Zwei für jeweils eine Woche und eins über sechs Wochen. Über hundert Promovierende hatten sich für die insgesamt 60 Plätze in den Camps beworben. Sie mussten dafür online einen Bewerbungsbogen ausfüllen und auch die Dissertationsbetreuer mussten online eine Enschätzung abgeben. Wer ausgewählt wurde, musste 40 Dollar einbezahlen, um sich den Platz zu sichern, die zurück gezahlt wurden wenn man das Camp tatsächlich mitgemacht hat. Außerdem konnten diejenigen, die nicht in Madison wohnen, die Fahrtkosten bezahlt bekommen und Kinderbetreuung gab es auch auf Wunsch.

Schreibübung im Camp für Promovierende

Nancy leitet eine Schreibübung an.
Foto: Writing Center Madison

Die Camps starteten morgens mit einer kurzen Schreibübung und damit, dass alle ihre Ziele für den Tag formulierten. Dann suchten sich alle Plätze und schrieben los. Mittags gab es Workshopangebote für diejenigen, die wollten und im langen Camp trafen sich die Teilnehmenden zusätzlich täglich in Kleingruppen, um sich über ihre Texte auszutauschen. Und natürlich konnten alle Teilnehmenden im Schreibzentrum mit Schreibtutoren über ihre Texte sprechen. Auch zum Abschluss kamen noch einmal alle zusammen zu einer ganz kurzen Übung. Besonder schön finde ich folgende Übung: Alle Teilnehmenden stellen sich in einer Reihe auf, in der Reihenfolge dessen, wieviel sie an diesem Tag geschrieben haben – von einem Absatz bis hin zu mehreren Seiten. Nachdem alle stehen, bekommen sie die Aufgabe, zu begründen, warum diese Menge, die sie an diesem Tag geschafft haben, genau richtig ist. Dadurch entsteht eine positive Stimmung und es wird deutlich, dass Quantität alleine nichts aussagt. Das kann denen, die als Schreibtypen keine Vielschreiber sind, Druck nehmen.

Bei der Abschlussveranstaltung des langen Camps waren Vertreter der Graduate Schools, diverse Dekane und Vertreter der Stiftung anwesend. Alle Teilnehmenden hielten eine einminütige Rede darüber, was ihnen das Camp gebracht hat. Offenbar sind die Ziele, die das Schreibzentrum verfolgt hatte, aufgegangen: Schreibroutinen aufbauen, Gemeinschaft stiften und die Texte vorantreiben.  Ich finde die Idee sehr gut, diesen Erfolg für die Geldgeber, Kooperationspartner und Dekane sichtbar zu machen. Die waren denn auch so begeistert, dass nun eine Diskussion aufgekommen ist, ob solche Camps obligatorisch sein sollten. Das wird sich aber hoffentlich nicht durchsetzen, die Promotion hier ist schon mit genug Vorgaben belastet und es ist doch wunderbar, dass diejenigen, die sich eine Schreib-Gemeinschaft wünschen, diese bekommen können!

2 Responses to Gemeinsam alleine schreiben – Mellon Wisconsin Writing Camps für Promovierende

  1. Daniela Liebscher sagt:

    LIebe Katrin, danke für Deine ausführliche Schilderung! Ich finde, dieses Format sollten wir unbedingt auch an unseren Universitäten anbieten. Die Nachfrage ist da, wie ich es immer wieder in meinen Workshops mit Promovierenden erfahre.

  2. Nora sagt:

    Als Doktorandin wäre ich auch sofort dabei…

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