Peer Schreib TutorInnen Konferenz 2013

Bereits zum sechsten Mal hat am vergangenen Wochenende die Peer Schreib TutorInnen Konferenz stattgefunden. Was in Frankfurt (Oder) 2008 mit 20 Teilnehemenden begonnen hatte, ist mittlerweile zu einem großen Event geworden, für das sich 150 Peer TutorInnen und SchreibzentrumsmitarbeiterInnen angemeldet hatten. Das Team des Bochumer Schreibzentrums schuf einen wunderbaren Rahmen mit Café, zu gestaltender Deutschlandkarte und perfekter Organisation.

Am ersten Tag hielt Otto Kruse einen Keynote-Vortrag. Es war für die Teilnehmenden sehr spannend, den Autor von „Keine Angst vor dem leeren Blatt“  live zu erleben. In seinem Vortrag unterstrich Otto, wie wichtig es ist, in der prozessorientierten Schreibberatung auch Sprachwissen zu vermitteln. Unter Sprachwissen versteht er ein Wissen über Formulierungen, die in wissenschaftlichen Texte bewusst eingesetzt werden können, zum Beispiel um Vorsicht bzw. Distanz zu einer Position zu signalisieren.

Anschließend gab es zahlreiche Workshops und einige Vorträge, alle vorbereitet von verschiedenen Schreibzentren. Unser Schreibzentrum war vertreten mit einem Workshop über die Gestaltung von Konferenz-, Lehr- und Schreibzentrumspostern, den Anja Poloubotko und Michal Zytyniec durchführten. Marlene Schulze und Katrin Girgensohn erprobten in einem weiteren Workshop die „beschreibende Gliederung“, eine Methode im Rahmen der Peer TutorInnen Ausbildung nach Kenneth Bruffee. In anderen Workshops wurden kreative Methoden in der Schreibberatung erprobt und diskutiert, in eine Google+-Community für Peer Schreib TutorInnen eingeführt, Mission Statements für Schreibzentren entwickelt, Beratungsmethoden ausprobiert, Forschung zu Mehrsprachigkeit in Schreibzentren vorgestellt und vieles mehr. Wir konnten zahlreiche neue Impulse mitnehmen, uns mit anderen austauschen und gemeinsam neue Ideen entwickeln.

Der zweite Teil der Tagung war als ein Open Space gestaltet. Ein Open Space ist ein sehr offenes Format, bei dem sich mehrmals Gruppen zusammenfinden, um gemeinsam Themen zu bearbeiten. Zur Einstimmung gab Katrin Girgensohn einen Rückblick auf die Geschichte der Schreibzentren in Deutschland und auf die vielen Erfolge, die wir schon dem Engagement von Peer TutorInnen zu verdanken haben, wie zum Beispiel die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten oder die Fachzeitschrift JoSch (Journal der Schreibberatung). Dieser Rückblick machte Lust darauf, über eigene Themen und Anliegen nachzudenken und diese einzubringen. Die Themen wurden von den Anwesenden gesammelt und dann bestimmten Decken zugeteilt. Decken deshalb, weil die Gruppen sich auf Decken und Kissen gruppierten. In vielen Gruppen wurden Themen aus den voran gegangenen Workshops wieder aufgegriffen und weiter besprochen oder bearbeitet. Andere beschäftigten sich mit darüber hinaus gehenden, die Peer TutorInnen betreffenden Themen. So entstanden z.B. konkrete Pläne für ein gemeinsames Wiki mit Schreibmethoden für Schreibberatungen und Schreibworkshops. Auf einer anderen Decke überlegten Peer TutorInnen, die demnächst mit dem Studium fertig werden, wie es im Anschluss an das Studium für sie weitergehen kann: Wo lassen sich die in der Schreibberatungspraxis gewonnenen Kompetenzen im Beruf einbringen? Die Themenvielfalt war spannend und führte dazu, dass viele als „Hummeln“ von einer Decke zur anderen fliegen wollten. Das Format des Open Space erlaubt das Hummeln ausdrücklich. Doch meistens waren die Diskussionen dann doch so spannend, dass die Hummeln an den Decken hängen blieben.

Auch der Sonntag wurde noch einmal im Open Space Format gestaltet. Diesmal ging es dabei darum, Anliegen zu bearbeiten, die über die Peer TutorInnen Konferenz hinaus umgesetzt werden können. Dabei entstanden viele konkrete Vorhaben. So wird die Google+-Community der Peer TutorInnen weiter bestehen, sich über eine gemeinsame Ethik verständigen und auch die Erstellung eines Schreibmethoden- und Schreibworkshop-Wikis begleiten. Es fanden sich auch Peer Tutorinnen zusammen, die dafür sorgen werden, dass auf der im Juli 2014 stattfindenden Konferenz der European Writing Centers Association das Engagement der Peer TutorInnen im deutschsprachigen Raum sichtbar wird. So soll es dort einen Peer Tutor Day geben, eigene Panels für Peer TutorInnen und eine Ausstellung, die die Arbeit und Vernetzung visualisiert. Ebenfalls sehr wichtig ist die Bildung einer Speziellen Interessengruppe (SIG), die die Anliegen der Peer TutorInnen in der neu gegründeten Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung vertreten wird. Die Gruppe möchte sich zum einen der Öffentlichkeitsarbeit widmen und diese Gesellschaft insbesondere bei Peer TutorInnen bekannt machen. Zum anderen möchte sie eng mit der SIG zur Erarbeitung von Qualitätsstandards für die Peer TutorInnen Ausbildung zusammen arbeiten. Die Gruppe formulierte das Anliegen, dass Peer TutorInnen-Ausbildungen bundesweit in Umfang und Inhalten vergleichbar werden, dass verschiedene Beratungsansätze integriert und wechselseitige Hospitationen ermöglicht werden.

Die Peer TutorInnen Konferenz 2013 wird uns lange als eine Veranstaltung in Erinnerung bleiben, auf der wir nicht nur viel von- und miteinander gelernt haben, sondern auf der auch in bildungspolitischer Hinsicht Vieles in Bewegung gekommen ist. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im Rahmen der EWCA Konferenz 2014 in Frankfurt (Oder) und im Rahmen der nächsten Peer Schreib TutorInnen Konferenz 2014 in Frankfurt am Main!

Weitere Eindrücke gibt es übrigens bei Twitter: #ptk13

Anja, Michal, Marlene, Josi, Franziska und Katrin

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Das Veröffentlichen lernen: Neue Ratgeber für Promovierende

Das Veröffentlichen gehört zunehmend zum Alltag der Promovierenden. Ich bemerke diese Veränderung auch in der Schreibberatung für Promovierende an der Viadrina: Schreibberatung geht immer öfter einher mit Publikationsberatung. Jetzt sind die ersten deutschsprachigen Ratgeber dazu erschienen. Ich sprach mit ihrer Herausgeberin Dr. Kathrin Ruhl, der Geschäftsführerin des Interdisziplinären Promotionszentrums der Universität Koblenz-Landau.

Daniela Liebscher: Gratuliere, Frau Ruhl! Soeben haben Sie als Herausgeberin einen Ratgeber über das Schreiben von Postern in der Wissenschaft veröffentlicht. Was war Ihr Anliegen mit diesem Buch?

Kathrin Ruhl: Vielen Dank. Seitens des Interdisziplinären Promotionszentrums haben wir an unserer Hochschule im Wintersemester 2010/11 eine Postersession für Nachwuchswissenschaftlerinnen organisiert und begleitend dazu einen Workshop zur Postererstellung angeboten, um den Promovierenden, die bislang keine oder wenige Erfahrungen mit dieser Form der Wissenschaftskommunikation gesammelt haben, eine Hilfestellung zu geben. Im Rahmen der Vorbereitung dieser Veranstaltungen recherchierte ich, welche Literatur es zu diesem Thema gibt und stellte fest, dass Informationen bislang nur vereinzelt und vor allem als knappe Handlungsempfehlungen im Internet verfügbar sind. Dadurch entstand die Idee, einen Band herauszugeben, der sich inhaltlich und nicht nur formal mit dem Thema Poster in der Wissenschaft beschäftigt und zugleich Beispiele liefert.

Sie haben außerdem 2010 einen Sammelband zum „Publizieren während der Promotion“ mitherausgegeben. Es ist der erste deutschsprachige Ratgeber zu diesem Thema. Wie sind Sie darauf gekommen, Promovierende beim Publizieren zu beraten? Sollten diese sich nicht besser ganz auf das Schreiben ihrer Doktorarbeit konzentrieren?

Auch dieser Band ist aus meiner regulären Arbeit heraus entstanden. In der Vergangenheit hatten wir im Promotionszentrum bereits mehrere Veranstaltungen zum Verfassen von Fachartikeln oder auch Rezensionen im Programm. Bei der Planung und im Gespräch mit den verschiedenen Referentinnen und Referenten dachte ich immer wieder über die Unterschiede in den Disziplinen nach und auch über die Veränderungen bezüglich des Publikationsverhaltens von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern. Es wird immer stärker von Promovierenden erwartet, dass sie sich bereits in dieser Phase in der Scientific Community vernetzen und mit Vorträgen und Publikationen präsent sind. Dies ist zwar in den Fächern unterschiedlich stark ausgeprägt, aber grundsätzlich ist die Tendenz erkennbar. Der Gedanke, dass Promovierende mit der Veröffentlichung der Dissertation erstmals in der Wissenschaft in Erscheinung treten, gilt daher so nicht mehr. Dies zeigt sich zum Beispiel auch in der Entwicklung der kumulativen, also publikationsbasierten, Promotion, die in einigen Fächern, wie beispielsweise den Naturwissenschaften, verstärkt vorzufinden ist und die als Alternative für die bisherige Form der Promotion auch in anderen Fächern eingeführt wird. Wer kumulativ promoviert, muss sich mit den Kriterien von Fachartikeln auseinandersetzen und die Gepflogenheiten im Fach kennen. Es ist aufgrund der vielfältigen Veränderungen wichtig, frühzeitig die verschiedenen wissenschaftlichen Textsorten und die Anforderungen an diese zu kennen.

Sehen Sie Unterschiede zwischen Natur- und Geisteswissenschaftlern in der Nachfrage nach Unterstützung beim Schreiben?

Zumindest für unsere Hochschule kann ich sagen, dass die Nachfrage zwischen den Fächern nicht größer oder kleiner ist. Aber es gibt verschiedene Gepflogenheiten bei den Fachartikeln, d.h. was die Strukturierung der Artikel, den Grad der Standardisierung, die Sprache und auch die formale Gestaltung anbelangt. Und darauf nehmen wir bei unseren Veranstaltungen Rücksicht und bieten die Workshops zum Verfassen von Fachartikeln deshalb für die Disziplinen getrennt an.

Was ist Ihr Hauptanliegen mit diesen beiden Schreibratgebern?

Die Idee war, systematisch über das Thema Publizieren zu informieren und dieses in seinen verschiedenen Facetten aufzubereiten. Es gibt für jede Textsorte bestimmte Konventionen und ungeschriebene Regeln, die vorausgesetzt werden, aber die Promovierende nicht unbedingt kennen. Daher sollten in den Bänden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Expertise weitergeben, die sie als Autoren oder als Herausgeberinnen von Fachzeitschriften gesammelt haben. Natürlich gibt es keinen festen Ablaufplan, den man nur befolgen muss und schon ist ein Beitrag fertig und wird auch automatisch angenommen – zentral ist die Qualität des Inhalts. Aber wenn sich Promovierende über die Anforderungen an eine Textsorte informieren können, bleibt ihnen hoffentlich mancher Fehler oder manche Enttäuschung erspart. Und ich denke, dass eine Person umso erfolgreicher ist, je mehr Informationen sie sich vorab einholt und Gedanken macht.

Das Poster gehört inzwischen für viele deutschsprachige Promovierende zum Promotionsalltag. Gibt es auch andere Textsorten, die von Promovierenden genutzt werden oder die sich für Promovierende besonders eignen?

Die wissenschaftlichen Textsorten und Publikationsmöglichkeiten sind vielfältig, es gibt beispielsweise Artikel in Fachzeitschriften, Beiträge in Lexika und Handbüchern, Artikel in Sammelbänden und Festschriften usw. Das sind sehr umfangreiche und komplexe Texte – zum Teil wird man für diese angefragt und muss daher schon einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Scientific Community haben oder ein Auswahlverfahren durchlaufen wie bei den Fachzeitschriften. Die Hürden liegen bei diesen Texten also hoch bzw. sehr hoch.

Aber es gibt auch Texte, die Promovierenden eher offen stehen, wo die Hürde niedriger liegt – zum Beispiel Posterbeiträge, Rezensionen oder Tagungsberichte. Sie sind gut geeignet, um einen Einstieg ins wissenschaftliche Veröffentlichen zu realisieren, weil sie einen überschaubaren Arbeitsumfang haben. Viele Fachzeitschriften veröffentlichen eine Liste der Bücher, die besprochen werden können – das ist eine gute Chance, sich an die Redaktion zu wenden und Interesse für eine Rezension zu bekunden. Das heißt nicht, dass es sehr einfach ist, eine Rezension zu schreiben – es sollte eine gute Kenntnis des Feldes vorliegen, um das Buch einordnen zu können, die Fachbegriffe sollten richtig platziert werden. Und auch den richtigen Ton zu treffen, erfordert Geschick.

Die Frage bezüglich der Nutzung ist nicht eindeutig zu beantworten, das ist meines Erachtens je nach Fach verschieden. In Fächern, in denen Postersessions mittlerweile ein fester Bestandteil von Tagungen geworden sind, werden Promovierende sich an diesem Format versuchen. In anderen Disziplinen sind die ersten Publikationsschritte vielleicht eher über Rezensionen. Welche Veröffentlichungen die Ersten sein sollten und welches Medium dafür geeignet ist, all das sind Überlegungen, die sehr gut mit dem Betreuer oder der Betreuerin reflektiert werden können, da würde ich auf deren Urteil und Empfehlungen vertrauen.

Wie sieht es mit der Nutzung des Web fürs wissenschaftliche Schreiben aus? Ich denke da an Forschungsblogs?

Das Internet bietet vielfältige Möglichkeiten, wissenschaftlich zu kommunizieren. Online-Journals oder Forschungsblogs sind für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler ebenfalls eine gute Möglichkeit, Publikationserfahrungen zu sammeln, wobei sich ein Forschungsblog sehr von den „klassischen“ Formen unterscheidet, weil man selbstverantwortlich schreibt und es keine Redaktion gibt, die die Qualitätssicherung übernimmt. Und genau das ist auch der Knackpunkt bei Forschungsblogs, sie sind bei renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern daher häufig nicht sehr anerkannt.

Was sind Ihre drei wichtigsten Tipps an Promovierende, die während ihrer Promotion publizieren wollen?

1. Ich würde mich vorab gut informieren, was die Bedingungen des favorisierten Mediums sind und dann meinen Beitrag genau darauf zuschneiden, damit ich nicht an formalen Dingen scheitere oder mein Beitrag zwar inhaltlich gut ist, aber leider nicht in das wissenschaftliche Profil der Zeitschrift passt.

2. Auch wenn Publikationen nicht bis ins letzte Detail geplant werden können und häufig Zufälle eine Rolle spielen (dass man beispielsweise aufgrund einer Publikation zu einer weiteren eingeladen wird), würde ich versuchen, so etwas wie eine Publikationsstrategie zu entwerfen: Welche Inhalte kann ich bereits während der Promotion veröffentlichen? Wie kann ich mich in meiner Community platzieren? Worauf kommt es in meiner Disziplin an – nationale oder internationale Veröffentlichungen etc.?

3. Publikationen sind wichtig und Promovierende sollten frühzeitig damit beginnen, aber sie sollten vor lauter Veröffentlichungen auch nicht den Abschluss der Dissertation aus den Augen verlieren und sich bei allem Engagement für die verschiedenen Herausforderungen auch genug Freiräume für ihr Privatleben bewahren.

Literaturtipps:

Kathrin Ruhl u.a. (Hg.), Publizieren während der Promotion, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010.

Kathrin Ruhl (Hg.), Das Poster in der Wissenschaft. Zum Stellenwert des Posters in der Nachwuchsförderung am Beispiel der Universität Koblenz-Landau, Gießen: Johannes Herrmann Verlag 2011.

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