Neue PeerTutoring-Ausbildung an der Viadrina: Die ersten Abschlüsse wurden gefeiert

Der letzte Freitag der Vorlesungszeit im Sommer 2013 war ein ganz besonderer Tag an der Europa-Universität Viadrina. Die Abschlusspräsentationen der frisch ausgebildeten Peer TutorInnen fand im Schreibzentrum satt.

IMG_8398Das Schreibzentrum hatte mit seinem Konzept des Peer Tutorings (PT) 2011 die KollegInnen anderer Abteilungen der Viadrina überzeugen können, dieses als ein zentrales Element in den Antrag der Viadrina im Qualitätspakt Lehre aufzunehmen. Auch das BMBF ließ sich überzeugen und so konnte die Viadrina ab April 2012 das Konzept des PT auf die gesamte Universität ausdehnen. Die Ausbildung der Schreib Peer TutorInnen ist damit ein Teil einer gemeinsamen, universitätsweiten Ausbildung geworden.

Im neu entstanden Zentrum für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen http://www.europa-uni.de/de/struktur/zfs/index.html werden mit Beteiligung des Schreibzentrum, des Zentrums für Interkulturelles Lernen und des Career Centers Studierende als Peer TutorInnen für alle drei Fakultäten der Viadrina ausgebildet. Sie arbeiten anschließend entweder in der Fachlehre oder als  Peer TutorInnen für Interkulturelle Kompetenzen, für allgemeine Schlüsselkompetenzen und für das Schreiben.

„Der Begriff des Peer bedeutet unter anderem Kollege, Gleichaltriger, Gleichgestellter. Peertutoring ist demnach eine Lern- bzw. Beratungssituation zwischen Gleichgestellten. Im Gegensatz zu einer klassischen Beratungssituation, beispielsweise zwischen Dozentin und Studierendem, gibt es hier kein Autoritätsverhältnis, sondern eine symmetrische Machtbeziehung zwischen der Tutorin und ihrem Kommilitonen.
Wesentlich beim Peer Tutoring ist, dass die Tutorin oder der Tutor kein Hilfs- oder Ersatzlehrer ist. Peer TutorInnen bieten Hilfe zur Selbsthilfe an und agieren als Lernbegleiter. Durch Moderations- und Beratungstechniken werden Kommilitonen dazu angeregt, eigene Lernprozesse und Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und ihr eigenes Handeln zu reflektieren. Im Einzelgespräch, in der Peer Gruppe oder im Peer Training entstehen gemeinsam Ideen für Lernwege und zur Lösung von Problemen.“
(Quelle: http://www.europa-uni.de/de/struktur/zfs/peer-tutoring/Was-ist-PT1/index.html 31.07.2013).

Die Ausbildung ist folgendermaßen aufgebaut:

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Das Grundmodul „Wissen schaffen im Team“ belegen alle Peer TutorInnen gemeinsam, dann gehen sie je nach Interesse in die fachspezifischen Module. Die SchreibtutorInnen besuchen beispielsweise im Modul „Lernprozesse begleiten“ das Seminar „Wissenschaftliches Schreiben lernen und Schreibprozesse begleiten.Anschließend absolvieren sie das Modul „Peer Tutoring in der Praxis“ mit dem Seminar „Theorie und Praxis der Schreibberatung“.

Die Peer TutorInnen für Interkulturelle Kompetenz belegen auch zuerst gemeinsam mit allen anderen zukünftigen Peer TutorInnen das Grundlagenmodul „Wissen schaffen im Team“ um anschließend das  fachspezifische Modul „Lernprozesse begleiten“ „Peer Tutoring für Interkulturelle Kompetenz im Hochschulkontext – Methoden, Beratung und Workshops“ zu belegen. Abschließend nehmen sie im Modul „Peer Tutoring in der Praxis“ am Seminar „Peer Tutoring in der Praxis – Begleiteter Praxiseinsatz“ teil.

Alle Module sind im Curriculum der Universität verankert und alle Studierende können die Seminare besuchen, auch wenn er/sie nicht beabsichtigt, Peer TutorIn zu werden. Die kontinuierliche Arbeit an einem reflexiven ePortfolio im Modul E-Portfolio- Gespräch (http://www.mahara.at/) ist ebenfalls ein Element, welches die gesamte Ausbildung begleitet.

 

Bei der Abschlusspräsentation stellten die Peer TutorInnen ihr Präsentationsportfolio, welches aus einer Vorstellung aller besuchten Module besteht und ihre wichtigsten Lern- Und Lehrerfahrungen dokumentiert.

IMG_8350Ich war tief von der Abschlussveranstaltung beindruckt, da alle frisch ausgebildeten Peer TutorInnen unglaublich viel für die Ausbildung geleistet hatten. Sie haben sich theoretisch und praktisch umfassend mit ihren jeweiligen Fachgebieten auseinandergesetzt, alles ständig in ihrem ePortfolio dokumentiert und reflektiert.

 

 

 

 

 

IMG_8359Ein Peer Tutor äußerte er habe gelernt, dass Gruppenarbeit nicht einfach so funktioniert und das eine Gruppe wegen einer durchdachten Methode so gut funktionieren kann. Viele Peer TutorInnen äußerten, sie haben Methoden kennen gelernt, die sie in ihrer zukünftigen Arbeit an der Universität einsetzen können und später auch als Dozierende in ihren Seminaren verwenden möchten. Einige erklärten, sie haben reflektieren gelernt. Bisher wurden sie zwar immer – bereits in der Schule-  aufgefordert zu reflektieren, aber niemand erklärte ihnen wie die Textsorte Reflexion aufgebaut ist…

 

 

 

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Mich faszinierten außerdem die Produkte der Teams, die das Grundlagenmodul „Wissen schaffen im Team“ besucht hatten. Ein Team entwickelte eine Methodenkiste für Peer TutorInnen, die didaktische Methoden zum Lernen oder zur Begleitung von Gruppenprozessen benötigen. Diese Kiste steht im Schreibzentrum und kann von allen Peer TutorInnen verwendet werden.

MethodenkisteEin weiteres Team entwickelte einen polnisch/deutsch/englischen Leitfaden für interkulturelle Katastrophen. Diese grafisch schön gestaltet Broschüre erklärt mit einem Augenzwinkern Studierenden, die an der Viadrina zu studieren beginnen, welche interkulturellen Fettnäpfchen es gibt, in die sie treten können.

Ein Leitfaden zu erfolgreichen Gruppenarbeit eines weiteren Teams fundiert die satirische Broschüre wissenschaftlich. Es entstanden auch Filme. Ein Film setzt sich mit der Frage auseinander, was eine gute Leitung ausmacht. Zu sehen waren unter anderem lauter Leitern und Leitungen.

Ich war begeistert von allen Studierenden. Sie haben eine sehr arbeitsintensive und umfangreiche Ausbildung absolviert, unglaubliche nützliche Produkte für weitere Studierende und Peer TutorInnen entwickelt. Selten habe ich als Lehrende erlebt, dass alle Studierende, trotz des großen Arbeitsumfangs alle mit ihren Leistungen pünktlich fertig waren, sogar Produkte erschufen und so fundierte und mit so viel Liebe zum Detail und kreativer Kraft ihre ePortfolios gestalteten.

Für uns, die die Ausbildung entwickelt haben und sehr viel Arbeit und Zeit in den Aufbau des Zentrums für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen und in die neue Ausbildung der Peer TutorInnen gesteckt haben, war es ein unglaublich schönes Geschenk, die Früchte sehen zu können, die durch dieses Projekt immer reifer werden, wachsen und teilweise bereits geerntet werden können. Es gibt viele Momente, in denen ich meinen Beruf liebe und einer ist, wenn ich sehe, was Studierende geschaffen und entwickelt haben.

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Die Arbeit in und mit der Gruppe: Weiterbildung zum Thema „Aktivierende Lehr- und Lernformen“

von Lina Mayer

Wie können selbständige Lern- und Erarbeitungsprozesse bei den Studierenden im Tutorium, der Lerngruppe oder der Lehrveranstaltung initiiert werden? Welche aktivierende Methode passt zu mir bzw. zu meinem Lehrsetting? Fragen, die häufig bei der Arbeit in und mit Gruppen auftauchen.

Von diesen Fragen ausgehend, fand im Sommersemester 2013 eine vom „Zentrum für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen“ organisierte Weiterbildung zum Thema „Aktivierende Lehr- und Lernformen“. Unter der Leitung von Susanne Vogel, Erwachsenenpädagogin und zertifizierte Supervisorin der Deutschen Gesellschaft für Supervision in Berlin, kam im Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) eine kleine Gruppe von Peer TutorInnen zusammen, um vor allem das eigene Methodenrepertoire für die Gruppenarbeit zu erweitern, und um eigene Erfahrungen auszutauschen. Die studentischen TutorInnen waren vor allem von der kulturwissenschaftlichen Fakultät sowie ein Sprach Peertutor vom Sprachenzentrum der Viadrina.

 Aktiv von Anfang an

Frau Vogels Credo war, die Weiterbildung von Anfang bis Ende so aktiv wie möglich zu gestalten. Gleich zu Beginn versuchten wir uns an einer Einstiegsmethode in die Gruppenarbeit, der „Aktionssymmetrie“. Die Aufgabe besteht dabei aus einer räumlichen Anordnung der Gruppenmitglieder. Der/die Peer TutorIn stellt verschiedene Fragen zu einem Thema, woraufhin sich die Gruppenmitglieder in einer bestimmten räumlichen Anordnung aufstellen müssen. Ziel dieser Methode ist es vor allem, die Gruppenarbeit aktiv zu starten und das Eis zwischen den TeilnehmerInnen, da diese sich zu Beginn einer Sitzung oftmals nicht alle kennen, zu brechen. Die räumliche Anordnung erfordert nämlich verstärkte Kommunikation. Um seine eigene Position im Raum zu finden, ist es notwendig sich mit den anderen Gruppenmitgliedern zu unterhalten. Dadurch kommt es zudem zum Austausch von Informationen und der Einschätzung auf mehreren Ebenen: die Gruppe lernt sich selbst einzuschätzen, der/die Peer TutorIn kann die Gruppe einschätzen und am wichtigsten: jeder lernt sich selbst einzuschätzen.

Im Anschluss an die Reflexion dieser Einstiegsmethode sammelten wir verschiedene Punkte, die unter anderem unsere Erwartungen an die Weiterbildung beinhalteten. Wichtig war uns TeilnehmerInnen vor allem, Methoden für einen aktiven Start bei der Arbeit mit Gruppen, zum Motivieren und zum Impulse geben kennenzulernen bzw. generell den eigenen Methodenpool zu erweitern. Des Weiteren war manchen die eigene Akzeptanz als Peer TutorIn innerhalb der Gruppe relevant und damit zusammenhängend, ein Austausch über die Erfahrungen der anderen TutorInnen.

 Die Erweiterung des Methodenpools: motivierende und aktivierende Methoden

Nachdem wir innerhalb der Gruppe eine Reihenfolge dieser Punkte festgelegt hatten, startete Frau Vogel mit dem ersten Punkt: motivierende und aktivierende Methoden.

Hierfür versuchten wir uns an der Methode des „Platzdeckchens“ und des „Aktiven Strukturierens“.

Viele Meinungen, eine Antwort: Das „Platzdeckchen“

Beim „Platzdeckchen“ geht es vor allem darum, innerhalb der Gruppe eine gemeinsame Aufgabe zu lösen, beispielsweise die Antwort auf eine bestimmte Frage zu finden. Dabei wird ein großes Blatt oder Plakat in ein Zentrum und vier (oder mehr) Bereiche unterteilt. Das Zentrum bleibt zu Beginn der Arbeit leer. Die Bereiche um das Zentrum herum entsprechen in ihrer Zahl der Anzahl der Gruppenmitglieder. Jedes Mitglied hat nun eine bestimmte Zeit, um sich Gedanken zu der Fragestellung zu machen und diese in seinen Bereich einzutragen. Im Anschluss daran startet die Diskussion, um aus den verschiedenen Meinungen eine gemeinsame Antwort auf die Fragestellung zu finden. Die gemeinsame Antwort wird dann in das Zentrum eingetragen. Das Gute an dieser Methode ist und war, dass jeder von uns Zeit hatte, sich zuerst selbst Gedanken zum Thema zu machen, bevor es in die Gruppendiskussion ging.

Bevor wir die zweite Methode zum „Aktiven Strukturieren“ ausprobierten, kam noch der Wunsch auf, sich über Fragen zu einer „guten Diskussion“ innerhalb der Gruppe auszutauschen. Einige Peer TutorInnen erzählten von Schwierigkeiten, alle Mitglieder ihrer Gruppe gleichermaßen zum Mitmachen zu bewegen bzw. generell Fragen zu stellen, beispielsweise zu einem Text, die einen Einstieg in eine gute Diskussion ermöglichen. Jeder aus unserer Runde sollte hierfür zuerst drei Fragen formulieren und dann der Reihe nach vorstellen. Im Anschluss daran wurden diese Fragen von uns diskutiert. Ergebnis war, dass die Fragen, die eine Diskussion einleiten sollten,  vor allem offen oder gezielt zu Passagen aus dem Text sein sollten.

„Aktivierendes Strukturieren“: Struktur durch Kommunikation und Kooperation

wissenschaftliches Schreiben

Aktives Strukturieren: Hier am Beispiel wissenschaftlich Schreiben

Beim „Aktiven Strukturieren“ geht es vor allem darum, Begriffe, Formeln etc., die zu einem vom Peer Tutor oder der Peer Tutorin vorgegebenen Thema in der Gruppe gesammelt wurden, zu sortieren und Oberbegriffe zu finden. Die Strukturierung der Begriffe erfolgt entweder an der Tafel oder auf einem Plakat. Damit die Gruppenarbeit gelingt ist es auch hier wieder wichtig mit den anderen Mitgliedern zu kommunizieren. Da je nach Größe der Gruppe viele verschiedene Perspektiven und Meinungen zu einem Thema aufeinandertreffen, ist es zum einen wichtig, seinen eigenen Standpunkt gut begründet zu vertreten. Zum anderen muss aber auch auf die anderen Gruppenmitglieder Rücksicht genommen werden. Kommunikation und Kooperation spielen hier eine wichtige Rolle.

 Fazit

Wichtig für die Gruppenarbeit insgesamt ist also folgendes: Die Arbeit innerhalb der Gruppe sollte von Anfang an so aktiv wie möglich gestaltet werden. Nur wenn alle Mitglieder immer wieder miteinbezogen werden, bleibt die Motivation der Gruppe erhalten. Allerdings sollten wir als Peer TutorInnen nur jene Methoden verwenden, von deren Sinn wir selbst überzeugt sind und die wir den Tutees sinnvoll vermitteln können. Eine anschließende Reflexion kann zeigen, inwieweit auch die Gruppe den Sinn der Methode erfasst hat. Des Weiteren hat Frau Vogel uns empfohlen, durch die Methoden verschiedene „Typen“ anzusprechen. Soll heißen, jeder Student und jede Studentin werden als individuelle Lern- oder Schreibtypen gesehen, der / die durch unterschiedliche Methoden besser „angesprochen“ werden. Ein Wechsel zwischen verschiedenen Typen ist notwendig, um alle Studierende gleichermaßen miteinbeziehen zu können.

Insgesamt war die Weiterbildung sehr interessant und auch sehr hilfreich für die weitere Arbeit im Peer Tutoring. Wir haben die Methoden selbst ausprobiert und reflektiert, was auch die Weiterbildung vom Anfang bis zum Ende sehr aktiv gestaltet hat. Um die eigene Gruppe als Peer TutorIn zu aktivieren und zu motivieren reicht es also aus, hin und wieder verschiedene Methoden anzuwenden. Das Ansprechen verschiedener Typen führt zudem dazu, dass Abwechslung in die Gruppenarbeit kommt und die Motivation zusätzlich erhöht wird. Aktiv werden und bleiben ist ein wichtiges Konzept, um eine Gruppenarbeit erfolgreich zu gestalten.

 

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