Schreibzentrums-Geburtstag 2017: Der Festakt

Im Folgenden berichten drei Stimmen vom offiziellen Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Schreibzentrums, der am 4. Mai 2017 im feierlichen Ambiente des Logensaals der Europa-Universität Viadrina stattfand.

Erste Stimme:

Alle um mich herum sind wuselig . So viele Menschen. Ich bin ganz aufgeregt. Eben waren schon einige Leute an mir dran und haben mein Mikrofon getestet, einen Laptop  angeschlossen und mich zurecht geschoben. Ich kenne das Prozedere schon – bald geht´s los. Ja! Jetzt! Jetzt geht’s los. Alles wird ruhig und die erste Rednerin tritt an mich heran: Sie stellt sich als Franziska Liebetanz vor, die Leiterin des Schreibzentrums, das heute Abend sein 10-jähriges Bestehen hier im Logensaal feiert. Sie eröffnet den Festakt sehr herzlich und voll Freude darüber, dass so viele Menschen erschienen sind. Anschließend bedankt sie sich bei den vielen Menschen, die alle zu der Organisation und Durchführung des heutigen Abends beigetragen haben. Das mag ich immer besonders! Und Frau Liebetanz macht das ganz besonders schön. Ihre Tutor*innen scheinen ihr besonders wichtig zu sein, für sie gibt es viel Lob und Dank. Schön, dass die Studierenden an diesem Abend besonders gewürdigt werden. Ach, und noch jemand hat Geburtstag: Das Zentrum für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen blickt auf sein fünf-jähriges Bestehen zurück. Frau Liebetanz überbringt Glückwünsche und überreicht Susanne Schwarz, einer Mitarbeiterin des ZSFL, stellvertretend einen Blumenstrauß. Das ZSFL ist heute die Dachorganisation des Schreibzentrums, wie ich höre. Also doppelt Grund zu feiern! Jetzt übergibt Franziska das Wort an unseren Präsidenten, Prof. Dr. Alexander Wöll.

Herrn Wöll kenne ich schon ganz gut, er spricht öfter mal bei feierlichen Anlässen. Heute spricht er Grußworte und lobt die Verdienste des Schreibzentrums, blickt auf dessen Erfolge und internationale Reichweite. Die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ erwähnt er. Eine Erfindung unseres Schreibzentrums, die sich in der ganzen Welt verbreitet… Das klingt toll! Nun erzählt er etwas allgemeiner über die Viadrina – wie sie gegründet wurde, worin unser Stiftungsauftrag besteht und was unsere Universität auszeichnet. Ich glaube, für die vielen externen Gäste, die uns nicht kennen, ist das wirklich interessant. Sie hören jedenfalls gespannt zu. Überhaupt scheint das Publikum sehr aufmerksam zu sein.

Die nächste Rednerin kenne ich nicht. Sie wird angekündigt als Prof. Dr. Julie Nelson Christoph aus den USA. Oh ha! Gäste aus Übersee, welch eine Freude! Und oh, sie spricht auf Deutsch. Das ist eine Überraschung! Und sie spricht total gut! Auch das Publikum ist beeindruckt – das merke ich. Prof. Christoph berichtet, wie unser Schreibzentrum ihre Arbeit beeinflusst hat, vor allem die Arbeit von Katrin Girgensohn. Ohne die Begegnung der beiden Frauen vor einigen Jahren hätte die Amerikanerin ihren Forschungsschwerpunkt nicht auf deutsche Schreibzentren gelegt. Aus ihren Worten spricht Überzeugung und ehrlicher Dank, das Publikum belohnt sie mit eingängigem Applaus. Sie überreicht ihre mitgebrachten Geschenke: Julie hat die beiden Logos der Schreibzentren – ihres und das der Viadrina – zu einem gemeinsamen Logo zusammengeführt und dieses auf Sticker drucken lassen. Ein Geschenk von Herzen! Alle klatschen Beifall, es gibt innige Umarmungen – ein Geburtstag ganz nach meinem Geschmack. Heart warming!

Es sprach: Das Rednerinnenpult

Bevor die zweite Stimme erklingt, hören wir etwas anderes: Musik! Und auch hier wird dreistimmig gespielt. In diesem Fall sind es zwei Geigen und eine Bratsche, auf denen Musiker*innen des Uni-Orchesters „Viaphoniker“ dem Schreibzentrum ein Ständchen bringen.

Viaphoniker

 Zweite Stimme:

Es ist einfach wunderbar. Jetzt kommt mein großer Moment: Ich darf strahlen und Bilder an die Wand werfen, große Bilder, wandfüllende Bilder. Eben noch habe ich den Pinguin gezeigt, der mit seinem perfekt sitzenden Frack für guten Stil wirbt. Aber es geht gar nicht um Mode für Tiere, wie ich jetzt begreife, nein, es geht ums Schreiben! Auch dabei kann man sich mit Stilfragen beschäftigen: Man lernt doch nie aus! – Dabei habe ich als Beamer ja schon sehr viel erlebt.

Leinwand Logensaal Viadrina

Nun wurden heute Abend schon ein paar kurze Ansprachen gehalten, aber jetzt, endlich, kommt meine große Stunde und ich kann zeigen, was ich kann: Dr. Katrin Girgensohn ist tritt ans Pult, beginnt zu erzählen, von früher und wie es mit dem Schreibzentrum losging und ich untermale ihre Rede mit Bildern von damals. Sie spricht über die Anfänge des Schreibzentrums, über die allerersten schreibdidaktischen Angebote im Wintersemester 2002/03, noch vor der Gründung des Schreibzentrums: Die ist nämlich  auf das Jahr 2007 zu datieren: Vor 10 Jahren also bekam das Schreiben einen eigenen Raum an der Viadrina, in dem von nun an Workshops und Schreibseminare stattfanden. Und natürlich zahllose Beratungsgespräche zwischen Schreibtutorinn*en und ratsuchenden Studierenden. Nach wie vor sind sie das Herzstück der Arbeit im Schreibzentrum.

Rasch werfe ich Fotos von jungen Frauen an die Wand, den ersten Studentinnen, die die Ausbildung zu Schreibberaterinnen absolvierten und den guten Ruf des Schreibzentrums mitbegründeten. Ach, was sind die süß! So jung und voller Tatendrang… Unglaublich! Wie ich nun höre, sind ein paar Akteurinnen der ersten Stunde heute Abend hier im Saal – wenn ich mal so ein bisschen nach rechts unten schiele, kann ich sie sehen. Glücklich und stolz sehen sie aus. Und auch Bilder der Rednerin präsentiere ich: Damals trug sie wohl zu besonderen Anlässen auch mal einen Cowboyhut – sehr cool! Langsam wird diese Show echt unterhaltsam…

Katrin Girgensohn

Dr. Katrin Girgensohn

Jetzt, ein neuer Meilenstein: Es gibt eine längerfristige Finanzierung, die den Aufbau einer größeren Einrichtung erlaubt, nämlich des so genannten Zentrums für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen, das 2012 um das Schreibzentrum herum entstanden ist. Diese Entwicklung steht in Verbindung mit Franziska Liebetanz – die Leiterin des Schreibzentrums, die vorhin gesprochen. Sie war eine der Schreibberaterinnen der ersten Stunde, auf den Bildern eben war sie noch sehr jung. Seit 2011 leitet sie des Schreibzentrum der Viadrina, von der Pieke auf hat sie es mit aufgebaut.

Jetzt ein neues Bild: Fröhliche Menschen in leichter Sommerkleidung; wir befinden uns im Jahr 2014 und erfahren: Das Schreibzentrum der Viadrina hat eine große Konferenz mit mehr als 240 Teilnehmer*innen ausgerichtet, die Konferenz der European Writing Centers Association (EWCA). Und damals sind offenbar eine Menge von Schreibforscher*innen und Schreibdidaktiker*innen nach Frankfurt gekommen. Aus dem In- und Ausland sind sie an die Oder gereist und haben sich ausgetauscht und weiter genetzwerkt– bei großer Hitze, wie wir hören. – Hach, mir wird langsam auch ganz schön warm…

Wir sbefinden uns jetzt in der Gegenwart. Die Prezi zeigt die Jahreszahl 2018, dahinter ein Plus. Katrin Girgensohn hofft, dass es das Schreibzentrum auch über 2020 hinaus, wenn die aktuelle Finanzierung ausläuft, bestehen wird. Außerdem wünscht sie sich, dass das Schreibzentrum bald auf den Hauptcampus ziehen kann, denn momentan ist es im etwas abseits gelegenen Seminargebäude in der August-Bebel-Str. 12 untergebracht. Also, wenn es nach mir ginge: Ich würde ihr beide Wünsche sofort erfüllen! Jetzt gibt es ordentlich Applaus vom Publikum, recht so! Die Geschichte des Schreibzentrums ist erzählt. Und ach, wie schade: Meine große Show ist beendet. Ich mache Feierabend und gebe ab an meine beiden Kollegen, die Funkmikrofone, die zur Feier des Tages im kleinen Schwarzen erschienen sind.

Es sprach: Der Beamer

Und wieder hören wir die drei Streicher*innen: Nach Stücken von Bach oder Mozart etwas von den Beatles: Was für eine schöne Überraschung! Das Publikum ist gerührt.

Viaphoniker im Logensaal der Viadrina

Dritte Stimme:

Endlich! Der Veranstaltungstechniker hat längst alles vorbereitet, mein Kollege und ich liegen seit einer Stunde einsatzbereit auf den Tischen, der Beamer und das Pult hatten ihren Auftritt und nun sind wir endlich dran! Ich darf uns kurz vorstellen: Wir, zwei adrette Herren in Schwarz, sind die beiden Funkmikrofone, die Moderatoren der Podiumsdiskussion. Nun haben wir unseren großen Auftritt! Vier Personen treten nach vorn und nehmen auf den Sesseln Platz. Frau Liebetanz schenkt Wasser ein, nimmt mich in die Hand und schon geht sie los, die Podiumsdiskussion zum Thema Schreiben an den Fakultäten. Zu Gast sind Frau Prof. Dagmara Jajeśniak-Quast als Vertreterin der Wirtschaftswissenschaften, Frau Prof. Eva Kocher von der Juristischen Fakultät und Frau Dr. Nadja Sennewald, eine Literaturwissenschaftlerin aus dem anderen Frankfurt. Vier erfolgreiche Wissenschaftlerinnen auf der Bühne und ich habe die Ehre… Es beginnt sogleich ein angeregtes Gespräch über den Stellenwert des Schreibens an den verschiedenen Fakultäten. Mein Kollege und ich wandern von Hand zu Hand, werden herumgereicht. Ohne uns würde hier gar nichts gehen. Auch das Publikum lassen wir sprechen und Fragen stellen.
Besonders spannend findet das Publikum die Frage nach den Schreibritualen der Wissenschaftlerinnen. Frau Prof. Jajeśniak-Quast begeistert alle mit ihren offenen und ehrlichen Schilderung zu ihrem „Schreibanzug“ und ihrer Dachstube, in der sie zum Schreiben die Einsamkeit sucht. Frau Prof. Eva Kocher hingegen beginnt bei jeder Schreibeinheit am Anfang eines Textes und geht diesen komplett durch, bevor sie daran weiterschreibt. Wir erfahren, dass das Schreiben auch für Jurist*innen an der Uni eine zentrale Tätigkeit im Job ist. Diese Erzählungen werden mir sicher lange im Gedächtnis bleiben.

Podiumsdiskussion_Schreibzentrum

Podiumsdiskussion

Am Ende diskutiert die Runde noch die Frage, wie Texte geschrieben sein sollten, damit man sie gern liest. Dr. Nadja Sennewald meldet sich zu Wort: Klarheit!, das ist für sie das wichtigste Merkmal eines guten Texts. Auch das Schreibinterview vergeht wie im Flug. Franziska lädt die Gäste zum Abschluss des offiziellen Teils ein, sich ins Gräfin-Dönhoff-Gebäude zu begeben, wo auf den runden Geburtstag angestoßen werden darf und ein paar Geburtstagsüberraschungen warten. Wir zwei haben unseren Dienst jetzt zwar getan und werden uns nun zurückziehen. Was die Gastgeber*innen sich aber für die Gäste ausgedacht haben, würde ich dennoch gern wissen…

Es sprachen: Die Funkmikrofone

Mehr zum Schreibzentrumsgeburtstag:

Die Party

Das Drumherum

Der Workshop

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2 Responses to Schreibzentrums-Geburtstag 2017: Der Festakt

  1. Pingback: Das Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina feiert seinen 10. Geburtstag – Einblicke in unser Jubiläumsprogramm | Schreiben im Zentrum

  2. Pingback: Präsente, Präsenzen, Präsentationen: Das Geburtstags-Drumherum zum 10. Jubiläum des Schreibzentrums der Viadrina | Schreiben im Zentrum

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