Ich, polnische Muttersprachlerin an einem deutschen Schreibzentrum

*Po Polsku*
Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich an einem Schreibzentrum in Deutschland arbeiten werde, hätte ich diese Idee bestimmt für verrückt gehalten. Ich, polnische Muttersprachlerin in einem deutschen Schreibzentrum an einer deutschen Universität??? Damals kaum zu glauben. Aber es ist doch wahr geworden.
Über mich
Ich heiße Alicja, komme aus Swiebodzin in Polen, 60 km von der deutsch-polnischen Grenze entfernt, und studiere den Masterstudiengang Interkulturelle Kommunikation an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Mit der Uni bin ich nicht nur durch das Studium, sondern auch durch meine Arbeit am Schreibzentrum verbunden. Mit diesem Blog-Eintrag möchte ich meine Arbeitsstelle vorstellen und auch ein paar Erfahrungen und Reflexionen teilen, die verdeutlichen, was das Schreibzentrum für mich bedeutet und wie ich die Arbeit als Schreib-Peer-Tutorin wahrnehme.
Ich habe die Arbeit am Schreibzentrum im April dieses Jahres angefangen. Ich halte diese Tätigkeit für eine große Herausforderung und ein wunderbares Abenteuer zugleich. Gerade sitze ich im Schreibzentrum (Raum 115 des Unigebäudes in der August-Bebel-Straße) und schreibe diesen Eintrag. Obwohl ich erst den vierten Monat als Schreib-Peer-Tutorin arbeite, habe ich sowohl die Ziele und Voraussetzungen, als auch das Team unseres Zentrums schon ziemlich gut kennen gelernt. Außer mir sitzt im Raum eine andere Peer-Schreibberaterin, die sich auf eine Schreibberatung im Rahmen des Writing-Fellow-Programms vorbereitet. Mehr davon könnt Ihr unter https://schreibzentrum.wordpress.com/ erfahren. Es gibt noch eine andere Person, die sich intensiv mit dem Programm der EWCA-Konferenz (European Writing Centers Association: http://www.europa-uni.de/de/struktur/zfs/schreibzentrum/EWCA2014/index.html) beschäftigt. Die Konferenz fand vom 19. bis 22. Juli statt. Das war ein großes Ereignis für uns und für die ganze Uni.

Unsere Arbeit im Schreibzentrum
Aber jetzt zurück zum Raum, in dem ich sitze… Ich möchte auf die Lern- und Arbeitsatmosphäre in unserem Team aufmerksam machen. Sie ist einfach freundlich und stressfrei. Dank dieser Atmosphäre habe ich meine Haltung zum Schreiben verändert. Früher habe ich immer gedacht, dass das Schreiben ausschließlich das Festhalten von Gedanken auf Papier oder am PC ist. Aber es ist nicht so! Schreiben ist ein Prozess, der in einem Dialog mit sich selbst und mit anderen geschieht. Da viele meiner KommilitonInnen meine frühere Meinung zum Schreiben teilen, möchte ich meine neue Einstellung und die im Schreibzentrum herrschende Atmosphäre weitergeben und zwar an Lehrende, Studierende und alle, denen ich im Kontext des wissenschaftlichen Schreibens begegne. Ich möchte, dass auch andere das Schreiben aus einer neuen Perspektive betrachten. Dadurch können sie nicht nur eine positive Einstellung zum Schreiben entwickeln, sondern auch ihre Schreibkompetenz verbessern und viel Spaß und Freude am Schreiben haben. Und was bedeutet mir die Arbeit als Schreib-Peer-Tutorin? Einerseits ist es meine Beschäftigung an der Uni, andererseits verbessere ich dadurch meine Schreibkompetenzen. Darüber hinaus helfe ich anderen Studierenden dabei, ihre Schreibkompetenzen zu entwickeln. Aber das ist natürlich nur eine Seite dieser Tätigkeit. Tatsächlich ist meine Arbeit als Schreibberaterin ein wunderbares Abenteuer, das mit unaufhörlicher Begegnung mit Menschen und mit Austausch von Wissen, Erfahrungen, Werten, Lächeln und Freude verbunden ist. Ich freue mich, dass ich auf diese Art und Weise mein Studium an der Universität Viadrina und den Aufenthalt im deutsch-polnischen Grenzgebiet bereichern kann.
Jetzt erkläre ich euch, womit wir uns am Schreibzentrum befassen und warum das Zentrum an der Universität so wichtig ist. Ich hoffe, ihr gelangt dank dieser Informationen zur Überzeugung, dass es sich lohnt, Schreibzentren an Schulen und Universitäten in Polen zu gründen.
Wenn ich in einem Satz sagen müsste, was das Schreibzentrum an unserer Universität ist, würde ich es als einen Ort bezeichnen, an dem sich alles um das Schreiben dreht. Hier begegnen sich Wissenschaft und Forschung, hier beziehen sich die Tätigkeiten wissenschaftlicher MitarbeiterInnen und Studierender auf das wissenschaftliche und literarische Schreiben sowie Schreibprozesse. Außenstehende könnten meinen, dass das Schreibzentrum lediglich eine Einrichtung ist, die den Studierenden und Promovierenden beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten Hilfe leistet. Ich möchte dieser Annahme jedoch widersprechen und darauf aufmerksam machen, dass unser Schreibzentrum nicht nur für Studierende oder Promovierende, sondern auch für Lehrende, SchülerInnen und Auswärtige ein breites und abwechslungsreiches Angebot hat. Beispielsweise arbeiten in unserem Schreibzentrum wissenschaftliche MitarbeiterInnen, die im internationalen Kontext durch Forschung, Konferenzen und Veröffentlichungen zur Entwicklung der Schreibwissenschaft beitragen und an den Schreibdiskursen teilnehmen.
Außer den wissenschaftlichen MitarbeiterInnen sind in unserem Zentrum auch Studierende eingestellt. Das ganze Team besitzt eine fundierte Ausbildung. Um Schreibberaterin zu werden, habe ich drei Seminare zum wissenschaftlichen Schreiben und der Schreibberatung besucht und das Zertifikat zur Schreib-Peer-Tutorin erhalten. Das alles war ziemlich zeitaufwendig und anspruchsvoll, aber bringt mir jetzt viel Zufriedenheit und Nutzen. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich den Anforderungen der Ausbildung zur Schreibberaterin gerecht wurde, und dass ich zusammen mit deutschen MuttersprachlerInnen arbeite. Außerdem kann ich mich dank der Arbeit am Schreibzentrum auch ständig weiterentwickeln und von den Schreibenden, die uns aufsuchen, viel lernen, z.B. aktives Zuhören, Empathie oder den freundlichen Umgang mit Menschen.
Aber zurück zu unserem Angebot. Wir bieten den Studierenden aller Studiengänge individuelle Schreibberatung auf Augenhöhe, d.h. peer-to-peer Beratung, bezüglich der Schreibprozesse, des wissenschaftlichen Schreibens, der wissenschaftlichen Texte und des wissenschaftlichen Arbeitens an. Außer den individuellen Treffen haben wir Schreibgruppen (z.B. Schreibgruppe für Abschlussarbeiten), in denen die Studierenden ihre Fähigkeiten bezüglich des Schreibens und der Überarbeitung von Texten entwickeln. Während unterschiedlicher Seminare, Workshops oder sog. Lunchtime Lessons (meine LTL dreht sich um „Schreiben in der Fremdsprache“) können sich Studierende mit den unterschiedlichen Anforderungen des wissenschaftlichen Schreibens vertraut machen. Sie lernen unterschiedliche Schreibstrategien und können ihre individuellen Schreibkompetenzen entwickeln und ausbauen. In unserem Schreibzentrum herrscht eine angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre, die zur Weiterbildung und zum Austausch in Gruppen, Seminaren und Werkstätten anregt. Für Promovierende bieten wir Schreibworkshops und –beratung an. Auch eine Unterstützung der Lehrveranstaltungen für Lehrende bezüglich des wissenschaftlichen Schreibens bieten wir an. Im Writing-Fellow-Programm helfen unsere BeraterInnen den Studierenden beim wissenschaftlichen Schreiben und geben Feedback zu den angefertigten Texten, die sie in einem bestimmten Seminar verfassen müssen.
Zu unserem Angebot gehört auch die Unterstützung von SchülerInnen bei der Entwicklung der Schreibfähigkeiten, was den Übergang von der Schule zum Studium erleichtern kann. Das Schreibzentrum an der Universität Viadrina ist somit sowohl ein wissenschaftlicher und didaktischer Ort, als auch ein Ort der Begegnungen, an dem man Wissen und Erfahrungen zum wissenschaftlichen Schreiben und den Schreibprozessen austauscht.

Schreiben kann schön sein
Zum Schluss des Blog-Eintrags möchte ich noch etwas unterstreichen: Schreiben, besonders wissenschaftliches Schreiben kann vielen Menschen langweilig, zeitraubend und wenig zufriedenstellend erscheinen. Es kann, aber es muss nicht so sein. Unser Schreibzentrum an der Viadrina beweist etwas völlig Anderes. Schreiben macht Spaß, ist interessant und hilft Schreibenden in wissenschaftlicher und sozialer Hinsicht weiter. Das bestätigen meine Erfahrungen und Gefühle. Das bestätige ich, polnische Studentin, die an einer deutschen Universität studiert und in einem deutschen Schreibzentrum arbeitet.
Alicja Pitak

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Ich als Testpilotin: Writing Fellows in Frankfurt (Oder

„Also meine Texte wolltest du nie Korrekturlesen!“ muffelt mein Freund vor sich hin und stapft zum Kochen in die Küche. In der Tat konnte er mich in mehreren Jahren Jurastudium nicht dazu bringen, mehr als ein paar Absätze seiner Arbeiten zu lesen: Langweilig und verwirrend, viel zu viele Paragraphen… Nun aber sitze ich schon den dritten Tag an meinem Schreibtisch und kommentiere die Hausaufgaben fremder Jura-ErstsemestlerInnen. Was ist passiert?

Das Writing Fellows Programm

Ich arbeite als Schreib-Peertutorin im Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina und habe als Writing Fellow eine Jura AG betreut. Es war das erste Mal, dass das Projekt in Frankfurt (Oder) stattgefunden hat. Meine Betreuung der Jurastudierenden im Januar war gleichsam Testlauf und Generalprobe vor der Einführung des Projekts im Sommersemester 2014.

Aber was ist das eigentlich, ein/e Writing Fellow? Writing Fellows sind Peer-SchreibberaterInnen, die für einen konkreten Kurs AnsprechpartnerInnen für das Schreiben sind. Das Projekt basiert auf zwei Grundannahmen: Zum einen erleben wir in der Schreibzentrumsarbeit stets, dass kollaboratives Lernen auf Augenhöhe sehr fruchtbar sein kann. Zum anderen glauben wir, dass alle Schreibenden in der Lage sind, ihr Schreiben zu verbessern, wenn sie durch individuelles und konstruktives Feedback dabei unterstützt werden.

Die Writing Fellows geben den Studierenden ausgewählter Kurse genau solches Feedback auf zwei Schreibaufgaben, die diese im Rahmen der Veranstaltung erstellen. Im Vorfeld arbeiten sie eng mit den Dozierenden zusammen, z.B. spiegeln sie ihnen, wie sie die von ihnen gestellte Schreibaufgabe verstehen. So können etwaige Missverständnispotentiale in der Kommunikation zwischen Studierenden und Dozierenden gefunden und beseitigt werden. Die Studierenden erhalten die Schreibaufgabe dann in schriftlicher Form und erstellen zunächst eine Rohfassung ihres Textes. Ihr Writing Fellow liest und kommentiert diese. Auf das schriftliche Feedback folgt ein Treffen mit den Schreibenden. Dabei werden gemeinsam die Stärken und Schwächen des Textes erarbeitet und Überarbeitungsschwerpunkte festgelegt. Erst nach dieser Überarbeitung reichen die Studierenden den fertigen Text bei ihren Dozierenden ein.

Da die Writing Fellows ebenfalls Studierende sind und die Texte nicht bewerten, können sie den Schreibprozess in entspannter Atmosphäre ohne Ergebnisdruck unterstützen. Doch nicht nur die Studierenden profitieren von dem Projekt, auch für die Dozierenden hat es Vorteile: Beispielsweise beklagt ein Großteil von ihnen die schlechte Qualität der eingereichten Texte. Diese kann jedoch durch die Arbeit mit Writing Fellows verbessert werden. Indem die Dozierenden ihre Aufgabenstellung ausführlich formulieren müssen, konkretisiert sich auch ihr eigener Erwartungshorizont und die Kommunikation mit den Studierenden verbessert sich. Dadurch und durch den Zwischenschritt der Überarbeitung bekommen sie Texte eingereicht, die ihren Erwartungen besser entsprechen. Auch für die beteiligten Schreibzentren lohnt sich das Projekt: Durch die Betreuung durch Writing Fellows kommen mehr Studierende mit dem Schreibzentrum in Kontakt und auch die Lehrenden erhalten einen detaillierten Eindruck in die Schreibzentrumsarbeit. Ihre positiven Erfahrungen im Rahmen des Writing Fellow Programms führen dazu, dass ein Teil der Betreuten auch nach Ende des Projekts die Angebote des Schreibzentrums nutzt. Außerdem können sie Anderen davon berichten und so neue Studierende in das Schreibzentrum locken.

 Der Testlauf

Den endgültigen Startschuss für das schon lange anvisierte Writing Fellow Projekt in unserem Schreibzentrum gab ein Vortrag zum Thema von Brad Hughes, Direktor des Writing Centers der University of Wisconsin – Madison, im Novemer 2013. Dabei gelang es ihm, nicht nur uns, sondern auch die anwesenden Dozierenden von dem Programm zu überzeugen und wir vereinbarten den Testlauf mit „meiner“ Jura AG.

Aus organisatorischen Gründen betreute die Dozentin die erste Schreibaufgabe selbst. Im Januar fand dann der zweite Durchgang mit mir als Writing Fellow statt. Da ich nur etwa die Hälfte ihrer AG betreuen konnte, hat die Dozentin die Arbeit mit mir als Belohnung für jene Studierende genutzt, die die Aufgaben für ihre AG bisher stets termingerecht eingereicht hatten. So kam es, dass sich auf meinem Schreibtisch die Texte von 16 Studierenden sammelten. Ihre Aufgabe war es, einen Gesetzesentwurf danach zu untersuchen, ob er verfassungsgemäß ist. Dazu sollten sie eine kurze Erläuterungsaufgabe bearbeiten und – als wichtigsten Teil – ein juristisches Gutachten erstellen.

Bevor ich die Texte kommentierte, las ich sie einmal komplett, um einen Gesamteindruck zu erhalten. Erst im Laufe des zweiten Lesens formulierte ich mein Feedback. Dabei achtete ich besonders darauf, nicht nur zu kritisieren, sondern auch zu loben. Dass ich den Studierenden nicht nur ihre Schwächen, sondern auch ihre Stärken aufzeigte, sollte sie motivieren und ihnen helfen, sich bei der Überarbeitung auf das Wesentliche zu fokussieren. Da es beim Gutachten sehr wichtig ist, die viergliedrige Struktur der Textsorte einzuhalten, bezog ich mich in meinen Feedbacks unter anderem sehr auf diesen Aspekt. So enthielten viele meiner Kommentare solche oder ähnliche Hinweise: „Man sieht, dass du dich in deinem Text am Gutachtenstil orientiert hast. Ich habe dir jeweils an den Rand geschrieben, wo ich welche Strukturpunkte erkannt habe […]. Leider konnte ich nicht immer alle vier Teile finden.“ Indem ich die von mir erkannten Strukturelemente an den Rand der Arbeiten schrieb, wollte ich den Studierenden die Möglichkeit geben, zu überprüfen, ob das, was sie ausdrücken wollten mit dem übereinstimmt, was ich als Leserin verstanden hatte.

Kurz darauf fanden die Konsultationen mit den Schreibenden statt. Für mich war es sehr interessant, die Studierenden, die ich bisher nur durch ihre Texte kannte, persönlich zu treffen. Für viele von ihnen war das Konzept des Peer-Tutoring noch neu und ich musste mich oft ihren Versuchen erwehren, mich zu siezen. Die Zusammenarbeit war jedoch ein tolles Erlebnis: Besonders interessant fand ich, in den Beratungen zu sehen, wie unterschiedliche Schreibtypen mit der sehr formalisierten Textsorte Gutachten umgehen. Mein Eindruck war, dass sie der Arbeitsweise planender Schreibender entgegenkommt. Studierende, die das Schreiben als Medium zum Denken benutzen und währenddessen neue Ideen entwickeln, hatten hingegen größere Probleme. Gerade bei handschriftlichen und zeitlich begrenzten Klausuren ist es aber schwierig, die spontan entstehenden Gedanken zu integrieren, ohne die Struktur des Textes zu gefährden. Mit diesen SchreiberInnen versuchte ich, Strategien zu entwickeln, um vor dem Schreiben der Reinschrift schon ein paar Assoziationen abzufangen, die dann bei der Planung des Textes schon berücksichtigt werden könnten. Vor allem das Erstellen von stichpunktartigen Lösungsskizzen und Mindmaps schien mir dafür geeignet zu sein.

Mein Fazit

Das Projekt zeigt, wie viel man erreichen kann, wenn verschiedene Akteure zugunsten der Studierenden zusammenarbeiten. So habe ich durch das Schreibzentrum tolle Unterstützung erfahren: Projektkoordinatorin Anja kümmerte sich um alles Organisatorische und stand mir stets mit Rat und Tat zur Seite. Mein Kollege Pascal wiederum las die Rohfassungen zu meinen Feedbacks und kommentierte sie. Dieses Feedback zum Feedback gab mir Sicherheit und sorgte dafür, dass die an die Studierenden geschickten Endfassungen auch wirklich verständlich und konstruktiv formuliert waren. Außerdem klappte die Zusammenarbeit mit der Dozentin super. Sie war für mich immer ansprechbar und stets bereit, eigenen Mehraufwand für Feedbackrunden, Treffen und die Digitalisierung der Arbeiten in Kauf zu nehmen. Besonders toll fand ich, wie sie mich gegenüber den Studierenden angekündigt hat. Ihre wiederholten Hinweise darauf, dass ich eine „Diskussionspartnerin, keine Korrektorin“ sei, hat dazu geführt, dass die Studierenden das Projekt als Chance verstanden und größtenteils gut vorbereitet in die Konsultationsgespräche kamen. Ich denke, dass die Studierenden und ich auch deshalb so motiviert und entspannt zusammen gearbeitet haben. Viele von ihnen äußerten dann auch, dass sie das Writing Fellow Projekt toll fänden und das Feedback ihnen geholfen hätte.

Aber nicht nur für die Schreibenden hat sich das Programm gelohnt, auch ich habe viel gelernt. Die Arbeit als Writing Fellow hat mir einen starken Anreiz gegeben, mich auf neues Terrain zu wagen und mich mit juristischen Textsorten und Themen zu beschäftigen – etwas, dass ich als Studentin der Kulturwissenschaften sonst sicher nicht gemacht hätte. Nun weiß ich aber genau, wie ein juristisches Gutachten strukturiert sein muss und habe von den Schreibenden viele Rechtsbegriffe und -prinzipien erklärt bekommen. Es zeigt sich also: Auch beim Writing Fellow Projekt können Peers miteinander und voneinander lernen. Mit seiner nächsten Seminararbeit steht mein Freund jedenfalls nicht mehr alleine da.

 

      Anne Kirschbaum

 

 

 

 

Call for Papers: die Konferenz der European Writing Centers Association 2014 an unserem Schreibzentrum

Postkarte EWCA Konfernez 2014 2014 werden wir die Konferenz der European Writing Centers Association an der Viadrina ausrichten. Die Vorbereitungen laufen schon und wir freuen uns sehr auf das Ereignis!

Mittlerweile ist der Call for Papers draußen. Bis Ende November können Vorschläge eingereicht werden. Natürlich wollen wir keineswegs tatsächlich papers im Sinne von abgelesenen Vorträgen. Vielmehr sind wir gespannt auf lebendig vorgetragene Forschungsergebnisse, Konzepte und Ideen. Außerdem möchten wir möglichst viele Workshops anbieten, denn wenn man gemeinsam etwas ausprobiert und erarbeitet lernt man oft am Meisten. Wer Schreibzentren, Events oder Ideen vorstellen möchte kann dies auch in Form von Postern oder Pecha Kucha Sessions tun.

Um das Netzwerken vor Ort zu unterstützen werden wir Raum lassen für Special Interest Groups. Wer sich also zu bestimmten Themen oder auch zu Regionalgruppen mit anderen zusammen tun möchte, kann die SIGs dafür nutzen. Ein Open Space-Format am Ende der Konferenz soll neue Kooperationen anstiften.

Natürlich wird auch der informelle Austausch nicht zu kurz kommen. In guter EWCA-Tradition wird es zum Auftakt nicht nur einen Empfang geben, sondern auch ein kreatives Schreibevent für alle, die Lust haben auf diese Weise neue Leute kennen zu lernen oder alte Bekannte wieder zu treffen. Statt eines Konferenz-Dinners planen wir einen fröhlichen Grillabend auf der Insel Ziegenwerder in der Oder. Und wer zum Abschluss noch etwas Geschichte erfahren möchte, fährt mit uns zum Museum für DDR-Alltagskultur nach Eisenhüttenstadt. Weitgereiste können die Gelegenheit nutzen, um nach der Konferenz eine Polenreise zu machen.

Wir hoffen auf zahlreiche Beiträge! Und obwohl wir auf der Konferenz Englisch miteinander reden werden, freuen wir uns auch auf Beiträge auf Deutsch, Polnisch oder Französisch.

Neue PeerTutoring-Ausbildung an der Viadrina: Die ersten Abschlüsse wurden gefeiert

Der letzte Freitag der Vorlesungszeit im Sommer 2013 war ein ganz besonderer Tag an der Europa-Universität Viadrina. Die Abschlusspräsentationen der frisch ausgebildeten Peer TutorInnen fand im Schreibzentrum satt.

IMG_8398Das Schreibzentrum hatte mit seinem Konzept des Peer Tutorings (PT) 2011 die KollegInnen anderer Abteilungen der Viadrina überzeugen können, dieses als ein zentrales Element in den Antrag der Viadrina im Qualitätspakt Lehre aufzunehmen. Auch das BMBF ließ sich überzeugen und so konnte die Viadrina ab April 2012 das Konzept des PT auf die gesamte Universität ausdehnen. Die Ausbildung der Schreib Peer TutorInnen ist damit ein Teil einer gemeinsamen, universitätsweiten Ausbildung geworden.

Im neu entstanden Zentrum für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen http://www.europa-uni.de/de/struktur/zfs/index.html werden mit Beteiligung des Schreibzentrum, des Zentrums für Interkulturelles Lernen und des Career Centers Studierende als Peer TutorInnen für alle drei Fakultäten der Viadrina ausgebildet. Sie arbeiten anschließend entweder in der Fachlehre oder als  Peer TutorInnen für Interkulturelle Kompetenzen, für allgemeine Schlüsselkompetenzen und für das Schreiben.

„Der Begriff des Peer bedeutet unter anderem Kollege, Gleichaltriger, Gleichgestellter. Peertutoring ist demnach eine Lern- bzw. Beratungssituation zwischen Gleichgestellten. Im Gegensatz zu einer klassischen Beratungssituation, beispielsweise zwischen Dozentin und Studierendem, gibt es hier kein Autoritätsverhältnis, sondern eine symmetrische Machtbeziehung zwischen der Tutorin und ihrem Kommilitonen.
Wesentlich beim Peer Tutoring ist, dass die Tutorin oder der Tutor kein Hilfs- oder Ersatzlehrer ist. Peer TutorInnen bieten Hilfe zur Selbsthilfe an und agieren als Lernbegleiter. Durch Moderations- und Beratungstechniken werden Kommilitonen dazu angeregt, eigene Lernprozesse und Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und ihr eigenes Handeln zu reflektieren. Im Einzelgespräch, in der Peer Gruppe oder im Peer Training entstehen gemeinsam Ideen für Lernwege und zur Lösung von Problemen.“
(Quelle: http://www.europa-uni.de/de/struktur/zfs/peer-tutoring/Was-ist-PT1/index.html 31.07.2013).

Die Ausbildung ist folgendermaßen aufgebaut:

AusbildungsgrafikNEU

Das Grundmodul „Wissen schaffen im Team“ belegen alle Peer TutorInnen gemeinsam, dann gehen sie je nach Interesse in die fachspezifischen Module. Die SchreibtutorInnen besuchen beispielsweise im Modul „Lernprozesse begleiten“ das Seminar „Wissenschaftliches Schreiben lernen und Schreibprozesse begleiten.Anschließend absolvieren sie das Modul „Peer Tutoring in der Praxis“ mit dem Seminar „Theorie und Praxis der Schreibberatung“.

Die Peer TutorInnen für Interkulturelle Kompetenz belegen auch zuerst gemeinsam mit allen anderen zukünftigen Peer TutorInnen das Grundlagenmodul „Wissen schaffen im Team“ um anschließend das  fachspezifische Modul „Lernprozesse begleiten“ „Peer Tutoring für Interkulturelle Kompetenz im Hochschulkontext – Methoden, Beratung und Workshops“ zu belegen. Abschließend nehmen sie im Modul „Peer Tutoring in der Praxis“ am Seminar „Peer Tutoring in der Praxis – Begleiteter Praxiseinsatz“ teil.

Alle Module sind im Curriculum der Universität verankert und alle Studierende können die Seminare besuchen, auch wenn er/sie nicht beabsichtigt, Peer TutorIn zu werden. Die kontinuierliche Arbeit an einem reflexiven ePortfolio im Modul E-Portfolio- Gespräch (http://www.mahara.at/) ist ebenfalls ein Element, welches die gesamte Ausbildung begleitet.

 

Bei der Abschlusspräsentation stellten die Peer TutorInnen ihr Präsentationsportfolio, welches aus einer Vorstellung aller besuchten Module besteht und ihre wichtigsten Lern- Und Lehrerfahrungen dokumentiert.

IMG_8350Ich war tief von der Abschlussveranstaltung beindruckt, da alle frisch ausgebildeten Peer TutorInnen unglaublich viel für die Ausbildung geleistet hatten. Sie haben sich theoretisch und praktisch umfassend mit ihren jeweiligen Fachgebieten auseinandergesetzt, alles ständig in ihrem ePortfolio dokumentiert und reflektiert.

 

 

 

 

 

IMG_8359Ein Peer Tutor äußerte er habe gelernt, dass Gruppenarbeit nicht einfach so funktioniert und das eine Gruppe wegen einer durchdachten Methode so gut funktionieren kann. Viele Peer TutorInnen äußerten, sie haben Methoden kennen gelernt, die sie in ihrer zukünftigen Arbeit an der Universität einsetzen können und später auch als Dozierende in ihren Seminaren verwenden möchten. Einige erklärten, sie haben reflektieren gelernt. Bisher wurden sie zwar immer – bereits in der Schule-  aufgefordert zu reflektieren, aber niemand erklärte ihnen wie die Textsorte Reflexion aufgebaut ist…

 

 

 

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Mich faszinierten außerdem die Produkte der Teams, die das Grundlagenmodul „Wissen schaffen im Team“ besucht hatten. Ein Team entwickelte eine Methodenkiste für Peer TutorInnen, die didaktische Methoden zum Lernen oder zur Begleitung von Gruppenprozessen benötigen. Diese Kiste steht im Schreibzentrum und kann von allen Peer TutorInnen verwendet werden.

MethodenkisteEin weiteres Team entwickelte einen polnisch/deutsch/englischen Leitfaden für interkulturelle Katastrophen. Diese grafisch schön gestaltet Broschüre erklärt mit einem Augenzwinkern Studierenden, die an der Viadrina zu studieren beginnen, welche interkulturellen Fettnäpfchen es gibt, in die sie treten können.

Ein Leitfaden zu erfolgreichen Gruppenarbeit eines weiteren Teams fundiert die satirische Broschüre wissenschaftlich. Es entstanden auch Filme. Ein Film setzt sich mit der Frage auseinander, was eine gute Leitung ausmacht. Zu sehen waren unter anderem lauter Leitern und Leitungen.

Ich war begeistert von allen Studierenden. Sie haben eine sehr arbeitsintensive und umfangreiche Ausbildung absolviert, unglaubliche nützliche Produkte für weitere Studierende und Peer TutorInnen entwickelt. Selten habe ich als Lehrende erlebt, dass alle Studierende, trotz des großen Arbeitsumfangs alle mit ihren Leistungen pünktlich fertig waren, sogar Produkte erschufen und so fundierte und mit so viel Liebe zum Detail und kreativer Kraft ihre ePortfolios gestalteten.

Für uns, die die Ausbildung entwickelt haben und sehr viel Arbeit und Zeit in den Aufbau des Zentrums für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen und in die neue Ausbildung der Peer TutorInnen gesteckt haben, war es ein unglaublich schönes Geschenk, die Früchte sehen zu können, die durch dieses Projekt immer reifer werden, wachsen und teilweise bereits geerntet werden können. Es gibt viele Momente, in denen ich meinen Beruf liebe und einer ist, wenn ich sehe, was Studierende geschaffen und entwickelt haben.

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Die Arbeit in und mit der Gruppe: Weiterbildung zum Thema „Aktivierende Lehr- und Lernformen“

von Lina Mayer

Wie können selbständige Lern- und Erarbeitungsprozesse bei den Studierenden im Tutorium, der Lerngruppe oder der Lehrveranstaltung initiiert werden? Welche aktivierende Methode passt zu mir bzw. zu meinem Lehrsetting? Fragen, die häufig bei der Arbeit in und mit Gruppen auftauchen.

Von diesen Fragen ausgehend, fand im Sommersemester 2013 eine vom „Zentrum für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen“ organisierte Weiterbildung zum Thema „Aktivierende Lehr- und Lernformen“. Unter der Leitung von Susanne Vogel, Erwachsenenpädagogin und zertifizierte Supervisorin der Deutschen Gesellschaft für Supervision in Berlin, kam im Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) eine kleine Gruppe von Peer TutorInnen zusammen, um vor allem das eigene Methodenrepertoire für die Gruppenarbeit zu erweitern, und um eigene Erfahrungen auszutauschen. Die studentischen TutorInnen waren vor allem von der kulturwissenschaftlichen Fakultät sowie ein Sprach Peertutor vom Sprachenzentrum der Viadrina.

 Aktiv von Anfang an

Frau Vogels Credo war, die Weiterbildung von Anfang bis Ende so aktiv wie möglich zu gestalten. Gleich zu Beginn versuchten wir uns an einer Einstiegsmethode in die Gruppenarbeit, der „Aktionssymmetrie“. Die Aufgabe besteht dabei aus einer räumlichen Anordnung der Gruppenmitglieder. Der/die Peer TutorIn stellt verschiedene Fragen zu einem Thema, woraufhin sich die Gruppenmitglieder in einer bestimmten räumlichen Anordnung aufstellen müssen. Ziel dieser Methode ist es vor allem, die Gruppenarbeit aktiv zu starten und das Eis zwischen den TeilnehmerInnen, da diese sich zu Beginn einer Sitzung oftmals nicht alle kennen, zu brechen. Die räumliche Anordnung erfordert nämlich verstärkte Kommunikation. Um seine eigene Position im Raum zu finden, ist es notwendig sich mit den anderen Gruppenmitgliedern zu unterhalten. Dadurch kommt es zudem zum Austausch von Informationen und der Einschätzung auf mehreren Ebenen: die Gruppe lernt sich selbst einzuschätzen, der/die Peer TutorIn kann die Gruppe einschätzen und am wichtigsten: jeder lernt sich selbst einzuschätzen.

Im Anschluss an die Reflexion dieser Einstiegsmethode sammelten wir verschiedene Punkte, die unter anderem unsere Erwartungen an die Weiterbildung beinhalteten. Wichtig war uns TeilnehmerInnen vor allem, Methoden für einen aktiven Start bei der Arbeit mit Gruppen, zum Motivieren und zum Impulse geben kennenzulernen bzw. generell den eigenen Methodenpool zu erweitern. Des Weiteren war manchen die eigene Akzeptanz als Peer TutorIn innerhalb der Gruppe relevant und damit zusammenhängend, ein Austausch über die Erfahrungen der anderen TutorInnen.

 Die Erweiterung des Methodenpools: motivierende und aktivierende Methoden

Nachdem wir innerhalb der Gruppe eine Reihenfolge dieser Punkte festgelegt hatten, startete Frau Vogel mit dem ersten Punkt: motivierende und aktivierende Methoden.

Hierfür versuchten wir uns an der Methode des „Platzdeckchens“ und des „Aktiven Strukturierens“.

Viele Meinungen, eine Antwort: Das „Platzdeckchen“

Beim „Platzdeckchen“ geht es vor allem darum, innerhalb der Gruppe eine gemeinsame Aufgabe zu lösen, beispielsweise die Antwort auf eine bestimmte Frage zu finden. Dabei wird ein großes Blatt oder Plakat in ein Zentrum und vier (oder mehr) Bereiche unterteilt. Das Zentrum bleibt zu Beginn der Arbeit leer. Die Bereiche um das Zentrum herum entsprechen in ihrer Zahl der Anzahl der Gruppenmitglieder. Jedes Mitglied hat nun eine bestimmte Zeit, um sich Gedanken zu der Fragestellung zu machen und diese in seinen Bereich einzutragen. Im Anschluss daran startet die Diskussion, um aus den verschiedenen Meinungen eine gemeinsame Antwort auf die Fragestellung zu finden. Die gemeinsame Antwort wird dann in das Zentrum eingetragen. Das Gute an dieser Methode ist und war, dass jeder von uns Zeit hatte, sich zuerst selbst Gedanken zum Thema zu machen, bevor es in die Gruppendiskussion ging.

Bevor wir die zweite Methode zum „Aktiven Strukturieren“ ausprobierten, kam noch der Wunsch auf, sich über Fragen zu einer „guten Diskussion“ innerhalb der Gruppe auszutauschen. Einige Peer TutorInnen erzählten von Schwierigkeiten, alle Mitglieder ihrer Gruppe gleichermaßen zum Mitmachen zu bewegen bzw. generell Fragen zu stellen, beispielsweise zu einem Text, die einen Einstieg in eine gute Diskussion ermöglichen. Jeder aus unserer Runde sollte hierfür zuerst drei Fragen formulieren und dann der Reihe nach vorstellen. Im Anschluss daran wurden diese Fragen von uns diskutiert. Ergebnis war, dass die Fragen, die eine Diskussion einleiten sollten,  vor allem offen oder gezielt zu Passagen aus dem Text sein sollten.

„Aktivierendes Strukturieren“: Struktur durch Kommunikation und Kooperation

wissenschaftliches Schreiben

Aktives Strukturieren: Hier am Beispiel wissenschaftlich Schreiben

Beim „Aktiven Strukturieren“ geht es vor allem darum, Begriffe, Formeln etc., die zu einem vom Peer Tutor oder der Peer Tutorin vorgegebenen Thema in der Gruppe gesammelt wurden, zu sortieren und Oberbegriffe zu finden. Die Strukturierung der Begriffe erfolgt entweder an der Tafel oder auf einem Plakat. Damit die Gruppenarbeit gelingt ist es auch hier wieder wichtig mit den anderen Mitgliedern zu kommunizieren. Da je nach Größe der Gruppe viele verschiedene Perspektiven und Meinungen zu einem Thema aufeinandertreffen, ist es zum einen wichtig, seinen eigenen Standpunkt gut begründet zu vertreten. Zum anderen muss aber auch auf die anderen Gruppenmitglieder Rücksicht genommen werden. Kommunikation und Kooperation spielen hier eine wichtige Rolle.

 Fazit

Wichtig für die Gruppenarbeit insgesamt ist also folgendes: Die Arbeit innerhalb der Gruppe sollte von Anfang an so aktiv wie möglich gestaltet werden. Nur wenn alle Mitglieder immer wieder miteinbezogen werden, bleibt die Motivation der Gruppe erhalten. Allerdings sollten wir als Peer TutorInnen nur jene Methoden verwenden, von deren Sinn wir selbst überzeugt sind und die wir den Tutees sinnvoll vermitteln können. Eine anschließende Reflexion kann zeigen, inwieweit auch die Gruppe den Sinn der Methode erfasst hat. Des Weiteren hat Frau Vogel uns empfohlen, durch die Methoden verschiedene „Typen“ anzusprechen. Soll heißen, jeder Student und jede Studentin werden als individuelle Lern- oder Schreibtypen gesehen, der / die durch unterschiedliche Methoden besser „angesprochen“ werden. Ein Wechsel zwischen verschiedenen Typen ist notwendig, um alle Studierende gleichermaßen miteinbeziehen zu können.

Insgesamt war die Weiterbildung sehr interessant und auch sehr hilfreich für die weitere Arbeit im Peer Tutoring. Wir haben die Methoden selbst ausprobiert und reflektiert, was auch die Weiterbildung vom Anfang bis zum Ende sehr aktiv gestaltet hat. Um die eigene Gruppe als Peer TutorIn zu aktivieren und zu motivieren reicht es also aus, hin und wieder verschiedene Methoden anzuwenden. Das Ansprechen verschiedener Typen führt zudem dazu, dass Abwechslung in die Gruppenarbeit kommt und die Motivation zusätzlich erhöht wird. Aktiv werden und bleiben ist ein wichtiges Konzept, um eine Gruppenarbeit erfolgreich zu gestalten.

 

Peer Tutoring leicht gemacht – die gelben Seiten für Schreibberatung

ImageLaut Eigenwerbung des Telefonbuchverlags kennen 97,8 % der Personen über 20 Jahre in Deutschland Gelbe Seiten, 58,8 % nutzen Sie regelmäßig. Bei uns im Schreibzentrum ist nun seit einem halben Jahr ein Buch in regem Gebrauch, das wir auch nur noch „das gelbe Buch“ nennen und das für die Schreibzentrumszunft in kürzester Zeit auf ähnlich gute Werte für Bekanntheitsgrad und Nutzung kommen dürfte. Die Rede ist natürlich von „Zukunftsmodell Schreibberatung“, dem Anleitungsbuch zur Begleitung von Schreibenden im Studium. Geschrieben wurde es von vier ehemaligen Peer TutorInnen, die alle mittlerweile die Schreibzentrumsarbeit zu ihrem Hauptberuf gemacht haben. Ella Grieshammer, Franziska Liebetanz, Nora Peters und Jana Zegenhagen brennen für ihr Thema. Ihre Begeisterung für Schreibberatung und Schreibdidaktik steckt an und ihre umfassenden Kenntnisse beeindrucken – da bleibt wirklich kein Aspekt Außen vor.

So enthält das Buch zunächst einen umfangreichen theoretischen Teil, der viel Hintergrundwissen anschaulich erklärt. Dargestellt wird was Schreibberatung überhaupt ist und sein kann – auch jenseits des Schreibzentrums in Sprechstunden von Hochschullehrenden oder in Studienberatungen. Es folgen Einführungen zu den Themen Schreibkompetenz, Schreibprozesse, Schreibtypen und -strategien, Lesekompetenz und Leseprozesse. Zusammenfassend erläutert dann ein Kapitel, was für vielfältige Anforderungen wissenschaftliches Lesen und Schreiben stellen und wie man Schwierigkeiten erkennen und erklären kann. Zu jedem Kapitel gibt es Anregungen für die Lesenden zum Weiterdenken und weiterführende Literaturhinweise.

Der zweite Teil des Buches widmet sich dann ausführlich dem Thema Schreibberatung. Es geht um Aufgaben und Grenzen von Schreibberatung, um verschiedenste Settings und um wichtige Grundsätze. Mit vielen Beispielen wird illustriert wie Schreibberatungsabläufe gestaltet werden können, wie Gesprächstechniken wirken und helfen oder wie konstruktives Feedback auf Texte gegeben werden kann. Damit in der Schreibberatung nicht nur gesprochen wird, stellt das Buch auch viele Schreibtechniken vor, sortiert nach den verschiedenen Phasen von Schreibprozessen, in denen sie besonders nützlich sind. Zu jeder Technik wird überlegt, was im Anschluss an den Einsatz der Technik im Gespräch thematisiert werden sollte und worauf zu achten ist.

Natürlich befassen sich die Autorinnen auch mit schwierigen Beratungssituationen. Auch hier ist das Buch durch die Fallbeispiele sehr anschaulich. Auch wenn die Beispiele fiktiv sind merkt man deutlich, dass sie auf der langjährigen Erfahrung der Autorinnen basieren.

Wie schon angedeutet ist das gelbe Buch gar nicht mehr wegzudenken. Es gibt im Schreibzentrumsalltag nichts, was man dort nicht nachschlagen könnte. Für uns kommt das Buch genau zum richtigen Zeitpunkt, weil wir die Ausbildung für unsere Schreib Peer TutorInnen verändert haben. Da wir an der Viadrina mittlerweile Peer TutorInnen in verschiedenen Bereichen auch außerhalb des Schreibzentrums ausbilden, sind wir dabei, neue Strukturen zu schaffen. Ein Teil der Ausbildung widmet sich zwar dem kollaborativen Arbeiten und dem Peer Tutoring, hat aber nicht direkt mit dem Schreibzentrum zu tun. Unsere neuen Peer TutorInnen kommen nun zwar schon gut vorbereitet und haben auch schon ein Seminar zum wissenschaftlichen Schreiben besucht in dem sie viel Feedback geben und nehmen, aber der Teil der Ausbildung der direkt im Schreibzentrum stattfindet ist kürzer geworden. Es ist großartig, dafür nun ein Buch zur Hand zu haben, in dem alles Wesentliche zu finden ist.

Und auch im Sinne einer Qualitätssicherung wissenschaftlicher Schreibdidaktik ist dieses Buch ein großer Schritt nach vorn. Denn einerseits bietet es auf knapp 300 Seiten einen umfassenden Überblick und ermöglicht so auch Neueinsteigenden, sich gründlich weiterzubilden. Und andererseits ist es inhaltlich vielfältig. Es wird sehr deutlich, dass es nicht die eine richtige Art gibt, Schreibberatungen durchzuführen und auch keine Patentlösungen oder gar ein Schema X.

Da bleibt am Welttag des Buchs also nur zu hoffen und zu wünschen, dass dieses Buch nicht nur zum gelben Standard in den Regalen aller deutschsprachigen Schreibzentren wird, sondern auch seinen Weg findet in die Hochschulbibliotheken und professoralen Handapparate!

PS: Wie beim Welttag des Buches üblich: wer diesen Blogbeitrag kommentiert kann das Buch gewinnen! Verlosung folgt am1.5.2013 – bis Mitternacht könnt ihr also noch kommentieren!

Die lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten in Berlin

– von Josephin Winkler –

Bereits zum vierten Mal hat das Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten veranstaltet. Viel Herzblut hat das Schreibzentrumsteam in dieses Ereignis gesteckt: Es wurde ein Grundkonzept erstellt, Plakate und Flyer gestaltet, Rundmails verschickt, Pressemappen angefertigt, ein Rahmenprogramm ausgedacht, Snacks eingekauft, Räumlichkeiten besichtigt uvm.

Es war viel Arbeit – und es hat sich gelohnt! In Kooperation mit der Humboldt-Universität, der Bibliothek der Humboldt-Viadrina School of Governance und dem Arbeitskreis Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg hat die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten das erste Mal in Berlin stattgefunden. Von 16- 1 Uhr konnten Studierende dort an ihren Schreibprojekten arbeiten. Nach einer Begrüßungsrede von Katrin Girgensohn, Gründerin des Schreibzentrums, gab es eine kleine Pecha Kucha Präsentation zur Langen Nacht. Daraufhin wurde fleißig geschrieben: An kleinen Tischen sitzend, war jede/r mit einem Laptop ausgerüstet, und die Tasten klapperten ordentlich. Ansonsten war die Stille in den Schreibräumen fast schon gespenstisch.

Zielscheibe SchreibzieleWer eine Pause brauchte, ging an die Snackbar oder kontrollierte noch einmal, ob sein Kärtchen an der Zielwand weiter in Richtung “Ziel” gerückt werden konnte. Auflockerungsübungen und Schreibtechniken (wie die Schreibstaffel) sorgten für Abwechslung zwischen den Schreibphasen. Bei einem Schreibtypentest konnten die Schreibenden herausfinden, welche Vorgehensweise beim Schreiben für sie am besten geeignet ist; aber auch zu neuen Techniken angeregt werden. Ein kleiner Vortrag über Plagiate und richtiges Zitieren sorgte für rege Diskussionen unter den Anwesenden – es blieben sogar einige Fragen offen.

winke-winke

Teilnehmende der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten winken bei der Live-Schaltung Schreibenden in anderen Schreibzentren zu.

Auch in anderen Städten Deutschland gab es zeitgleich die Lange Nacht. So haben wir uns nicht lange bitten lassen und eine Live-Schaltung in die anderen Schreibzentren aufgebaut; das stärkte das Gemeinschaftsgefühl und die Motivation  zum Weiterschreiben.

Für die 37 Schreibenden, die aus 5 Universitäten kamen, standen 10 ausgebildete Schreibberater zur Verfügung. Bei einem Beratungstermin konnten die Studierenden dann ungestört über ihren Text reden, Fragen stellen sowie natürlich auch von eventuellen Schwierigkeiten beim Schreiben berichten und sich Hilfe zur Selbsthilfe holen.

Da wir die Lange Nacht das erste Mal in Berlin veranstalteten, erwarteten wir mehr Andrang, doch insgesamt sind wir sehr zufrieden. Wir freuten uns über positive Resonanz bei der Presse, wie z.B. von der ZEIT online. Die Schreibenden gaben uns durchgängig positives Feedback – viele haben ihre gesetzten Ziele geschafft, einige sind sich jetzt über ihre Schreibgewohnheiten bewusster, andere wollen jetzt gerne öfter Schreibtechniken einsetzen. Viele wollen gerne nächstes Jahr wiederkommen!

Advent, Advent – ein Grenzgang des Schreibzentrums

Lebendiger Adventskalender Türchen 11Dieses Jahr hat das Schreibzentrum ein Türchen des lebendigen Adventskalenders  der Stadt Frankfurt (Oder) und Słubice gestaltet.

Seit vier Jahren öffnen verschiedene soziale, kulturelle und gewerbliche Institutionen einen Tag ihre Türen und laden alle Bürgerinnen und Bürger der Städte Frankfurt (Oder) und Słubice ein, gemeinsam eine schöne und inspirierende weihnachtliche Zeit in Frankfurt (Oder) und in Słubice zu verbringen.

Das Schreibzentrum der Viadrina hatte besonderes Glück  – wir durften in der frisch renovierten Stadtbibliothek „Biblioteka Publiczna MiG“ in Słubice unser Türchen öffnen, um mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Studierenden beider Städte polnische, deutsche und deutsch-polnische Gedichte zu schreiben.

MIchal Zytinicec und Franziska Liebetanz

MIchal Zytinicec und Franziska Liebetanz

Für uns sind solche Anlässe bereichernd und ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Sie ermöglichen uns, unsere Lust am Schreiben, an Texten und an Gesprächen mit Menschen auch außerhalb der Universität zu teilen. So saßen wir an einem Tisch mit mehreren Damen aus Polen und einigen Studierenden. Bei Kerzenlicht und Gebäck erprobten wir verschiedene Gedichtformen.

Es war eine Schreibrunde der besonderen Art, da nicht alle Teilnehmenden die jeweils andere Sprache konnten: Nicht alle sprachen Deutsch und Polnisch. Dennoch verfassten wir sogar Gemeinschaftsgedichte,  in denen sich die deutschen und polnischen Strophen abwechselten. Ich war gerührt, da fast  alle gemeinschaftlich verfassten Gedichte einen Sinn ergaben. Das stellten wir fest, als Michal vom Schreibzentrum und Alicja, eine der teilnehmenden Studentinnen, spontan die jeweils fremdsprachigen Textteile übersetzten. Auch die anschließend von den Teilnehmenden einzeln geschriebenen Texte waren sehr schön und ernteten viel Applaus. Wir hörten Lobpreisungen der Gewürznelke, Philosphisches zur gefrorenen Oder zwischen unseren beiden Ländern und auch viele versöhnliche Anspielungen auf das deutsch-polnische Verhältnis.

Schneefall an der Grenze

Auf der Grenze sollte ich Polnisch und Deutsch sprechen

Guten Tag! Dzień dobry!

Auf Wiedersehen! Do widzenia!

Czas istnieje – nie tak szybko – jeszcze lepiej się poznamy

Miłość, przyjaźń, przebaczenie

Schöne Weihnachtsatmosphäre

To już blisko

Już blisko Święta i Nowy Rok

Mir wurde wieder einmal bewusst, dass wir direkt an der Grenze arbeiten oder leben, wo so oft die Sprachen nicht die einzige Hürde zu sein scheinen. Und dennoch war es so schön,  zusammen an einem Tisch zu sitzen und gemeinsam zu dichten, zu lachen und zu staunen. Was für ein wunderbar weihnachtlicher Adventsnachmittag!

Teilnehmende am lebendigen Adventskalender des Schreibzentrums

Ich danke Michał, der mir so gut zur Seite stand, mit mir plante, organisierte und den ganzen Nachmittag so toll all unsere Worte und Reime übersetzte.

Die Organisatorinnen des lebendigen Adventskalenders sind:

Anna-Maria Schönfeld (Freiwilligenzentrum Frankfurt (Oder)),

Milena Manns (Quartiersmanagement / Stiftung SPI / B-L-Programm Soziale Stadt),

Stefanie Piekos (Geschäftsstraßenmanagerin / IGIS e.V.),

Katrin Becker (Frankfurter-Słubicer Kooperationszentrum).

50.000 Wörter in einem Monat?!

Es ist November und das ist traditonell der Monat, in dem sich zigtausende Menschen aus aller Welt der Herausforderung stellen, einen Roman in einem Monat zu schreiben. Der National Novel Writing Month (nanowrimo) kann sicherlich als das größte Schreibspiel der Welt bezeichnet werden – und als das erfolgreichste. Davon zeugen nicht nur die vielen Autorinnen und Autoren, deren im November entwickelten Romane mittlerweile von bekannten Verlagshäusern publiziert wurden, sondern davon zeugen auch die vielen, vielen Menschen, die den nanowrimo einfach als Inspirationsmonat und Kreativitätsquelle nutzen. Die von sich sagen wollen: „I am a writer. I write books.“ Und nicht: „I want to write a novel somtime.“

Im Schreibzentrum der Viadrina haben wir den nanowrimo schon öfter zelebriert. So boten wir als nanowrimo-space regelmäßig offenen Schreibraum für alle Viadrina-NovelistInnen. 2008 gab es im Schreibzentrum ein Seminar, in dem 15 Studierende Romane verfassten und 2010 versuchten wir uns sogar gemeinschaftlich an einem Viadrina-Krimi, für den wir mit 14 Leuten einen Plot entwarfen, den wir dann im November aus verschiedenen Perspektiven ausschmückten.

In diesem Jahr versuche ich zum ersten Mal, den nanowrimo als akademischen Schreibmonat zu nutzen. Dieser Versuch hat verschiedene Ursachen. Zum einen hat nanowrimo-Gründer Chris Baty als Keynote-Speaker bei der Konferenz der European Writing Centers Association 2012 einmal mehr gezeigt, dass literarisches und akademisches Schreiben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben, wenn man den Schreibprozess betrachtet. Zum anderen hat das Schreibzentrum der Goethe Universität Frankfurt am Main in diesem Jahr den November einfach zum Academic Writing Month erklärt und nutzt den nanowrimo dafür, Studierende und Promovierende in einem Schreibmarathon zu unterstützen. Und dann gibt es auch noch ganz persönliche Gründe: Ich komme momentan noch weniger als sonst zum akademischen Schreiben. Wir etablieren an der Viadrina gerade Peer Tutoring in verschiedensten Bereichen und arbeiten dafür im neu gegründeten Zentrum für Schlüsselkomptenzen (Arbeitstitel) eng mit dem Career Center, dem Zentrum für Interkulturelles Lernen, dem Sprachenzentrum und den Fakultäten zusammen. Das ist ein spannendes Projekt, über das wir demnächst an dieser Stelle mehr berichten werden. Es ist aber auch sehr zeitaufwändig und so lagen die Forschungsergebnisse meines USA-Aufenthalts auf Halde. Das ist schade, denn die 16 von mir geführten Experteninterviews mit Schreibzentrumsleiterinnen und -leitern sind nicht nur bereits transkribiert, sondern auch schon systematisch kodiert. Was nun anstand, war eine intensivere Beschäftigung mit den Daten und ein schriftliches Festhalten meiner Zwischenergebnisse. Die intensivere Beschäftigung läuft bei mir nur über Schreiben – das weiß ich aus früheren Forschungsprojekten. Daher also der Versuch, es mit dem 50.000-Wörter-Limit von nanowrimo zu versuchen, um mir die Zeit dafür bei mir selbst zu stehlen.

Und es funktioniert! Ich vermelde stolze 20.002 Wörter in 11 Tagen, knapp 40 Seiten. Dass es so gut funktioniert liegt auch daran, dass ich Zitate einfügen kann aus meinen Interviews und daran, dass schon viel gedankliche Vorarbeit beim Kodieren gelaufen ist. Ich merke aber auch (mal wieder), dass das schreibende Denken in Gang kommt. Ich stelle Zusammenhänge her und entwickele Ideen, die nicht entstanden wären, wenn ich mich nicht ans schreibende Denken gemacht hätte.

So funktioniert es zur Zeit bei mir: Ich beschreibe die Kategorien, die ich beim Kodieren meiner Daten entwickelt habe. Ich stelle zunächst einfach dar, was ich da aus den Daten entwickelt habe. Durch das Beschreiben entstehen dann neue Einsichten. Darüber hinaus erlaube ich mir, schriftliche Selbstgespräche zu führen. Unter der Überschrift „Forschungsjournal“ schiebe ich Passagen ein, in denen ich darüber reflektiere was ich gerade mache oder wie ich voran komme (oder auch nicht voran komme). Diese Wörter zähle ich mit und das ist gut so, denn meistens entwickele ich dadurch nochmal neue Ideen. Zumindest aber motiviere ich mich zum Weiterschreiben.

Kurzum: Für zumindest einen Monat im Jahr ist der nanowrimo für mich eine Möglichkeit, die Schreibzentrumsarbeit mit dem eigenen Anspruch an kontinuierliches Schreiben zu verbinden. Zur Nachahmung empfohlen – ob literarisch, biografisch oder akademisch!

Schreibmarathon am Schreibzentrum

– ein Bericht von  von Annemarie Bracht (Schreibzentrum Ruhr-Uni Bochum) und Michał Żytyniec (Schreibzentrum Viadrina)

„Das ist Mandy aus München, sie mag gerne Melone; ich bin Simone aus Stuttgart und esse gerne Suppe…“ – mit diesem netten „Ich-packe-meinen-Koffer“-Spiel macht kennenlernen richtig Spaß und man kann sich Namen sogar merken! So der vielversprechende Beginn einer schreibintensiven und erfolgreichen Woche beim diesjährigen Schreibmarathon der Europa-Universität Viadrina.

An fünf Tagen konnten insgesamt fünfzehn Studierende die Zeit nutzen und in der anregenden und produktiven Atmosphäre des Schreibzentrums an ihren Hausarbeiten feilen: vom Planen, übers Schreiben der Rohfassung bis hin zur Korrektur war alles dabei.

Ruhige Schreibatmosphäre im Schreibzentrum

Ruhige Schreibatmosphäre im Schreibzentrum
(Foto: Annemarie Bracht)

Während der Raum des Schreibzentrums ausschließlich zum Schreiben reserviert war, luden im Nebenraum Snackbar und zu Sitzgruppen drapierte Tische zum Austausch in der Pause ein. In beiden Räumen sorgten Blumen, ebenso wie Kekse, Papier und bunte Stifte für eine freundliche Atmosphäre.

Im Anfangsworkshop von Mandy Pydde hatten die Schreibenden eine Möglichkeit, bereits am Montag eigene Vorhaben für die Woche auf einer Zielscheibe zu markieren. Im Freewriting zum Thema „Mein Schreibprojekt erzählt …“ konnten sie gleich die erste Schreibmethode erproben, um sich dann im Austausch untereinander von der Wichtigkeit des Sprechens beim Schreiben zu überzeugen. Am Mittwoch fand auch die Beratung durch die professionellen Schreibberater statt, die mitten auf der Marathon-Strecke Hinweise und Stärkung für den weiteren Lauf angeboten haben.

Schreibberatung

Schreibberatung im Nebenraum
(Foto: Annemarie Bracht)

„Oh du meine geliebte Hausarbeit

es ist so weit

doch das Ende ist blau.

Und es entsteht ein toller Bau.

Doch kenn ich dich noch nicht genug,

Obwohl mein Vorgehen ist klug.

Ich werde alles tun, was nötig ist,

Sodass Du dann echt zufrieden bist;

Wie der Professor, der dich hoch erfreut liest J“

So lautet eines der zwei Tage später gemeinschaftlich entstandenen sogenannten „Knick-Gedichte“. Dabei geht es darum, reihum auf eine vorgegebene Zeile je zwei neue Verse zu schreiben, diese nach hinten zu knicken und an seinen Nachbarn weiterzugeben.

Aber nicht immer ging es so amüsant in den kleinen Warm-Up-Übungen zu, denn am Dienstag wurde fleißig zum Thema „Was fasziniert mich an meiner Hausarbeit?“ geclustert. Am Donnerstag half ein kleiner „Schreibeinstimmer“, sich selbst und seine gegenwärtige Stimmung zu reflektieren und sich positiv auf seine Schreibtätigkeit einzustimmen. Am letzten Tag erwartete die Teilnehmer eine kleine Überraschung: jeder durfte sich eine tolle Postkarte mit ermutigenden Sprüchen wie „Du schaffst das!“ oder „Entspann dich!“ aussuchen und freundliche Worte seines Dozenten an sich selber richten. Durch die Übungen haben sich die „Marathon-Schreiber“ mit den Strategien angefreundet, die ein spielerischer und kreativer Umgang mit Schreiben bietet.

Ziele beim Schreiben der Hausarbeit

Eine Teilnehmerin vor der Zielscheibe, auf der die Teilziele visualisert werden konnten.
(Foto: Annemarie Bracht)

Am Ende dieses fünftägigen Marathons stehen, wie die von den Teilnehmern ausgefüllten Feedbackbögen belegen, viele neugeschriebene Seiten von insgesamt fünfzehn Hausarbeiten. Zusätzlich auch die Erkenntnis, dass durch das Schreiben in der Gruppe eine produktive  Arbeitsatmosphäre entsteht, die sich jeder alleine so nicht schaffen kann. Dennoch bedeutet das nicht, Warten bis zur nächsten „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“. Die weiten Strecken muss niemand mehr alleine laufen. Die anderen Kommilitonen legen die gleiche Strecke mit den gleichen Hindernissen zurück. Wegzehrung finden alle in der Anlaufstelle namens Schreibzentrum. Auf dem Weg begegnet man auch anderen Läufern, mit denen man den Frust teilen und Erfolge feiern kann.

Einen Bericht zum Schreibmarathon gibt es auch bei Spiegel Online.

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