Göttinger Tagebuch 1

Regenwolken sammeln sich an diesem Freitag über Göttingen. Im ICE sitzen Kinder und wollen wissen, ob ich zur Arbeit gehe. Ich fahre auf eine Koferenz, antworte ich. Sie wollen wissen, was eine Konferenz ist und so antworte ich ihnen etwas bemüht, dass sich viele Menschen treffen, um sich ein Wochenende lang zu unterhalten. „Klingt anstrengend“, antwortet eines der Mädchen. Ich antworte, dass es ganz viele nette Menschen dort gibt, und es auch Spaß macht. In Göttingen angekommen spaziere ich durch den Regen und versuche dem Plan zu folgen, der sich etwas zerknüllt in der Tasche meiner Jacke befindet. In den Räumen der Universität hatte sich inzwischen schon das lebhafte Geräusch unterschiedlicher Gespräche entsponnen. Am Buffet sammeln sich die Gäste, verharren kurz, schweifen mit den Augen über die Leckerein, gehen einen Schritt weiter, kippen Kaffee in Tassen, gehen wieder einen Schritt weiter. Der drohende Herbst, mit seinem Sprühregen und dem kräftigen Wind scheint vergessen. Die Fenster sind zu, die Heizungen an, Kameras machen Bilder von uns. Später am Abend sieht man sich wieder, diesmal beim Thailänder, wieder am Buffet, vielleicht vor den Wan-Tan-Taschen oder dem green curry, das man kurz darauf in das Gewusel der Gespräche zu seinem Tisch trägt. Der Weg zur Jugendherberge führt einen Berg hinauf, warnt uns David, lacht aber und sagt, dass dies nur aus ‚Göttinger Sicht‘ ein Berg sei. Der ‚Pass‘ führt entlang pompöser alter Villen mit Fachwerk, in die wir spontan einziehen wollen. Der gelungene Tag neigt sich seinem Ende. Wir sind durchfröstelt und müde und durch die Keller der Jugendherberge hallt das Klicken der Tischtennisbälle.

Schreibmarathon

Der Wasserkocher rauscht. Die Sonne strahlt mit ihrer letzten sommerlichen Kraft durch die Fenster des Schreibzentrums. Gerade ist das morgendliche Gespräch zuende gegangen und die Teilnehmer machen sich an ihre Arbeit. Schade, dass die Tastaturen nicht mehr Klappern, wie Schreibmaschinen in schwarz/weiß Filmen. So ist fast Stille über den Desktops, ab und zu kippt Kaffee in eine Tasse oder die Straßenbahn poltert vorbei. Die Uhr tickt, sie verrät uns, dass wir besser den Browser schließen sollten, um nicht selber in den Strudel der Prokrastination zu geraten. Was Katrin wohl inzwischen macht und ob Patrick seinen letzten Tag noch feiern wird, das weiß noch keiner. Das Klicken der Tastaturen wird jetzt auch lauter, klingt wie postmodernes Geflicker aus den Boxen eines Nurds. Die Wand des Schreibzentrums ist gespickt mit Kommas. Der Weg zur Kaffeemaschine ist weit. Die Buchdeckel neigen sich unter dem Gewicht der Gedanken. Das Blinken des Cursers ist wie ein Pulsschlag. Frankfurt (Oder) wirkt wie eine Kulisse in den Ferien, vielleicht garnicht so schlecht zum Schreiben.

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