Präsente, Präsenzen, Präsentationen: Das Geburtstags-Drumherum zum 10. Jubiläum des Schreibzentrums der Viadrina

Königlich mit Krönchen startete die Werbung für das 10-jährige Jubiläum des Schreibzentrums. Die Königinnen und Könige der Tierwelt – Zebra, Pinguin, Eule, Papagei, Spinne und Marienkäfer schmücken seit Jahren unsere Werbepostkarten. Für das Jubiläumsjahr 2017 verliehen wir den Karten einen besonderen Glanz und statteten unsere tierischen Freunde mit einem royalen Accessoire aus.

Pinguin mit Krone

Doch dies war nur der Anfang eines bunten und kreativen Spektakels! Ein Glücksrad wurde aufgestellt, Lose gedruckt, Preise gekauft, Kuchen gebacken, der Kunst-Kultur-Wagen durchlüftet und Studierende mit Lehrenden zum Austausch über das Schreiben zusammengebracht. Nichts wurde dem Zufall überlassen, außer das, was durch den Zufall erst seinen ganzen Charme entfalten konnte.

Das gesamte Team des Schreibzentrums arbeitete viele Monaten voller Tatendrang und Vorfreude auf das Jubiläum hin. Trotz Ausnahmezustand herrschte eine konstruktive  und produktive Atmosphäre, die die Organisationsmaschine bestens ölte. Im Schreibzentrum der Viadrina zu arbeiten, ist nun mal auch eine Herzensangelegenheit!

Im Vorfeld grübelten wir gemeinsam, wie wir den Geburtstag auch abseits des großen Festaktes zelebrieren und für jedermann*frau am Campus zugänglich machen könnten. Eine zentrale Frage war dabei: Wie können wir auf unterhaltsame Art und Weise für uns werben und Studierende wie Lehrende weiter auf uns aufmerksam machen? Im Teamtreffen stieß ein Vorschlag direkt auf große Begeisterung: ein Glücksrad, das eine unserer Schreibtutorinnen organisierte. Es wurde also zum Herzstück unseres Werbestandes im Foyer des Mensa-Gebäudes. Jede*r war eingeladen am Glücksrad zu drehen, kleine Preise oder Lose – und damit den Zugang zur Verlosung der Hauptpreise – zu gewinnen. In die Vorbereitung involviert waren nicht nur Losebastler*innen und Glücksradbekleber*innen, sondern auch fleißige Kuchenbäcker*innen, die für  kulinarische Köstlichkeiten am Werbestand sorgten.

Glücksrad mit Peer-Tutor*innen

Glücksrad zum Geburtstag

An insgesamt vier Tagen präsentierten wir uns mit Kuchen, Luftballons und Glücksrad ausgestattet im Foyer. Mit unterschiedlicher Besetzung sorgte das Glücksrad nicht nur bei den Tutor*innen, sondern auch bei der Vielzahl an Studierenden und Gästen für gute Laune. Bei der Aktion ging es nicht nur um die zahlreichen kleinen und großen Gewinne, die auf die Gewinner*innen warteten. Natürlich spielte auch der informelle Austausch über Angebot und Arbeit des Schreibzentrums eine zentrale Rolle.

Das Glücksrad war jedoch nicht die einzige Aktion im Jubiläumsjahr. Auch die Schreibberatung sollte in einem ganz neuen Format aufgezogen werden, indem sie neben den Studierenden auch an die Bürger*innen Frankfurts gerichtet werden sollte.

Eine Ort dafür war bald gefunden: der KuKuWa – der Kunst- und Kultur-Wagen der Initiative Studierendenmeile e.V. Der Wagen dient als öffentlich zugängliches Bücherregal – und uns einmal in der Woche als Ort für die Schreibberatung. Immer donnerstags zwischen 13:00 Und 14:00 Uhr können sich Interessierte mit und ohne Studierendenstatus dort beraten lassen.

Wie ein farbenfrohes Raumschiff steht der KuKuWa auf dem Hof vor dem Uni-Hauptgebäude. Auf diese Weise verbindet sich bereits das Universum der Universität mit dem Frankfurter Kosmos. Warum nicht also diesen kulturellen Begegnungspunkt auch für die Schreibberatung nutzen? Nach fruchtbaren Gesprächen mit allen Interessengruppen ist es in diesem Sommersemester des Jubiläumsjahres soweit, dass wir eine Schreibsprechstunde für alle anbieten können – egal, ob junge*r Studierende*r oder Frankfurter Rentner*in. Jeden Donnerstag können Menschen, die übers Schreiben sprechen wollen, zum bunten Wohnwagen in den Innenhof des Hauptgebäudes kommen. Der erste ‘echte Frankfurter’ war schon da und in der Sonne saßen wir zusammen. Der Ankündigung der Märkischen Oderzeitung sei Dank! Wir freuen uns schon jetzt auf viele weitere spannende Textsorten abseits von Essays und Hausarbeiten.

Schreibberatung Kunst- und Kulturwagen

Mit dem großen Festakt am 4. Mai 2017 liegt das ‘Bergfest’ nun schon hinter uns. Die verbleibenden Wochen des Sommersemesters locken aber noch mit weiteren Aktionen und Veranstaltungen rund ums Schreiben. So möchten wir anlässlich unseres Geburtstages auch die Lehrenden dazu befragen, wie, wo und warum sie eigentlich schreiben. Erst recht im Jubiläumsjahr möchten wir das Schreiben in der Interaktion von Studis und Lehrenden noch präsenter machen. Am 30. Mai 2017 von 13:00 bis 14:00 Uhr werden sich Dozierende im GD07 den neugierigen und kritischen Fragen der Studierenden stellen. Seid herzlich willkommen zur Lunch Time Lesson ‘Meet and Greet mit euren Dozierenden zum Thema Schreiben’ !

Um all den Aktivitäten und Festivitäten noch die Krone der Krönchen aufzusetzen, belohnt sich das Team des Schreibzentrums mit einem krönenden Abschluss des Sommersemesters selbst für all die Anstrengungen: An einem Sommertag im Juli trifft sich das gesamte Team zu einem internen Teamausflug, begleitet von Natur, Picknick und kreativen Schreibstationen.

Ein herzliches Dankeschön geht hiermit noch einmal an alle, die mit uns das Schreibzentrums-Jubiläum ermöglicht haben!

Mehr zum zehnjährigen Schreibzentrumjubiläum 2017:

Der Festakt

Die Party

Der Workshop

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Schreibzentrumsgeburtstag: Die Party

Pünktlich um 21:00 Uhr ging der feierliche Festakt zum 10. Geburtstag des Schreibzentrums der Viadrina am 4.5.2017 im Logensaal zu Ende. Alle Gäste zogen ins Gräfin-Dönhoff-Gebäude (GD). Hier wartete ein buntes Partyprogramm. Tür auf im GD und das Programm startete einem freundlichen Lächeln der dort versammelten Peer-tutor*innen und vielleicht auch einem Gläschen Sekt oder Orangensaft.

Schreibtafeln und Schreiborte

Das GD-Foyer sah total anders aus, als die meisten es aus dem Unialltag kennen. Dort standen nämlich viele weiße Stehtafeln, die zum Teil mit schönen Fotos und zum Teil mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen gefüllt waren.

Die Aufnahmen der Schreiborte stammen aus Frankfurt am Main. Das Schreibzentrum der Goethe-Universität hat ein Fotowettbewerb zu diesem Thema organisiert (#Schreiborte 2017). Aus den zugeschickten Fotos entstand eine Ausstellung, die unsere Geburtstagsparty verschönert hat. Auf dem Holzsteg in der Wiese, am rustikalen oder modernen Schreibtisch, beim Sonnenaufgang, mit Wein oder Zigaretten, in Begleitung eines Hundes oder einer Pflanze. Erstaunlich, wie viele Geschichten sich hinter diesen Orten verbergen. Und wie vielfältig schön man sich einen Schreibort einrichten kann.

Und wo schreiben unsere Gäste am liebsten? Das konnten sie in den Cluster (eine Art Gedanken oder Assoziationskette) auf einer Schreibtafel eintragen. Außerdem gab es Kreuzworträtsel und Wolkenblasen, die unsere Gäste mit spontanen kreativen Ideen füllen konnten. Gleichzeitig sollten sie zum spielerischen Nachdenken über das Schreiben einladen. Denn der Geburtstag des Schreibzentrums wäre doch ohne Schreiben ein Unding! Die Tafeln hat unser Schreib Peer Tutor Julius entworfen und damit auch dafür gesorgt, dass es an dem Abend nichts fehlte. Dafür sind wir ihm sehr dankbar.

Schreibtafel

Die Ausstellung #Schreiborte und die Schreibtafeln sind nach der Geburtstagsparty im Foyer des Gräfin-Dönhoff-Gebäudes geblieben. Studierende der Viadrina gestalteten die Mitschreibtafeln weiter. So machen wir auf unser Schreibzentrum aufmerksam und laden die Studierenden dazu ein, in ihrem Uni-Alltag auf eine kreative Art und Weise über eigene Schreibprozesse nachzudenken.

Musik

Die Namens-Patronin des Gebäudes, in dem die Party stattgefunden hat, haben wir auch nicht vergessen. Sie hatte eine besondere Funktion. Gemeinsam mit unseren TutorInnen war DJ Dönhoff für Musik zuständig. Die Gräfin hätte wahrscheinlich nicht gedacht, dass sie zu diesem besonderen Anlass sogar die entsprechenden Klamotten geschenkt bekommt 😉

Fernseher

Zu der Geräuschkulisse gehörten auch Stimmen, die man nicht gleich zuordnen konnte. Sie kamen aus einem Fernseher, der im Raum zwischen den Tafeln stand. Alle Gäste, die vorbeikamen, konnten sich viele herzliche Glückwünsche in Form von kurzen Videobotschaften anhören, die zum 10. Jubiläum des Schreibzentrums aus Polen, Österreich und verschiedenen Städten Deutschlands sowie aus den USA zugeschickt wurden. Dabei waren sehr viele Worte der Anerkennung von Unidozierenden, anderen Schreibzentren, Institutionen aus dem Hochschulbereich oder Privatpersonen, mit denen das Schreibzentrum in verschiedenen Kontexten zusammenarbeitet oder gearbeitet hat.

Anschauen von GLückwunsch-Videos

Anschauen von GLückwunsch-Videos

Fotobox

Eine nostalgisch anmutende Fotobox wurde im Foyer drapiert. Dahinter befanden sich eine  Fotowand und Requisiten. All dies sollte die Gäste zum Posieren und selbst auslösen eines Bildes einladen, um eine unvergessliche Erinnerung zu erhalten. Mister Stift, Geburtstagskrone, Zylinder, Masken und Riesenbrille waren zur Verfügung. Wie sich positionieren? Was darstellen? Sekunden der Entscheidungsfindung über den eigenen Bezug zum Schreiben und zum Schreibzentrum. Schön ist das alles geworden. Wer hatte sich abbilden lassen? Viele. Vom Schreibzentrumsteam, von den Gästen. Einen Einblick in die entstandene Foto-Vielfalt wird in Kürze auf dem Medienportal der Europa-Universität Viadrina veröffentlicht.

Auf diese Weise kann das 10-jährige Bestehen des Schreibzentrums noch lange fortbestehen und uns beim Anschauen immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Lesung

Ein Schreibzentrum wäre kein richtiges Schreibzentrum, wenn selbst produzierte und manchmal auch literarische Texte nicht einem breiten Publikum präsentiert werden würden. Aus diesem Grund war ein wichtiger Teil des Rahmenprogramms zum 10-jährigen Bestehen des Schreibzentrums eine kreative Lesung. Hierfür durften junge Autor*innen aus Berlin und der Grenzstadt Texte zum Oberthema “Geburtstag” einreichen. Diese wurden von dem Künstler Alexander Lehnert, auch bekannt für sein Feuerpudel-Programm, dem Publikum präsentiert, während eine Illustratorin Visualisierungen zu den Texten erstellte. Zwischen den einzelnen Vorlese-Blöcken durften rosa Luftballon-Pudel und Partyhüte gebastelt werden, was dem bunte Rahmenprogramm einen unverwechselbaren Charakter und der Lesung eine besondere Stimmung verliehen hat.

Feuerpudel

Fazit: ein Geburtstag mit allen Sinnen

Bienchengleich summten die Zuständigen an ihre Orte, alle wussten was zu tun ist, waren eingeteilt bei Lesung, Fotobox, Buffet, Empfang und weiteres. Man hörte aber sogar Gäste singen, wohl über das Schreiben, über das Schreibzentrum, über Geburtstage. Immer wieder ertönte das Klatschen von jene, die gerade der Lesung lauschten.  Dazu die Musik im Foyer, Stimmen aus dem Fernseher, Lachen von überall. Wie ein kleines Konzert zum 10-Jährigen Geburtstag des Schreibzentrums. Schön war es mit allen zusammen, selbst zu klingen und zu lauschen.

Es ist unvergesslich, wie das Foyer des Gräfin Dönhoff Gebäudes visuell immer mehr die Gestalt eines Schreibzentrums annahm. Schreibtafeln und Tulpen – weil Schreiben schlicht ist und doch voller Entfaltungsmöglichkeiten. Weil Schwarz und Weiß auf Papier ein Bunt im Kopf des Schreibenden und Lesenden auslösen kann. Und in diesem Sinne bereichert uns das Schreibzentrum jetzt schon seit 10 Jahren – damit das Schreiben zahlreicher Studierender zum persönlichen Meilenstein, zum Reibeisen, zur Charakterschule und zum Projekt mit Tendenz zum Glanz werden kann. Ein glanzvoller Abend, dessen Glitzerspur noch lange in unseren Gemütern und Herzen vorfindbar sein wird.

Und natürlich duftete es auch, denn selbstverständlich gab es auch ein Büffet.

Am Buffet

 Sekt sekt sekt sekt

schluck gluck gluck glück

smile smile smile

So ist der universitäre Raum zum Partyraum und zum Schreibraum geworden. Spaß und Schreiben zugleich: Eine perfekte Kombination zum Geburtstag des Schreibzentrums.

Mehr zum zehnjährigen Schreibzentrumsgeburtstag:

Der Festakt

Das Drumherum

Der Workshop

Writers‘ Circus

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Jana, Juliane and Diana presenting the writers‘ circus at the peer writing tutor conference 2016 in Freiburg, Germany

 

The Writers‘ Circus is a writing event developed at the writing center at European University Viadrina in Germany. The writers‘ circus invites big groups to exchange ideas about writing in a playful and creative way. Participants come together in small groups and create circus performances, each group orientated at one circus character. Eventually, all groups come together and share their results by creating a common circus show.

The writers‘ circus is fun and a meaningful warm-up for conferences as well as for writing center team meetings.

We had fun with the writers‘ circus at several events:

Would you like to run a writers‘ circus? Download here:

English Version: writers-circus_cc_license

German version: schreibzirkus_deutsche_version_cc-license

Have fun!

Creative Commons License
Writers‘ Circus by Schreibzentrum Europa-Universität Viadrina is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

 

Schreibzirkus

schreibzirkus2016_web

Jana, Juliane und Diana präsentieren den Schreibzirkus 2016

Der Schreibzirkus oder Writers‘ Circus ist ein Schreibevent, das wir am Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina entwickelt haben. Es eignet sich besonders gut, um in großen Gruppen auf kreative und spielerische Art und Weise miteinander in einen Austausch über das Thema Schreiben zu kommen. Die Teilnehmenden erarbeiten in Kleingruppen verschiedene Zirkusdarstellungen rund um das Thema Schreiben und orientieren sich dabei an verschiedenen Zirkusfiguren. Schließlich kreieren alle gemeinsam eine große Zirkusshow mit verschiedensten Nummern: Großer Spaß und ein tolles Warm-Up für Konferenzen, Tagungen oder auch als Teambuilding-Maßnahme im Schreibzentrum!

Erprobt haben wir den Writers‘ Circus äußerst erfolgreich auf folgenden Konferenzen:

Wer den Schreibzirkus ausprobieren möchte kann sich das Material als pdf herunterladen: schreibzirkus_deutsche_version_cc-license . Es steht unter creative commons license, d.h. es darf genutzt, weiter verbreitet und auch weiter entwickelt werden. Wichtig ist nur, dass es nicht für kommerzielle Zwecke genutzt wird und dass auf unsere Urheberschaft verwiesen wird. Viel Spaß!

Und hier gibt es das Material zum Schreibzirkus zum Download auf Englisch: writers-circus_cc_license
Creative Commons License
Schreibzirkus by Schreibzentrum Europa-Universität Viadrina is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

Creative Commons License
Writers‘ Circus by Schreibzentrum Europa-Universität Viadrina is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

 

Von der hedonistischen Funktion des Schreibens und dem sonderbaren Erlebnis, einen Roman gleichzeitig zu schreiben und zu lesen

NaNo-2015-Winner-BannerIn diesem und letztem Jahr habe ich mich immer wieder mit dem kooperativen Schreiben befasst. Es hat mich interessiert, wie das Schreiben von Texten funktioniert, an denen mehrere AutorInnen beteiligt sind. Unter anderem habe ich einen Workshop für NachwuchswissenschaftlerInnen eines Forschungskollegs gegeben, die gemeinsam wissenschaftliche Artikel verfassen wollten, und einen Workshop für unser Schreibzentrum konzipiert, der Schreibberatende darauf vorbereiten sollte, Studierende zu unterstützen, die Hausarbeiten in Gruppen schreiben müssen. Für alle, die diese Themen interessieren, empfehle ich folgende Lektüre: Schindler & Wolfe 2014 sowie Wolfe 2010.

Allerdings werde ich an dieser Stelle NICHT verraten, worin das Geheimnis guter kooperativer Schreibprozesse im akademischen Bereich liegt, sondern möchte berichten von einem Experiment, das sich ganz außerhalb aller akademischen Vernunft bewegt hat. Dieses Experiment hat keine einzige der Empfehlungen für das kooperative Schreiben in der Wissenschaft befolgt und gehört vielleicht auch gar nicht in einen Blog wie diesen, aber es war so aufregend, dass ich trotzdem davon erzählen möchte. Wir haben nämlich zu viert, zwischenzeitlich auch zu sechst, innerhalb von vier Wochen einen Roman geschrieben, zu dem bis zum ersten November diesen Jahres nicht einmal eine Idee existierte. Wir sind vier Autorinnen, die sich aus einer seit vielen Jahren bestehenden Schreibgruppe kennen, die einzig und allein dem Zweck dient, unser Schreiben zu feiern. Anders gesagt: Es macht uns einfach Spaß. Akademisch ausgedrückt: Wir genießen die hedonistische Funktion des Schreibens. Und in diesem Jahr haben wir beschlossen, beim Nanowrimo mitzumachen, dem National Novel Writing Month, dem vermutlich größten Schreibspiel der Welt. Jedes Jahr im November nehmen daran weltweit zigtausende Menschen teil und versuchen, innerhalb eines Monats einen Roman mit 50.000 Wörtern zu schreiben – normalerweise 50.000 Wörter pro AutorIn. In unserem Fall haben wir versucht, die 50.000 Wörter gemeinsam zu schaffen, in einer gemeinsam erdachten Geschichte.

Eigentlich wollten wir uns vor dem Startschuss am ersten November treffen, uns einen Plot ausdenken und das Vorgehen besprechen. Da wir das nicht mehr geschafft haben, zog eine von uns am ersten Tag aus dem Kartenspiel „Geschichtenerfinder“ einen Ort (ein Museum), eine Handlung (eine Verwechslung passiert) und vier Figurenkarten (zwei Spione, ein Journalist, ein frisch verheiratetes Paar und eine Tänzerin). Wir haben uns dann per E-Mail kurz abgesprochen, wer aus der Perspektive welcher Figuren schreiben möchte und dann einfach losgelegt, ohne die geringste Idee, wohin das führen würde.

Als Plattform zum Schreiben haben wir google.docs benutzt. Anfangs haben wir noch festgelegt, wer wann Zeit hat zum weiter Schreiben und sind auch schön linear vorgegangen. Im Laufe der Zeit hat sich der gemeinsame Schreibprozess dann aber verselbständigt und ist so chaotisch geworden, wie Schreibprozesse nunmal sind. So haben wir teilweise gleichzeitig geschrieben (sehr lustig zu beobachten, wenn man gerade online ist und sieht, wie der Text sich wie von alleine weiter schreibt), teilweise auch zwischendurch offline geschrieben und die Szenen dann reinkopiert, und immer mehr auch wild Text produziert, der erst an spätere Stelle gehören würde (hoffentlich), bzw. an frühere Szenen anknüpfte, also in der Handlung zurück lag. Sehr praktisch war dabei, dass die Handlung in einem Museum spielt und wir daher die Gelegenheit hatten, die Texte zu schreiben, die die Ausstellungsstücke erklären, wenn uns mal nichts anderes einfiel. Unser Roman spielt in der Zukunft und das Museum ist ein Museum des vordigitalen Zeitalters, so dass wir so kuriose Dinge wie Festnetztelefone, papiererne Bücher oder Brettspiele beschreiben konnten.

Foto Plotgenerator

Hier entsteht unser Plotgenerator

Bei einem Treffen zwischendurch hat uns eine unserer Mitschreiberinnen, die eigentlich nicht am Roman beteiligt war, mit einem Plotgenerator beglückt und für unverhoffte Wendungen gesorgt: Wir erstellten gemeinsam ein Raster, das viele verschiedene Kombinationen zuließ, was unseren Figuren passieren könnte und was sie tun. Dann haben wir alle gewürfelt und mussten zu den erwürfelten Kombinationen schreiben. So passierte es dann, dass unsere Figuren auf einmal Unterwäsche tauschen oder Türen aufbrechen mussten.

In den letzten zwei Wochen haben wir uns abends oft noch kurze E-Mails geschickt, mit kurzen Andeutungen, was zuletzt wieder alles passiert ist und welche Cliffhänger wir eingebaut haben, um uns gegenseitig zum Weitermachen und Durchhalten anzufeuern. Das war fast wie eine spannende Serie zu gucken oder einen Fortsetzungsroman zu lesen, nur dass wir es zugleich selbst in der Hand hatten, den weiteren Verlauf der Geschichte zu steuern. Es war also zugleich ein Lese- und ein Schreiberlebnis.

Erst am vorletzten Abend haben wir mündlich gemeinsam überlegt, wie wir die letzten 8000 Wörter nutzen könnten, um die Geschichte zu Ende zu bringen. Wir haben den anderen beiden Mitgliedern unserer Schreibgruppe die Geschichte erzählt und mit ihnen gemeinsam überlegt. Wie immer beim Schreiben hat das Reden darüber sehr geholfen und uns fiel auf einmal auf, dass unser Jungvermählter gar nicht so ein unbeschriebenes Blatt ist wie es bis dahin schien. Eigentlich ist er nämlich ein Schurke… Der Endspurt war dann auf einmal gar nicht mehr so schwierig. Zum erstem Mal im ganzen Schreibprozess hatten wir zumindest eine ungefähre Ahnung, worauf die ganze Geschichte hinauslaufen würde. Und wir haben es geschafft! Pünktlich am letzten Abend konnten wir die Geschichte dem Roman-Validierer von Nanowrimo anvertrauen und unsere Siegerinnen-Urkunde einheimsen.

Und ja, natürlich ist die Geschichte nicht druckreif geworden. Es gibt Ungereimtheiten, Sprünge, Längen und sprachliche Abgründe. Aber es ist eine Geschichte entstanden, von der im Oktober noch nicht einmal die kleinste Idee zu ahnen war. Das zu erleben und die Möglichkeit zu haben, eine Geschichte zugleich zu lesen und zu schreiben, war einfach großartig. Vielleicht werden wir irgendwann mal mehr draus machen. Aber erstmal werden wir jetzt unseren Sieg genießen und feiern. Zur Nachahmung empfohlen!

Und am Ende glaube ich sogar, dass ich auch für akademische kooperative Schreibprozesse etwas aus dieser Erfahrung mitnehmen kann. Was für unser Experiment nämlich absolut wichtig war, war die sich mit jedem Tag mehr steigernde Gewissheit, sich auf die anderen Mitschreibenden verlassen zu können. Zu wissen, dass die anderen es auch schaffen wollen und sich reinhängen und die Ideen der anderen mittragen, auch wenn sie vielleicht ganz anders sind als das, was man ursprünglich im Sinn hatte, war unbedingt notwendig für das Gelingen. Sich aufeinander verlassen zu können, ist sicherlich für jedes gemeinsame Schreibprojekt eine Grundvoraussetzung.

Literatur

Schindler, Kirsten; Wolfe, Joanna (2014): Beyond single authors: Organizational text production as collaborative writing. In: Jakobs, Eva-Maria; Perrin, Daniel (Hrsg.) Handbook of Writing and Text Production, Berlin/Boston: De Gruyter, 159-173.

Wolfe, Joanna (2010): Team writing. a guide to working in groups. Boston: Bedford/St. Martin’s.

Geschichten-Erfinder: Kartenspielerei für kreative Köpfe. Editon Büchergilde.

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