Von der hedonistischen Funktion des Schreibens und dem sonderbaren Erlebnis, einen Roman gleichzeitig zu schreiben und zu lesen

NaNo-2015-Winner-BannerIn diesem und letztem Jahr habe ich mich immer wieder mit dem kooperativen Schreiben befasst. Es hat mich interessiert, wie das Schreiben von Texten funktioniert, an denen mehrere AutorInnen beteiligt sind. Unter anderem habe ich einen Workshop für NachwuchswissenschaftlerInnen eines Forschungskollegs gegeben, die gemeinsam wissenschaftliche Artikel verfassen wollten, und einen Workshop für unser Schreibzentrum konzipiert, der Schreibberatende darauf vorbereiten sollte, Studierende zu unterstützen, die Hausarbeiten in Gruppen schreiben müssen. Für alle, die diese Themen interessieren, empfehle ich folgende Lektüre: Schindler & Wolfe 2014 sowie Wolfe 2010.

Allerdings werde ich an dieser Stelle NICHT verraten, worin das Geheimnis guter kooperativer Schreibprozesse im akademischen Bereich liegt, sondern möchte berichten von einem Experiment, das sich ganz außerhalb aller akademischen Vernunft bewegt hat. Dieses Experiment hat keine einzige der Empfehlungen für das kooperative Schreiben in der Wissenschaft befolgt und gehört vielleicht auch gar nicht in einen Blog wie diesen, aber es war so aufregend, dass ich trotzdem davon erzählen möchte. Wir haben nämlich zu viert, zwischenzeitlich auch zu sechst, innerhalb von vier Wochen einen Roman geschrieben, zu dem bis zum ersten November diesen Jahres nicht einmal eine Idee existierte. Wir sind vier Autorinnen, die sich aus einer seit vielen Jahren bestehenden Schreibgruppe kennen, die einzig und allein dem Zweck dient, unser Schreiben zu feiern. Anders gesagt: Es macht uns einfach Spaß. Akademisch ausgedrückt: Wir genießen die hedonistische Funktion des Schreibens. Und in diesem Jahr haben wir beschlossen, beim Nanowrimo mitzumachen, dem National Novel Writing Month, dem vermutlich größten Schreibspiel der Welt. Jedes Jahr im November nehmen daran weltweit zigtausende Menschen teil und versuchen, innerhalb eines Monats einen Roman mit 50.000 Wörtern zu schreiben – normalerweise 50.000 Wörter pro AutorIn. In unserem Fall haben wir versucht, die 50.000 Wörter gemeinsam zu schaffen, in einer gemeinsam erdachten Geschichte.

Eigentlich wollten wir uns vor dem Startschuss am ersten November treffen, uns einen Plot ausdenken und das Vorgehen besprechen. Da wir das nicht mehr geschafft haben, zog eine von uns am ersten Tag aus dem Kartenspiel „Geschichtenerfinder“ einen Ort (ein Museum), eine Handlung (eine Verwechslung passiert) und vier Figurenkarten (zwei Spione, ein Journalist, ein frisch verheiratetes Paar und eine Tänzerin). Wir haben uns dann per E-Mail kurz abgesprochen, wer aus der Perspektive welcher Figuren schreiben möchte und dann einfach losgelegt, ohne die geringste Idee, wohin das führen würde.

Als Plattform zum Schreiben haben wir google.docs benutzt. Anfangs haben wir noch festgelegt, wer wann Zeit hat zum weiter Schreiben und sind auch schön linear vorgegangen. Im Laufe der Zeit hat sich der gemeinsame Schreibprozess dann aber verselbständigt und ist so chaotisch geworden, wie Schreibprozesse nunmal sind. So haben wir teilweise gleichzeitig geschrieben (sehr lustig zu beobachten, wenn man gerade online ist und sieht, wie der Text sich wie von alleine weiter schreibt), teilweise auch zwischendurch offline geschrieben und die Szenen dann reinkopiert, und immer mehr auch wild Text produziert, der erst an spätere Stelle gehören würde (hoffentlich), bzw. an frühere Szenen anknüpfte, also in der Handlung zurück lag. Sehr praktisch war dabei, dass die Handlung in einem Museum spielt und wir daher die Gelegenheit hatten, die Texte zu schreiben, die die Ausstellungsstücke erklären, wenn uns mal nichts anderes einfiel. Unser Roman spielt in der Zukunft und das Museum ist ein Museum des vordigitalen Zeitalters, so dass wir so kuriose Dinge wie Festnetztelefone, papiererne Bücher oder Brettspiele beschreiben konnten.

Foto Plotgenerator

Hier entsteht unser Plotgenerator

Bei einem Treffen zwischendurch hat uns eine unserer Mitschreiberinnen, die eigentlich nicht am Roman beteiligt war, mit einem Plotgenerator beglückt und für unverhoffte Wendungen gesorgt: Wir erstellten gemeinsam ein Raster, das viele verschiedene Kombinationen zuließ, was unseren Figuren passieren könnte und was sie tun. Dann haben wir alle gewürfelt und mussten zu den erwürfelten Kombinationen schreiben. So passierte es dann, dass unsere Figuren auf einmal Unterwäsche tauschen oder Türen aufbrechen mussten.

In den letzten zwei Wochen haben wir uns abends oft noch kurze E-Mails geschickt, mit kurzen Andeutungen, was zuletzt wieder alles passiert ist und welche Cliffhänger wir eingebaut haben, um uns gegenseitig zum Weitermachen und Durchhalten anzufeuern. Das war fast wie eine spannende Serie zu gucken oder einen Fortsetzungsroman zu lesen, nur dass wir es zugleich selbst in der Hand hatten, den weiteren Verlauf der Geschichte zu steuern. Es war also zugleich ein Lese- und ein Schreiberlebnis.

Erst am vorletzten Abend haben wir mündlich gemeinsam überlegt, wie wir die letzten 8000 Wörter nutzen könnten, um die Geschichte zu Ende zu bringen. Wir haben den anderen beiden Mitgliedern unserer Schreibgruppe die Geschichte erzählt und mit ihnen gemeinsam überlegt. Wie immer beim Schreiben hat das Reden darüber sehr geholfen und uns fiel auf einmal auf, dass unser Jungvermählter gar nicht so ein unbeschriebenes Blatt ist wie es bis dahin schien. Eigentlich ist er nämlich ein Schurke… Der Endspurt war dann auf einmal gar nicht mehr so schwierig. Zum erstem Mal im ganzen Schreibprozess hatten wir zumindest eine ungefähre Ahnung, worauf die ganze Geschichte hinauslaufen würde. Und wir haben es geschafft! Pünktlich am letzten Abend konnten wir die Geschichte dem Roman-Validierer von Nanowrimo anvertrauen und unsere Siegerinnen-Urkunde einheimsen.

Und ja, natürlich ist die Geschichte nicht druckreif geworden. Es gibt Ungereimtheiten, Sprünge, Längen und sprachliche Abgründe. Aber es ist eine Geschichte entstanden, von der im Oktober noch nicht einmal die kleinste Idee zu ahnen war. Das zu erleben und die Möglichkeit zu haben, eine Geschichte zugleich zu lesen und zu schreiben, war einfach großartig. Vielleicht werden wir irgendwann mal mehr draus machen. Aber erstmal werden wir jetzt unseren Sieg genießen und feiern. Zur Nachahmung empfohlen!

Und am Ende glaube ich sogar, dass ich auch für akademische kooperative Schreibprozesse etwas aus dieser Erfahrung mitnehmen kann. Was für unser Experiment nämlich absolut wichtig war, war die sich mit jedem Tag mehr steigernde Gewissheit, sich auf die anderen Mitschreibenden verlassen zu können. Zu wissen, dass die anderen es auch schaffen wollen und sich reinhängen und die Ideen der anderen mittragen, auch wenn sie vielleicht ganz anders sind als das, was man ursprünglich im Sinn hatte, war unbedingt notwendig für das Gelingen. Sich aufeinander verlassen zu können, ist sicherlich für jedes gemeinsame Schreibprojekt eine Grundvoraussetzung.

Literatur

Schindler, Kirsten; Wolfe, Joanna (2014): Beyond single authors: Organizational text production as collaborative writing. In: Jakobs, Eva-Maria; Perrin, Daniel (Hrsg.) Handbook of Writing and Text Production, Berlin/Boston: De Gruyter, 159-173.

Wolfe, Joanna (2010): Team writing. a guide to working in groups. Boston: Bedford/St. Martin’s.

Geschichten-Erfinder: Kartenspielerei für kreative Köpfe. Editon Büchergilde.

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50.000 Wörter in einem Monat?!

Es ist November und das ist traditonell der Monat, in dem sich zigtausende Menschen aus aller Welt der Herausforderung stellen, einen Roman in einem Monat zu schreiben. Der National Novel Writing Month (nanowrimo) kann sicherlich als das größte Schreibspiel der Welt bezeichnet werden – und als das erfolgreichste. Davon zeugen nicht nur die vielen Autorinnen und Autoren, deren im November entwickelten Romane mittlerweile von bekannten Verlagshäusern publiziert wurden, sondern davon zeugen auch die vielen, vielen Menschen, die den nanowrimo einfach als Inspirationsmonat und Kreativitätsquelle nutzen. Die von sich sagen wollen: „I am a writer. I write books.“ Und nicht: „I want to write a novel somtime.“

Im Schreibzentrum der Viadrina haben wir den nanowrimo schon öfter zelebriert. So boten wir als nanowrimo-space regelmäßig offenen Schreibraum für alle Viadrina-NovelistInnen. 2008 gab es im Schreibzentrum ein Seminar, in dem 15 Studierende Romane verfassten und 2010 versuchten wir uns sogar gemeinschaftlich an einem Viadrina-Krimi, für den wir mit 14 Leuten einen Plot entwarfen, den wir dann im November aus verschiedenen Perspektiven ausschmückten.

In diesem Jahr versuche ich zum ersten Mal, den nanowrimo als akademischen Schreibmonat zu nutzen. Dieser Versuch hat verschiedene Ursachen. Zum einen hat nanowrimo-Gründer Chris Baty als Keynote-Speaker bei der Konferenz der European Writing Centers Association 2012 einmal mehr gezeigt, dass literarisches und akademisches Schreiben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben, wenn man den Schreibprozess betrachtet. Zum anderen hat das Schreibzentrum der Goethe Universität Frankfurt am Main in diesem Jahr den November einfach zum Academic Writing Month erklärt und nutzt den nanowrimo dafür, Studierende und Promovierende in einem Schreibmarathon zu unterstützen. Und dann gibt es auch noch ganz persönliche Gründe: Ich komme momentan noch weniger als sonst zum akademischen Schreiben. Wir etablieren an der Viadrina gerade Peer Tutoring in verschiedensten Bereichen und arbeiten dafür im neu gegründeten Zentrum für Schlüsselkomptenzen (Arbeitstitel) eng mit dem Career Center, dem Zentrum für Interkulturelles Lernen, dem Sprachenzentrum und den Fakultäten zusammen. Das ist ein spannendes Projekt, über das wir demnächst an dieser Stelle mehr berichten werden. Es ist aber auch sehr zeitaufwändig und so lagen die Forschungsergebnisse meines USA-Aufenthalts auf Halde. Das ist schade, denn die 16 von mir geführten Experteninterviews mit Schreibzentrumsleiterinnen und -leitern sind nicht nur bereits transkribiert, sondern auch schon systematisch kodiert. Was nun anstand, war eine intensivere Beschäftigung mit den Daten und ein schriftliches Festhalten meiner Zwischenergebnisse. Die intensivere Beschäftigung läuft bei mir nur über Schreiben – das weiß ich aus früheren Forschungsprojekten. Daher also der Versuch, es mit dem 50.000-Wörter-Limit von nanowrimo zu versuchen, um mir die Zeit dafür bei mir selbst zu stehlen.

Und es funktioniert! Ich vermelde stolze 20.002 Wörter in 11 Tagen, knapp 40 Seiten. Dass es so gut funktioniert liegt auch daran, dass ich Zitate einfügen kann aus meinen Interviews und daran, dass schon viel gedankliche Vorarbeit beim Kodieren gelaufen ist. Ich merke aber auch (mal wieder), dass das schreibende Denken in Gang kommt. Ich stelle Zusammenhänge her und entwickele Ideen, die nicht entstanden wären, wenn ich mich nicht ans schreibende Denken gemacht hätte.

So funktioniert es zur Zeit bei mir: Ich beschreibe die Kategorien, die ich beim Kodieren meiner Daten entwickelt habe. Ich stelle zunächst einfach dar, was ich da aus den Daten entwickelt habe. Durch das Beschreiben entstehen dann neue Einsichten. Darüber hinaus erlaube ich mir, schriftliche Selbstgespräche zu führen. Unter der Überschrift „Forschungsjournal“ schiebe ich Passagen ein, in denen ich darüber reflektiere was ich gerade mache oder wie ich voran komme (oder auch nicht voran komme). Diese Wörter zähle ich mit und das ist gut so, denn meistens entwickele ich dadurch nochmal neue Ideen. Zumindest aber motiviere ich mich zum Weiterschreiben.

Kurzum: Für zumindest einen Monat im Jahr ist der nanowrimo für mich eine Möglichkeit, die Schreibzentrumsarbeit mit dem eigenen Anspruch an kontinuierliches Schreiben zu verbinden. Zur Nachahmung empfohlen – ob literarisch, biografisch oder akademisch!

International Writing Across the Curriculum Conference

Die letzten drei Tage war ich auf der International Writing Across the Curriculum (WAC) Conference in Savannah. Der WAC-Ansatz versucht Schreiben und Lehre besser zusammen zu bringen, auf ganz verschiedenen Wegen. Schreibzentren können dabei eine wichtige Rolle spielen. In Madison ist es so, dass Brad sowohl der Schreibzentrumsleiter ist als auch der Direktor des WAC-Programms, eine sehr sinnvolle Kombination.

Schreibend Lernen in großen Vorlesungen

An der Konferenz hat mich beeindruckt, wie viele Lehrende aus verschiedenen Disziplinen da waren, die ich erstmal nicht mit Schreiben in Verbindung bringen würde. Ich war in Präsentationen von MathematikerInnen, ChemikerInnen, PharmazeutInnen, IngenieurInnen und ManagerInnen. Sie alle berichteten davon, wie sie WAC-Programme aufgebaut oder an solchen partizipiert haben. Viele erzählten, dass ihre Lerngruppen als klein gelten, wenn sie unter 100 Studierende haben, oft sind es mehrere hundert. Aber auch in solch großen Vorlesungen lässt sich Schreiben einsetzen, um Lernmöglichkeiten zu schaffen. So bekommen die Studierenden kleine Schreibaufgaben, bei denen sie sich mit dem Lernstoff auseinander setzen, die sie in kurzen Zeitfenstern während der Vorlesung bearbeiten. Anschließend diskutieren sie sie mit ihren Nachbarn oder in Kleingruppen. Die Texte werden hier nicht bewertet, sondern dienen dazu, aktives Lernen zu ermöglichen. Im Anschluss an die Kleingruppendiskussion wird durch die Lehrenden demonstriert, wie eine Lösung aussehen könnte. In anderen Vorlesungen dürfen die Studierenden zwischendurch SMS an die Lehrenden schicken, die diese während des Vortragens aus einem Display sehen können, so dass sie auf Fragen und Kommentare eingehen können. Das finde ich einen sehr spannenden Ansatz, denn das SMS-Format zwingt dazu, präzise Fragen zu formulieren.

Peer Groups zur Unterstützung

Eine wichtige Ressource in den großen Lehrveranstaltungen sind allerdings die Teaching Assistants, d.h. die Lehrenden sind meistens nicht ganz allein. Ken Tallmann von der University of Toronto hat ein Team von insgesamt 22 Teaching Assistants und 9 Communication Instructors für eine Vorlesung für 305 Studierende. Die Communication Instructors betreuen jeweils 12 Dreier-Peer-Groups von Studierenden, die sich für wöchentlich 30 Minuten zusätzlich zur Vorlesung treffen. Die Peer Groups müssen selbst eine Agenda aufstellen für die Sitzung, diese abwechselnd moderieren und haben das Ziel, die Vorlesungsinhalte zu vertiefen und zu diskutieren und einander Feedback auf Hausaufgaben zu geben. Die Instructors sind fachfremd, sie sind die Kommunikations-ExpertInnen. D.h. sie unterstützen die Studierenden-Teams dabei, gut miteinander zu kommunizieren und effektive Arbeitsstrukturen aufzubauen. Die fachfremde Ergänzung funktioniert offenbar sehr gut, vor allem weil sie die Studierenden dazu zwingt, Fachinhalte gut zu erklären und ihnen ein Gefühl für verschiedene Zielgruppen gibt, sie aber auch das Gefühl bekommen, in eine Disziplin hineinzuwachsen und immer mehr ExpertInnen zu werden. Das Modell ist für mich eine gute Anregung für die künftige Arbeit mit TutorInnen für große Vorlesungen an der Viadrina.

Wikis erleichtern den Einstieg in die eigene Disziplin

Was wir ebenfalls an der Viadrina planen, sind Peer Tutoren, die speziell den Studieneinstieg verbessern sollen. Dafür kam eine schöne Anregung von Jacob Craig aus Arkansas. Er lässt die Studierenden in einem fachübergreifenden Einführungsseminar wikis zu ihren Studienfächern erstellen. Dafür müssen diese Interviews führen mit fortgeschrittenen Studierenden, um herauszufinden was in den Fächern wichtig ist, wie dort geschrieben wird und worauf Wert gelegt wird. Die Studierenden sollen so eine Art Meta-Verständnis für ihre Fächer entwickeln und zugleich Erfahrungen mit wikis sammeln. Eine kleine Studie hat allerdings gezeigt, dass darüber hinaus für die Studierenden das wichtigste war, mit den fortgeschrittenen Studierenden in Kontakt zu kommen und durch die Zusammenarbeit an den Texten (Feedback usw.) Freunde zu finden – der soziale Faktor stellt sich immer wieder als extrem bedeutend für jegliches Lernen heraus!

Business Writing: Wie schreibe ich meinem Professor eine E-Mail?

Sehr schön fand ich auch das Design eines Einführungskurses in Business Writing. Studierende der Wirtschaftswissenschaften sollen darin im ersten Semester auf das berufliche Schreiben vorbereitet werden. Meghan Griffin aus Florida berichtete, dass es dabei um Genres geht wie Exposes, Memos, Berichte oder Zusammenfassungen. Sie hat die Entwicklung dieses Seminars dazu genutzt, um an ihrer Fakultät Gespräche über das Schreiben anzuregen. Obwohl sich alle Lehrenden einig waren, dass Schreiben wichtig ist, konnten sich doch die wenigsten vorstellen, zusätzlichen Arbeitsaufwand durch Schreibaufgaben aufbringen zu können. Daher hat Meghan überlegt, mit welchen Texten der Studierenden die Lehrenden sowieso zu tun haben. Das sind zum Beispiel Anfragen für Referenzen, Entschuldungsschreiben, Anfragen für verlängerte Deadlines, etc. Sie hat diese für die Studierenden und Lehrenden sehr relevanten Textsorten in berufliche Genres übersetzt und in ihrem Seminar mit den Studierenden erarbeitet und geübt. Also zum Beispiel: Wie frage ich höflich nach einer Referenz und wie stelle ich die dafür wichtigen Informationen in einem Resumee zusammen? Wie entschuldige ich mich für mein Fehlen und fasse die wichtigsten Informationen über das, was ich nachgearbeitet habe zusammen? Alle Lehrenden der Fakultät haben dann Beispieltexte aus dem Seminar bekommen, damit sie wissen, was sie künftig von den Studierenden erwarten können. Die Studierenden haben aber auch mögliche höfliche Ablehnungen z.B. für eine Referenzanfrage formuliert. Diese werden den Lehrenden ebenfalls zur Verfügung gestellt. Damit ist für beide Seiten klar, dass es auch möglich ist, solche Anfragen abzulehnen. Manche Lehrende kündigen an, dass sie diese schriftliche Kommunikation der Studierenden mit ihnen in die Bewertung einfließen lassen. Sie sagen z.B., dass sie mindestens einmal pro Semester per E-Mail kontaktiert werden wollen, damit die Studierenden das üben.

National Novel Writing Month in der Fachlehre

In einer Session berichteten Lehrende von drei verschiedenen Universitäten, wie sie den National Novel Writing Month für wac genutzt haben. Großartig fand ich die Idee von Kerri Augusto vom Becker-College, die dort ein Seminar in Psychologie gibt. Sie lässt die Studierende ein Thema aus dem Lehrplan wählen, z.B. psychische Belastung weil ein Elternteil an Krebs erkrankt ist, und dann dazu Quellen recherchieren wie in jedem anderen Seminar auch. Diese Quellen werden ausgewertet und dann erst werden Charaktere und ein Plot entworfen. Die Studierenden schreiben ihre Romane auf der Basis der Recherche. Sie müssen das Wissen aus den Quellen und die Konzepte aus dem Seminar einbauen. Obwohl sowohl die Professorin als auch die Studierenden im Verlauf des Seminars total gestresst waren, waren am Ende doch alle so begeistert von der Tiefe der Lernergebnisse, dass sich das auf dem Campus total schnell rumgesprochen hat und nun schon Studierende anfragen, ob sie das Seminar im nächsten Jahr besuchen dürfen, auch wenn sie nicht Psychologie studieren…

Science Poetry

Verpasst habe ich leider die Session über Science Poetry, aber es gibt ein neues Buch dazu auf dem Markt: „Writing Poetry through the Eyes of Science: A Teacher’s Guide to Scientific Literacy and Poetic Response“, von Nancy Gorrell. Ich habe es (noch) nicht gelesen, aber es hört sich sehr vielversprechend an.

Alles in allem mal wieder eine sehr spanndende Konferenz. Ich bin Brad und Stephanie dankbar, dass sie mich eingeladen haben, mit ihnen hier zu präsentieren, denn sonst wäre ich vielleicht nicht bis Savannah gefahren – was übrigens eine wunderschöne Stadt ist.

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