Fünf mal fünf Worte zur 8. Peer-Tutor*innenkonferenz in Hamburg

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Bild: Schreibwerkstatt Mehrsprachigkeit

Vom 17.-19.09.2015 fand an der Universität Hamburg die 8. Peer-Tutor*innenkonferenz statt. Organisiert vom Team der Schreibwerkstatt Mehrsprachigkeit trafen sich rund 100 Schreib-Peer-Tutor*innen und Schreibzentrumsmitarbeiter*innen, um gemeinsam über das Motto „Sprache zum Schreiben – zum Denken – zum Beraten“ nachzudenken und zu diskutieren.

Die Beiträge – Vorträge, Workshops und Posterpräsentationen – näherten sich diesem Thema aus vielfältigen Perspektiven. Unter anderem wurde, so fasste das PTK-Team im Vorwort zum Konferenzprogramm zusammen, Sprache als Gegenstand des Schreibens, als Medium des Sprechens über das Schreiben und als Werkzeug des Sprechens über die Beratung thematisiert. Ein weiterer Hauptpunkt war Mehrsprachigkeit als Ressource für das Schreiben. Im Zug zurück nutzten wir die 5-Wort-Methode, um die Eindrücke der Konferenz zu reflektieren und diesen Blogbeitrag vorzubereiten. Jede*r schrieb schnell fünf Wörter auf, die er oder sie mit der Konferenz assoziierte. Im Anschluss schrieben wir zu diesen Impulsworten jeweils ein oder bis drei Sätze. Die dabei entstandene Sammlung von Eindrücken und Gedanken wollen wir im Folgenden mit Euch teilen:

Warum nicht einmal die Schreibblockade mit einem Sprachwechsel lösen? Mindmaps und Cluster lassen sich auch in anderen Sprachen als der Erst- und Muttersprache erstellen und können zu neuen Gedanken führen. Nutze deine Mehrsprachigkeit als Ressource zur Ideengenerierung, der Transfer aus der Wohlfühl- oder Fremdsprache erfolgt danach in die Zielsprache.

Ich mal mir nicht die Welt, wie sie mir gefällt, aber dafür mein Ich und wenn ja, dann viele. Also platziere ich ein Sprachmännchen auf einem weißen Blatt Papier, male in verschiedenen Farben, Motiven, Mustern und Formen meine Sprachkenntnisse hinein, die meine Identität prägen und bunt machen. Und welche Sprache spricht dein Herz?

Sprachenmännchen_Foto_Diana Koppelt

Mehr Informationen zum Sprachmännchen/Sprachenportrait gibt es hier. (Foto: Diana Koppelt)

Textfeedback kann so bunt sein. Mit Grün markiere ich, was mir auf der Satz- und Wortebene auffällt, mit Gelb inhaltliche Ungenauigkeiten und mit Orange gehe ich auf die Folgerichtigkeit der Argumentationskette ein. Durch die Benutzung eines Farbschemas wird die sprachliche Überarbeitung von der inhaltlichen getrennt und das Textfeedback strukturiert.

Und dann fällt mir mein Keks in der Kaffeepause in die Tasse des*der Peer Tutor*in aus der anderen Stadt, und mir fällt ein, ihn*sie doch einmal nach seinen*ihren Lieblingsberatungsmethoden zu fragen und mit ihm*ihr ein Handout zu besprechen, das ich selbst sehr gerne in der Schreibberatung einsetze. Aus einem Keks werden drei, Kontaktdaten sind schnell ausgetauscht und die überregionale Zweierschaft, ein Peer Tutor*innen-Tandem, kann gestartet werden.

Freewriting mal anders. Falte dein Blatt, schreibe links deinen Gedankenfluss auf und gebe das Blatt an deine*n Nachbar*in. Diese*r kann dein Freewriting dann kommentieren und somit schriftlich darauf Bezug nehmen. Auf diese Weise kannst du zu neuen Aspekten und Ideen gelangen und deinen Text weiter überarbeiten.

Diana Koppelt

Neben den tollen Workshops und Vorträgen waren die vielen Gespräche, die oft ganz informell waren, unheimlich inspirierend. Bei mir hat die Konferenz Lust auf mehr geweckt, erste Ideen für die nächste (S)PTK in Freiburg sind entstanden und ich fahre voll neuer Motivation nach Hause.

Obwohl es Teilnehmer*innen gab, die sich schon kannten, entstand für mich ein Community-Gefühl: wir alle haben ähnliche Ausbildungen und Erfahrungen und sind oftmals ganz unbefangen in Gespräche gekommen.

Mir wurde deutlich bewusst, wie verhältnismäßig wenig Literatur und Forschung bzw. Publikationen es gibt und wie essentiell aktives forschendes Lernen und publizieren in der Schreibzentrumscommunity ist!

Zum ersten Mal gab es auf der PTK digital slots. Da ich selbst keine Erfahrung zu digital slots und möglicher Software und daher Berührungsängste habe, waren für mich gerade diese digital slots besonders spannend. Mein Fazit: teils erschweren technische Probleme die Präsentation, die Vortragsweise und Power Point-Gestaltung ist anders als bei analogen Vorträgen – aber eine großartige Chance! Die Frage bleibt: Wie geht’s jenen, die präsentieren?

Ein wahnsinnig spannendes Thema, mit dem ich mich zukünftig mehr auseinandersetzten möchte: Das Differenzdilemma! Danke dafür an Tina Werner.

Anne Rothärmel

Auf der Konferenz habe ich zusammen mit Juliane Homann einen Workshop zum Thema Schweigen in der Schreibberatung durchgeführt. Der darin entstehende Austausch war sehr anregend und es wurde deutlich, dass die meisten Schreib-Tutor*innen Schweigen eher als Chance denn als Problem betrachten.

So könnte die entstehende Stille beispielsweise Raum zum Weiterdenken oder Verarbeiten von Erkenntnissen bieten oder als kurze Pause vor weiteren Arbeitsschritten genutzt werden.

Vielen Dank and die Hamburger Organisatorinnen!_Foto Leonardo Dalessandro

Vielen Dank and die Hamburger Organisatorinnen! (Foto Leonardo Dalessandro)

Im Workshop zum Thema „Mündliches Feedback für heterogene Studierende“ der Tutor*innen von skript.um und PunktUm aus Bielefeld wurde mir zudem in einer lebhaften Diskussion vor Augen geführt, wie wichtig und bereichernd es ist, seine eigenen Feedbackhaltungen zu reflektieren. Unter anderem wurde die Frage aufgeworfen, ob ein Text von Schreibberater*innen anders wahrgenommen wird, wenn diese wissen, dass der*die Schreibende Nicht-Muttersprachler*in ist.

Auch zeigte sich, dass sich aus den Beratungserfahrungen an der jeweiligen Universität oder Hochschule Feedbackgewohnheiten entwickeln können, die es immer wieder zu hinterfragen gilt.

Außerdem habe ich viele neue Impulse durch die in mehreren Beiträgen stattfindende Auseinandersetzung mit dem Thema Mehrsprachigkeit erhalten.

Anne Kirschbaum

Sehr beeindruckend war der Workshop von Juliane Patz und Ramon Schroeder, die als an anderen Hochschulen ausgebildete Peer-Tutor*innen nun in Magdeburg gelandet sind, wo sie autonome Aufbauarbeit leisten mit der “Initiative wissenschaftliches Schreiben an Magdeburger Hochschulen”.

Schreibprozesse können Wasserräder sein, oder Schrebergärten, Berge, Lauftraining, Schlösser, Einkaufskörbe, Puzzle… – all das kam im Metaphern-Workshop der Peer-Tutorinnen aus Bayreuth ans Licht.

Dass man durch die Arbeit im Schreibzentrum eine Leidenschaft für Wissenschaft entwickeln kann, zeigte sich in fundierten und spannenden Vorträgen und Posterpräsentationen von Peer-Tutor*innen, die Schreibzentrumsforschung aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven angehen.

Schön zu beobachten war die allerorten stattfindende Vernetzung zwischen Peer-Tutor*innen aus verschiedenen Schreibzentren in ganz Deutschland.

Die Begeisterung, aber auch die Professionalität der Peer-Tutor*innen, hat inzwischen zu einer standortübergreifenden Verwurzelung der Schreibdidaktik in Deutschland geführt.

Katrin Girgensohn

Viele Aspekte des Schreibprozesses können wir mit Metaphern und Vergleichen bildhaft machen. In einem Workshop von Peer-Tutor*innen aus dem Schreibzentrum Bayreuth haben wir spannende Vorschläge aus solchen Bereichen wie Bauwesen, Sport oder Reisen ausgearbeitet. Sie sollen uns jetzt helfen, die Inhalte in unseren Veranstaltungen verständlicher darzustellen.

Schreiben in einem Zug_Auf dem Weg zum Blogeintrag_Foto Anne Kirschbaum

„Schreiben in einem Zug“ – Auf dem Weg zum Blogeintrag. (Foto: Anne Kirschbaum)

Auf der Konferenz hatten wir wieder die Gelegenheit, uns im Team besser kennenzulernen. Ich schätze unsere Teamkultur, die eine gute Mischung aus Mut und Demut ist. In der Freizeit hatten wir Spaß beim Lachen, Essen, und der Erkundung der Stadt Hamburg.

Den intensiven fachlichen Austausch fand ich wieder sehr bereichernd, vor allem die Diskussionen um den Begriff „Peer“. Damit konnte ich (Schein-?)Probleme unserer Arbeit identifizieren. Diskussionspotenzial besteht immer noch.

Die Peertutorenkonferenz in Hamburg war eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Schreib-Peer-Tutoren zu vernetzen. Ich hoffe, dass sich bald Wege finden, die die Vernetzung auch im Alltag ermöglichen. Und dass der Elan und die Begeisterung für die Themen „Schreiben“  und „Schreibberatung“ nicht verpuffen.

Michał Żytyniec

One Response to Fünf mal fünf Worte zur 8. Peer-Tutor*innenkonferenz in Hamburg

  1. Julie sagt:

    Hallo liebes Schreibzentrumsteam aus Frankfurt (Oder)!

    Ich finde euren Beitrag auf Basis der Fünf-Worte-Methode gelungen! Kurzweilig, eigene Erinnerungen und Inspirationen weckend, und zwei neue Ideen (Farbschema und Freewriting mal anders, danke an Diana fürs Teilen) habe ich mir auch gleich herausgezogen!

    Toll natürlich auch, dass ihr unsere „Aufbauarbeit“ in Magdeburg extra mit erwähnt habt und auch die Postersessions eine Bereicherung waren.🙂

    Ganz liebe Grüße!

    von Julie

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