10th Anniversary of the Writing Center at European University Viadrina: Workshop on Writing Center Assessment with Ellen Schendel and William Macauley

bookcover

On Friday, May 5th, the writing center got had a very special birthday present: Ellen Schendel and William Macauley, writing center directors and book authors from the USA, were holding a workshop for the European writing center community. As authors of the book “Building writing center assessments that matter”, Ellen and Bill invited us to think and learn about how we can prove that our writing centers achieve the goals they aim for, like enhancing students’ writing abilities, fostering critical thinking, enjoying writing, arguing in a good way, using sources and so on.

Ellen Schendel

Ellen Schendel

About 20 people followed the invitation, coming from different German writing centers and even from Poland and Kazakhstan. After some deep insights into the designing processes of writing center assessment and different research projects that Ellen and Bill had conducted, we broke up into small groups and worked on developing ideas and building assessment plans for our own writing centers. We had very fruitful discussions and were very wisely guided by Ellen and Bill. Furthermore, the workshop was another wonderful opportunity to collaborate among writing centers on and national and international basis. And collaboration certainly is something that our writing center stands for and is known for after ten years.

William Macauley

William Macauley

Some of us could even after this workshop not get enough and stayed until Saturday: The special interest group “research” of the German association for writing didactics and writing research (gefsus) gathered on Saturday morning to talk more about writing center assessment, to give feedback on each other’s assessment plans and to start working on an outcome statement for writing for students in Germany.

More about our writing center’s anniversary here.

 

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Learning about Writing Fellow Programs

Almost three exciting weeks are lying ahead of us. We, Franziska Liebetanz and Simone Tschirpke, two staff members of the Viadrina Writing Center (Frankfurt/Oder, Germany), are staying in the US, in order to learn more about writing fellow programs, about writing center work in general but also in order to reflect on our own practice back home.

For this educational journey, Franziska got a grant from ReiseLectureN/ VW. One important tasks is to find out, what writing fellows, teachers and the coordinators of other writing fellow programs think about the program: What works well? What needs to be improved? When can you call a writing program a writing fellow program and how flexible can a writing fellow program be? Answers to those questions can be useful in order to reflect, adjust and/or improve our own writing fellow program, that we started in 2013 in cooperation with the writing center of the Goethe University Frankfurt/Main. Furthermore, the knowledge and insights gained from other projects will also be helpful when transferring the idea of a writing fellow program to other universities.

In order to learn more about writing fellow programs and writing centers in general, we have the great opportunity to stay for a little more than a week at the writing center of the University of Wisconsin-Madison. We will meet its director Brad Hughes, from whom we learned so much about writing fellow program. Additionally, we will visit the Center for Writing-based Learning at the De Paul University in Chicago as well as the Norman H. Ott Memorial Writing Center at the Marquette University and the Writing Center of the University Wisconsin-Milwaukee, which are both located in Milwaukee. We’ll end our journey with a visit to the IWCA Conference in Pittsburgh where Franziska and Anja Poloubotko, coordinator of the Multilingual Writing Center of the Leibniz University of Hannover, will do a presentation about the history of German Writing Centers.

Lernen und Schreiben in Beirut: Besuch an der American University of Beirut

Bild von Beirut

Die Bucht von Beirut

Ich hatte die große Ehre, zur 5. Internationalen „Conference on Effective Teaching and Learning in Higher Education“ eingeladen zu werden, die an der American University of Beirut statt fand. Diese jährliche Konferenz wird ausgerichtet vom Center for Teaching and Learning und vom Communication Skills Department, zu dem die Schreibkurse und das Schreibzentrum gehören. Ich fand sowohl die Konferenz als auch die Möglichkeit, Beirut kennen zu lernen, sehr spannend und so bin ich letzte Woche in den Libanon geflogen.

Der Campus der Universität liegt im Stadtviertel Hamra und ist eine grüne und ruhige Oase mit hübschen

Bild vom Campus der Amercian University of Beirut

Auf dem Campus der American University of Beirut

Sandsteingebäuden und zum Teil uralten, mächtigen Bäumen. Außerhalb der Campusmauern ist die Stadt ganz schön chaotisch: Die Häuser sind zum Teil noch voller Einschusslöcher vom letzten Krieg, der erst 2006 stattfand. Es gibt aber auch viele Neubauten,wobei in den nicht ganz so schicken Vierteln der Beton dominiert. Weil es keinen öffentlichen Nahverkehr mehr gibt fahren alle Auto. Und weil dafür nicht genügend Platz ist, wälzt sich der Verkehr die meiste Zeit im Schritttempo durch die engen Straßen, wobei ständig gehupt wird. Zugleich ist überall eine Aufbruchsstimmung zu spüren, die mich an Berlin in den 1990er Jahren erinnert hat: An jeder Ecke öffnen Bars, Clubs, Restaurants, Boutiquen oder andere Läden und die LibanesInnen scheinen wild entschlossen, das Leben zu genießen. Sehr faszinierend finde ich auch die Mischung aus moderner westlicher Welt und Orient. So gibt es zum Teil die gleichen Labels, Ladenketten und Coffeeshops wie überall auf der Welt und die Mode ist entsprechend die gleiche wie bei uns. Und andererseits schallt aus den Autos orientalische Musik, überall werden Wasserpfeifen geraucht, ein Teil der Frauen kleidet sich der muslimischen Religion entsprechend und überall sieht man arabische Schrift – die ich unglaublich schön finde!

Slide bloggende Lehrende

Aus einer Präsentation von bloggenden Lehrenden

Doch zurück zum Akademischen: die Konferenz dauerte zwei Tage, wobei der ganze erste Tag nach der Keynote aus Workshops bestand. In der ersten Keynote, von Milton Cox vom Center for the Enhancement of Learning in Ohio, USA, ging es um die Frage, warum an den Universitäten weltweit noch immer überwiegend mit Methoden unterrichtet wird, die das Gegenteil von dem sind, was die Lernforschung bewiesen hat. Gelehrt wird noch immer viel mehr Lehrendenzentriert als Studierendenzentriert. Selten basiert die Lehre hauptsächlich auf peer learning, active learning oder small group learning. Eine abschließende Antwort konnte Cox natürlich nicht geben, aber er plädierte für zweierlei: Zum einen dafür, „Implementation Research“ auf die Hochschuldidaktik anzuwenden. Implementation Research hat seinen Ursprung in der Medizin und untersucht, wie es gelingen kann, medizinische Forschungsergebnisse im Alltag von PatientInnen zu implementieren. Zum zweiten sieht er in sogenannten „Faculty Learning Communities“ (FLC) einen Schlüssel. Solche FLCs bestehen aus mehreren Lehrenden, die sich zusammentun, um beispielsweise zu erforschen, wie sich das studentische Engagement in Seminaren erhöhen lässt. Einer bestimmten Struktur folgend setzen sie sich mit dem Thema auseinander mit dem Ziel, am Ende Ergebnisse zu publizieren. Innerhalb dieser Struktur praktizieren sie aktives, selbstbestimmtes Lernen in einer kleinen Gruppe, so dass sie diese Erfahrung später (hoffentlich) in ihre Lehrveranstaltungen übertragen. Ich fand das Konzept interessant und möchte das gerne mal ausprobieren, denn es erscheint mir nachhaltiger als einzelne hochschuldidaktische Workshops.

Bild von Beirut

Beirut – hier weniger aufgehübscht

Ein weiteres interessantes Konzept, das ich auf der Konferenz kennen gelernt habe, ist der sogenannte „Flipped classroom“, oder auch „inverted classroom“. Hier ist die Grundidee, dass jene Stufen von Lernprozessen, die der Bloomschen Lerntaxonomie folgend die Basis für Anwendung bilden, vor der Lehrveranstaltung stattfinden. Dafür designen die Lehrenden Lernmaterialien, die die Studierenden nutzen, um sich eigenständig ein Grundwissen zu erarbeiten. Dieses Grundwissen wird dann auch in irgendeiner Form getestet, um zu sehen, ob die Ausgangsbasis gegeben ist. Im Seminar geht es dann nicht mehr darum, Wissen zu erarbeiten oder zu vermitteln, sondern darum, es anzuwenden. Es geht um Lernaktivitäten

Bild von Beirut Downtown

Beirut im völlig neu wieder aufgebauten Downtown

auf höheren Levels. Und nach dem Unterricht folgt – wiederum autonom – eine Reflexionsphase. Das alles muss gut geplant, strukturiert und angeleitet werden. Darin liegt der wesentliche Unterschied zu dem bei uns viel praktizierten Konzept, Studierende im Voraus Texte lesen zu lassen – was oft genug nicht dazu führt, dass im Seminar dann wirklich von einer gemeinsamen Wissensbasis ausgegangen werden kann.

Besonders beeindruckend fand ich eine Präsentation von Maya Sfeir, die auch im Writing Center der AUB arbeitet. Sie hat in ihren Schreibkursen begonnen, auf der Basis von journalistischen, literarischen und persönlichen Texten eine Auseinandersetzung mit der

Bild von Beirut

Die Textur der Großstadt ist überall auf der Welt ähnlich

jüngsten libanesischen Geschichte anzuregen. Denn die jüngsten Konflikte und Kriege sind anscheinend noch ein Tabu. Es wird nicht darüber geredet und die jüngere Generation weiß wenig darüber und hat keine Gelegenheiten, sich auszutauschen. Das hehre Ziel des Kurses ist es, so etwas wie Konfliktresistenz bei den Studierenden zu fördern, in dem diese sich in ihren Texten kritisch und persönlich mit aktuellen Themen auseinandersetzen. Die vorgestellten Beispiele zeigten sehr beeindruckend, dass Maya damit bei den Studierenden einen Nerv getroffen hat und vermutlich wirklich zu einer Konfliktresistenz beigetragen hat – die das Land unbedingt braucht!

In meiner eigenen Keynote habe ich über die Ergebnisse meiner Studie zu Implementierungs- und Führungsstrategien von Schreibzentrumsleitenden gesprochen. Es kam eine sehr interessante Diskussion zu stande. So wurde deutlich, dass die Studie auch für Lernzentren und ähnliche Einrichtungen relevant ist. Für mich war es sehr erfreulich zu sehen, dass es für viele offenbar sehr anregend war, über die Rolle von Schreibzentrumsleitenden nachzudenken.

In den folgenden Tagen hatte ich dann die Gelegenheit, mich mit KollegInnen vom Writing Center, vom

Bild vom Schreibzentrum der AUB

Im Schreibzentrum der AUB

Communication Skills Department, und vom Center for Teaching and Learning auszutauschen. Wie schon so oft war es wunderbar zu erfahren, dass wir überall auf der Welt die gleichen Anstrengungen unternehmen, die gleichen Probleme haben, aber auch die gleiche schöne Erfahrung teilen, wesentlich zur Bildung von jungen Menschen beitragen zu können. Die Peer Tutorinnen im Schreibzentrum waren sehr neugierig auf unsere Arbeit in Frankfurt (Oder) und wir stellten fest, dass wir sehr ähnlich arbeiten. Wir würden sehr gerne einen Austausch beginnen, in welcher Form auch immer.

Fazit: Der Libanon ist auf jeden Fall eine Reise wert und der Austausch mit KollegInnen überall auf der Welt erst Recht. Ich bin sehr froh, dass ich diese Gelegenheit bekommen habe: Vielen Dank an das Organisationsteam!

 

Hochschulperle für Writing Fellow Programme – bitte bis 26.1. abstimmen!

WF Zeichnung 2Wir freuen uns über Unterstützung beim Wettbewerb um die “Hochschulperle des Jahres 2014”. Im August 2014 haben wir die „Hochschulperle des Monats“ für die Writing Fellows Programme der Goethe Universität Frankfurt/Main und der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) gewonnen:

http://www.stifterverband.info/wissenschaft_und_hochschule/hochschulperle/2014/2014-08/index.html

Writing Fellows sind schreibdidaktisch ausgebildete Studierende, die mit Lehrenden verschiedener Fächer eng zusammen arbeiten und schriftliches und mündliches Feedback auf die studentischen Schreibaufgaben geben. Im April letzten Jahres hatte Writing Fellow Anne hier über ihre Erfahrungen berichtet. Bis 26. Januar 2015, 11.00 Uhr darf nun darüber abgestimmt werden, ob die Writing Fellows Programme auch die Jahresperle gewinnen. Wir würden uns sehr über Unterstützung freuen, um die Idee der Writing Fellows und damit auch Schreibzentren bekannter zu machen.

Hier geht es zum Voting zur Unterstützung der Writing Fellows Programme:

http://www.stifterverband.info/wissenschaft_und_hochschule/hochschulperle/2014/voting/index.html

Für weitere Informationen:

Writing Fellows Europa-Universität Viadrina: http://www.europa-uni.de/de/struktur/zfs/schreibzentrum/Angebote/fuer_Studierende/writing_fellows/index.html

Writing Fellows der Goethe Universität Frankfurt/Main: http://www.uni-frankfurt.de/48203334/writingfellows

Herzlichen Dank für’s Abstimmen und für’s Weiterleiten!

Zehn Jahre Schreibcenter der Uni Klagenfurt – Herzlichen Glückwunsch!

Klagenfurt

Am 14.und 15. November 2014 hat das Schreibcenter der Alpen Adria Universität Klagenfurt sein 10jähriges Jubiläum gefeiert und aus diesem Anlass auch zu einer Tagung eingeladen, die gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Wissenschaftliches Schreiben (Gewiss) ausgerichtet wurde. Außerdem wurde eine Lange Nacht des Schreibens veranstaltet. Ich möchte hier ein paar Eindrücke teilen, die ich mitgenommen habe, ganz ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

In Erinnerung bleibt mir zum Beispiel der Film, den das Schreibcenter anlässlich des Jubiläums produziert hat. Darin kommen unter anderem Lehrende zu Wort, die mit dem Schreibcenter zusammenarbeiten, um die Lehre durch Schreiben aktiver und studierendenzentrierter zu gestalten. Es wird von den vielen Facetten berichtet, die den Alltag des Schreibcenters ausmachen – neben der Arbeit mit Studierenden gibt es zum Beispiel Schulkooperationen und viele weitere Kooperationen in der Region Kärnten. Gespickt wird der Film mit vielen Zitaten über das Schreiben, die Lehrende, Forschende und SchriftstellerInnen vortragen – einer sogar auf dem Kopf stehend.

Im Eröffnungsvortrag erinnerte Gerd Bräuer an die Entstehungszeit des Schreibcenters, die er begleitete. Das Motto damals war zunächst: „Mit wenig Geld viel bewirken“, denn, wie so oft in unserem Bereich, war die Anfangszeit vor allem von viel Engagement der Beteiligten getragen. Unbestritten ist sehr viel bewirkt worden und die Arbeit des Schreibcenters dreht sich keineswegs nur um das Schreiben, sondern auch sehr viel um das Lernen und Lehren. Bei dem „wenig Geld“ dürften Schreibzentren aber nicht stehen bleiben, mahnte Gerd Bräuer im Hinblick auf die vielen Schreibzentrumsgründungen der letzten Jahre an. Zu groß ist sonst die Gefahr, dass Schreibdidaktik nur zu kosmetischen Veränderungen führt und nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung der Lehr-Lernkulturen im Sinne des Literacy Management.

Ein Workshop von Alexandra Peischer brachte die Schreibberatung zusammen mit der Systemischen Beratung. Es war für mich nicht das erste Mal, dass ich versucht habe, zu verstehen was die systemische Beratung von der nicht-direktiven, schreibendenzentrierten Beratung unterscheidet, die in vielen Schreibzentren der Beratungsansatz ist (siehe zum Beispiel den Aufsatz von Ulrike Lange und Maike Wiethoff im Band „Schreiben“ von Stephanie Dreyfürst und Nadja Sennewald). Auch dieses Mal fand ich die Unterschiede in den Beratungsansätzen theoretisch wenig fassbar. Allerdings konnten wir einige Werkzeuge der systemischen Beratung in Rollenspielen erproben. Durch diese praktische Herangehensweise konnte ich erleben, inwiefern einige dieser Werkzeuge den „Beratungskoffer“ für die Schreibberatung sinnvoll ergänzen. Das war überzeugend und hat mir Lust auf mehr gemacht.

Als Ergänzung zur Schreibberatung haben Birgit Huemer und Marcus Rheindorf ihren Ratgeber vorgestellt: „Das Betreuungsgepräch: ein Ratgeber für die Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten“. Das von der Universität Luxembourg herausgegebene Booklet basiert auf den in vielen Schreibberatungen gesammelten Erfahrungen zur Betreuungsproblematik und richtet sich explizit an Lehrende, nicht an SchreibdidaktikerInnen. Es geht darin u.a. darum, das Betreuungsverhältnis zu definieren und zu klären, welche unterschiedlichen Betreuungsleistungen in den unterschiedlichen Phasen von Schreibprozessen erforderlich sind. Ein weiteres Kapitel unterstützt dabei, eine gemeinsame Sprache der Betreuenden und der Betreuten zu entwickeln, um das Sprechen über das wissenschafliche Arbeiten zu erleichtern. Die AutorInnen plädieren dabei dafür, sich bewusst mit dem Gebrauch von Metaphern auseinanderzusetzen. Ein Kapitel zum Textfeedback erläutert schließlich die verschiedenen Dimensionen des Feedbacks auf wissenschafliche Arbeiten und betont dabei, dass diese jeweils auch abhängig davon sind, in welcher Studienphase die Schreibenden sind – StudienanfängerInnen bräuchten anderes Feedback als Studierende, die ihre Abschlussarbeit schreiben.

Otto Kruse stellte in einem Vortrag Forschungsergebnisse aus einer Fragebogenstudie mit BA-Studierenden und deren Lehrenden vor, die in Kooperation mit der Universität Konstanz entstanden ist. Diese Studie basiert auf dem in einem EU-Projekt entwickelten, ursprünglich länderübergreifenden und mehrsprachigen „European Writing Questionnaire“. Ziel der Studie ist es, Daten zu gewinnen, mit denen ein Verständnis für Schreibkulturen an Hochschulen entwickelt wird und die z.B. Schreibzentren bei der Argumentation für ihre Arbeit unterstützen können. Die Schwerpunkte sind dabei Schreib- und allgemeine Studienkompetenzen, Schreibpraktiken, Einstellungen zum Schreiben, Genres im Studium und Interpretation der Genres, Vergleich zwischen Fächergruppen bzw. Disziplinen, Vergleich von Stufen des Studiums, Vergleich von Lehrenden vs. Studierenden (Selbst- und Fremdeinschätzung der Kompetenzen) und der Bedarf an Unterstützung für das Schreiben aus Sicht Studierender. Die Ergebnisse vorzustellen würde an dieser Stelle zu weit gehen. Das Instrument dieses Fragebogens erscheint mir jedenfalls sinnvoll, auch wenn sich gezeigt hat, dass es gar nicht so einfach ist, bestimmte Dinge zu erfragen. Zum Beispiel scheinen die Befragten unter dem Begriff „Hausarbeit“ nicht immer das gleiche zu verstehen.

An dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Glückwunsch zum 10jährigen Geburtstag und vielen Dank für die gelungene Feier an alle Beteiligten!

 

 

Peer Tutoren Ausbildung in Oklahoma – Preparing for Surprise is Education

Neulich war ich am Writing Center der University of Oklahoma, bei Michele Eodice, Moira Ozias und ihrem Team. Michele leitet das Schreibzentrum, Moira ist Associate Director. Außerdem gibt es noch einen Graduate Assistant Director und eine Office Managerin, die sich um alles Organisatorische kümmert. Und dann sind da natürlich noch ca. 20 Schreibberaterinnen und –berater (sowohl Graduates als auch Undergraduates). Das Schreibzentrum hat tolle Räume, in denen es sogar ein Piano gibt.

Ausbildungsmodelle für Peer TutorInnen

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir unser Gespräch über die Ausbildung der Peer Tutoren. Ich habe ja an dieser Stelle schon einige Male von der Aus- und Weiterbildung am Schreibzentrum in Madison berichtet, und auch von anderen Hochschulen die ich besucht habe. Insgesamt würde ich sagen, dass allen Schreibzentrumsleitenden, die ich gesprochen habe, sowohl eine Grundausbildung als auch die kontinuierliche Weiterbildung sehr wichtig sind. Aber die Modelle dafür sind durchaus unterschiedlich. An einigen Schreibzentren müssen die Studierenden erst die Ausbildung durchlaufen, bevor sie sich für die Arbeit im Schreibzentrum bewerben können. In anderen Schreibzentren bewerben sie sich erst, um dann die Aubildung zu durchlaufen, aber manchmal läuft es auch parallel: die Ausbildung erfolgt während die Beratenden schon anfangen zu arbeiten. Weiterbildungen gibt es überall, manchmal wöchentlich, manchmal nur monatlich, manchmal unregelmäßig. Auch Mentoring gehört dazu. In einigen Schreibzentren haben die erfahreneren TutorInnen regelmäßige Gespräche mit den

mit Moira vor dem Writing Center
(Foto: Michele Eodice)

neueren, in anderen übernimmt das Leitungsteam die Mentoring-Gespräche.

Keine Lehrbuch-Vorschriften

In Oklahoma führt Moira am Ende jedes Semester mit allen TutorInnen einzeln Gespräche und leitet daraus ab, was es für Weiterbildungsbedarf gibt und welche Schwerpunkte die Ausbildungsklasse für die angehenden TutorInnen haben soll. Michele sagte mir im Gespräch, für sie sei es besonders wichtig, Studierende nicht mit Dogmen zu belasten. Sie ist gegen Lehrbuch-Vorschriften, wie z.B. „Sei nicht-direktiv!“ oder „Schreibe nie in den Text der Studierenden!“ oder „Gehe in diesen Schritten vor!“. Daher mag sie auch den Begriff Training nicht. „To prepare against surprise is training“, meinte sie, denn wenn man für etwas trainiert wurde sei man der Meinung man könne es nun und wisse wie es geht. Sie findet den Begriff „education“ besser: „To prepare for surprise is education”. Zu dieser Vorbereitung auf Überraschungen gehört es zum Beispiel, dass man Improvisationsregeln verinnerlicht: Ja sagen, zu dem was kommt und spontan darauf reagieren. Eine solche Haltung kann man nicht mit einem Lehrbuch lernen, meinte sie. Deshalb nutzt sie für die Ausbildung der TutorInnen auch keins, sondern bespricht mit ihnen Studien, die in Schreibzentren durchgeführt und veröffentlicht wurden, wie z.B. „Scaffolding the Writing Center“ von Isabelle Thompson. Mit diesem Artikel hat das Team ein ganzes Semester lang in der Weiterbildung gearbeitet. Erst haben sie die im Artikel identifizierten Strategien besprochen, erprobt und Vor- und Nachteile erarbeitet. Dann haben alle Beratenden aus diesem eine persönliche Forschungsfrage abgeleitet und das Semester über bearbeitet, z.B. indem eigene Beratungen aufgezeichnet und angeguckt wurden. Aus einer publizierten Schreibzentrumsforschung wurden also persönliche kleine Forschungsprojekte abgeleitet, die es den TutorInnen erlaubten, ihre eigenen Beratungstätigkeiten strukturiert zu reflektieren.

Nicht dogmatisch werden

Auch generell plädiert Michele dafür, die Schreibzentrumsarbeit nicht zu dogmatisch zu sehen, sondern offen zu bleiben für Neues. So lasse sie auch mal Leute im Schreibzentrum mitarbeiten, die die Ausbildung noch nicht durchlaufen haben, wenn sie sie gerne dabei haben möchte und es gerade anders nicht passt.

Blick ins Writing Center der University of Oklahoma

Surprise!

Ich finde sowohl die Idee, Weiterbildung mit eigener Forschung zu verbinden, als auch die Grundhaltung, keine Dogmen aufzustellen und offen für Überraschungen zu sein, sehr inspirierend. Und apropos Überraschungen: Ich konnte das auch gleich testen! Am Freitag überraschte mich das Madisoner Schreibzentrumsteam mit einer echten Surprise-Party zu meinem Geburtstag. Das kannte ich nur aus Filmen bisher. Ich habe mich sehr gefreut!

Surprise Party für mich am Writing Center in Madison

Das Writing Lab der Purdue University: Online und Offline aktiv

Das Writing Lab der Purdue University kennen viele Menschen weltweit, weil es eines der ersten Online-Angebote in unserem Bereich war. Das OWL (Online Writing Lab) bietet jede Menge Ressourcen für akademisch Schreibende an, von Tipps für Lehrende über Schreibprozessinformationen über Grammatik bis hin zu Styleguides. Ich hatte neulich die Gelegenheit, das Writing Lab auch offline zu besuchen, als ich in Indiana war. Dabei konnte ich mich davon überzeigen, dass auch im echten Leben viel los ist im Writing Lab.

Konversationsgruppen

Neben den Beratungen und Schreibgruppen finden beispielsweise fast jeden Tag Konversationsgruppen für ausländische Studierende statt. Diese sind auf Wunsch von Studierenden entstanden und wurden immer mehr, weil sie so gut nachgefragt werden. Die TutorInnen, die die Gruppen leiten, erarbeiten für jedes Semester einen wöchentlichen Themenvorschlag, so dass alle Konversationsrunden der Woche sich mit dem gleichen Thema befassen. Als ich dabei war, drehte sich das Gespräch um das Thema Familie. Laurie, die Gruppenleiterin, ließ uns zunächst eine kleine kreative Aufgabe lösen: wir sollten einen Stammbaum zeichnen. Dann erklärten alle fünf Teilnehmenden nacheinander ihren Stammbaum und Laurie nutzte das, um Vokabeln auf die Tafel zu schreiben und sie nach dem Gespräch zu erklären. Die Tafelbilder veröffentlich sie in ihrem Blog. Obwohl diese Runden überwiegend mündlich sind, scheinen sie doch gut ins Schreibzentrum zu passen. Sie helfen ausländischen Studierenden, ihren Wortschatz zu erweitern und sie können ausländischen Studierenden helfen, das Schreibzentrum kennenzulernen und sich dort Zuhause zu fühlen.

Seminar zu Schreibzentrumstheorie und -praxis

Beeindruckt hat mich auch das Seminar für Graduate Students zum Thema Schreibzentrumsarbeit in Theorie und Praxis. Studierenden müssen in dem Seminar zwischen ein und drei Projekten bearbeiten, je nachdem was sie studieren und welche Note sie haben wollen. Obligatorisch müssen alle mindestens fünf Schreibberatungen beobachten und in einem Essay in Bezug setzen zu der Schreibzentrumstheorie, die sie im Seminar lesen.

Weitere Projekte sind:

–          Ein Proposal für eine Schreibzentrumskonferenz vorbereiten und eine Powerpoint-Präsentation dazu erstellen.

–          Einen Vorschlag für ein Forschungsprojekt im Schreibzentrum erarbeiten.

–          Eine Rezension für ein Schreibzentrumsbuch schreiben und dabei auch eine annotierte Bibliografie zum Thema erstellen.

–          Ein Szenario für eine Schreibzentrumsweiterbildung erstellen.

–          Eine Reflexion zu den Diskussionen auf wcenter-listserv schreiben und diese auf die im Seminar gelesene Lektüre beziehen.

Ich erlebte dort im Seminar Semesterabschluss-Präsentationen. Eine war theoretisch angelegt und der Student befasste sich mit Community Writing Centers und dem außeruniversitären Engagement von Schreibzentren. Eine andere Studentin präsentierte gleich zwei Projekte. Zuerst hatte sie sich in das Archiv des seit 1975 bestehenden Writing Labs begeben und sich die Jahresberichte daraufhin angeguckt, wie das Writing Lab ESL-Studierende thematisiert. Das Thema hat im Laufe der Jahre immer mehr an Bedeutung gewonnen und das Writing Lab hat schließlich angefangen, von sich aus aktiv zu werden im Bereich ESL, statt nur auf bestimmte Anfragen zu reagieren.

Blick ins Writing Lab

Darüber hinaus hat die Studentin das Schreibzentrum ihrer früheren Uni untersucht, an der sie ihren BA-Abschluss gemacht hatte. Dort hatte sie die TutorInnen in einer Online-Umfrage zu ihrer Ausbildung befragt und dies mit dem im Seminar Erlernten in Verbindung gebracht. Sie wird nun für das Schreibzentrum ein neues Aus- und Weiterbildungskonzept entwickeln – was für ein Geschenk für den dort gerade neu eingesetzten Leiter, der das Schreibzentrum nur nebenbei betreuen kann!

Das Seminar scheint sehr umfassend auf Mögliche Tätigkeiten im Bereich von Schreibzentren vorzubereiten – sowas wünsche ich mir für Deutschland auch.

Institutionelle Kooperation von Schreibzentren: So machen’s die BIG TEN

Ich glaube ich hatte bereits an anderer Stelle erwähnt, wie wichtig an den hiesigen Universitäten der Sport ist. Uni-Sportteams sind identitätsstiftend, werden bejubelt, Spiele laufen im Fernsehen und es ist völlig unmöglich, keine Meinung dazu zu haben. Um diese Sportbegeisterung, aber auch die AtlethInnen besser fördern zu können, haben sich bereits vor über 100 Jahren zehn große und sportbegeisterte Forschungsuniversitäten zusammengetan, die größtenteils aus dem mittleren Westen der USA stammen. Die BIG TEN vermarkten z.B. gemeinsam die Fernsehrechte für die Sport-Events, ermöglichen es den AtlethInnen zwischen den Unis zu pendeln, vergeben Stipendien usw. Inzwischen beteiligen sich 12 Universitäten und die Kooperation hat sich auf andere Felder als den Sport ausgedehnt. 1958 wurde das CIC gegründet, das Commitee for Institutional Cooperation, das sich als akademische Ergänzung zur Sport-Kooperation versteht. Die 12 Universitäten haben ein gemeinsames Gebäude in der Nähe des Flughafens in Chicago gebaut, um die Kooperation zu erleichtern. Dort treffen sich nun an einem Tag die Präsidenten der Universitäten, an einem anderen uniübergreifende Forschungsgruppen oder BibliotheksleiterInnen – und einmal im Jahr die LeiterInnen der Schreibzentren.

Benchmarks

Letzte Woche durfte ich also dabei sein, als die SchreibzentrumsleiterInnen der 12 großen Forschungsunis des Mittleren Westens eingeflogen bzw. angefahren kamen nach Chicago. Nach einem allgemeinen Austausch wurden „Benchmarks“ besprochen, d.h. Tabellen, in die alle schon vorab bestimmte Daten und Merkmale ihrer Schreibzentren eingetragen hatten und die vor dem Treffen herumgeschickt worden waren. Festgehalten wird zum Beispiel welchen Bereichen der Uni das Schreibzentrum dient, welchen Titel die Direktorin trägt, wer wichtige Verbündete in der Uni sind, welche finanziellen Sponsoren es gibt. Darüber hinaus sind Zahlen wichtig: Wieviele TutorInnen gibt es, wieviele Stunden arbeiten sie, wieviele Leitungspersonen, was verdienen die TutorInnen, wie oft werden die Gehälter der TutorInnen erhöht und wann zuletzt um wieviel, etc. Diese Vergleiche dienen den einzelnen Schreibzentren der Big Ten/Twelve dazu, Vergleichsgrößen und damit auch Verhandlungsbasen gegenüber den eigenen Institutionen zu haben. So war zum Beispiel an einer der Unis die Stelle einer Associate Direktorin des Schreibzentrums neu eingerichtet worden und dabei war ein Budget für Konferenzteilnahmen vergessen worden. Mit Hilfe der Benchmarks kann sie nun leichter durchsetzen, dass es dafür ein vernünftiges Budget geben muss, denn die Universitäten sind alle miteinander vergleichbar und keine wird hinter den anderen zurückstehen wollen.

Graduate Students

Der zweite Teil des Treffens war der Diskussion um Graduate Students in Schreibzentren gewidmet. Der Unterschied zwischen Undergraduate Students und Graduate Students spielt in den USA eine große Rolle. Graduate Students sind sowohl Masterstudierende als auch Promovierende. Wenn ich das mit Deutschland vergleiche, sehe ich bei uns keinen so großen Unterschied zwischen BA-Studierenden und MA-Studierenden, was vermutlich daran liegt, dass bei uns von Anfang an sehr disziplinspezifisch studiert wird und von Anfang an Wert gelegt wird auf eigenständiges wissenschaftliches Arbeiten, während es in den USA anfangs mehr Studium Generale und allgemeine Unterstützung gibt. Außerdem sind die Undergraduates hier einfach jünger. Sie sind mit dem BA fertig wenn deutsche Studierende gerade erst anfangen. Als Forschungsuniversitäten legen die Big Ten großen Wert auf die Ausbildung der Graduate Students, wobei zwischen Master und Promotion weniger Unterschied ist als bei uns. Wie auch immer – die Situation der Graduate Students in den Schreibzentren sollte besprochen und eine Stellungnahme entwickelt werden. Dabei geht es zum einen darum, dass die Arbeit von Schreibzentren oft mit „Hilfe für Schreibanfänger“ assoziiert wird – was insbesondere an den Forschungsuniversitäten nicht stimmt, wo viele Graduate Students die Schreibzentren nutzen. Zum anderen arbeiten viele Graduate Students in Schreibzentren als SchreibtutorInnen und häufig auch in Leitungspositionen, z.B. als „Teaching Assistant Associate Director“. Insbesondere diese Leitungspositionen ermöglichen wertvolle zusätzliche Berufserfahrungen während des Studiums und der Promotion und sollten daher gefördert werden. Darüber hinaus gibt es in Schreibzentren auch Forschung über Graduate Writers – und gemeinsam mit Graduate Writers, wie zum Beispiel in einem speziellen Research Cluster zu Graduate Writing Groups an der Michigan State University. Im Meeting wurde beschlossen, die Arbeit an der Stellungnahme bei der nächsten Konferenz der International Writing Centers Association für weitere Leute zu öffnen und sie dann online fortzuführen, um sie später zu publizieren.

Abschließend betonte eine der Teilnehmerinnen noch einmal, wie wichtig ihr der Austausch in dieser Gruppe ist, denn es sei eine eine sehr spezielle Situation: Sie alle leiten sehr große Schreibzentren an sehr großen Universitäten, die sehr auf Forschung ausgerichtet sind.

Dieses Statement hat mich noch einmal darin bestätigt, dass es wichtig ist, innerhalb der Vernetzung die wir in Deutschland voran treiben, auch Raum für die Bedürfnisse bestimmter Gruppen zu schaffen. So zum Beispiel für diejenigen, die freiberuflich schreibdidaktisch an und mit Universitäten arbeiten, oder für diejenigen, die insbesondere mit NaturwissenschaftlerInnen arbeiten. Im Hinblick auf die Zukunft unseres Schreibzentrums an der Viadrina finde ich es eine gute Idee, wenn wir uns mit denjenigen austauschen, die wie wir, in den nächsten Jahren über den Qualitätspakt Lehre in ihrer schreibdidaktischen Arbeit gefördert werden. Den Stellenausschreibungen der letzten Monate zufolge dürfte da eine recht große Special Interest Group zusammenkommen!

 

Schreibzentren in Milwaukee

Poster das zu meinem Vortrag einlädt

Letzte Woche war ich in Milwaukee, wo ich an der University of Wisconsin Milwaukee und der Marqutte University die Schreibzentren besuchen konnte. Außerdem hatte ich die große Ehre, das neue Milwaukee Writing Center Consortium mit einem Vortrag eröffnen zu dürfen. Dieses regionale Colloquium bringt Schreibzentrumsleute der verschiedenen Unis und Colleges zusammen und soll fortan regelmäßig stattfinden. Auch hier wird also der Gedanke der professionellen Vernetzung ernst genommen und ausgebaut, wie zur Zeit in Deutschland ja glücklicherweise auch. Ich habe über das Schreiben in deutschen Schulen und Hochschulen gesprochen und über unser Schreibzentrum in Frankfurt (Oder). Besonders schön war, dass auch Vertreterinnen des Internationalen Büros der University of Wisconsin Milwaukee da waren, denn diese Uni ist eine Schwesterinstitution der Viadrina! In Zukunft werden nun die Studierenden schon bevor sie an die Viadrina kommen auf unser Schreibzentrum aufmerksam gemacht. Ich habe auch von unserem „Schreiben wir!“- Seminar berichten, in dem internationale Studierende  nicht nur das Schreiben auf Deutsch üben können, sondern auch leicht Leute kennen lernen. Auch dafür wird nun schon vor dem Auslandsaufenthalt geworben, was mich sehr freut.

Katrin Girgensohn und Margaret Mika

Mit Margaret Mika vor unserem Schwester-Writing Center

Das Writing Center der University of Wisconsin Milwaukee ist damit auch ein Schwester-Schreibzentrum. Es wird geleitet von Margaret Mika. Die 22 TutorInnen bieten sowohl Direktberatung als auch Online-Beratung per chat an. Margaret hatte schon neulich im Madison Writing Center Colloquium von ihrer Alumni-Arbeit erzählt und die hat mich auch in unserem jetzigen Gespräch sehr fasziniert. Sie hat Interviews mit Ehemaligen Schreibzentrumstutoren gemacht, die berichten, was sie aus ihrer Arbeit mitgenommen haben. Einige Ausschnitte sind auch auf der Schreibzentrumshomepage zu sehen und mehr dazu ist im aktuellen Newsletter des Schreibzentrums zu lesen.

Das Schreibzentrum ist übrigens vor Kurzem in einen sehr schön gestalteten neuen Raum gezogen. Ich bin begeistert

Blick ins Writing Center

davon, wie bewusst flexibel der Raum gestaltet ist, mit offenen Beratungsplätzen aber auch der Möglichkeit, transparente und weniger transparente Zwischenwände zu schließen. Außerdem gibt es in der Bibliothek eine „Satellite Location“, die eine Ecke hervorragend ausnutzt und außerhalb der Sprechzeiten komplett in einem Schrank verschwindet.

Im Schreibzentrum der Marquette University konnte ich erleben, wie gut Brads Idee funktioniert, in seinem Schreibzentrum in Madison zukünftige Leitungspersonen auszubilden. Sowohl Rebecca Nowacek, die das Schreibzentrum leitet, als auch Beth Godbee, die sie dabei unterstützt, sind Alumnas des Schreibzentrums in Madison.

Rebecca Nowacek, Beth Godbee, Katrin Girgensohn

mit Rebecca und Beth im Writing Center der Marquette University

In Marquette konnte ich an einem Workshop für Lehrende teilnehmen, der eine kurze Einführung in Writing Across the Curriculum gab. Rebecca hat u.a. von ihrer Forschung zu Lerntransfer berichtet. Dabei geht es um die Frage, inwiefern Studierende Gelerntes in andere Situationen transferieren. Mir wurde wieder einmal deutlich, wie wichtig es ist, Lerninhalte miteinander zu vernetzen und Studierenden die Möglichkeit zu geben, anzuknüpfen. Dafür finde ich es wichtig, eng mit Lehrenden zu kooperieren, aber auch zu versuchen, langfristige Beratungsbeziehungen zu etablieren. Denn wie wir in unserer Praxis immer wieder feststellen, klappt es mit der Umsetzung von Erkenntnissen nicht immer auf Anhieb. In Folgeberatungen kann man gut auf frühere Gespräche verweisen und die Studierenden daran erinnern, was sie in anderen Arbeiten gemacht haben.

Writing Center Marquette University

Das Schreibzentrum in der Marquette University ist übrigens ganz in der Bibliothek beheimatet. Es hat zwar eigene Räume, aber die Studierenden betreten sie durch die Bibliothek und sie sind dadurch sehr präsent für sie.

Und apropos Räume: ich bin nun schon öfter Kunst in Schreibzentren begegnet, z.B. im Coe College und an der University of Wisconsin Milwaukee. In Marquette hat eine der Tutorinnen ihren Schreibprozess in einer Bilderserie gemalt und so entstand ein besonders schöner Wandschmuck. Hier ein Auszug (es ist wie gesagt eigentlich eine Serie).

Schreibprozess

Frisch gerösteter Kaffee, frisch gebackenes Brot: Der Duft des Schreibzentrums im Coe College

sign coe college writing centerMein Besuch des Writing Centers am Coe College in Iowa ist mir als ganz besonders in Erinnerung geblieben. Es fing schon damit an, dass ich, bevor ich überhaupt das Schreibzentrum betrat, auf Toilette ging und in meiner Kabine mit einer Wandzeitung überrascht wurde: „wcwc – the writing center water closet“. Dort las ich ein erstaunliches, örtlich passendes Hemingway-Zitat: „The most essential gift for a good writer is a built-in, shock-proof, shit detector. This is the writer’s radar and all great writers have had it”. Neben Unterhaltsamem veröffentlicht wcwc auch die Termine des Schreibzentrums, Zitate von Ratsuchenden, Veranstaltungshinweise und Buchempfehlungen.

wcwc

writing center water closet - die ganz spezielle Wandzeitung des Schreibzentrums

Als ich dann ganz beschwingt ins Schreibzentrum ging, kam ich gerade rechtzeitig zum „Tuesday Tea“, der wöchentlichen öffentlichen Tee-Runde. Diese entpuppte sich als informelles Teamtreffen für alle die Lust hatten zu kommen und für alle anderen Studierenden und Lehrenden. So hatte ich gleich die Gelegenheit, viele der Tutoren persönlich kennen zu lernen. Zumindest dachte ich, es seien viele, bis ich erfuhr, dass insgesamt über 70 Tutoren im Writing Center arbeiten. Viele von ihnen beginnen gleich im ersten Semester und bleiben dann im Schreibzentrum bis zu ihrem Studienabschluss. Das Schreibzentrum ist damit ein ganz wesentlicher Teil ihrer College-Identität. Bob Marrs, der Direktor des Schreibzentrums, findet genau das sehr wichtig: Die Tutoren sollen das Schreibzentrum als ihren Raum in der Uni erleben, sich mit ihm identifizieren, Verantwortung übernehmen und ihn prägen. Deshalb ist das Schreibzentrum auch extrem gemütlich. Es ist ein großes Wohnzimmer mit vielen Sofa-Nischen, in denen die Beratungen stattfinden, mit Kunst an den Wänden, Leselampen, Pflanzen – und einer riesigen Küche! Im Gespräch mit den TutorInnen hatte ich sofort das Gefühl, dass ihnen das Schreibzentrum sehr wichtig ist und sie sich dort Zuhause fühlen. Darüber hinaus hatte ich aber auch den Eindruck, dass sie ein sehr fundiertes Wissen über Schreibberatung haben. Zunächst fragte ich mich, wie das kommt, da mir die beiden Tutorinnen, die mich später noch zum Pizza essen ausführten, erklärten dass ihr Training zu Beginn ihrer Tätigkeit im Schreibzentrum nur ein „Retreat“ ist, also ein mehrtägiges Seminar für das sie gemeinsam wegfahren. Dort ginge es aber vor allem um Teambuilding und weniger um Schreibzentrumstheorie.

Später hat Bob mir erklärt, dass er zunächst viel Wert darauf legt, dass die TutorInnen sich untereinander gut kennenlernen, damit sie dann voneinander und miteinander das Beraten lernen. Erfahrene TutorInnen arbeiten eng mit den Neuen zusammen. Außerdem gibt es wöchentliche Teamtreffen. Und alle, die im Schreibzentrum arbeiten, müssen im Laufe der acht Collegsemester ein Schreibzentrumstheorie-Seminar besuchen. Und zwar insgesamt vier Mal! Ich habe zunächst überhaupt nicht verstanden, weshalb das gleiche Seminar viermal besucht wird, aber die TutorInnen erklärten mir, dass ihnen das sehr gut gefalle. Zum einen, weil sie die gleichen Texte anders lesen und diskutieren würden, je nachdem, wieviel Beratungserfahrungen sie schon hätten. Und zum anderen, weil es jeweils andere Konstellationen von Teilnehmenden seien, so dass sich ganz andere Diskussionen ergäben. Außerdem gehört es zum Seminar, empirische Forschungsprojekte in Kleingruppen durchzuführen. Diese

Die Küche des Schreibzentrums

Forschungsprojekte basieren auf der Datenbank des Schreibzentrums, in der Protokolle aller Beratungen gesammelt werden (statistische Daten und kurze Beschreibungen der Gespräche). Es sei sehr gut, so erklärten mir die Tutorinnen, wenn man das mehrmals mache, weil sich durch die Forschungspraxis der Blick schärfe und man Ideen für neue Forschungsprojekte bekomme, für die man dann durch die Erfahrung auch schon besser gewappnet sei. (Ich hatte bei der Midwest Writing Centers Conference im Oktober einen Vortrag von Coe College-TutorInnen gehört und war damals sehr beeindruckt, also kann ich bestätigen, dass die Forschungsprojekte der Studierenden Hand und Fuß haben!).

Coe College Writing Center

Die Mischung aus Informalität des Lernens und Gründlichkeit in der Ausbildung im Writing Center des Coe College hat mich sehr fasziniert. Bob, als Direktor des Schreibzentrums, hält sich sehr im Hintergrund und nimmt den Gedanken des Peer Tutoring in allen Bereichen sehr ernst. Nicht nur in der Beratung, sondern auch in der Verwaltung und Leitung des Schreibzentrums. Denn auch diese legt er in vielerlei Hinsicht möglichst in die Hände der Studierenden. Diese sind zuständig für Werbung, für wcwc und andere Publikationen, für Forschung, usw., immer in Teams für ein gemeinsames Erlernen dieser Verantwortung. Als ich kam, bereitete ein Team gerade eine Art Assessment Center für die Studierenden vor, die sich gerade für die neuen Stellen bewerben. Selbstverständlich werden die jetzigen Tutoren wesentlich dafür verantwortlich sein, diese auszuwählen.

Coe College Writing CenterNicht weniger verantwortungsvoll, so erklärten mir die TutorInnen, seien die Teams, die zuständig sind für das Kaffee rösten und für das Brot backen. Huch? Und was hat das mit Schreibberatung zu tun? Bob und seine Leute waren eher erstaunt darüber, dass mir das nicht sofort klar war: Schreiben und Essen, bzw. Sinnesgenüsse gehören doch zusammen! Wenn ich an unsere Teamtreffen, Schreibgruppen und Schreibnächte in Frankfurt (Oder) denke, kann ich das nur bestätigen. Außerdem, so wurde mir erklärt, duften Brot und frischer Kaffee herrlich. Der Duft trägt zur Behaglichkeit im Schreibzentrum bei und lockt Leute herein. Außerdem sind das Backen und Rösten teil des Teambuildings. Und diese Teams sind offenbar sehr überzeugend. Jedenfalls ist es ihnen gelungen, im Rahmen des Umzugs des Centers, der erst kürzlich stattgefunden hat, eine Küche zu bekommen, die größer ist als so manches Schreibzentrum das ich hier schon gesehen habe.

Blick von der Küche ins SZAber auch akademisch überzeugt das Writing Center. Immer wieder gewinnen TutorInnen des Schreibzentrums Stipendien oder bekommen sehr gute Jobs, weil sie durch die Arbeit im Schreibzentrum sehr gute Kommunikationsfähigkeiten haben, Verantwortung übernehmen und kritisch denken. Das ist auch der Unileitung schon aufgefallen und deshalb unterstützt sie das Writing Center, so viele Tutoren wie möglich auszubilden und zu beschäftigen. Und wenn man sich mal die Relation anguckt, die es zwischen Studierendenzahl am College und SchreibzentrumstutorInnen gibt, dann spricht das Bände: auf 1200 Studierende kommen fast 70 SchreibberaterInnen. Wollten wir in Frankfurt (Oder) ein ähnliches Betreuungsverhältnis haben, müssten wir 333 TutorInnen beschäftigen. Ich denke, wir werden erstmal auf ein Zehntel dieser Zahl hinarbeiten – und vielleicht einen Brotbackautomaten?

Hohop Bean roaster

Hohop Bean roaster

PS: Das Schreibzentrum gibt auch eine Zeitschrift heraus, in der Literatur und Reiseberichte mit interkulturellem Blickwinkel veröffentlicht werden. Sie heißt Colere und ist richtig, richtig gut! Bob möchte damit Tutoren die Gelegenheit geben, das Herausgeben von Zeitschriften zu lernen. Beiträge (auf Englisch) aus Deutschland wären sehr willkommen, meinte er.

 

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