Die lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten in Berlin

– von Josephin Winkler –

Bereits zum vierten Mal hat das Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten veranstaltet. Viel Herzblut hat das Schreibzentrumsteam in dieses Ereignis gesteckt: Es wurde ein Grundkonzept erstellt, Plakate und Flyer gestaltet, Rundmails verschickt, Pressemappen angefertigt, ein Rahmenprogramm ausgedacht, Snacks eingekauft, Räumlichkeiten besichtigt uvm.

Es war viel Arbeit – und es hat sich gelohnt! In Kooperation mit der Humboldt-Universität, der Bibliothek der Humboldt-Viadrina School of Governance und dem Arbeitskreis Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg hat die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten das erste Mal in Berlin stattgefunden. Von 16- 1 Uhr konnten Studierende dort an ihren Schreibprojekten arbeiten. Nach einer Begrüßungsrede von Katrin Girgensohn, Gründerin des Schreibzentrums, gab es eine kleine Pecha Kucha Präsentation zur Langen Nacht. Daraufhin wurde fleißig geschrieben: An kleinen Tischen sitzend, war jede/r mit einem Laptop ausgerüstet, und die Tasten klapperten ordentlich. Ansonsten war die Stille in den Schreibräumen fast schon gespenstisch.

Zielscheibe SchreibzieleWer eine Pause brauchte, ging an die Snackbar oder kontrollierte noch einmal, ob sein Kärtchen an der Zielwand weiter in Richtung “Ziel” gerückt werden konnte. Auflockerungsübungen und Schreibtechniken (wie die Schreibstaffel) sorgten für Abwechslung zwischen den Schreibphasen. Bei einem Schreibtypentest konnten die Schreibenden herausfinden, welche Vorgehensweise beim Schreiben für sie am besten geeignet ist; aber auch zu neuen Techniken angeregt werden. Ein kleiner Vortrag über Plagiate und richtiges Zitieren sorgte für rege Diskussionen unter den Anwesenden – es blieben sogar einige Fragen offen.

winke-winke

Teilnehmende der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten winken bei der Live-Schaltung Schreibenden in anderen Schreibzentren zu.

Auch in anderen Städten Deutschland gab es zeitgleich die Lange Nacht. So haben wir uns nicht lange bitten lassen und eine Live-Schaltung in die anderen Schreibzentren aufgebaut; das stärkte das Gemeinschaftsgefühl und die Motivation  zum Weiterschreiben.

Für die 37 Schreibenden, die aus 5 Universitäten kamen, standen 10 ausgebildete Schreibberater zur Verfügung. Bei einem Beratungstermin konnten die Studierenden dann ungestört über ihren Text reden, Fragen stellen sowie natürlich auch von eventuellen Schwierigkeiten beim Schreiben berichten und sich Hilfe zur Selbsthilfe holen.

Da wir die Lange Nacht das erste Mal in Berlin veranstalteten, erwarteten wir mehr Andrang, doch insgesamt sind wir sehr zufrieden. Wir freuten uns über positive Resonanz bei der Presse, wie z.B. von der ZEIT online. Die Schreibenden gaben uns durchgängig positives Feedback – viele haben ihre gesetzten Ziele geschafft, einige sind sich jetzt über ihre Schreibgewohnheiten bewusster, andere wollen jetzt gerne öfter Schreibtechniken einsetzen. Viele wollen gerne nächstes Jahr wiederkommen!

Kein Blatt blieb unbeschrieben

Motivierendes Motto bei der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten 2012

Foto: Schreibzentrum Viadrina

Nach dem das Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ 2010 erstmalig ins Leben gerufen hatte, veranstaltete es auch in diesem Jahr in der Nacht vom 1. zum 2. März 2012 gemeinsam mit 13 deutschen und 2 US-amerikanischen Schreibzentren eine gemeinschaftliche Schreibnacht. Das Event ist ein gutes Beispiel dafür, dass gemeinschaftliche Aktionen von Schreibzentren dazu beitragen, deren Arbeit und Wirken öffentlich sichtbar zu machen. Bei Studierenden als auch in den Medien stieß es auf große Resonanz.

Am Schreibzentrum der EUV waren es ca. 35 Studierende, die während der Langen Nacht kein Blatt unbeschrieben ließen. Unter den TeilnehmerInnen befanden sich neben Studierenden der kulturwissenschaftlichen, rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten der EUV diesmal auch Studierende anderer Universitäten aus Berlin, die extra zur Langen Nacht angereist waren. Pünktlich um 20 Uhr trafen die meisten Teilnehmer ein. Die Hausarbeitennacht hatte begonnen:

Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten 2012 an der Europa-Universität Viadrina

Foto: Schreibzentrum Viadrina

20:00-20:30: Begrüßung und Startschuss, alle lernten sich kennen und stellten sich ihre Schreibprojekte vor. An der Pinwand reihten sich ausgefüllte Zettel aneinander:“ Ich bin Ania, heute Nacht beschäftige ich mich mit dem Thema: ‚Industrialisierung und Verstädterung in deutschen Städten um 1900’ und wenn ich mein Ziel erreicht habe, dann gönne ich mir vieeeeeeel Schlaf!“

20:30-23:00: Das große Schreiben hatte begonnen. Mit ihren Laptops, Büchern und Hausschuhen suchten sich die Teilnehmer einen Schreibplatz in einem von den SchreibtutorInnen gemütlich dekorierten Räumen. Für die 35 Schreiber gab es zwei große Schreibräume, ein Computerkabinett, einen Ess- und Beratungsraum, sowie einen Ruheraum.

Hausschuhe bei der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten 2012

Foto: Schreibzentrum Viadrina

23:00-02:00: Die Schreibberatung wurde rege in Anspruch genommen. Entstandene Texte und offene Fragen konnten hier gleich besprochen werden. Die Schreibberaterinnen nahmen sich viel Zeit, um mit den Teilnehmern über Schreibprozesse zu sprechen und Texte zu reflektieren. Gemeinsam mit den Ratsuchenden probierten sie unterschiedliche Schreibmethoden aus, die helfen, ein geeignetes Thema zu finden, einzugrenzen, die Hausarbeit besser zu strukturieren oder zu überarbeiten. Schreibtutorin Anja besprach mit einer

Studierenden die Hausarbeit zum Thema „Freewriting als Methode des wissenschaftlichen Schreibens“. Nachts beraten machte Spaß, davon war zumindest Schreibtutorin Julie überzeugt, ihre letzte Beratung endete um 4:30 Uhr.

Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten 2012 Europa-Universität Viadrina

Foto: Schreibzentrum Viadrina

2:00-04:00 Zwischendurch gab es abwechslungsreiches Programm und viele Muntermacher: Kurz nach Mitternacht, während die meisten Studierenden intensiv an ihren Hausarbeiten tüftelten, rief Tutor Jovan zumNachtspaziergang auf. Um munter zu bleiben leitete Tutorin Luise Schreibtischjoga an und Simone rief um 03:30 Uhr zu einer Kissenschlacht auf. Wer schlafen wollte suchte sich einen Platz im Ruheraum, wo Decken und Schlafsäcke bereit lagen.

04:00-06:00 Was machen denn die anderen beteiligten Schreibzentren? Über Twitter und einer Live-Video- Schaltung standen wir mit anderen beteiligten Schreibzentren in Verbindung. Hierdurch konnten wir uns untereinander austauschen und bekamen Einblicke in die Nachtaktivitäten der anderen Schreibzentren.

Schreibende bei der langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Foto: Schreibzentrum Viadrina

06:00 Es wurde langsam hell, der Tag begann. Am Freitagmorgen sind dann tatsächlich viele Texte entstanden, Ideen umgesetzt und Fragen beantwortet worden. Eine Studierende hatte ihre Hausarbeit sogar zu Ende geschrieben. Es ging zum Frühsport in den Nebenraum.

07:00-08:00 Durchhalten bis zum Sonnenaufgang wird belohnt. Es warten Sekt, Obst und frische Brötchen: Am gemeinsamen Frühstück nahmen immerhin noch 15 Studierende teil. Hier wurden die Erfolge der Nacht gefeiert und der Morgen begangen.

08:00 Die letzten Studies verließen zufrieden aber auch sichtlich ermüdet das gelbe Backsteingebäude in der August-Bebel-Straße und das Schreibzentrumsteam konnte auf eine ereignisreiche Nacht zurückblicken.

Unser Fazit: Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten ist eine gute Möglichkeit, Studierende auf das Angebot des Schreibzentrums aufmerksam zu machen und Gespräche über das Schreiben anzuregen. Außerdem hat das Event deutlich gezeigt, dass die Nachfrage nach Aktionen der Universität, die das wissenschaftliche Schreiben mal anders gestalten, in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist. Auch für unser Team war das Event wieder eine bereichernde Erfahrung, indem wir Teamspirit er- und gelebt haben. Die nächsten langen Nächte könnten jedoch früher beginnen und enden, so dass Schreibende und TutorInnen noch konzentrierter und aufmerksamer arbeiten können. Die gemeinschaftliche Aktion mit den anderen Schreibzentren hat gezeigt, dass wir zusammen vieles erreichen können und weitere Aktionen gemeinsam in Angriff nehmen sollten.

Anja Schulz und Simone Tschirpke

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