Die Arbeit in und mit der Gruppe: Weiterbildung zum Thema „Aktivierende Lehr- und Lernformen“

von Lina Mayer

Wie können selbständige Lern- und Erarbeitungsprozesse bei den Studierenden im Tutorium, der Lerngruppe oder der Lehrveranstaltung initiiert werden? Welche aktivierende Methode passt zu mir bzw. zu meinem Lehrsetting? Fragen, die häufig bei der Arbeit in und mit Gruppen auftauchen.

Von diesen Fragen ausgehend, fand im Sommersemester 2013 eine vom „Zentrum für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen“ organisierte Weiterbildung zum Thema „Aktivierende Lehr- und Lernformen“. Unter der Leitung von Susanne Vogel, Erwachsenenpädagogin und zertifizierte Supervisorin der Deutschen Gesellschaft für Supervision in Berlin, kam im Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) eine kleine Gruppe von Peer TutorInnen zusammen, um vor allem das eigene Methodenrepertoire für die Gruppenarbeit zu erweitern, und um eigene Erfahrungen auszutauschen. Die studentischen TutorInnen waren vor allem von der kulturwissenschaftlichen Fakultät sowie ein Sprach Peertutor vom Sprachenzentrum der Viadrina.

 Aktiv von Anfang an

Frau Vogels Credo war, die Weiterbildung von Anfang bis Ende so aktiv wie möglich zu gestalten. Gleich zu Beginn versuchten wir uns an einer Einstiegsmethode in die Gruppenarbeit, der „Aktionssymmetrie“. Die Aufgabe besteht dabei aus einer räumlichen Anordnung der Gruppenmitglieder. Der/die Peer TutorIn stellt verschiedene Fragen zu einem Thema, woraufhin sich die Gruppenmitglieder in einer bestimmten räumlichen Anordnung aufstellen müssen. Ziel dieser Methode ist es vor allem, die Gruppenarbeit aktiv zu starten und das Eis zwischen den TeilnehmerInnen, da diese sich zu Beginn einer Sitzung oftmals nicht alle kennen, zu brechen. Die räumliche Anordnung erfordert nämlich verstärkte Kommunikation. Um seine eigene Position im Raum zu finden, ist es notwendig sich mit den anderen Gruppenmitgliedern zu unterhalten. Dadurch kommt es zudem zum Austausch von Informationen und der Einschätzung auf mehreren Ebenen: die Gruppe lernt sich selbst einzuschätzen, der/die Peer TutorIn kann die Gruppe einschätzen und am wichtigsten: jeder lernt sich selbst einzuschätzen.

Im Anschluss an die Reflexion dieser Einstiegsmethode sammelten wir verschiedene Punkte, die unter anderem unsere Erwartungen an die Weiterbildung beinhalteten. Wichtig war uns TeilnehmerInnen vor allem, Methoden für einen aktiven Start bei der Arbeit mit Gruppen, zum Motivieren und zum Impulse geben kennenzulernen bzw. generell den eigenen Methodenpool zu erweitern. Des Weiteren war manchen die eigene Akzeptanz als Peer TutorIn innerhalb der Gruppe relevant und damit zusammenhängend, ein Austausch über die Erfahrungen der anderen TutorInnen.

 Die Erweiterung des Methodenpools: motivierende und aktivierende Methoden

Nachdem wir innerhalb der Gruppe eine Reihenfolge dieser Punkte festgelegt hatten, startete Frau Vogel mit dem ersten Punkt: motivierende und aktivierende Methoden.

Hierfür versuchten wir uns an der Methode des „Platzdeckchens“ und des „Aktiven Strukturierens“.

Viele Meinungen, eine Antwort: Das „Platzdeckchen“

Beim „Platzdeckchen“ geht es vor allem darum, innerhalb der Gruppe eine gemeinsame Aufgabe zu lösen, beispielsweise die Antwort auf eine bestimmte Frage zu finden. Dabei wird ein großes Blatt oder Plakat in ein Zentrum und vier (oder mehr) Bereiche unterteilt. Das Zentrum bleibt zu Beginn der Arbeit leer. Die Bereiche um das Zentrum herum entsprechen in ihrer Zahl der Anzahl der Gruppenmitglieder. Jedes Mitglied hat nun eine bestimmte Zeit, um sich Gedanken zu der Fragestellung zu machen und diese in seinen Bereich einzutragen. Im Anschluss daran startet die Diskussion, um aus den verschiedenen Meinungen eine gemeinsame Antwort auf die Fragestellung zu finden. Die gemeinsame Antwort wird dann in das Zentrum eingetragen. Das Gute an dieser Methode ist und war, dass jeder von uns Zeit hatte, sich zuerst selbst Gedanken zum Thema zu machen, bevor es in die Gruppendiskussion ging.

Bevor wir die zweite Methode zum „Aktiven Strukturieren“ ausprobierten, kam noch der Wunsch auf, sich über Fragen zu einer „guten Diskussion“ innerhalb der Gruppe auszutauschen. Einige Peer TutorInnen erzählten von Schwierigkeiten, alle Mitglieder ihrer Gruppe gleichermaßen zum Mitmachen zu bewegen bzw. generell Fragen zu stellen, beispielsweise zu einem Text, die einen Einstieg in eine gute Diskussion ermöglichen. Jeder aus unserer Runde sollte hierfür zuerst drei Fragen formulieren und dann der Reihe nach vorstellen. Im Anschluss daran wurden diese Fragen von uns diskutiert. Ergebnis war, dass die Fragen, die eine Diskussion einleiten sollten,  vor allem offen oder gezielt zu Passagen aus dem Text sein sollten.

„Aktivierendes Strukturieren“: Struktur durch Kommunikation und Kooperation

wissenschaftliches Schreiben

Aktives Strukturieren: Hier am Beispiel wissenschaftlich Schreiben

Beim „Aktiven Strukturieren“ geht es vor allem darum, Begriffe, Formeln etc., die zu einem vom Peer Tutor oder der Peer Tutorin vorgegebenen Thema in der Gruppe gesammelt wurden, zu sortieren und Oberbegriffe zu finden. Die Strukturierung der Begriffe erfolgt entweder an der Tafel oder auf einem Plakat. Damit die Gruppenarbeit gelingt ist es auch hier wieder wichtig mit den anderen Mitgliedern zu kommunizieren. Da je nach Größe der Gruppe viele verschiedene Perspektiven und Meinungen zu einem Thema aufeinandertreffen, ist es zum einen wichtig, seinen eigenen Standpunkt gut begründet zu vertreten. Zum anderen muss aber auch auf die anderen Gruppenmitglieder Rücksicht genommen werden. Kommunikation und Kooperation spielen hier eine wichtige Rolle.

 Fazit

Wichtig für die Gruppenarbeit insgesamt ist also folgendes: Die Arbeit innerhalb der Gruppe sollte von Anfang an so aktiv wie möglich gestaltet werden. Nur wenn alle Mitglieder immer wieder miteinbezogen werden, bleibt die Motivation der Gruppe erhalten. Allerdings sollten wir als Peer TutorInnen nur jene Methoden verwenden, von deren Sinn wir selbst überzeugt sind und die wir den Tutees sinnvoll vermitteln können. Eine anschließende Reflexion kann zeigen, inwieweit auch die Gruppe den Sinn der Methode erfasst hat. Des Weiteren hat Frau Vogel uns empfohlen, durch die Methoden verschiedene „Typen“ anzusprechen. Soll heißen, jeder Student und jede Studentin werden als individuelle Lern- oder Schreibtypen gesehen, der / die durch unterschiedliche Methoden besser „angesprochen“ werden. Ein Wechsel zwischen verschiedenen Typen ist notwendig, um alle Studierende gleichermaßen miteinbeziehen zu können.

Insgesamt war die Weiterbildung sehr interessant und auch sehr hilfreich für die weitere Arbeit im Peer Tutoring. Wir haben die Methoden selbst ausprobiert und reflektiert, was auch die Weiterbildung vom Anfang bis zum Ende sehr aktiv gestaltet hat. Um die eigene Gruppe als Peer TutorIn zu aktivieren und zu motivieren reicht es also aus, hin und wieder verschiedene Methoden anzuwenden. Das Ansprechen verschiedener Typen führt zudem dazu, dass Abwechslung in die Gruppenarbeit kommt und die Motivation zusätzlich erhöht wird. Aktiv werden und bleiben ist ein wichtiges Konzept, um eine Gruppenarbeit erfolgreich zu gestalten.

 

Die lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten in Berlin

– von Josephin Winkler –

Bereits zum vierten Mal hat das Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten veranstaltet. Viel Herzblut hat das Schreibzentrumsteam in dieses Ereignis gesteckt: Es wurde ein Grundkonzept erstellt, Plakate und Flyer gestaltet, Rundmails verschickt, Pressemappen angefertigt, ein Rahmenprogramm ausgedacht, Snacks eingekauft, Räumlichkeiten besichtigt uvm.

Es war viel Arbeit – und es hat sich gelohnt! In Kooperation mit der Humboldt-Universität, der Bibliothek der Humboldt-Viadrina School of Governance und dem Arbeitskreis Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg hat die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten das erste Mal in Berlin stattgefunden. Von 16- 1 Uhr konnten Studierende dort an ihren Schreibprojekten arbeiten. Nach einer Begrüßungsrede von Katrin Girgensohn, Gründerin des Schreibzentrums, gab es eine kleine Pecha Kucha Präsentation zur Langen Nacht. Daraufhin wurde fleißig geschrieben: An kleinen Tischen sitzend, war jede/r mit einem Laptop ausgerüstet, und die Tasten klapperten ordentlich. Ansonsten war die Stille in den Schreibräumen fast schon gespenstisch.

Zielscheibe SchreibzieleWer eine Pause brauchte, ging an die Snackbar oder kontrollierte noch einmal, ob sein Kärtchen an der Zielwand weiter in Richtung “Ziel” gerückt werden konnte. Auflockerungsübungen und Schreibtechniken (wie die Schreibstaffel) sorgten für Abwechslung zwischen den Schreibphasen. Bei einem Schreibtypentest konnten die Schreibenden herausfinden, welche Vorgehensweise beim Schreiben für sie am besten geeignet ist; aber auch zu neuen Techniken angeregt werden. Ein kleiner Vortrag über Plagiate und richtiges Zitieren sorgte für rege Diskussionen unter den Anwesenden – es blieben sogar einige Fragen offen.

winke-winke

Teilnehmende der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten winken bei der Live-Schaltung Schreibenden in anderen Schreibzentren zu.

Auch in anderen Städten Deutschland gab es zeitgleich die Lange Nacht. So haben wir uns nicht lange bitten lassen und eine Live-Schaltung in die anderen Schreibzentren aufgebaut; das stärkte das Gemeinschaftsgefühl und die Motivation  zum Weiterschreiben.

Für die 37 Schreibenden, die aus 5 Universitäten kamen, standen 10 ausgebildete Schreibberater zur Verfügung. Bei einem Beratungstermin konnten die Studierenden dann ungestört über ihren Text reden, Fragen stellen sowie natürlich auch von eventuellen Schwierigkeiten beim Schreiben berichten und sich Hilfe zur Selbsthilfe holen.

Da wir die Lange Nacht das erste Mal in Berlin veranstalteten, erwarteten wir mehr Andrang, doch insgesamt sind wir sehr zufrieden. Wir freuten uns über positive Resonanz bei der Presse, wie z.B. von der ZEIT online. Die Schreibenden gaben uns durchgängig positives Feedback – viele haben ihre gesetzten Ziele geschafft, einige sind sich jetzt über ihre Schreibgewohnheiten bewusster, andere wollen jetzt gerne öfter Schreibtechniken einsetzen. Viele wollen gerne nächstes Jahr wiederkommen!

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