Frisch gerösteter Kaffee, frisch gebackenes Brot: Der Duft des Schreibzentrums im Coe College

sign coe college writing centerMein Besuch des Writing Centers am Coe College in Iowa ist mir als ganz besonders in Erinnerung geblieben. Es fing schon damit an, dass ich, bevor ich überhaupt das Schreibzentrum betrat, auf Toilette ging und in meiner Kabine mit einer Wandzeitung überrascht wurde: „wcwc – the writing center water closet“. Dort las ich ein erstaunliches, örtlich passendes Hemingway-Zitat: „The most essential gift for a good writer is a built-in, shock-proof, shit detector. This is the writer’s radar and all great writers have had it”. Neben Unterhaltsamem veröffentlicht wcwc auch die Termine des Schreibzentrums, Zitate von Ratsuchenden, Veranstaltungshinweise und Buchempfehlungen.

wcwc

writing center water closet - die ganz spezielle Wandzeitung des Schreibzentrums

Als ich dann ganz beschwingt ins Schreibzentrum ging, kam ich gerade rechtzeitig zum „Tuesday Tea“, der wöchentlichen öffentlichen Tee-Runde. Diese entpuppte sich als informelles Teamtreffen für alle die Lust hatten zu kommen und für alle anderen Studierenden und Lehrenden. So hatte ich gleich die Gelegenheit, viele der Tutoren persönlich kennen zu lernen. Zumindest dachte ich, es seien viele, bis ich erfuhr, dass insgesamt über 70 Tutoren im Writing Center arbeiten. Viele von ihnen beginnen gleich im ersten Semester und bleiben dann im Schreibzentrum bis zu ihrem Studienabschluss. Das Schreibzentrum ist damit ein ganz wesentlicher Teil ihrer College-Identität. Bob Marrs, der Direktor des Schreibzentrums, findet genau das sehr wichtig: Die Tutoren sollen das Schreibzentrum als ihren Raum in der Uni erleben, sich mit ihm identifizieren, Verantwortung übernehmen und ihn prägen. Deshalb ist das Schreibzentrum auch extrem gemütlich. Es ist ein großes Wohnzimmer mit vielen Sofa-Nischen, in denen die Beratungen stattfinden, mit Kunst an den Wänden, Leselampen, Pflanzen – und einer riesigen Küche! Im Gespräch mit den TutorInnen hatte ich sofort das Gefühl, dass ihnen das Schreibzentrum sehr wichtig ist und sie sich dort Zuhause fühlen. Darüber hinaus hatte ich aber auch den Eindruck, dass sie ein sehr fundiertes Wissen über Schreibberatung haben. Zunächst fragte ich mich, wie das kommt, da mir die beiden Tutorinnen, die mich später noch zum Pizza essen ausführten, erklärten dass ihr Training zu Beginn ihrer Tätigkeit im Schreibzentrum nur ein „Retreat“ ist, also ein mehrtägiges Seminar für das sie gemeinsam wegfahren. Dort ginge es aber vor allem um Teambuilding und weniger um Schreibzentrumstheorie.

Später hat Bob mir erklärt, dass er zunächst viel Wert darauf legt, dass die TutorInnen sich untereinander gut kennenlernen, damit sie dann voneinander und miteinander das Beraten lernen. Erfahrene TutorInnen arbeiten eng mit den Neuen zusammen. Außerdem gibt es wöchentliche Teamtreffen. Und alle, die im Schreibzentrum arbeiten, müssen im Laufe der acht Collegsemester ein Schreibzentrumstheorie-Seminar besuchen. Und zwar insgesamt vier Mal! Ich habe zunächst überhaupt nicht verstanden, weshalb das gleiche Seminar viermal besucht wird, aber die TutorInnen erklärten mir, dass ihnen das sehr gut gefalle. Zum einen, weil sie die gleichen Texte anders lesen und diskutieren würden, je nachdem, wieviel Beratungserfahrungen sie schon hätten. Und zum anderen, weil es jeweils andere Konstellationen von Teilnehmenden seien, so dass sich ganz andere Diskussionen ergäben. Außerdem gehört es zum Seminar, empirische Forschungsprojekte in Kleingruppen durchzuführen. Diese

Die Küche des Schreibzentrums

Forschungsprojekte basieren auf der Datenbank des Schreibzentrums, in der Protokolle aller Beratungen gesammelt werden (statistische Daten und kurze Beschreibungen der Gespräche). Es sei sehr gut, so erklärten mir die Tutorinnen, wenn man das mehrmals mache, weil sich durch die Forschungspraxis der Blick schärfe und man Ideen für neue Forschungsprojekte bekomme, für die man dann durch die Erfahrung auch schon besser gewappnet sei. (Ich hatte bei der Midwest Writing Centers Conference im Oktober einen Vortrag von Coe College-TutorInnen gehört und war damals sehr beeindruckt, also kann ich bestätigen, dass die Forschungsprojekte der Studierenden Hand und Fuß haben!).

Coe College Writing Center

Die Mischung aus Informalität des Lernens und Gründlichkeit in der Ausbildung im Writing Center des Coe College hat mich sehr fasziniert. Bob, als Direktor des Schreibzentrums, hält sich sehr im Hintergrund und nimmt den Gedanken des Peer Tutoring in allen Bereichen sehr ernst. Nicht nur in der Beratung, sondern auch in der Verwaltung und Leitung des Schreibzentrums. Denn auch diese legt er in vielerlei Hinsicht möglichst in die Hände der Studierenden. Diese sind zuständig für Werbung, für wcwc und andere Publikationen, für Forschung, usw., immer in Teams für ein gemeinsames Erlernen dieser Verantwortung. Als ich kam, bereitete ein Team gerade eine Art Assessment Center für die Studierenden vor, die sich gerade für die neuen Stellen bewerben. Selbstverständlich werden die jetzigen Tutoren wesentlich dafür verantwortlich sein, diese auszuwählen.

Coe College Writing CenterNicht weniger verantwortungsvoll, so erklärten mir die TutorInnen, seien die Teams, die zuständig sind für das Kaffee rösten und für das Brot backen. Huch? Und was hat das mit Schreibberatung zu tun? Bob und seine Leute waren eher erstaunt darüber, dass mir das nicht sofort klar war: Schreiben und Essen, bzw. Sinnesgenüsse gehören doch zusammen! Wenn ich an unsere Teamtreffen, Schreibgruppen und Schreibnächte in Frankfurt (Oder) denke, kann ich das nur bestätigen. Außerdem, so wurde mir erklärt, duften Brot und frischer Kaffee herrlich. Der Duft trägt zur Behaglichkeit im Schreibzentrum bei und lockt Leute herein. Außerdem sind das Backen und Rösten teil des Teambuildings. Und diese Teams sind offenbar sehr überzeugend. Jedenfalls ist es ihnen gelungen, im Rahmen des Umzugs des Centers, der erst kürzlich stattgefunden hat, eine Küche zu bekommen, die größer ist als so manches Schreibzentrum das ich hier schon gesehen habe.

Blick von der Küche ins SZAber auch akademisch überzeugt das Writing Center. Immer wieder gewinnen TutorInnen des Schreibzentrums Stipendien oder bekommen sehr gute Jobs, weil sie durch die Arbeit im Schreibzentrum sehr gute Kommunikationsfähigkeiten haben, Verantwortung übernehmen und kritisch denken. Das ist auch der Unileitung schon aufgefallen und deshalb unterstützt sie das Writing Center, so viele Tutoren wie möglich auszubilden und zu beschäftigen. Und wenn man sich mal die Relation anguckt, die es zwischen Studierendenzahl am College und SchreibzentrumstutorInnen gibt, dann spricht das Bände: auf 1200 Studierende kommen fast 70 SchreibberaterInnen. Wollten wir in Frankfurt (Oder) ein ähnliches Betreuungsverhältnis haben, müssten wir 333 TutorInnen beschäftigen. Ich denke, wir werden erstmal auf ein Zehntel dieser Zahl hinarbeiten – und vielleicht einen Brotbackautomaten?

Hohop Bean roaster

Hohop Bean roaster

PS: Das Schreibzentrum gibt auch eine Zeitschrift heraus, in der Literatur und Reiseberichte mit interkulturellem Blickwinkel veröffentlicht werden. Sie heißt Colere und ist richtig, richtig gut! Bob möchte damit Tutoren die Gelegenheit geben, das Herausgeben von Zeitschriften zu lernen. Beiträge (auf Englisch) aus Deutschland wären sehr willkommen, meinte er.

 

Von Hummeln und Schmetterlingen: Die deutschsprachige Schreibdidaktik in Bochum

Die Open-Space Tagung in Bochum „Vernetzung und Qualitätskriterien in der Schreibdidaktik“ vom 22.-23. März bot die Möglichkeit über schreibdidaktische Themen zu diskutieren, neue Ideen und Konzepte zu entwickeln und über Wege für eine bessere Vernetzung nachzudenken. Ca. 70 Personen hatten sich angemeldet, von denen auch fast alle anwesend waren. Unter den TeilnehmerInnen waren FreiberuflerInnen, HochschulmitarbeiterInnen und studentische Peer-TutorInnen. Fast alle Schreibzentren aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Brandenburg, Bremen und Hamburg waren vertreten, sogar Schreibdidaktiker aus der Schweiz (Winterthur) und Österreich (Graz) nahmen teil. Wie gut wir teilweise bereits vernetzt sind, zeigte unser AK Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg auf der Tagung: Wir vertraten nicht nur den regionalen AK, sondern zugleich das Schreibzentrum der Viadrina (Simone Tschirpke) und die Schreibdidaktik an den Universitäten Hildesheim (Jana Zegenhagen), Hannover (Nora Peters) und Göttingen (Ella Grieshammer).

Marktplatz der Ideen

Besonders anregend fanden wir das gewählte Format: Zunächst wurden „Anliegen“ bzw. Themenbereiche von den Teilnehmerinnen (und ein paar Teilnehmern…) auf einem großen Blatt formuliert, z.B.

Open Space-"Anliegen".
© AK Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg

  • „Organisation der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“
  •  „Faculty-Students Partnerships“
  •  „Standards einer Peer-Tutoren-Ausbildung“
  • „Möglichkeiten zur praxisnahen Forschung in der Schreibdidaktik“
  •  „Journal der Schreibberatung (JoSch)
  • „Gründung eines Berufsverbands“
  • „Schreibberatung für Berufstätige“
  • „Zusammenarbeit von NachwuchswissenschaftlerInnen“ uvm.

Insgesamt kamen so rasch 23 Themen zusammen; ein 24. Thema („Öffentlichkeitsarbeit für Schreibzentren“) wurde spontan noch Freitag morgen eingebracht. Auch dafür bot das Format Raum.

Wer ein Thema vorschlug, stellte es kurz dem Plenum vor, pinnte es dann an die große Wand in eine Zeiteinheit, in der er/sie das Thema diskutieren wollte: Donnerstag um 12 Uhr oder Freitag um 10.30 Uhr. Die Themenrunden wurden auf insgesamt 7 Räume verteilt oder spontan wegen des schönen Wetters ins Freie verlegt.

Man musste sich also für eine Runde entscheiden, hatte aber auch die Erlaubnis, eine Gruppe zu verlassen und sich eine Pause zu gönnen („Schmetterling“) oder zu „hummeln“ (zwischen den Gruppen zu springen).

Diskussion über Peer- Tutoren-Ausbildung
© AK Schreibdidaktik Berlin-Br.

Dokumentation der Gruppe "Peer- Tutoren-Ausbildung"
© AK Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg

Jede Gruppe dokumentierte ihre Ergebnisse abschließend im Flur. Ein großer Raum diente als „Café“ und Informationsbörse, dort hingen unsere „Steckbriefe“, die wir vorher den Organisatorinnen zugeschickt hatten.

Von der Idee zum Projekt

Am Freitag Nachmittag trugen wir im Plenum konkrete „Vorhaben“ zusammen, die sich aus den regen Diskussionsrunden ergeben hatten, und für die wir Unterstützung suchen:

  • Die Verbandsgruppe setzt einen Gründungsausschuss ein.
  • Die Zeitschrift „JoSCH“ sucht neue MitstreiterInnen, ReviewerInnen und MitarbeiterInnen.
  • Am 24.10.2012 soll um 11.55 in ganz Deutschland ein Schreib-Flashmob stattfinden.
  • Eine gemeinsame Datenbank für Protokollvorlagen und Datenerhebungen in den Schreibzentren soll erstellt werden usw.

Die letzte Runde bestand nun darin, dass sich zu jedem Vorhaben die Interessierten zusammensetzten und konkrete Schritte überlegten, um das Vorhaben in Gang zu setzen. Immer wieder wurde uns deutlich, wie sehr sich die SchreibdidaktikerInnen die Vernetzung untereinander wünschen. Als gemeinsame Plattform soll zunächst das Diskussionsforum schreibzentren.mixxt.de dienen.

Das war BÜZ!

Alles in allem:
B
(ehalten) werden wir die vielen neuen Kontakte.
Ü(berraschend) war die Vielfalt der diskutierten Themen und die Effektivität der Open-Space Methode, die das Erarbeiten konkreter, kleiner Ziele ermöglichte.
Z(ukünftig) sollte es weitere solche Formate geben, die SchreibdidaktikerInnen das Vernetzen und Austauschen ermöglichen.

Ein Riesendank an die Bochumer Organisatorinnen (samt Benny natürlich), die die Sache in die Hand genommen haben.

v.l.n.r. Mitglieder des AK Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg Daniela, Simone, Jana (jetzt Hildesheim), Nora (jetzt Hannover)
© AK Schreibdidaktik Berlin-Brandenburg

Writing Center Professionals Meeting: Wie stellen wir unsere Arbeit dar und brauchen wir Zertifizierungen?

Bei meinem Besuch in den Twin Cities (Minneapolis und St. Paul) hatte ich auch die Gelegenheit, an einem Treffen der Writing Center Professionals der Region teilzunehmen, das an der Hamline University in St. Paul stattfand. Diese Treffen finden vierteljährlich statt und die Teilnehmenden kommen von Schreibzentren verschiedener Unis, Colleges, Community Colleges und High Schools. Dieses Mal waren 28 Leute versammelt. In einer kurzen Runde stellten sich zunächst alle vor und nannten, als kreative Einlage, ein Wort zu dem sie eine Hassliebe haben. Meins ist „patience“, weil ich mir hier immer wieder klar machen muss: Es braucht Geduld und Ausdauer, um Schreibzentren zu etablieren.

„How to explain ourselves to faculty“

Das erste Thema des Treffens war „How to explain ourselves to faculty“, ein Thema, das auf der E-Mail-Liste des Netzwerks wohl schon öfter angesprochen worden war. Es ging also darum, wie schwierig es sein kann, die eigenen Arbeit Lehrenden zu erklären – ich kam mir sofort ganz heimisch vor! Alle Anwesenden hatten schon die Erfahrung gemacht, dass Selbstbild und Fremdbild innerhalb der eigenen Uni mitunter weit auseinander gehen. Eines der schöneren Missverständnisse ist, dass Schreibzentren magische Orte sind. Wie durch Zauberei können Studierende, die uns besuchen, hinterher perfekt schreiben! Obwohl auch Lehrende aus eigener Erfahrung wissen, dass man beim Schreiben nie auslernt und man immer wieder auf neue Herausforderungen stößt, wird von Studierenden oft erwartet, dass sie es irgendwann einfach können. D.h. es wird erwartet, dass Schreibzentren für Studierende irgendwann nicht mehr nötig sind. Demgegenüber machen wir die Erfahrung, dass gerade erfahrene Schreibende Schreibzentren gerne aufsuchen, weil sie wissen, wie wertvoll Gespräche über ihre Texte mit professionell geschulten Tutoren sind.

Sehr weit verbreitet scheint auch die Ansicht zu sein, dass es „früher“ ein goldenes Zeitalter gab, in dem die Studierenden noch ordentlich schreiben konnten, während heutzutage alles den Bach runter geht. Deshalb braucht man wohl Schreibzentren – die heutigen Studierenden haben es halt nötig! Aus unserer Perspektive ist es dagegen völlig normal, wenn insbesondere Anfänger beim wissenschaftlichen Schreiben mit Schwierigkeiten kämpfen. Es ist klar, dass es keinen Spaß macht, solche Texte zu lesen, aber ohne ausführliches und konstruktives Feedback werden sie nicht besser werden. Uns ist außerdem klar, dass es kein allgemeingültiges „how to do it“ gibt beim Schreiben, aber wer sich nicht mit Schreibprozessen auseinandersetzt, weiß das oft nicht.

Eine Kollegin berichtete von einer Sitzung, in der Lehrende sich über die schlechte Qualität studentischer Texte beklagten. Daraufhin habe ein Professor gefragt, ob diese Lehrenden wüssten, wie man eine leckere und ausgewogenen Mahlzeit zubereitet. Er erklärte, dass wir das alle wüssten, aber im Alltag doch oft nur schnell was aufwärmen, einfach, weil wir es nicht täglich schaffen können, ein perfektes Essen zuzubereiten. Und er fragte, ob die schlechten Texte nicht vielleicht einfach daran lägen, dass auch die Studierenden, die eigentlich bessere Texte schreiben könnten, nicht die Möglichkeit haben, jedes Mal etwas Perfektes zu liefern, weil der Studienalltag viel zu voll sei. Ich fand das eine interessante Perspektive. Hier ist es ja so, dass alle Texte im laufenden Semesterbetrieb geschrieben werden. Bei allen Nachteilen, die das in Deutschland verbreitete einsame Schreiben in der vorlesungsfreien Zeit mit sich bringt, hat es so doch immerhin eine priveligierte Stellung im Studienalltag.

Writing Center Professionals in der Hamline University

Writing Center Professionals in der Hamline University

Das Fazit der Diskussion war zum einen, dass es zwar vorkommt, dass Studierende von Lehrenden mit falschen Vorstellungen ans Schreibzentrum verwiesen werden, aber es trotzdem schön ist, wenn sie kommen und an uns liegt, was wir dann draus machen. Zum anderen wurde festgehalten, dass es schlichtweg zu unseren Jobs dazu gehört, immer und immer wieder zu erklären was wir machen. Wir haben selbst auch falsche Vorstellungen von dem, was andere Menschen machen, also sollten wir nicht erwarten, dass Außenstehende wissen, was wir tun.

Es gab einige interessante Beispiele für erfolgreiche Kooperationen. So haben mehrere Schreibzentren „Advisory Boards“, also eine Art Beirat, mit Mitgliedern aus verschiedenen Bereichen der Institutionen. Andere bitten Lehrende verschiedener Fakultäten, an den Bewerbungskommissione für neue Tutoren teilzunehmen, weil diese dabei sehen können, wie sorgfälitg die aktuell arbeitenden Tutoren ausgebildet wurden und wie professionell sie in der Bewerbungskommission handeln. Auch einen „Faculty Guide to the Writing Center“ haben viele Schreibzentren.

Zertifizierung der Tutorenausbildung?

Das zweite Thema des Treffens war die Zertifizierung von Tutorenausbildungen nach bestimmten Qualitätsstandards. Ebenfalls ein Thema, das mir bekannt vorkam und das derzeit in Deutschland genauso aktuell ist (siehe Open Space Meeting im März). Es gibt ein International Tutor Training Program Certificate, das von der College Reading and Learning Association (CRLA) vergeben wird. Dabei wird zertifiziert, ob die Ausbildung die studentischer Tutoren einen gewissen Umfang und gewissen Inhalte hat, wie sie evaluiert und die Tutoren geprüft werden und ob institutionelle Mindeststandards bei den Rahmenbedingungen gegeben sind. Die Zertifizierung kostet natürlich Geld und muss in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden.

Das Fazit der Diskussion: Einerseits stellt sich die Frage, ob ein Zertifikat, dass nicht speziell auf Schreibzentren zugeschnitten ist, unserer Arbeit, ihrem besonderen pädagogischen Hintergrund und den unterschiedlichen institutionellen Kontexten gerecht werden kann. Andererseits ist es den Uni-Verwaltungen oft wichtig, solche Zertifikate haben und zeigen zu können. Wenn sie die personellen und finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, damit wir uns dem Zertifizierungsprozess unterziehen können, spricht eigentlich nichts dagegen, weil unsere Tutorenausbildungen oft über die geforderten Mindeststandards hinaus gehen. Auf jeden Fall kann die Zertifizierung bei der Neugründung von Schreibzentren nützlich sein, weil sie moralische Unterstützung sein kann, um einen Rahmen festzulegen und diesen dann auch dauerhaft beizubehalten – denn das Zertifikat muss ja regelmäßig erneuert werden.

Abschließend wurden verschiedene Round Tables, Konferenzen und Tagungen angekündigt und ein neuer Termin und ein neuer Ort und Themenvorschläge für das nächste Treffen bestimmt. Ich habe die Gelegenheit genutzt, auch das Schreibzentrum der Hamline University anzugucken. Die dortige Lösung ist, das Schreibzentrum innerhalb der Bibliothek zu platzieren – ohne Wände dazwischen, sehr präsent und sichtbar für alle dort lernenden Studierenden. Es waren leider keine Studierenden mehr da, aber ich kann mir vorstellen, dass das gut funktionieren kann.

Writing Center Hamline

Blick zur Rezeption und zu Tutoring-Ecken

Tutoring spaces

Blick in die offene Tutoring-Ecke in der Bibliothek

Qualität ist wichtig! Open Space Tagung am 22. und 23.3. in Bochum

Immer wieder fällt mir beim Lesen der Fachliteratur auf, dass betont wird, wie wichtig es für die Professionalisierung der Schreibdidaktik war, dass es einen Austausch über Qualitätsstandards gab (und gibt). Deshalb, und weil mich die Bochumer Kolleginnen darum gebeten haben, möchte ich hier nochmal auf das Treffen hinweisen, das im März in Bochum stattfinden wird:

Das Schreibzentrum der Ruhr-Universität Bochum lädt ein zum Open Space zu den Themen „Vernetzung und Qualitätskriterien in der Schreibdidaktik“ am 22./23.3.2012
In den letzten Jahren haben wir, die Mitarbeiterinnen des Schreibzentrums an der Ruhr-Universität Bochum, im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen immer häufiger das Bedürfnis wahrgenommen, die mittlerweile sehr große SchreibdidaktikerInnen-Szene im deutschsprachi-gen Raum besser kennenzulernen, um sich über die unterschiedlichen Angebote und Arbeits-weisen auszutauschen und sich eventuell weiter zu vernetzen. Da wir dieses Bedürfnis teilen, würden wir gerne alle zu einem offenen Austausch an die RUB einladen, die im Bereich der Schreibdidaktik tätig sind – egal ob mit oder ohne institutionelle Anbindung, MitarbeiterInnen an Schreibzentren, FreiberuflerInnen, SchreibberaterInnen etc.
Diesem offenen Austausch wollen wir einen Rahmen geben: Wir bieten am 22. und 23. März 2012, jeweils von 10 bis 18 Uhr, eine Veranstaltung an, die sich an die Open-Space-Methode anlehnt. Jeder kann dort seine Anliegen zu den Themen „Vernetzung und Qualitätskriterien in der Schreibdidaktik“ vorschlagen und bearbeiten. Diese Veranstaltung kann natürlich nur dann erfolgreich sein, wenn sich möglichst viele in den verschiedenen Bereichen der Schreibdidaktik Tätige aktiv beteiligen. Jeder, der ein Anliegen einbringt, wird beim Open Space genügend Zeit und Raum haben, um mit einer Gruppe von Interessierten zu diskutieren und gegebenenfalls etwas zu erarbeiten.
Das bedeutet ganz konkret: Es gibt keine Workshops oder Vorträge, sondern prinzipiell offene Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen, die die Teilnehmenden entweder zu Beginn des Open Space oder – noch besser – im Vorfeld vorschlagen. Wir übernehmen also die organisato-rische Vorbereitung, die inhaltliche Gestaltung liegt in den Händen aller Teilnehmenden.
Wir möchten den Veranstaltungsbeitrag so gering wie möglich halten und gehen davon aus, dass er sich auf ca. dreißig Euro belaufen wird, die für Essen und Getränke anfallen.
Wir bitten Sie spätestens bis zum 31. Dezember 2011 um Rückmeldung, ob Sie teilnehmen wollen. Und wenn Sie ein Thema bzw. Anliegen für das Open Space haben, wäre es schön, wenn wir ganz rasch von Ihnen hören! Auf unserer Homepage (www.sz.rub.de) stellen wir in den kommenden Wochen organisatorische Informationen z.B. zu Unterkunft, Anreise, Abend-programm etc. bereit.
Wir freuen uns auf ein Kennenlernen/Wiedersehen in Bochum

schreibzentrum(at)rub.de

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