Schreibmarathon 2017

Von Marie Carow

Kurz vor Ende des Sommersemesters, jedes Jahr im September, veranstaltet das Schreibzentrum den so genannten „Schreibmarathon“. Ziel ist es, Studierenden Zeit und Raum für ihre Schreibprojekte zu geben, aber ihnen auch mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Kurz vor Abgabefrist haben so noch einmal alle die Möglichkeit, sich zu motivieren und von Montag bis Freitag konzentriert zu arbeiten. Im Beisein anderer Schreibender entsteht so eine intensive Arbeitsatmosphäre, die alle in eine Stimmung versetzt, die sich positiv auf die Konzentration und die Motivation auswirkt. So entstehen innerhalb eine Woche kleine und große Texte und jede*r kommt  dem persönlichen Ziel näher. Dieses Jahr durfte ich als Peer-Tutorin des Schreibzentrums diese besondere Woche leiten und die Schreibenden begleiten.

SCREEN SCHREIBMARATHON 2017

Hier ein kleiner Eindruck aus dem diesjährigen Schreibmarathon.

Montag, 04.09.2017

Der Wasserkocher köchelt vor sich hin, die Zielscheibe wartet auf die ersten Pins und der Tagesablauf flattert im Wind. Ich befestige ihn mit Magneten und kontrolliere, ob die Kekse und Weintrauben auch schmecken. Ich bin dabei aber die Einzige im Raum. Um 10 Uhr sollte es losgehen. Die Uhr tickt und meine Aufregung steigt. Um 10:18 Uhr kommt immer noch niemand durch die Tür. Ich kontrolliere E-Mails, lege zum dritten Mal die Handouts zurecht und mache mich daran, einen Tagesarbeitsplan für mich auszufüllen. Um 10:45 Uhr bin ich immer noch alleine und checke den Facebook-Eintrag zum Event noch einmal. 10 Teilnehmer, 38 Interessierte, wenigstens eine*r muss doch kommen! Um 11:51 Uhr betritt die erste Schreibende den Raum. Wir kommen ins Gespräch und sie berichtet, dass sie mit dem Schienenersatzverkehr vier Stunden unterwegs war von Berlin bis nach Frankfurt/Oder. Sie sei  zwischendurch nur nicht umgekehrt, weil sie sowieso  noch ein Buch abgeben müsse und zu Hause nur wieder prokrastinieren würde. Im Laufe des frühen Nachmittags finden noch weitere Teilnehmer*innen den Weg ins Schreibzentrum. Es bleibt trotzdem ruhig, die Tastaturen der Laptops klackern leise. Erst auf der Rückfahrt, im Zug nach Berlin kommen wir ins Gespräch und alle Teilnehmer*innen berichten, dass sie mehr geschrieben haben, als in den letzten Wochen zusammen. Das motiviert auch mich.

Dienstag, 05.09.2017

Ich bin wieder sehr früh hier und koche Kaffee. Der Duft erfüllt den Raum mit einer wohligen Wärme. Ich bin nicht mehr so aufgeregt, aber leicht angespannt, weil die Bahnen immer noch nicht richtig fahren. Gestern hatte ich eine Erinnerungsmail an interessierte Teilnehmer*innen gesendet und einen Aufruf bei Facebook gestartet. Kurz nach 10 Uhr betreten eine unbekannte Studentin den Raum, gleich hinter ihr ein angemeldeter Teilnehmer und zwei der Schreibenden von gestern. Ich freue mich über die freundlichen Mienen und wir beginnen gemeinsam. Den geplanten Auftakt von gestern habe ich abgewandelt und so lernen wir uns eben heute kennen. Als ich die Zielscheibe vorstelle, leuchten die Gesichter auf, wie bei Kindern. Alle gehen nach vorne und pinnen ihre Schreibziele an – ein schönes Gefühl. Motiviert geht es an die Plätze und unsere Projekte.

Mittwoch, 06.09.2017

Bergfest! Ich habe gestern weniger geschrieben, umso mehr habe ich mir für heute vorgenommen. Ich habe die leise Hoffnung, das klackernde Geräusch der Tasten spornt die Studierenden an. Ein fester Kern hat sich gebildet. Gemeinsam schreiben sie an einem kleinen Einstimmer, tauschen sich über ihre Ziele aus. Mit Freude bemerke ich, dass jede*r Teilnehmer*in eine Yogamatte dabei hat. Heute Nachmittag gibt es nämlich eine kleine Besonderheit. Yvonne Biesenthal will uns eine Yogaeinheit nach dem Schreibmarathon spendieren. Die Studierenden schreiben fleißig, ohne Pause. Als es draußen dunkel wird und der Regen einsetzt, kommt Frau Biesenthal herein. Wir unterhalten uns über das Schreibzentrum. Wir legen unsere Matten bereit. Zwei Studierende stoßen noch dazu und so ist der Raum gut gefüllt. Leise Musik unterstützt uns bei den Entspannungsübungen. Mit einem Sonnengruß lassen wir den Tag ausklingen. Für morgen sind wir bereit!

Donnerstag, 07.09.2017

Es ist kalt. Zu viert machen wir uns den Raum warm mit Kaffee, Kuchen, heißem Tee. Letzteren kippe ich mir über den Schoß. Der Computer bleibt zum Glück unversehrt, meine Laune weniger. Mit nassem Bein versuche ich, die Schreibenden mit einem neuen Schreibeinstimmer zu motivieren. Wenig später raschelt und klackert es wieder. Geht doch! Die zweite Kanne Kaffee läuft durch, oder ist es die dritte? Ich bin ein bisschen überwältigt von dem Arbeitseifer der Studierenden.

Freitag, 08.09.2017

Endspurt! Auf der Zielscheibe wird es eng in der Mitte. Ich dachte, es motiviert die anderen, wenn ich mein eigenes Ziel auch mit anpinne. Es scheint funktioniert zu haben, sie lassen mich am Rand zurück und stürmen auf die Mitte zu. Toll! Allerdings will uns heute der Verkehr wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Nach dem SEV gibt es jetzt eine kontrollierte Bombensprengung in Erkner. Der Zug fährt zwischen Ostbahnhof und Fangschleuse nicht! Und weil es so schön ist, gab es auch noch einen Verkehrsunfall vor dem Kießlingplatz. Also ist wohl Laufen angesagt, für die Tapferen, die es nach Frankfurt/Oder geschafft haben. Mit mir sind es immerhin vier!

Alles in allem war es eine aufregende, abwechslungsreiche und vor allem arbeitsintensive Woche für alle Beteiligten! Ich war besonders erstaunt darüber, dass die Studierenden sich auf den Weg aus Berlin hierher gemacht haben, trotz der Umstände. Und es hat allen, laut ihrer Aussage, etwas gebracht! Eine schöne Erfahrung…

 

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