Schreiben in den Rechtswissenschaften – Stellenausschreibung

Die Juristische Fakultät und das Schreibzentrum der Europa-Universität
Viadrina haben eine Stelle im Bereich juristische Schreibdidaktik zu
vergeben. Wir freuen uns über zahlreiche Bewerbungen und über
Weiterleitungen dieses Gesuchs an möglicherweise interessierte
Juristinnen und Juristen.

Das Handwerkszeug eines jeden Juristen und einer jeden Juristin ist die
Sprache; und die Abfassung von Texten ist Ihr tägliches Brot. Nicht
umsonst besteht ein Hauptteil des Leistungsnachweises im Ersten Examen
deshalb im Schreiben von Klausuren. Oftmals unterschätzt wird von den
Kandidatinnen und Kandidaten, dass der berüchtigte „Korrektor“ nicht nur
ein juristischer Fachmann oder eine juristische Fachfrau ist, sondern
vor allem eines bleibt: eine Leserin bzw. ein Leser.

Die Kunst, sich möglichst klar und verständlich auszudrücken, eine
stringente Gedankenführung zu verfolgen, sinnstiftend Schwerpunkte zu
setzen und technisch überzeugend zu argumentieren, sind deshalb
notwendige, wenn auch unausgesprochene Teile der Prüfungsleistung und
müssen bewusst geübt werden.

Um unsere Studierenden dabei zu unterstützen, suchen die Juristische
Fakultät und das Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina eine/n
engagierte/n Juristin/en als akademische Mitarbeiter/in. Detaillierte
Informationen entnehmen Sie bitte der Stellenausschreibung unter
folgendem Link:
http://www.europa-uni.de/de/struktur/verwaltung/dezernat_2/stellenausschreibung/3300-15-13.pdf

Beste Grüße
Franziska Liebetanz & Katrin Girgensohn

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Neuer Durchgang Weiterbildung „Schreibzentrumsarbeit und Literacy Management“ 2015

coverflyer_hpLiebe Kolleginnen und Kollegen,

wir bieten ab 2015 eine neue Runde der Weiterbildung „Schreibzentrumsarbeit und Literacy Management“ für externe Interessierte an. Das Angebot reagiert auf verschiedene Anfragen und auf den wachsenden Bedarf an schreibdidaktisch ausgebildeten Menschen, die an Schreibzentren an Schulen und Hochschulen, in hochschuldidaktischen Einrichtungen, Graduate Schools oder auf dem freien Markt als SchreibberaterInnen, SchreibtrainerInnen und Literacy ManagerInnen arbeiten möchten. Unsere Weiterbildung unterstützt die Implementierung und Institutionalisierung schreibdidaktischer Angebote. Sie umfasst fünf dreitägige Präsenz-Module sowie Online-Arbeit zum Literacy-Management mit der E-Portfolio-Software Mahara.

Die Weiterbildung wird in Kooperation mit der PH Freiburg am Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina durchgeführt. Sie bringt außerdem die Expertise von Expertinnen und Experten weiterer universitärer Schreibzentrum und freiberuflich tätiger SchreibberaterInnen ein. Die Weiterbildung kostet 4.000 Euro incl. Lehrmaterialien sowie für die Präsenzmodule jeweils zwei Übernachtungen und Verpflegung. Übernachtungen und Verpflegung gehören zum Konzept der Ausbildung, da wir langfristige kollegiale Netzwerke initiieren wollen und die gemeinsam verbrachte Zeit dafür wichtig finden.

Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten gibt es auf unserer Homepage: www.europa-uni.de/schreibzentrumsweiterbildung und in unserem Flyer (Flyer_Schreibzentrum_web).
Bis zum 01.02. 2015 ist die Anmeldung möglich.

Wir freuen uns, wenn diese Informationen weiter geleitet werden!

Mit den besten Grüßen
Franziska Liebetanz & Katrin Girgensohn

 

 

 

 

 

Gut gegründet – Die Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung nimmt ihre Arbeit auf

Göttingen, am 21. Januar 2013, ein Wintermärchen. Es schneit, und aus allen Himmelsrichtungen sind wir angereist zu einem großen „Date“: Nur ein Dreivierteljahr nach der Bochumer Open Space-Tagung „Vernetzung und Qualitätskriterien in der Schreibdidaktik“ gründen wir die „Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung“. Sie wird am Internationalen Schreibzentrum der Universität Göttingen angesiedelt sein. Damit gibt es nun endlich auch in Deutschland einen Verein, der für die Interessen einer professionellen Schreibdidaktik in der höheren Bildung, in Forschung, Praxis, Aus- und Weiterbildung durch Vernetzung und Austausch eintritt:

„Die Gesellschaft versteht sich als Vertretung von Personen, die in Hochschulen, Schulen oder in freier Praxis insbesondere im Bereich des wissenschaftlichen Schreibens lehren, beraten, vermitteln und forschen“.

So steht es auch in der Präambel der Satzung. Wir treten für die Gründung von Schreibzentren ein, engagieren uns für die Professionalisierung des Nachwuchses und für die Vernetzung der institutionell und freiberuflich tätigen SchreibdidaktikerInnen. Auch wollen wir Fachtagungen ausrichten und können uns dabei eine Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem deutschsprachigen Raum wie der Prowitec, dem Forum wissenschaftliches Schreiben in der Schweiz und der österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliches Schreiben gut vorstellen.
Der Gründungsvorstand der Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung

Der Gründungsvorstand der Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung

Den Vorsitz übernimmt Melanie Brinkschulte (Internationales Schreibzentrum der Universität Göttingen). Als Stellvertreterin wurde Katrin Girgensohn (Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/O.) und als Schatzmeisterin Jana Zegenhagen (Lese- und Schreibzentrum der Universität Hildesheim) gewählt. Beisitzerinnen sind Andrea Frank (Schreiblabor der Universität Bielefeld), Eva-Maria Lerche (Kompetenzzentrum Schreiben der Universität Paderborn), Ulrike Lange und Maike Wiethoff (Schreibzentrum der Ruhr-Universität Bochum) und Daniela Liebscher (als Vertreterin der FreiberuflerInnen). Die Kassenprüfung übernehmen Ella Grieshammer und Annett Mudoh (Internationales Schreibzentrum der Uni Göttingen).

Der Vorstand wird jetzt die erste Mitgliederversammlung organisieren, Mitglieder werben und sich auf den nächsten Fachtagungen vorstellen. Die erste Mitgliederversammlung findet am 26. September 2013 in Bochum statt – einen Tag vor der Peer-Schreib- TutorInnen-Konferenz des Schreibzentrums. Erste Informationen darüber wird es schon Mitte Februar auf der Prowitec-Tagung in Hamburg geben.

Nach unserer intensiven vierstündigen Sitzung laufen wir nun durch den Schnee zurück zum Bahnhof. Der Winter hat den Fahrplan durcheinandergewirbelt. Aber wir sind guter Dinge. Die „Gesellschaft“ ist auf den Weg gebracht, die Reise kann losgehen….

Und für alle, die sich der Reise anschließen wollen:

  • Mitglied werden! Beitrittsantrag ausfüllen und abschicken.
  • In die Mailing-Liste eintragen: gesellschaft@schreibdidaktik.de
  • Auf Tagungen, Konferenzen und Treffen über die „Gesellschaft“ reden und für sie werben.
  • Diesen Blogbeitrag verlinken.
  • Spenden für die Organisation der ersten Mitgliederversammlung, da wir noch keine Mitgliedsbeiträge erheben.
  • Zur Mitgliederversammlung kommen und mitbestimmen.

Literacy Management: Zertifikatsverleihung des Schreibzentrums Frankfurt (Oder) im Schreibzentrum Frankfurt am Main

Die Goethe Universität, in deren Schreibzentrum wir zu Gast waren. (Zu dem beeindruckenden IG-Farben-Gebäude, das die Uni beherbergt, bekamen wir sogar eine Führung)

Dieses Wochenende war für uns ein ganz besonderes Wochenende. Wir reisten an die Goethe Universität in Frankfurt am Main, um den TeilnehmerInnen unserer Weiterbildung „Schreibzentrumsarbeit und Literacy Management“ ihre Zertifikate feierlich zu überreichen. Sieben von insgesamt elf Teilnehmenden konnten den zusätzlichen Termin wahrnehmen, zu dem Weiterbildungsteilnehmerin Stephanie Dreyfürst eingeladen hatte, eine der Leiterinnen des Schreibzentrums der Goethe Universität. Wir waren gespannt und glücklich, denn es war die erste Gruppe, die an unserer berufsbegleitenden Weiterbildung teilnahm und so auch die erste Gruppe, der wir unser Zertikat überreichen durften.

Im Laufe von fünf Monaten hatte die Gruppe fünf Wochenenden an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) verbracht und sich intensiv mit Schreibforschung, Schreibberatung, schreibintensiver Lehre und mit der Institutionalisierung schreibdidaktischer Angebote auseinandergesetzt. Parallel dazu erarbeiteten sie online eigene Konzepte für schreibdidaktische Angebote im Rahmen ihrer eigenen Institutionen, beruflichen Umfelder oder zukünftigen Tätigkeitsfelder. Diese Konzeptualisierung und Umsetzung von Schreib- und Leseförderung in Institutionen und anderen gesellschaftlichen Kontexten wird Literacy Management genannt. Das Online- Modul „International Literacy Management“ ist eine Kooperation von Hochschulen in der Schweiz, Frankreich, den USA, Deutschland und Kanada.

Unser „Weiterbildungsbaum“, an dem zu Beginn der Weiterbildung die Erwartungen in Apfelform reiften, wurde zum Abschluss geerntet.

Das Wochenende in Frankfurt am Main stand unter dem Motto Auswertung und Blick in die Zukunft. Alle Anwesenden berichteten, in welchen Bereichen sie mittlerweile als Literacy ManagerInnen tätig sind und wie sie das, was sie in der Weiterbildung gelernt hatten, nutzen und umsetzen. So leitet eine Teilnehmerin mittlerweile neben ihrer Arbeit als angestellte Lektorin Promovierende dabei an, gemeinsam ihre Dissertationsschriften zu überarbeiten.  Sie ist eine der wenigen, die sich theoretisch und praktisch mit Lektoratsarbeit und Schreibprozessbegleitung auseinandersetzt und diese produktiv verbindet.

Eine unserer freiberuflichen Teilnehmerinnen, die langjährige schreibdidaktische Erfahrungen und ein fundiertes Wissen einbrachte, konnte im Laufe der Weiterbildung ihr Profil als Literacy Managerin schärfen. Sie analysierte die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe und entwickelt eine Webpräsenz.

Eine andere Teilnehmerin hat aufgrund ihrer Kompetenzen und der Zusatzqualifikation durch unsere Weiterbildung eine Stelle in einem Verbundprojekt der Universitäten und Hochschulen in Flensburg und Kiel bekommen. Sie vertritt nun die universitäre Schreibdidaktik im hohen Norden, indem sie StudienanfängerInnen beim wissenschaftlichen Schreiben unterstützt.

Die Literacy ManagerInnen mit ihren Zertifikaten

Erfreuliches berichtete auch unsere „Grazer Zelle“, deren beide Mitglieder momentan eine österreichische Variante der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten entwickeln. Fortschritte gibt es auch bei der Entwicklung eines Schreibzentrums an der Uni in Graz: ein Pilotprojekt in drei Studiengängen wird schreibdidaktische Interventionen erproben.  Und in einer schreibintensiven Lehrveranstaltung in der Ethnologie entstand ein Buch mit Texten Studierender, die sie in einer öffentlichen Lesung einem begeisterten Publikum präsentierten.

Auch im Schreibzentrum der Universität Jena ist die universitäre Verankerung deutlich voran geschritten, berichtete uns dessen Leiter. So wird es im kommenden Semester bereits die zweite schreibintensive Lehrveranstaltung in den Literaturwissenschaften geben. Angedacht ist auch eine Meisterklasse für versierte Schreibende. In zwei Wochen wird das Schreibzentrum in Jena die fünfte Peer-Schreib-TutorInnen-Konferenz im deutschsprachigen Raum ausrichten.

Schreibberater Tasche

SchreibberaterInnen Tasche

Und natürlich berichtete auch unsere Gastgeberin von der Arbeit des Schreibzentrums an der Goethe Uni und der studentischen Schreibberatung, für die sie in der Weiterbildung viele Anregungen erhalten hat. Bereits 14 Peer TutorInnen sind in Frankfurt am Main im Einsatz. Alle Anwesenden waren begeistert von der mobilen Schreibberatung der Goethe Universität, für die die studentischen SchreibberaterInnen Taschen entwickelt haben, die bestückt sind mit Arbeitsblättern,Schreibutensilien, aber auch Schokolade und Taschentüchern.

Wir sind erstaunt und erfreut, wieviel sich bei den Teilnehmenden  getan hat und wieviel sie schon im Bereich Literacy Management bewirkt haben. Vielen Dank an die Gruppe, deren großartige Zusammenarbeit so viel zur guten und produktiven Atmosphäre der Weiterbildung beigetragen hat.

Der nächste Durchgang der Weiterbildung  „Schreibzentrumsarbeit und Literacy Management“ wird im Februar 2013 starten. Mehr Infos hier.

Franziska Liebetanz und Katrin Girgensohn

Wir haben einen Namen!

Die Bochumer Initiative, einen Verband für Schreibdidaktiker_innen und Schreibforscher_innen an deutschen Hochschulen und in freier Praxis zu gründen, ist einen Schritt weiter. Der Gründungsausschuss hatte alle Interessierten eingeladen, bis zum 30. Juni 2012 über den Namen der künftigen Vereinigung online abzustimmen. Er stellte insgesamt sechs Namensvorschläge zur Wahl. Die überwältigende Mehrheit der Teilnehmenden (80 % ) votierte für

„Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung“.

13% unterstützten den Vorschlag „Gesellschaft für wissenschaftliches Schreiben“, und 7% plädierten für „Gesellschaft für akademische Schreibdidaktik und Schreibforschung“. Dieses Ergebnis ist eindeutig.

Wir danken allen, die teilgenommen haben, für ihre Unterstützung !

Die bundesdeutsche Schreibdidaktik geht unter die Gründer_innen

Der entscheidende Anstoß kam auf der Bochumer Open-Space-Tagung im März: Die Tagungsteilnehmerinnen beauftragten einen Ausschuss, die Gründung eines Berufsverbandes vorzubereiten. Für diesen Ausschuss berichte ich nun hier:
Wir vertreten die Schreibzentren Bochum, Göttingen, Hildesheim, Paderborn und den AK Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg. Die haupt- und freiberufliche Perspektive der deutschen Schreibdaktik finden hier zusammen. Otto Kruse unterstützt uns mit wertvollen Hinweisen aus seinen internationalen Verbandserfahrungen.

Warum wollen wir das?

Seit „Bologna“ ändert sich die Sicht auf das wissenschaftliche Schreiben an deutschen Hochschulen – und auch an den Oberschulen: Das wissenschaftliche Schreiben ist Teil der Lehr- und Studienpläne geworden; neue Textsorten entstehen; das Schreiben im Übergang zwischen Schule und Hochschule sowie zwischen Hochschule und Beruf gewinnt unter dem Schlagwort der „Berufsorientierung“ an Bedeutung. An immer mehr Hochschulen entstehen Schreibzentren, die die schreibintensive Lehre und Schreibberatung ebenso fördern wie die Erforschung des Schreibens. Dementsprechend nimmt die Zahl der Personen zu, die in diesem Bereich arbeitet, forscht, lehrt, ausbildet und berät.

Inzwischen sind die deutsche Schreibdidaktik und Schreibforschung sehr gut aufgestellt. Das soll im Berufsverband sichtbar werden.

Was wollen wir?

De jure geht es um die Gründung eines Vereins.
De facto soll die zu gründende Vereinigung

  • 1. das Wissen der deutschen Schreibdidaktik und –forschung über wissenschaftliches und domänenspezifisches Schreibens mehren,
    dieses Wissen international und interdisziplinär verbreiten und vernetzen und
    die Anliegen der Schreibdidaktik in der Öffentlichkeit vertreten.
  • 2. die Personen zusammenführen, die in Hochschulen, Schulen oder in freier Praxis insbesondere im Bereich des wissenschaftlichen Schreibens arbeiten (in Lehre, Schreibberatung und/oder Schreibforschung),
    die schreibdidaktische Aus-, Fort- und Weiterbildung der Mitglieder fördern und
    ihre beruflichen Interessen vertreten.

Inzwischen haben wir eine Satzung entworfen, in der die Details geregelt sind. Der Entwurf kann angefordert werden beim:  kompetenzzentrum.schreiben@uni-paderborn.de

Was brauchen wir?

Einen Namen! Wir nutzen die Suche gleich für das, was die künftige Vereinigung ausmachen soll: für Vernetzung und Werbung in eigener Sache und für unsere Interessenvertretung. Alle Schreibdidaktiker_innen und Schreibforscher_innen an deutschen Hochschulen oder in freier Praxis haben ab sofort die Möglichkeit, über den Namen abzustimmen. Zur Abstimmung geht’s hier…

Die Abstimmung wird am 30.06.2012 geschlossen.

Vielen Dank!


Von Hummeln und Schmetterlingen: Die deutschsprachige Schreibdidaktik in Bochum

Die Open-Space Tagung in Bochum „Vernetzung und Qualitätskriterien in der Schreibdidaktik“ vom 22.-23. März bot die Möglichkeit über schreibdidaktische Themen zu diskutieren, neue Ideen und Konzepte zu entwickeln und über Wege für eine bessere Vernetzung nachzudenken. Ca. 70 Personen hatten sich angemeldet, von denen auch fast alle anwesend waren. Unter den TeilnehmerInnen waren FreiberuflerInnen, HochschulmitarbeiterInnen und studentische Peer-TutorInnen. Fast alle Schreibzentren aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Brandenburg, Bremen und Hamburg waren vertreten, sogar Schreibdidaktiker aus der Schweiz (Winterthur) und Österreich (Graz) nahmen teil. Wie gut wir teilweise bereits vernetzt sind, zeigte unser AK Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg auf der Tagung: Wir vertraten nicht nur den regionalen AK, sondern zugleich das Schreibzentrum der Viadrina (Simone Tschirpke) und die Schreibdidaktik an den Universitäten Hildesheim (Jana Zegenhagen), Hannover (Nora Peters) und Göttingen (Ella Grieshammer).

Marktplatz der Ideen

Besonders anregend fanden wir das gewählte Format: Zunächst wurden „Anliegen“ bzw. Themenbereiche von den Teilnehmerinnen (und ein paar Teilnehmern…) auf einem großen Blatt formuliert, z.B.

Open Space-"Anliegen".
© AK Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg

  • „Organisation der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“
  •  „Faculty-Students Partnerships“
  •  „Standards einer Peer-Tutoren-Ausbildung“
  • „Möglichkeiten zur praxisnahen Forschung in der Schreibdidaktik“
  •  „Journal der Schreibberatung (JoSch)
  • „Gründung eines Berufsverbands“
  • „Schreibberatung für Berufstätige“
  • „Zusammenarbeit von NachwuchswissenschaftlerInnen“ uvm.

Insgesamt kamen so rasch 23 Themen zusammen; ein 24. Thema („Öffentlichkeitsarbeit für Schreibzentren“) wurde spontan noch Freitag morgen eingebracht. Auch dafür bot das Format Raum.

Wer ein Thema vorschlug, stellte es kurz dem Plenum vor, pinnte es dann an die große Wand in eine Zeiteinheit, in der er/sie das Thema diskutieren wollte: Donnerstag um 12 Uhr oder Freitag um 10.30 Uhr. Die Themenrunden wurden auf insgesamt 7 Räume verteilt oder spontan wegen des schönen Wetters ins Freie verlegt.

Man musste sich also für eine Runde entscheiden, hatte aber auch die Erlaubnis, eine Gruppe zu verlassen und sich eine Pause zu gönnen („Schmetterling“) oder zu „hummeln“ (zwischen den Gruppen zu springen).

Diskussion über Peer- Tutoren-Ausbildung
© AK Schreibdidaktik Berlin-Br.

Dokumentation der Gruppe "Peer- Tutoren-Ausbildung"
© AK Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg

Jede Gruppe dokumentierte ihre Ergebnisse abschließend im Flur. Ein großer Raum diente als „Café“ und Informationsbörse, dort hingen unsere „Steckbriefe“, die wir vorher den Organisatorinnen zugeschickt hatten.

Von der Idee zum Projekt

Am Freitag Nachmittag trugen wir im Plenum konkrete „Vorhaben“ zusammen, die sich aus den regen Diskussionsrunden ergeben hatten, und für die wir Unterstützung suchen:

  • Die Verbandsgruppe setzt einen Gründungsausschuss ein.
  • Die Zeitschrift „JoSCH“ sucht neue MitstreiterInnen, ReviewerInnen und MitarbeiterInnen.
  • Am 24.10.2012 soll um 11.55 in ganz Deutschland ein Schreib-Flashmob stattfinden.
  • Eine gemeinsame Datenbank für Protokollvorlagen und Datenerhebungen in den Schreibzentren soll erstellt werden usw.

Die letzte Runde bestand nun darin, dass sich zu jedem Vorhaben die Interessierten zusammensetzten und konkrete Schritte überlegten, um das Vorhaben in Gang zu setzen. Immer wieder wurde uns deutlich, wie sehr sich die SchreibdidaktikerInnen die Vernetzung untereinander wünschen. Als gemeinsame Plattform soll zunächst das Diskussionsforum schreibzentren.mixxt.de dienen.

Das war BÜZ!

Alles in allem:
B
(ehalten) werden wir die vielen neuen Kontakte.
Ü(berraschend) war die Vielfalt der diskutierten Themen und die Effektivität der Open-Space Methode, die das Erarbeiten konkreter, kleiner Ziele ermöglichte.
Z(ukünftig) sollte es weitere solche Formate geben, die SchreibdidaktikerInnen das Vernetzen und Austauschen ermöglichen.

Ein Riesendank an die Bochumer Organisatorinnen (samt Benny natürlich), die die Sache in die Hand genommen haben.

v.l.n.r. Mitglieder des AK Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg Daniela, Simone, Jana (jetzt Hildesheim), Nora (jetzt Hannover)
© AK Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg

Assessment und eine Studie zur Wirksamkeit von Peer Tutoring

Diese Woche fand wieder das Madison Area Writing Center Colloqium statt. Das Thema war  „Writing Center Assessment“, also die Begutachtung und Bewertung unserer Arbeit. Oder, um eine von vielen Definitionen zu nennen:  “Assessment is any effort to gather, analyze, and interpret evidence which describes institutional, departmental, divisional, or agency effectiveness. (Upcraft and Schuh 1996, 18).

Writing Center Assessment

Im Austausch wurde deutlich, dass das Thema Assessment zwiespältige Gefühle auslöst: zu oft beinhaltet es eine Bewertung von außen, von Leuten die von unserer Arbeit wenig wissen, und löst dann eine defensive Haltung aus. Oft wird Assessment auch mit großem bürokratischem Aufwand assoziiert. Andererseits muss Assessment keine endgültige Beurteilung sein, sondern kann nützliches Feedback geben und Qualität sichern. Allerdings ist es dafür wichtig, sich vorher zu überlegen, was man wissen will und wonach man guckt, damit man Daten sammeln kann, die zu Aussagen führen. Obwohl das eigentlich für alle Forschung gilt, ist es für Assessment besonders wichtig, weil letzteres immer für einen bestimmten Kontext stattfindet in dem es zu politischen bzw. meist finanziellen Konsequenzen führt. Neil Lerner hat in einem Essay über Writing Center Assessment zum Beispiel gezeigt, dass die meisten Schreibzentren nur ca. 10-15% der Studierenden einer Uni erreichen – eine Zahl, die die Verwaltung nicht glücklich machen wird, auch wenn für mehr gar keine Kapzität da ist. Wenn es aber die Mission der Uni sein sollte, besonders attraktiv für internationale Studierende zu sein, dann könnte es viel sinnvoller sein, im Jahresbericht aufzuführen, dass das Schreibzentrum zu 40% von internationalen Studierenden genutzt wird – was im Verhältnis von 20% internationalen Studierenden an der Uni eine sehr gute Zahl ist.

Studie zu einem Writing Fellows Programm

Textgrundlage für die weitere Diskussion war eine Studie, in der die Wirksamkeit eines Writing Fellow Programms gemessen werden sollte und die durch ihr sorgfältiges Design – darüber waren sich alle einig – über Assessment weit hinaus ging und eigentlich schon in die Kategorie „Forschung“ gehört.

Die Fragestellung der beiden Autorinnen war, ob ein Writing Fellows Programm an ihrem College im Verlauf eines Semesters Studierenden nachweisbar hilft, bessere Schreiber zu werden. Im Writing Fellows Programm geben ausgebildete Peer Tutoren den Studierenden eines Seminars Feedback auf mehrere Texte, die sie in einem Semester schreiben. Die Peer Tutoren lesen die Texte, geben schriftliche Rückmeldungen vor allem im Hinblick Higher Order Concerns und den Schreibprozess. Die schriftlichen Rückmeldungen werden in einem mündlichen Gespräch diskutiert und die Studierenden überarbeiten ihre Texte, bevor sie sie zur Benotung bei den Lehrenden einreichen – genau wie hier an der UW Madison.
Die Autorinnen begründen die Notwendigkeit ihrer Studie damit, dass die wac-Bewegung schon länger Studien fordert, die über subjektive Erfahrungsberichte oder Selbsteinschätzungen der Studierenden hinaus gehen – wobei sie diese Berichte durchaus wertschätzen. Den Anlass für die Studie gab die Frage, ob es sinnvoll wäre, ein Writing Fellows Programm am College der Autorinnen zu etablieren oder ob die Energien lieber auf andere wac-Initiativen gelenkt werden sollten.

Forschungsdesign
Das Design der Studie wird in dem Artikel genau vorgestellt und seine Begrenzungen werden mit thematisiert. Untersucht wurden zwei Seminare, die obligatorisch für Studierende sind, die Englisch im Haupt- oder Nebenfach studieren. Die Seminarleiter stellten in beiden Seminaren im Laufe des Semesters die gleichen Schreibaufgaben: zwei kürzere Essays bei denen Literaturtheorien auf literarische Texte angewandt werden sollten und eine längere Arbeit, für die eigenständige Forschung nötig war. In einem der Seminare wurde mit Writing Fellows in der oben beschriebenen Art und Weise gearbeitet. In dem anderen Seminar gab es keine Writing Fellows. In beiden Seminaren bezog sich das Feedback der Lehrenden auf die zur Benotung abgegebenen Texte.
Die Studierenden wussten vorher nicht, dass in einem der Seminare mit Writing Fellows gearbeitet wurde. Sie schrieben sich für die Seminare ein, weil sie besser in den Stundenplan passten oder weil sie möglicherweise unterschiedliche Lehrende präferierten.
Die Studierenden, die sich damit einverstanden erklärten, dass ihre Texte im Rahmen einer Studie anonym bewertet werden, wurden in die Studie einbezogen. Nach Abschluss des Semesters wurden deren zur Benotung abgegebenen Texte (in der Reihenfolge ihres Entstehens) in Portfolios. Die Portfolios wurden anonymisiert. Es wurde ein Lesergremium zusammengestellt, dass aus einem anderen College rekrutiert wurde. Die Lesenden wussten nichts über den Aufbau der Studie, ihnen wurde nur gesagt, dass Texte aus zwei Seminaren verglichen werden sollten. Die Lesenden wurden zunächst geschult, indem sie gemeinsam Kriterien zur Bewertung von Texten brainstormten und diskutierten und diese probeweise und jeweils zu zweit an verschiedenen Essays testeten, die von der Aufgabenstellung denen in den Seminaren entsprachen. Als die Studienleiterinnen feststellen konnten, dass die Lesenden offenbar gemeinsame Kriterien und Bewertungsweisen entwickelt hatten, wurden diese gebeten, die Portfolios zu bewerten und zu kommentieren. Dabei sollten sie sowohl die Texte einzeln bewerten als auch die Entwicklung, die im Laufe der Zeit stattgefunden hat. Jeweils ein Portfolio wurde von zwei Leuten bewertet. Wenn es zu Abweichungen kam, wurden dritte, vierte oder sogar fünfte Lesende hinzu gezogen.

Ergebnisse
Die Ergebnisse der Studie lassen darauf schließen, dass es deutliche Unterschieden zwischen den beiden Gruppen gab. Die Portfolios der Testgruppe wurden statistisch signifikant besser bewertet und die Entwicklung der Schreibenden war signifikant besser als bei der Kontrollgruppe. Hinzu kommt, dass die Selbstaussagen der Studierenden der Testgruppe darauf schließen lassen, dass sie auch in ihrer Selbstwahrnehmung das Gefühl haben, ihre Schreibkompetenzen verbessert zu haben und metakognitive Kompetenzen hinsichtlich Schreibprozessen und disziplinärem Wissen erlangt zu haben.

Mein Fazit

Ich finde diese Studie aus verschiedenen Gründen sehr interessant. Zum einen natürlich, weil sie stützt, was wir in Schreibzentren täglich beobachten: Feedback durch geschulte Tutoren hilft Studierenden in ihrer Entwicklung als Schreiber und führt zu besseren Texten. Zum anderen finde ich das Design der Studie sehr überzeugend und anregend für weitere Untersuchungen. Natürlich sind die Aussagen nur begrenzt übertragbar auf andere Kontexte und natürlich kann es nie eine „objektive“ Bewertung von Texten geben (mehrere Portfolios mussten von mehr als zwei Personen bewertet werden bis es zu einer Einigung kam). Dennoch zeigt die Studie, dass die Selbstaussagen der Studierenden hier mit der Wahrnehmung von Außenstehenden übereinstimmen. Darüner hinaus möchte ich den Artikeln all jenen empfehlen, die in unserem Fachgebiet nach einem Musterartikel zur Genre-Analyse für Publikationen von Forschungsergebnissen auf Englisch suchen: sehr gut gemacht!

Allerdings: Im Rahmen der alltäglichen Arbeit lässt sich so eine Studie nicht nebenbei als Assessment durchführen. Aber vielleicht ja in Zusammenarbeit mit einzelnen Lehrstühlen? Im Rahmen von Abschlussarbeiten? Ich finde es lohnt sich, darüber nachzudenken und die Statistiken, die wir führen, nicht nur als lästiges Übel anzusehen. Dass es Studierende gibt, die auf dieser Basis wertvolle Aussagen herausarbeiten können, zeigt ja auch unsere Abschlussarbeiten-Reihe.

Genannte Literatur:

Rossman Regaignon, D.; Bromley, P. (2011) ‚What Difference Do Writing Fellows Programs Make?‘ The WAC Journal  22 41-63

Upcraft, M. L. and Schuh, J. H. (1996). Assessment in student affairs: A guide for practitioners. San Francisco: Jossey-Bass.

Lerner, N. (2003) ‚Writing Center Assesment. Searching for the “Proof“ of our Effectiveness. ‚ in. Pemberton/Kinkead: The center will hold – critical perspectives on writing center scholarship. Logan, Utah: Utah State Univ. Press, 58-73

Weitere Ressourcen:

Barbara E. Fassler Walvoord, Trudy W. Banta: Assessment clear and simple :a practical guide for institutions, departments, and general education (Google eBook)

Isabelle Thompson (2006): Writing Center Assessment: Why and a little How. In Writing Center Journal 26.1, 33-61

A Selected Bibliography on Empirical Writing Center Research

Research Podcasts des Writing Centers der UW Madison:

New Directions in Writing Center Assessment

Two Experts Talk Writing Center Assessment: A Conversation with Neal Lerner and Jason Mayland

Writing Center Professionals Meeting: Wie stellen wir unsere Arbeit dar und brauchen wir Zertifizierungen?

Bei meinem Besuch in den Twin Cities (Minneapolis und St. Paul) hatte ich auch die Gelegenheit, an einem Treffen der Writing Center Professionals der Region teilzunehmen, das an der Hamline University in St. Paul stattfand. Diese Treffen finden vierteljährlich statt und die Teilnehmenden kommen von Schreibzentren verschiedener Unis, Colleges, Community Colleges und High Schools. Dieses Mal waren 28 Leute versammelt. In einer kurzen Runde stellten sich zunächst alle vor und nannten, als kreative Einlage, ein Wort zu dem sie eine Hassliebe haben. Meins ist „patience“, weil ich mir hier immer wieder klar machen muss: Es braucht Geduld und Ausdauer, um Schreibzentren zu etablieren.

„How to explain ourselves to faculty“

Das erste Thema des Treffens war „How to explain ourselves to faculty“, ein Thema, das auf der E-Mail-Liste des Netzwerks wohl schon öfter angesprochen worden war. Es ging also darum, wie schwierig es sein kann, die eigenen Arbeit Lehrenden zu erklären – ich kam mir sofort ganz heimisch vor! Alle Anwesenden hatten schon die Erfahrung gemacht, dass Selbstbild und Fremdbild innerhalb der eigenen Uni mitunter weit auseinander gehen. Eines der schöneren Missverständnisse ist, dass Schreibzentren magische Orte sind. Wie durch Zauberei können Studierende, die uns besuchen, hinterher perfekt schreiben! Obwohl auch Lehrende aus eigener Erfahrung wissen, dass man beim Schreiben nie auslernt und man immer wieder auf neue Herausforderungen stößt, wird von Studierenden oft erwartet, dass sie es irgendwann einfach können. D.h. es wird erwartet, dass Schreibzentren für Studierende irgendwann nicht mehr nötig sind. Demgegenüber machen wir die Erfahrung, dass gerade erfahrene Schreibende Schreibzentren gerne aufsuchen, weil sie wissen, wie wertvoll Gespräche über ihre Texte mit professionell geschulten Tutoren sind.

Sehr weit verbreitet scheint auch die Ansicht zu sein, dass es „früher“ ein goldenes Zeitalter gab, in dem die Studierenden noch ordentlich schreiben konnten, während heutzutage alles den Bach runter geht. Deshalb braucht man wohl Schreibzentren – die heutigen Studierenden haben es halt nötig! Aus unserer Perspektive ist es dagegen völlig normal, wenn insbesondere Anfänger beim wissenschaftlichen Schreiben mit Schwierigkeiten kämpfen. Es ist klar, dass es keinen Spaß macht, solche Texte zu lesen, aber ohne ausführliches und konstruktives Feedback werden sie nicht besser werden. Uns ist außerdem klar, dass es kein allgemeingültiges „how to do it“ gibt beim Schreiben, aber wer sich nicht mit Schreibprozessen auseinandersetzt, weiß das oft nicht.

Eine Kollegin berichtete von einer Sitzung, in der Lehrende sich über die schlechte Qualität studentischer Texte beklagten. Daraufhin habe ein Professor gefragt, ob diese Lehrenden wüssten, wie man eine leckere und ausgewogenen Mahlzeit zubereitet. Er erklärte, dass wir das alle wüssten, aber im Alltag doch oft nur schnell was aufwärmen, einfach, weil wir es nicht täglich schaffen können, ein perfektes Essen zuzubereiten. Und er fragte, ob die schlechten Texte nicht vielleicht einfach daran lägen, dass auch die Studierenden, die eigentlich bessere Texte schreiben könnten, nicht die Möglichkeit haben, jedes Mal etwas Perfektes zu liefern, weil der Studienalltag viel zu voll sei. Ich fand das eine interessante Perspektive. Hier ist es ja so, dass alle Texte im laufenden Semesterbetrieb geschrieben werden. Bei allen Nachteilen, die das in Deutschland verbreitete einsame Schreiben in der vorlesungsfreien Zeit mit sich bringt, hat es so doch immerhin eine priveligierte Stellung im Studienalltag.

Writing Center Professionals in der Hamline University

Writing Center Professionals in der Hamline University

Das Fazit der Diskussion war zum einen, dass es zwar vorkommt, dass Studierende von Lehrenden mit falschen Vorstellungen ans Schreibzentrum verwiesen werden, aber es trotzdem schön ist, wenn sie kommen und an uns liegt, was wir dann draus machen. Zum anderen wurde festgehalten, dass es schlichtweg zu unseren Jobs dazu gehört, immer und immer wieder zu erklären was wir machen. Wir haben selbst auch falsche Vorstellungen von dem, was andere Menschen machen, also sollten wir nicht erwarten, dass Außenstehende wissen, was wir tun.

Es gab einige interessante Beispiele für erfolgreiche Kooperationen. So haben mehrere Schreibzentren „Advisory Boards“, also eine Art Beirat, mit Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen der Institutionen. Andere bitten Lehrende verschiedener Fakultäten, an den Bewerbungskommissione für neue Tutoren teilzunehmen, weil diese dabei sehen können, wie sorgfälitg die aktuell arbeitenden Tutoren ausgebildet wurden und wie professionell sie in der Bewerbungskommission handeln. Auch einen „Faculty Guide to the Writing Center“ haben viele Schreibzentren.

Zertifizierung der Tutorenausbildung?

Das zweite Thema des Treffens war die Zertifizierung von Tutorenausbildungen nach bestimmten Qualitätsstandards. Ebenfalls ein Thema, das mir bekannt vorkam und das derzeit in Deutschland genauso aktuell ist (siehe Open Space Meeting im März). Es gibt ein International Tutor Training Program Certificate, das von der College Reading and Learning Association (CRLA) vergeben wird. Dabei wird zertifiziert, ob die Ausbildung die studentischer Tutoren einen gewissen Umfang und gewissen Inhalte hat, wie sie evaluiert und die Tutoren geprüft werden und ob institutionelle Mindeststandards bei den Rahmenbedingungen gegeben sind. Die Zertifizierung kostet natürlich Geld und muss in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden.

Das Fazit der Diskussion: Einerseits stellt sich die Frage, ob ein Zertifikat, dass nicht speziell auf Schreibzentren zugeschnitten ist, unserer Arbeit, ihrem besonderen pädagogischen Hintergrund und den unterschiedlichen institutionellen Kontexten gerecht werden kann. Andererseits ist es den Uni-Verwaltungen oft wichtig, solche Zertifikate haben und zeigen zu können. Wenn sie die personellen und finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, damit wir uns dem Zertifizierungsprozess unterziehen können, spricht eigentlich nichts dagegen, weil unsere Tutorenausbildungen oft über die geforderten Mindeststandards hinaus gehen. Auf jeden Fall kann die Zertifizierung bei der Neugründung von Schreibzentren nützlich sein, weil sie moralische Unterstützung sein kann, um einen Rahmen festzulegen und diesen dann auch dauerhaft beizubehalten – denn das Zertifikat muss ja regelmäßig erneuert werden.

Abschließend wurden verschiedene Round Tables, Konferenzen und Tagungen angekündigt und ein neuer Termin und ein neuer Ort und Themenvorschläge für das nächste Treffen bestimmt. Ich habe die Gelegenheit genutzt, auch das Schreibzentrum der Hamline University anzugucken. Die dortige Lösung ist, das Schreibzentrum innerhalb der Bibliothek zu platzieren – ohne Wände dazwischen, sehr präsent und sichtbar für alle dort lernenden Studierenden. Es waren leider keine Studierenden mehr da, aber ich kann mir vorstellen, dass das gut funktionieren kann.

Writing Center Hamline

Blick zur Rezeption und zu Tutoring-Ecken

Tutoring spaces

Blick in die offene Tutoring-Ecke in der Bibliothek

Wie organisiert man ein großes Schreibzentrum?

Meine Kolleginnen aus dem Schreiblabor Bielefeld haben gefragt, wie am hiesigen Schreibzentrum die „Meeting-Struktur“ aussieht. Dahinter steckt die Frage, wie man bei einem wachsenden Schreibzentrum eine Kommunikationsstruktur aufbauen kann, die es ermöglicht, miteinander zu denken und einander gegenseitig zu fördern und trotzdem effizient zu arbeiten. Ich stelle hier nun vor, wie diese Kommunikationsstruktur – ganz grob gezeichnet – aussieht. Nicht, um daraus verallgemeinerbare Aussagen abzuleiten, sondern um einen Einblick in ein Schreibzentrum zu geben, das besonders groß ist und besonders vielfältige Aufgaben hat.

Zunächst noch einmal zur Erinnerung: Zum Team des hiesigen Schreibzentrums gehören über hundert Leute.

Staff Writing Center UW Madison

Die Teaching Assistants und Professional Staff Herbst 2011

Als Schreibtutoren arbeiten 54 Graduate Students (angestellt als Teaching Assistants), außerdem arbeiten 47 Undergraduate Students als Writing Fellows und weitere arbeiten an der Rezeption des Schreibzentrums.

Das Leitungsteam besteht zur Zeit aus fünf festangestellten Mitarbeitern mit folgenden Stellenbezeichnungen: Writing Center Director und Writing Across the Curriculum Director (in einer Person), Associate Director, Undergraduate Writing Fellows Director, Writing Center Science-Writing Specialist, Writing Center Administrator.

Zu diesem festen Leitungsteam gesellen sich mehrere Promovierende in Leitungspositionen, deren Verträge jeweils ein bis zwei Jahre laufen. Das sind folgende Positionen:

  • TA Assistant Director Writing Center
  • TA Assistant Director Writing Fellows Program
  • TA Assistant Director Writing Across the Curriculum
  • TA Assistant Director Writing Center Multicultural Initiatives / TA Coordinator
  • TA Assistant Director Writing Center Outreach/ TA Coordinator
  • TA Assistant Director Online Writing Center

Außerdem haben noch zwei Undergraduate Students Leitungspositionen, in denen sie die Direktorin und die die Assistant Direktorin bei ihrer Arbeit unterstützen.

Und wie sieht nun die Kommunikationsstruktur aus?

Teammeetings

Teammeetings mit der gesamten Gruppe gibt es nur einmal im Jahr. Teammeetings mit allen Graduates oder allen Undergraduates finden 4-5x im Semester statt. Das Leitungsteam, inclusive der TAs, trifft sich zu Semesterbeginn und zum Semesterabschluss und außerdem nach Bedarf, je nachdem, was anliegt. Im Dezember haben wir uns viermal getroffen. Einmal, um Ideen für Weiterbildungen zu sammeln, einmal um die Workshops für das nächste Semester zu planen, einmal zur Auswertung des Semesters, und zweimal waren es Treffen für „Strategic Planning“. Bei den letzteren ging es um die Frage, wie sich die Arbeit des Schreibzentrums noch verbessern lässt – trotz harter Zeiten, in denen jede Einheit an der Uni 8% einsparen muss. Das Team hat gemeinsam überlegt, wie die verschiedenen Interessengruppen des Schreibzentrums in eine strategische Planung einbezogen werden können. Ich war sehr beeindruckt davon, dass hier kontinuierlich darüber nachgedacht wird, wie sich die Arbeit des SZ verbessern lässt, wo doch aus meiner Sicht alles hervorragend läuft und eigentlich auch alle genug zu tun haben – und nun trotzdem noch eine Umfrage entwickeln und durchführen. Darüber hinaus gibt es natürlich Treffen der Teams der einzelnen Projekte.

Meeting

Einzelgespräche

Ein sehr wichtiges weiteres Element sind die Einzelgespräche, die z.B. Brad mit allen Teammitgliedern hat. Je nachdem, wieviel Erfahrung die Teammitglieder schon haben, trifft er sich mit ihnen ein- oder zweimal pro Woche um anliegende Aufgaben abzusprechen, zu hören wie es läuft und Feedback zu geben. Entsprechend voll ist sein Kalender mit diesen Meetings, aber seiner Erfahrung nach ist das trotzdem effektiver als mehr Teammeetings, da die Aufgaben klar verteilt sind und nicht alle von allen wissen müssen, was sie gerade tun. In diesem Zusammenhang hat mir der Nutzen elektronischer Kalender sehr eingeleuchtet, in dem die vielen wiederkehrenden Meetings automatisch auftauchen. Zur Frage, ob und warum Graduate Students Leitungspositionen haben sollten, gibt es übrigens etliche Publikationen. Brad betont, dass er es sehr wichtig findet, ihnen diese Möglichkeit zu geben und bezeichnet die Einzelgespräche daher manchmal auch als Mentoringtreffen.

Dokumentation

Aufgefallen ist mir außerdem, dass alle Arbeit sehr gut dokumentiert wird. In unserem Büro steht ein Aktenschrank, in dem sämtliche Ablaufpläne und Arbeitsblätter zu Workshops, Trainings, etc. gesammelt sind. Wenn Stephanie beispielsweise eine Arbeitseinheit zusammen mit einem Chemieprofessor plant, dann kann sie auf die Erfahrungen ihrer Vorgängerinnen zurück greifen. Außerdem gibt es für die Aufgabenbereiche auch Flowcharts, also Grafiken, die festhalten, welche regelmäßig wiederkehrenden Aufgaben wann im Semester anstehen. Zum Semesterende wird außerdem jedesmal eine Statistik mit den Beratungszahlen, Workshopteilnahmen und Evaluationsauswertungen erstellt und im Leitungsteam diskutiert.

Einblick in den Aktenschrank

Handbücher

Eine wichtige Ressource sind außerdem die Handbücher, die das Schreibzentrum für seine verschiedenen Aufgabenbereiche entwickelt hat. So gibt es das Sourcebook für schreibintensive Lehre, ein Übersichtsbüchlein über das Schreibzentrum und über wichtige Regeln für die Schreibberatenden und einen Reader mit den wichtigsten Lektüreempfehlungen für die Schreibberatenden.

Alles in allem denke ich, dass es sehr wichtig ist, Aufgaben klar zu verteilen, Strukturen für eine regelmäßige Kommunikation zu schaffen und alles so zu dokumentieren, dass die Übergaben von einer Person zur anderen möglichst reibungslos verlaufen – denn die Assistant Directors hier wechseln ja alle ein bis zwei Jahre. Brad meinte, dass er aus verschiedenen Management-Büchern viel gelernt habe. Doch dazu ein andernmal mehr!

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