Learning about Writing Fellow Programs

Almost three exciting weeks are lying ahead of us. We, Franziska Liebetanz and Simone Tschirpke, two staff members of the Viadrina Writing Center (Frankfurt/Oder, Germany), are staying in the US, in order to learn more about writing fellow programs, about writing center work in general but also in order to reflect on our own practice back home.

For this educational journey, Franziska got a grant from ReiseLectureN/ VW. One important tasks is to find out, what writing fellows, teachers and the coordinators of other writing fellow programs think about the program: What works well? What needs to be improved? When can you call a writing program a writing fellow program and how flexible can a writing fellow program be? Answers to those questions can be useful in order to reflect, adjust and/or improve our own writing fellow program, that we started in 2013 in cooperation with the writing center of the Goethe University Frankfurt/Main. Furthermore, the knowledge and insights gained from other projects will also be helpful when transferring the idea of a writing fellow program to other universities.

In order to learn more about writing fellow programs and writing centers in general, we have the great opportunity to stay for a little more than a week at the writing center of the University of Wisconsin-Madison. We will meet its director Brad Hughes, from whom we learned so much about writing fellow program. Additionally, we will visit the Center for Writing-based Learning at the De Paul University in Chicago as well as the Norman H. Ott Memorial Writing Center at the Marquette University and the Writing Center of the University Wisconsin-Milwaukee, which are both located in Milwaukee. We’ll end our journey with a visit to the IWCA Conference in Pittsburgh where Franziska and Anja Poloubotko, coordinator of the Multilingual Writing Center of the Leibniz University of Hannover, will do a presentation about the history of German Writing Centers.

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Ich als Testpilotin: Writing Fellows in Frankfurt (Oder

„Also meine Texte wolltest du nie Korrekturlesen!“ muffelt mein Freund vor sich hin und stapft zum Kochen in die Küche. In der Tat konnte er mich in mehreren Jahren Jurastudium nicht dazu bringen, mehr als ein paar Absätze seiner Arbeiten zu lesen: Langweilig und verwirrend, viel zu viele Paragraphen… Nun aber sitze ich schon den dritten Tag an meinem Schreibtisch und kommentiere die Hausaufgaben fremder Jura-ErstsemestlerInnen. Was ist passiert?

Das Writing Fellows Programm

Ich arbeite als Schreib-Peertutorin im Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina und habe als Writing Fellow eine Jura AG betreut. Es war das erste Mal, dass das Projekt in Frankfurt (Oder) stattgefunden hat. Meine Betreuung der Jurastudierenden im Januar war gleichsam Testlauf und Generalprobe vor der Einführung des Projekts im Sommersemester 2014.

Aber was ist das eigentlich, ein/e Writing Fellow? Writing Fellows sind Peer-SchreibberaterInnen, die für einen konkreten Kurs AnsprechpartnerInnen für das Schreiben sind. Das Projekt basiert auf zwei Grundannahmen: Zum einen erleben wir in der Schreibzentrumsarbeit stets, dass kollaboratives Lernen auf Augenhöhe sehr fruchtbar sein kann. Zum anderen glauben wir, dass alle Schreibenden in der Lage sind, ihr Schreiben zu verbessern, wenn sie durch individuelles und konstruktives Feedback dabei unterstützt werden.

Die Writing Fellows geben den Studierenden ausgewählter Kurse genau solches Feedback auf zwei Schreibaufgaben, die diese im Rahmen der Veranstaltung erstellen. Im Vorfeld arbeiten sie eng mit den Dozierenden zusammen, z.B. spiegeln sie ihnen, wie sie die von ihnen gestellte Schreibaufgabe verstehen. So können etwaige Missverständnispotentiale in der Kommunikation zwischen Studierenden und Dozierenden gefunden und beseitigt werden. Die Studierenden erhalten die Schreibaufgabe dann in schriftlicher Form und erstellen zunächst eine Rohfassung ihres Textes. Ihr Writing Fellow liest und kommentiert diese. Auf das schriftliche Feedback folgt ein Treffen mit den Schreibenden. Dabei werden gemeinsam die Stärken und Schwächen des Textes erarbeitet und Überarbeitungsschwerpunkte festgelegt. Erst nach dieser Überarbeitung reichen die Studierenden den fertigen Text bei ihren Dozierenden ein.

Da die Writing Fellows ebenfalls Studierende sind und die Texte nicht bewerten, können sie den Schreibprozess in entspannter Atmosphäre ohne Ergebnisdruck unterstützen. Doch nicht nur die Studierenden profitieren von dem Projekt, auch für die Dozierenden hat es Vorteile: Beispielsweise beklagt ein Großteil von ihnen die schlechte Qualität der eingereichten Texte. Diese kann jedoch durch die Arbeit mit Writing Fellows verbessert werden. Indem die Dozierenden ihre Aufgabenstellung ausführlich formulieren müssen, konkretisiert sich auch ihr eigener Erwartungshorizont und die Kommunikation mit den Studierenden verbessert sich. Dadurch und durch den Zwischenschritt der Überarbeitung bekommen sie Texte eingereicht, die ihren Erwartungen besser entsprechen. Auch für die beteiligten Schreibzentren lohnt sich das Projekt: Durch die Betreuung durch Writing Fellows kommen mehr Studierende mit dem Schreibzentrum in Kontakt und auch die Lehrenden erhalten einen detaillierten Eindruck in die Schreibzentrumsarbeit. Ihre positiven Erfahrungen im Rahmen des Writing Fellow Programms führen dazu, dass ein Teil der Betreuten auch nach Ende des Projekts die Angebote des Schreibzentrums nutzt. Außerdem können sie Anderen davon berichten und so neue Studierende in das Schreibzentrum locken.

 Der Testlauf

Den endgültigen Startschuss für das schon lange anvisierte Writing Fellow Projekt in unserem Schreibzentrum gab ein Vortrag zum Thema von Brad Hughes, Direktor des Writing Centers der University of Wisconsin – Madison, im Novemer 2013. Dabei gelang es ihm, nicht nur uns, sondern auch die anwesenden Dozierenden von dem Programm zu überzeugen und wir vereinbarten den Testlauf mit „meiner“ Jura AG.

Aus organisatorischen Gründen betreute die Dozentin die erste Schreibaufgabe selbst. Im Januar fand dann der zweite Durchgang mit mir als Writing Fellow statt. Da ich nur etwa die Hälfte ihrer AG betreuen konnte, hat die Dozentin die Arbeit mit mir als Belohnung für jene Studierende genutzt, die die Aufgaben für ihre AG bisher stets termingerecht eingereicht hatten. So kam es, dass sich auf meinem Schreibtisch die Texte von 16 Studierenden sammelten. Ihre Aufgabe war es, einen Gesetzesentwurf danach zu untersuchen, ob er verfassungsgemäß ist. Dazu sollten sie eine kurze Erläuterungsaufgabe bearbeiten und – als wichtigsten Teil – ein juristisches Gutachten erstellen.

Bevor ich die Texte kommentierte, las ich sie einmal komplett, um einen Gesamteindruck zu erhalten. Erst im Laufe des zweiten Lesens formulierte ich mein Feedback. Dabei achtete ich besonders darauf, nicht nur zu kritisieren, sondern auch zu loben. Dass ich den Studierenden nicht nur ihre Schwächen, sondern auch ihre Stärken aufzeigte, sollte sie motivieren und ihnen helfen, sich bei der Überarbeitung auf das Wesentliche zu fokussieren. Da es beim Gutachten sehr wichtig ist, die viergliedrige Struktur der Textsorte einzuhalten, bezog ich mich in meinen Feedbacks unter anderem sehr auf diesen Aspekt. So enthielten viele meiner Kommentare solche oder ähnliche Hinweise: „Man sieht, dass du dich in deinem Text am Gutachtenstil orientiert hast. Ich habe dir jeweils an den Rand geschrieben, wo ich welche Strukturpunkte erkannt habe […]. Leider konnte ich nicht immer alle vier Teile finden.“ Indem ich die von mir erkannten Strukturelemente an den Rand der Arbeiten schrieb, wollte ich den Studierenden die Möglichkeit geben, zu überprüfen, ob das, was sie ausdrücken wollten mit dem übereinstimmt, was ich als Leserin verstanden hatte.

Kurz darauf fanden die Konsultationen mit den Schreibenden statt. Für mich war es sehr interessant, die Studierenden, die ich bisher nur durch ihre Texte kannte, persönlich zu treffen. Für viele von ihnen war das Konzept des Peer-Tutoring noch neu und ich musste mich oft ihren Versuchen erwehren, mich zu siezen. Die Zusammenarbeit war jedoch ein tolles Erlebnis: Besonders interessant fand ich, in den Beratungen zu sehen, wie unterschiedliche Schreibtypen mit der sehr formalisierten Textsorte Gutachten umgehen. Mein Eindruck war, dass sie der Arbeitsweise planender Schreibender entgegenkommt. Studierende, die das Schreiben als Medium zum Denken benutzen und währenddessen neue Ideen entwickeln, hatten hingegen größere Probleme. Gerade bei handschriftlichen und zeitlich begrenzten Klausuren ist es aber schwierig, die spontan entstehenden Gedanken zu integrieren, ohne die Struktur des Textes zu gefährden. Mit diesen SchreiberInnen versuchte ich, Strategien zu entwickeln, um vor dem Schreiben der Reinschrift schon ein paar Assoziationen abzufangen, die dann bei der Planung des Textes schon berücksichtigt werden könnten. Vor allem das Erstellen von stichpunktartigen Lösungsskizzen und Mindmaps schien mir dafür geeignet zu sein.

Mein Fazit

Das Projekt zeigt, wie viel man erreichen kann, wenn verschiedene Akteure zugunsten der Studierenden zusammenarbeiten. So habe ich durch das Schreibzentrum tolle Unterstützung erfahren: Projektkoordinatorin Anja kümmerte sich um alles Organisatorische und stand mir stets mit Rat und Tat zur Seite. Mein Kollege Pascal wiederum las die Rohfassungen zu meinen Feedbacks und kommentierte sie. Dieses Feedback zum Feedback gab mir Sicherheit und sorgte dafür, dass die an die Studierenden geschickten Endfassungen auch wirklich verständlich und konstruktiv formuliert waren. Außerdem klappte die Zusammenarbeit mit der Dozentin super. Sie war für mich immer ansprechbar und stets bereit, eigenen Mehraufwand für Feedbackrunden, Treffen und die Digitalisierung der Arbeiten in Kauf zu nehmen. Besonders toll fand ich, wie sie mich gegenüber den Studierenden angekündigt hat. Ihre wiederholten Hinweise darauf, dass ich eine „Diskussionspartnerin, keine Korrektorin“ sei, hat dazu geführt, dass die Studierenden das Projekt als Chance verstanden und größtenteils gut vorbereitet in die Konsultationsgespräche kamen. Ich denke, dass die Studierenden und ich auch deshalb so motiviert und entspannt zusammen gearbeitet haben. Viele von ihnen äußerten dann auch, dass sie das Writing Fellow Projekt toll fänden und das Feedback ihnen geholfen hätte.

Aber nicht nur für die Schreibenden hat sich das Programm gelohnt, auch ich habe viel gelernt. Die Arbeit als Writing Fellow hat mir einen starken Anreiz gegeben, mich auf neues Terrain zu wagen und mich mit juristischen Textsorten und Themen zu beschäftigen – etwas, dass ich als Studentin der Kulturwissenschaften sonst sicher nicht gemacht hätte. Nun weiß ich aber genau, wie ein juristisches Gutachten strukturiert sein muss und habe von den Schreibenden viele Rechtsbegriffe und -prinzipien erklärt bekommen. Es zeigt sich also: Auch beim Writing Fellow Projekt können Peers miteinander und voneinander lernen. Mit seiner nächsten Seminararbeit steht mein Freund jedenfalls nicht mehr alleine da.

 

      Anne Kirschbaum

 

 

 

 

Das Schreibzentrum wächst über die Uni hinaus – Madison Writing Assistance

Elisabeth Miller

Elisabeth Miller (Foto: Writing Center Madison)

Kurz vor meiner Abfahrt hier habe ich endlich geschafft, was ich schon lange vorhatte und habe mir die Community Writing Assistance angeschaut. Elizabeth Miller, die während meiner Zeit hier im Schreibzentrum meine feste Schreibberaterin war, ist in diesem Projekt besonders engagiert und hat mich mitgenommen in eine der vielen Zweigstellen der hiesigen Stadtbibliothek. Zufällig war das Pinney Branch, genau die Zweigstelle, die ganz in der Nähe unseres Hauses ist und die mich das Jahr über mit Reiseführern, Romanen und DVDs versorgt hat – völlig kostenlos, mit großer Auswahl, langen Öffnungszeiten sogar am Wochenende und unglaublich netten Bibliothekarinnen und Bibliothekaren. Daher hatte die Stadtbibliothek von Madison sowieso schon mein Herz gewonnen, aber mit dem Erleben der Community Writing Assistance ist meine Begeisterung gleich nochmal größer geworden.

Was ist die Community Writing Assistance?

Die Community Writing Assistance (CWA – es gibt hier für alles Akronyme) ist eine Kooperation zwischen dem Writing Center, der Stadtbibliothek und einigen Nachbarschaftszentren sowie einer Stiftung (der Evjue Foundation). Ausgebildete Peer TutorInnen des Schreibzentrums und Freiwillige aus Madison bieten zu bestimmten Terminen öffentliche Schreibberatungen an. Insgesamt finden wöchentlich in fünf Stadtteilbibliotheken und zwei Nachbarschaftszentren acht Schichten a drei Stunden statt. An einigen Orten melden sich die Leute vorher an, indem sie sich in Listen eintragen, an anderen Orten kommen die Schreibenden einfach vorbei. Prinzipiell kann jeder der will mit jedem Text in jedem Stadium kommen. Lebensläufe, Bewerbungsschreiben, Lebensgeschichten, Gedichte, Liedtexte, Schulaufsätze, Arbeitsberichte, Leserbriefe, Korrespondenz mit dem Vermieter – das ist alles schon vorgekommen. Hinzu kommt Unterstützung für die Arbeit mit dem Computer. Das Projekt hat für alle Standorte Laptops gespendet bekommen. Für viele Menschen, die Unterstützung suchen, ist es sehr wichtig, nicht nur zu lernen wie sie ihren Lebenslauf ansprechend gestalten, sondern auch, wie sie ihn im Zuge einer Onlinebewerbung hochladen können.

Stadtteilbibliothek Madison – Pinney Branch

Bewerbungshilfe

Unterstützung bei Bewerbungen wird überdurchschnittlich häufig angefragt – was sicher einerseits an der krisengeschüttelten Wirtschaftslage liegt, andererseits aber auch daran, dass es dafür wenig andere gute Angebote gibt. Mittlerweile weisen die Arbeitsämter ihre Klienten schon auf die CWA hin.

Auch die beiden Schreibberatungen, bei denen ich hospitieren durfte, drehten sich um Bewerbungen. So kam eine Frau, die seit vielen Jahren in Restaurants in Madison als Köchin arbeitete. Sie ist keine ausgebildete Köchin, aber ihre Berufserfahrung macht die fehlende Ausbildung mehr als wett und sie hat schon oft die neuen Küchenhilfen eingearbeitet. Ihr Anliegen war es nun, ihre Qualifikationen in ihren Bewerbungsunterlagen entsprechend darzustellen und sich fortan als Köchin zu bewerben. Elisabeth und sie formulierten gemeinsam den Text um, wobei von Elisabeth vor allem Tipps zur grafischen Gestaltung, Leseeindrücke und Ermutigungen kamen. Die Köchin wusste sehr genau, was sie wollte und konnte auch genau sagen, welche Fachausdrücke keiner weiteren Erklärung bedürfen, aber sie brauchte die Bestätigung von einer Leserin. Eigentlich also gar nicht viel anders als es oft im Schreibzentrum war, wenn ich mit meinem Forschungsprojekt zu Elisabeth kam und mir im Grunde vor allem eine interessierte Zuhörerin wünschte, der ich meine Gedanken erklären konnte. Das konkrete Ergebnis der Beratung waren eine Jobanzeige für craigslist (eine beliebte Anzeigen-Homepage) und ein überarbeiteter Lebenslauf.

Win-Win-Situation

Die Schreibberatung findet im Meeting Room der Bücherei statt

Die CWA stellt eine Verbindung zwischen der Universität und der Gemeinde her, die für beide Seiten wichtig ist. Die Gemeinde profitiert von dem Wissen und Können des universitären Schreibzentrums. Und das Schreibzentrum profitiert davon, indem die Schreibberatenden Erfahrungen sammeln können, die über das wissenschaftliche Schreiben hinaus gehen. Sie bekommen Einblicke ins „echte Leben“, wie man so schön sagt. Sie können sehr direkt helfen und konkrete Ergebnisse sehen – zum Beispiel wenn die Köchin eine neue Arbeit findet oder die Enkel die Memoiren ihrer Oma begeistert lesen und mehr einfordern. Die CWA bietet den TutorInnen die Chance, mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammen zu arbeiten. Es kommen alle Altersklassen und Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten oder Schwierigkeiten. Die CWA-Jobs des Schreibzentrums sind deshalb sehr beliebt. Die TutorInnen müssen sich dafür bewerben und die Besetzung rotiert, damit mehr Leute eine Chance bekommen.

Worauf achten?

Ich habe Elisabeth gefragt, worauf man achten müsste, wenn man ein ähnliches Projekt plant. Sie meinte, dass ein nicht zu unterschätzender Arbeitsaufwand durch die Koordination entsteht. Es ist sehr wichtig, dass in den Bibliotheken Leute arbeiten, die sich um das Projekt kümmern. Sie machen Öffentlichkeitsarbeit, nehmen die Anmeldungen an, führen Wartelisten und beantworten Fragen. Wenn das gegeben ist, bietet ein solches Projekt eine wunderbare Gelegenheit, Uni und Stadt zu vernetzen.

Gemeinsam alleine schreiben – Mellon Wisconsin Writing Camps für Promovierende

Das Semester ist hier schon seit Mai zu Ende und ein Großteil der Studierenden ist längst nach Hause oder sonstwohin gefahren. Aber es laufen auch Sommerkurse und das Schreibzentrum ist weiterhin offen – wenn auch mit reduzierten Öffnungszeiten. Diese relative Ruhepause lässt Raum für andere Projekte, zum Beispiel die Disseration Camps des Schreibzentrums. Die Camps sind eine Kooperation des Schreibzentrums mit der Graduate School der Universität, die über die Mellon Foundation finanziert werden. Die Camps bieten Promovierenden in der Schreibphase die Möglichkeit, konzentriert über einen bestimmten Zeitraum an ihren Arbeiten zu schreiben und dabei die Unterstützung des Schreibzentrums zu bekommen – ähnlich wie bei unseren Schreibmarathons in Frankfurt (Oder). Nach einem sehr erfolgreichen Probelauf im letzten Sommer wurden in diesem Sommer gleich drei Camps angeboten: Zwei für jeweils eine Woche und eins über sechs Wochen. Über hundert Promovierende hatten sich für die insgesamt 60 Plätze in den Camps beworben. Sie mussten dafür online einen Bewerbungsbogen ausfüllen und auch die Dissertationsbetreuer mussten online eine Enschätzung abgeben. Wer ausgewählt wurde, musste 40 Dollar einbezahlen, um sich den Platz zu sichern, die zurück gezahlt wurden wenn man das Camp tatsächlich mitgemacht hat. Außerdem konnten diejenigen, die nicht in Madison wohnen, die Fahrtkosten bezahlt bekommen und Kinderbetreuung gab es auch auf Wunsch.

Schreibübung im Camp für Promovierende

Nancy leitet eine Schreibübung an.
Foto: Writing Center Madison

Die Camps starteten morgens mit einer kurzen Schreibübung und damit, dass alle ihre Ziele für den Tag formulierten. Dann suchten sich alle Plätze und schrieben los. Mittags gab es Workshopangebote für diejenigen, die wollten und im langen Camp trafen sich die Teilnehmenden zusätzlich täglich in Kleingruppen, um sich über ihre Texte auszutauschen. Und natürlich konnten alle Teilnehmenden im Schreibzentrum mit Schreibtutoren über ihre Texte sprechen. Auch zum Abschluss kamen noch einmal alle zusammen zu einer ganz kurzen Übung. Besonder schön finde ich folgende Übung: Alle Teilnehmenden stellen sich in einer Reihe auf, in der Reihenfolge dessen, wieviel sie an diesem Tag geschrieben haben – von einem Absatz bis hin zu mehreren Seiten. Nachdem alle stehen, bekommen sie die Aufgabe, zu begründen, warum diese Menge, die sie an diesem Tag geschafft haben, genau richtig ist. Dadurch entsteht eine positive Stimmung und es wird deutlich, dass Quantität alleine nichts aussagt. Das kann denen, die als Schreibtypen keine Vielschreiber sind, Druck nehmen.

Bei der Abschlussveranstaltung des langen Camps waren Vertreter der Graduate Schools, diverse Dekane und Vertreter der Stiftung anwesend. Alle Teilnehmenden hielten eine einminütige Rede darüber, was ihnen das Camp gebracht hat. Offenbar sind die Ziele, die das Schreibzentrum verfolgt hatte, aufgegangen: Schreibroutinen aufbauen, Gemeinschaft stiften und die Texte vorantreiben.  Ich finde die Idee sehr gut, diesen Erfolg für die Geldgeber, Kooperationspartner und Dekane sichtbar zu machen. Die waren denn auch so begeistert, dass nun eine Diskussion aufgekommen ist, ob solche Camps obligatorisch sein sollten. Das wird sich aber hoffentlich nicht durchsetzen, die Promotion hier ist schon mit genug Vorgaben belastet und es ist doch wunderbar, dass diejenigen, die sich eine Schreib-Gemeinschaft wünschen, diese bekommen können!

Podcasts am Schreibzentrum der UW Madison

Letzte Woche ist ein Podcast online gegangen, der aus meinem Vortrag beim Schreibzentrumscolloquium im letzten Herbst entstanden ist. Brad und Christopher, der für das Online-Writingcenter zuständig ist, haben den Tonmitschnitt und die Powerpointpräsentation zusammengeschnitten und das ganze wird eingeleitet von dem schicken Intro, das sie für alle ihre Podcasts hier benutzen. Ich fühle mich sehr geehrt und nehme diese Veröffentlichung zum Anlass, auf die gut sortierte Podcast-Abteilung des Schreibzentrums aufmerksam zu machen.

Zu finden sind drei verschiedene Podcast-Kategorien:

Zum einen gibt es Podcasts mit Schreibtipps. Darin wird zum Beispiel erklärt, wie man nach APA-Style oder MLA-Style zitiert, oder wie man erfolgreiche Bewerbungen für die Business School oder Law School schreibt.

Die zweite Kategorie sind Podcasts zur Theorie von Schreibzentrumsarbeit und zu Schreibzentrumsforschung. Da finden sich verschiedenste Interviews mit Forschenden unserer Zunft, zum Beispiel zu Forschungsmethoden, zur Evaluation von Schreibzentrumsarbeit  – oder eben zu Schreibzentren in Deutschland 🙂

Die dritte Art von Podcasts erklärt die Angebote des Schreibzentrums, wie z.B. die Möglichkeit, Schreibberatung in Chatform zu nutzen.

Viel Spaß beim Hören!

Ein Zwischenfazit zu meinem Aufenthalt hier

… gibt es im Blog des Schreibzentrums in Madison zu lesen. Zu finden hier: A conversation with Katrin Girgensohn

Wir freuen uns über Kommentare!

Das Mindeste, was SchreibberaterInnen wissen sollten…

– so lautete der Titel des Staff Meetings vom letzten Freitag hier im Schreibzentrum in Madison, wo ich zwischen meinen ganzen Reisen endlich auch mal wieder war: „The least you need to know about…“.
Die Idee dahinter: Es gibt viele Fragen zu verschiedenen Bereichen in der Schreibberatung, die immer wieder auftauchen. Das Meeting sollte dazu dienen, einige Fragen zu diskutieren und mehr über bestimmte Bereiche zu erfahren. Folgende Themen wurden in sogenannten Breakout Sessions, also in Kleingruppen, behandelt:

– Legal Writing (also Schreiben an der rechtswissenschaftlichen Fakultät)

– Literature Reviews across Disciplines (das Genre Literature Review taucht immer wieder auf)

– APA & Chicago Style Citations (Zitierrichtlinien)

– Productive Ways to End a Conference (wie lässt sich eine Beratung produktiv beenden)

– Technology in the Face-to-Face Writing Conference (z.B. der Einsatz von IPads o.ä. während der Beratung)

Die Sessions liefen in drei halbstündigen Zeitfenstern jeweils 3x hintereinander, so dass alle, die nicht selbst eine Session leiteten, die Chance hatten an drei verschiedenen Sessions teilzunehmen. Ich war zunächst bei der Literature Review, weil ich mich mit diesem Thema gerade für meine eigene Forschungsarbeit befasse. IBei uns nennt man das „Darstellung des Forschungsstands“. Nancy und Stephanie vom Leitungsteam hatten eine sehr informative Präsentation zusammengestellt und versorgten uns mit vielen Materialien. Trotzdem blieb noch Zeit, um Beratungserfahrungen mit diesem Genre zu diskutieren und Fragen in der Runde zu besprechen.

Als zweites war ich in der Session zum produktiven Beenden von Schreibberatungen. Hier machten wir zunächst ein Freewriting und fragten uns dabei, wieviel Zeit wir normalerweise zum Beenden einplanen, wie wir das machen und was wir vielleicht nur manchmal machen. Anschließend sammelten wir gemeinsam die Bestandteile einer gelungenen Beendung von Beratungssituationen und überlegten, wie sich das praktisch umsetzen lassen würde, was in der Theorie allen klar war. Dabei ist mir ein Vorschlag besonders hängen geblieben: Auf den Beratungstischen könnte ein Formular liegen, auf dem die Studierenden am Ende der Beratung eintragen, was ihre nächsten Schritte sind. Darauf könnten auch gleich die Sprechzeiten aufgedruckt sein und ein Feld zum Eintragen des nächsten Beratungstermins.
Die Tafel, auf der wir die Ideen sammelten, füllte sich sehr schnell und am Ende stellten wir fest, dass alleine das Beenden eine ganze Session ausmachen könnte. Ein Fazit war daher, dass nicht alles, was unter „Beenden einer Beratung“ fällt, erst am Ende kommen muss. Zum Beispiel kann man auch zwischendurch schonmal einladen, wiederzukommen, oder man kann auch zwischendurch die Studierenden schonmal bitten, zusammenzufassen, was bisher für sie in der Beratung klar wurde. Und natürlich kann man auch zwischendurch nachfragen, wie es den Studierenden mit der Beratung gerade geht!

Als drittes war ich in der Session zum Legal Writing. Diese wurde von einer Professorin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät angeboten, die dort vor allem juristische Arbeitstechniken und juristisches Schreiben unterrichtet. Sie stellte zunächst fest, dass Jura- Studierende generell die gleichen Schwierigkeiten haben wie andere Studierende auch, und dass bestimmte Prinzipien des Schreibprozesses oder guten Stils sich mit anderen Fächern decken. Dann erklärte sie, dass eine große Schwierigkeit für Studierende darin besteht, sich ihr Publikum vorzustellen. Denn einerseits ist es ein Prinzip, alle Fälle und Gesetze erklären zu müssen – kein Leser kann alles auswendig wissen und keiner will jedes Mal extra Gesetzestexte wälzen. Andererseits kann man aber ein juristisches Grundwissen vorraussetzen. Das ist dann schwer einzuschätzen – und tatsächlich nicht so viel anders als für alle anderen Studierenden, die beim Schreiben ihrer Arbeiten die Balance halten müssen zwischen dem, was im eigenen Fach als bekannt vorausgesetzt werden kann und dem, was erklärt werden muss. Anschließend erklärte die Professorin die wichtigsten Genres und wie sie strukturiert werden und ging auch kurz auf den Stil ein. Insgesamt machte sie den SchreibberaterInnen Mut, ohne Hemmungen mit Jura-Studierenden zu arbeiten. Sie betonte, wie wichtig sie das Schreibzentrum findet und wieviel die Jura-Studierenden dort auch fachunabhängig lernen können.

Ich fand alle drei Sessions sehr interessant und hätte gerne auch noch die anderen besucht. Alles in allem war ich erstaunt, wieviel man in so kurzer Zeit lernen und besprechen kann. Und die Idee, ProfessorInnen einzuladen für eine kurze „Breakout-Session“ sollten wir uns merken, denn das ist eine gute Möglichkeit, sich mit ihnen zu verbünden.

Writing Center Leadership Series

Was mich am hiesigen Schreibzentrum besonders beeindruckt, ist, wie sehr Brad nicht nur an sein eigenes Schreibzentrum denkt, sondern weit darüber hinaus auch an die Sicherung der Qualität anderer Schreibzentren. So war er der Mitbegründer der jährlichen Writing Center Summer Institutes, die es Schreibzentrumsleitenden ermöglichen, sich eine Woche lang intensiv weiterzubilden und auszutauschen (bei dem Writing Centers Summer Institut 2009 hatte ich ihn kennen gelernt). Weiterbildung und Austausch bietet auch das schon mehrfach erwähnte Madison Area Writing Center Colloquium. Und innerhalb seines Teams sorgt er gut dafür, dass diejenigen, die nach dem Abschluss in Schreibzentren Leitungspositionen übernehmen möchten, sich gut darauf vorbereiten können. Mit großem Erfolg: Allein 2011 wurden sieben Alumnis des hiesigen Schreibzentrums in Leitungspositionen an anderen Unis eingestellt. Im Schreibzentrum hängt eine Karte, die aufzeigt, wo überall Ehemalige in Schreibzentren arbeiten – ich werde darauf bestehen, dass die Karte um Deutschland erweitert wird!

Schreibzentrums Alumni Karte

In diesem Semester gibt es die „Writing Center Leadership Series“, bei der interessierte Peer Tutoren ihr Wissen über Schreibzentrumsleitung und Leitung von Writing-Across-the-Curriculum-Programmen erweitern können. In vier anderthalbstündigen Sitzungen vermittelt Brad Basiswissen über die Aufgaben von Schreibzentrumsleitenden, über die Rekrutierung und Ausbildung von Peer Tutoren und Mitarbeitenden, über Finanzierung und Fundraising und über mögliche Argumentationswege für die Begründung von Schreibzentren. Zwischen den Sitzungen werden Grundlagentexte gelesen und kleinere Schreibaufgaben bewältigt. Dieses Mal zum Beispiel sollten wir eine Art Mission Statement für unser Wunsch-Schreibzentrum schreiben. Da ich mich noch gut daran erinnere, wie wir im Team in Frankfurt (Oder) vor anderthalb Jahren einen ganzen Sommer damit zugebracht haben, unser Mission Statement zu entwickeln, war mir klar wie schwierig diese Aufgabe ist und ich war froh, dass ich auf diese schon geleistete Arbeit zurückgreifen und sie ins Englische übersetzen konnte. Allerdings habe ich dabei auch gemerkt, dass sich meine Perspektive durch den Aufenthalt hier verändert und ich inzwischen einiges wieder anders formulieren würde. Jedenfalls war es sehr spannend, die Texte der anderen zu lesen und zu diskutieren. Alleine über die Namen der Zentren oder die Bezeichnungen für die Peer Tutoren (Consultants, Assistants, Collaborators…) ließe sich ewig reden. Brad meinte allerdings, es könnte auch zu viel werden, denn letztendlich würden die Studierenden auch jenseits des Namens schnell merken, um was es im Schreibzentrum geht und was wir anbieten.

Mission Statements für Schreibzentren

Die Lektüre war auch wieder sehr interessant für mich. So bin ich zwar schon öfter darauf gestoßen, dass über den Ansatz der nicht-direktiven Beratung kontrovers diskutiert wird, aber ich hatte mich bisher noch nicht systematisch mit dem Thema befasst. Peter Carino zeigt in seinem Artikel „Power and Authority in Peer Tutoring“ auf, dass es schon verschiedene Debatten dazu gab, ob Nicht-Direktivität Peer Tutoren nicht vor ein Dilemma stellt und unlösbare Konflikte heraufbeschwört. Denn es gibt durchaus Ratsuchende, die verärgert sind, wenn Tutoren sich weigern, Bemerkungen in ihre Texte zu schreiben oder auf Fragen mit Gegenfragen antworten. Auch stimmt es nicht immer, dass Peers in der Beratung gleichgestellt sind, oft haben die Tutoren mehr Wissen. Wir haben diese Themen in Frankfurt (Oder) schon oft diskutiert, daher ist es schön für mich, nun zu wissen, wo ich die passenden Texte dazu finde.

Gut gefallen hat mir auch ein Artikel von Tom Truesdell über die Anwesenheit der Leitungspersonen im Schreibzentrum. Er hat untersucht, wie es sich auswirkt, wenn Leitende ein eigenes Büro und viele Verpflichtungen innerhalb der Universität haben und deshalb nicht mehr viel im Schreibzentrum anwesend sind. Dabei kam heraus, wie wichtig die Tutoren es finden, dass sie die Leitenden regelmäßig sehen. Unser aus der Not geborenes Ein-Raum-Wunder in FfO, bei dem das Schreibzentrum zugleich unser Büro ist, bietet in dieser Hinsicht einen großen Vorteil!

Angesichts der momentan in Deutschland so erstaunlich zahlreich entstehenden Schreibzentren ist es vielleicht eine gute Idee, darüber nachzudenken, wie auch wir unseren Peer Tutoren eine berufliche Perspektive im Bereich der Schreibzentrumsarbeit aufzeigen können. Und eine Alumni-Karte können wir ebenfalls aufhängen: Gruß nach Hannover zu Nora!

Erwähnte Texte:

Carino, P. (2003) ‚Power and Authority in Peer Tutoring‚ in The center will hold – critical perspectives on writing center scholarship Logan, Utah: Utah State Univ. Press, 96-115

Truesdell, Tom (2004) ‚Don’t forget us: the impact of director presence on tutors‚ The Writing Lab Newsletter  29 (3), 1-5

Happy Valentine’s Day

Der Valentine’s Day als Tag der Liebe ist hier sehr präsent. Daher will ich ihn nicht verstreichen lassen, ohne euch, liebes Team und liebe KollegInnen in Deutschland, zu sagen dass ich euch sehr vermisse und mich schon darauf freue, zukünftig auch wieder analog mit euch zusammen zu arbeiten.

Statt eines Berichts (der nächste kommt bald!) gibt es heute Fotos zum Valentinstag.

Tafel mit Happy Love Day

Das Whiteboard des Schreibzentrums im Gang - immer tagesaktuell!

Das geschmückte Schreibzentrum

Das geschmückte Schreibzentrum

Amors Pfeile

Das Writing Center Team wurde kreativ in die Deko einbezogen

Poesieaktion des creative writing programs

Ein interaktives Poesiespiel des Creative Writing Programs im Flur

Gedicht zum Valentinstag

... sehr inspirierend!

Assessment und eine Studie zur Wirksamkeit von Peer Tutoring

Diese Woche fand wieder das Madison Area Writing Center Colloqium statt. Das Thema war  „Writing Center Assessment“, also die Begutachtung und Bewertung unserer Arbeit. Oder, um eine von vielen Definitionen zu nennen:  “Assessment is any effort to gather, analyze, and interpret evidence which describes institutional, departmental, divisional, or agency effectiveness. (Upcraft and Schuh 1996, 18).

Writing Center Assessment

Im Austausch wurde deutlich, dass das Thema Assessment zwiespältige Gefühle auslöst: zu oft beinhaltet es eine Bewertung von außen, von Leuten die von unserer Arbeit wenig wissen, und löst dann eine defensive Haltung aus. Oft wird Assessment auch mit großem bürokratischem Aufwand assoziiert. Andererseits muss Assessment keine endgültige Beurteilung sein, sondern kann nützliches Feedback geben und Qualität sichern. Allerdings ist es dafür wichtig, sich vorher zu überlegen, was man wissen will und wonach man guckt, damit man Daten sammeln kann, die zu Aussagen führen. Obwohl das eigentlich für alle Forschung gilt, ist es für Assessment besonders wichtig, weil letzteres immer für einen bestimmten Kontext stattfindet in dem es zu politischen bzw. meist finanziellen Konsequenzen führt. Neil Lerner hat in einem Essay über Writing Center Assessment zum Beispiel gezeigt, dass die meisten Schreibzentren nur ca. 10-15% der Studierenden einer Uni erreichen – eine Zahl, die die Verwaltung nicht glücklich machen wird, auch wenn für mehr gar keine Kapzität da ist. Wenn es aber die Mission der Uni sein sollte, besonders attraktiv für internationale Studierende zu sein, dann könnte es viel sinnvoller sein, im Jahresbericht aufzuführen, dass das Schreibzentrum zu 40% von internationalen Studierenden genutzt wird – was im Verhältnis von 20% internationalen Studierenden an der Uni eine sehr gute Zahl ist.

Studie zu einem Writing Fellows Programm

Textgrundlage für die weitere Diskussion war eine Studie, in der die Wirksamkeit eines Writing Fellow Programms gemessen werden sollte und die durch ihr sorgfältiges Design – darüber waren sich alle einig – über Assessment weit hinaus ging und eigentlich schon in die Kategorie „Forschung“ gehört.

Die Fragestellung der beiden Autorinnen war, ob ein Writing Fellows Programm an ihrem College im Verlauf eines Semesters Studierenden nachweisbar hilft, bessere Schreiber zu werden. Im Writing Fellows Programm geben ausgebildete Peer Tutoren den Studierenden eines Seminars Feedback auf mehrere Texte, die sie in einem Semester schreiben. Die Peer Tutoren lesen die Texte, geben schriftliche Rückmeldungen vor allem im Hinblick Higher Order Concerns und den Schreibprozess. Die schriftlichen Rückmeldungen werden in einem mündlichen Gespräch diskutiert und die Studierenden überarbeiten ihre Texte, bevor sie sie zur Benotung bei den Lehrenden einreichen – genau wie hier an der UW Madison.
Die Autorinnen begründen die Notwendigkeit ihrer Studie damit, dass die wac-Bewegung schon länger Studien fordert, die über subjektive Erfahrungsberichte oder Selbsteinschätzungen der Studierenden hinaus gehen – wobei sie diese Berichte durchaus wertschätzen. Den Anlass für die Studie gab die Frage, ob es sinnvoll wäre, ein Writing Fellows Programm am College der Autorinnen zu etablieren oder ob die Energien lieber auf andere wac-Initiativen gelenkt werden sollten.

Forschungsdesign
Das Design der Studie wird in dem Artikel genau vorgestellt und seine Begrenzungen werden mit thematisiert. Untersucht wurden zwei Seminare, die obligatorisch für Studierende sind, die Englisch im Haupt- oder Nebenfach studieren. Die Seminarleiter stellten in beiden Seminaren im Laufe des Semesters die gleichen Schreibaufgaben: zwei kürzere Essays bei denen Literaturtheorien auf literarische Texte angewandt werden sollten und eine längere Arbeit, für die eigenständige Forschung nötig war. In einem der Seminare wurde mit Writing Fellows in der oben beschriebenen Art und Weise gearbeitet. In dem anderen Seminar gab es keine Writing Fellows. In beiden Seminaren bezog sich das Feedback der Lehrenden auf die zur Benotung abgegebenen Texte.
Die Studierenden wussten vorher nicht, dass in einem der Seminare mit Writing Fellows gearbeitet wurde. Sie schrieben sich für die Seminare ein, weil sie besser in den Stundenplan passten oder weil sie möglicherweise unterschiedliche Lehrende präferierten.
Die Studierenden, die sich damit einverstanden erklärten, dass ihre Texte im Rahmen einer Studie anonym bewertet werden, wurden in die Studie einbezogen. Nach Abschluss des Semesters wurden deren zur Benotung abgegebenen Texte (in der Reihenfolge ihres Entstehens) in Portfolios. Die Portfolios wurden anonymisiert. Es wurde ein Lesergremium zusammengestellt, dass aus einem anderen College rekrutiert wurde. Die Lesenden wussten nichts über den Aufbau der Studie, ihnen wurde nur gesagt, dass Texte aus zwei Seminaren verglichen werden sollten. Die Lesenden wurden zunächst geschult, indem sie gemeinsam Kriterien zur Bewertung von Texten brainstormten und diskutierten und diese probeweise und jeweils zu zweit an verschiedenen Essays testeten, die von der Aufgabenstellung denen in den Seminaren entsprachen. Als die Studienleiterinnen feststellen konnten, dass die Lesenden offenbar gemeinsame Kriterien und Bewertungsweisen entwickelt hatten, wurden diese gebeten, die Portfolios zu bewerten und zu kommentieren. Dabei sollten sie sowohl die Texte einzeln bewerten als auch die Entwicklung, die im Laufe der Zeit stattgefunden hat. Jeweils ein Portfolio wurde von zwei Leuten bewertet. Wenn es zu Abweichungen kam, wurden dritte, vierte oder sogar fünfte Lesende hinzu gezogen.

Ergebnisse
Die Ergebnisse der Studie lassen darauf schließen, dass es deutliche Unterschieden zwischen den beiden Gruppen gab. Die Portfolios der Testgruppe wurden statistisch signifikant besser bewertet und die Entwicklung der Schreibenden war signifikant besser als bei der Kontrollgruppe. Hinzu kommt, dass die Selbstaussagen der Studierenden der Testgruppe darauf schließen lassen, dass sie auch in ihrer Selbstwahrnehmung das Gefühl haben, ihre Schreibkompetenzen verbessert zu haben und metakognitive Kompetenzen hinsichtlich Schreibprozessen und disziplinärem Wissen erlangt zu haben.

Mein Fazit

Ich finde diese Studie aus verschiedenen Gründen sehr interessant. Zum einen natürlich, weil sie stützt, was wir in Schreibzentren täglich beobachten: Feedback durch geschulte Tutoren hilft Studierenden in ihrer Entwicklung als Schreiber und führt zu besseren Texten. Zum anderen finde ich das Design der Studie sehr überzeugend und anregend für weitere Untersuchungen. Natürlich sind die Aussagen nur begrenzt übertragbar auf andere Kontexte und natürlich kann es nie eine „objektive“ Bewertung von Texten geben (mehrere Portfolios mussten von mehr als zwei Personen bewertet werden bis es zu einer Einigung kam). Dennoch zeigt die Studie, dass die Selbstaussagen der Studierenden hier mit der Wahrnehmung von Außenstehenden übereinstimmen. Darüner hinaus möchte ich den Artikeln all jenen empfehlen, die in unserem Fachgebiet nach einem Musterartikel zur Genre-Analyse für Publikationen von Forschungsergebnissen auf Englisch suchen: sehr gut gemacht!

Allerdings: Im Rahmen der alltäglichen Arbeit lässt sich so eine Studie nicht nebenbei als Assessment durchführen. Aber vielleicht ja in Zusammenarbeit mit einzelnen Lehrstühlen? Im Rahmen von Abschlussarbeiten? Ich finde es lohnt sich, darüber nachzudenken und die Statistiken, die wir führen, nicht nur als lästiges Übel anzusehen. Dass es Studierende gibt, die auf dieser Basis wertvolle Aussagen herausarbeiten können, zeigt ja auch unsere Abschlussarbeiten-Reihe.

Genannte Literatur:

Rossman Regaignon, D.; Bromley, P. (2011) ‚What Difference Do Writing Fellows Programs Make?‘ The WAC Journal  22 41-63

Upcraft, M. L. and Schuh, J. H. (1996). Assessment in student affairs: A guide for practitioners. San Francisco: Jossey-Bass.

Lerner, N. (2003) ‚Writing Center Assesment. Searching for the “Proof“ of our Effectiveness. ‚ in. Pemberton/Kinkead: The center will hold – critical perspectives on writing center scholarship. Logan, Utah: Utah State Univ. Press, 58-73

Weitere Ressourcen:

Barbara E. Fassler Walvoord, Trudy W. Banta: Assessment clear and simple :a practical guide for institutions, departments, and general education (Google eBook)

Isabelle Thompson (2006): Writing Center Assessment: Why and a little How. In Writing Center Journal 26.1, 33-61

A Selected Bibliography on Empirical Writing Center Research

Research Podcasts des Writing Centers der UW Madison:

New Directions in Writing Center Assessment

Two Experts Talk Writing Center Assessment: A Conversation with Neal Lerner and Jason Mayland

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