Schreibmarathon 2017

Von Marie Carow

Kurz vor Ende des Sommersemesters, jedes Jahr im September, veranstaltet das Schreibzentrum den so genannten „Schreibmarathon“. Ziel ist es, Studierenden Zeit und Raum für ihre Schreibprojekte zu geben, aber ihnen auch mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Kurz vor Abgabefrist haben so noch einmal alle die Möglichkeit, sich zu motivieren und von Montag bis Freitag konzentriert zu arbeiten. Im Beisein anderer Schreibender entsteht so eine intensive Arbeitsatmosphäre, die alle in eine Stimmung versetzt, die sich positiv auf die Konzentration und die Motivation auswirkt. So entstehen innerhalb eine Woche kleine und große Texte und jede*r kommt  dem persönlichen Ziel näher. Dieses Jahr durfte ich als Peer-Tutorin des Schreibzentrums diese besondere Woche leiten und die Schreibenden begleiten.

SCREEN SCHREIBMARATHON 2017

Hier ein kleiner Eindruck aus dem diesjährigen Schreibmarathon.

Montag, 04.09.2017

Der Wasserkocher köchelt vor sich hin, die Zielscheibe wartet auf die ersten Pins und der Tagesablauf flattert im Wind. Ich befestige ihn mit Magneten und kontrolliere, ob die Kekse und Weintrauben auch schmecken. Ich bin dabei aber die Einzige im Raum. Um 10 Uhr sollte es losgehen. Die Uhr tickt und meine Aufregung steigt. Um 10:18 Uhr kommt immer noch niemand durch die Tür. Ich kontrolliere E-Mails, lege zum dritten Mal die Handouts zurecht und mache mich daran, einen Tagesarbeitsplan für mich auszufüllen. Um 10:45 Uhr bin ich immer noch alleine und checke den Facebook-Eintrag zum Event noch einmal. 10 Teilnehmer, 38 Interessierte, wenigstens eine*r muss doch kommen! Um 11:51 Uhr betritt die erste Schreibende den Raum. Wir kommen ins Gespräch und sie berichtet, dass sie mit dem Schienenersatzverkehr vier Stunden unterwegs war von Berlin bis nach Frankfurt/Oder. Sie sei  zwischendurch nur nicht umgekehrt, weil sie sowieso  noch ein Buch abgeben müsse und zu Hause nur wieder prokrastinieren würde. Im Laufe des frühen Nachmittags finden noch weitere Teilnehmer*innen den Weg ins Schreibzentrum. Es bleibt trotzdem ruhig, die Tastaturen der Laptops klackern leise. Erst auf der Rückfahrt, im Zug nach Berlin kommen wir ins Gespräch und alle Teilnehmer*innen berichten, dass sie mehr geschrieben haben, als in den letzten Wochen zusammen. Das motiviert auch mich.

Dienstag, 05.09.2017

Ich bin wieder sehr früh hier und koche Kaffee. Der Duft erfüllt den Raum mit einer wohligen Wärme. Ich bin nicht mehr so aufgeregt, aber leicht angespannt, weil die Bahnen immer noch nicht richtig fahren. Gestern hatte ich eine Erinnerungsmail an interessierte Teilnehmer*innen gesendet und einen Aufruf bei Facebook gestartet. Kurz nach 10 Uhr betreten eine unbekannte Studentin den Raum, gleich hinter ihr ein angemeldeter Teilnehmer und zwei der Schreibenden von gestern. Ich freue mich über die freundlichen Mienen und wir beginnen gemeinsam. Den geplanten Auftakt von gestern habe ich abgewandelt und so lernen wir uns eben heute kennen. Als ich die Zielscheibe vorstelle, leuchten die Gesichter auf, wie bei Kindern. Alle gehen nach vorne und pinnen ihre Schreibziele an – ein schönes Gefühl. Motiviert geht es an die Plätze und unsere Projekte.

Mittwoch, 06.09.2017

Bergfest! Ich habe gestern weniger geschrieben, umso mehr habe ich mir für heute vorgenommen. Ich habe die leise Hoffnung, das klackernde Geräusch der Tasten spornt die Studierenden an. Ein fester Kern hat sich gebildet. Gemeinsam schreiben sie an einem kleinen Einstimmer, tauschen sich über ihre Ziele aus. Mit Freude bemerke ich, dass jede*r Teilnehmer*in eine Yogamatte dabei hat. Heute Nachmittag gibt es nämlich eine kleine Besonderheit. Yvonne Biesenthal will uns eine Yogaeinheit nach dem Schreibmarathon spendieren. Die Studierenden schreiben fleißig, ohne Pause. Als es draußen dunkel wird und der Regen einsetzt, kommt Frau Biesenthal herein. Wir unterhalten uns über das Schreibzentrum. Wir legen unsere Matten bereit. Zwei Studierende stoßen noch dazu und so ist der Raum gut gefüllt. Leise Musik unterstützt uns bei den Entspannungsübungen. Mit einem Sonnengruß lassen wir den Tag ausklingen. Für morgen sind wir bereit!

Donnerstag, 07.09.2017

Es ist kalt. Zu viert machen wir uns den Raum warm mit Kaffee, Kuchen, heißem Tee. Letzteren kippe ich mir über den Schoß. Der Computer bleibt zum Glück unversehrt, meine Laune weniger. Mit nassem Bein versuche ich, die Schreibenden mit einem neuen Schreibeinstimmer zu motivieren. Wenig später raschelt und klackert es wieder. Geht doch! Die zweite Kanne Kaffee läuft durch, oder ist es die dritte? Ich bin ein bisschen überwältigt von dem Arbeitseifer der Studierenden.

Freitag, 08.09.2017

Endspurt! Auf der Zielscheibe wird es eng in der Mitte. Ich dachte, es motiviert die anderen, wenn ich mein eigenes Ziel auch mit anpinne. Es scheint funktioniert zu haben, sie lassen mich am Rand zurück und stürmen auf die Mitte zu. Toll! Allerdings will uns heute der Verkehr wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Nach dem SEV gibt es jetzt eine kontrollierte Bombensprengung in Erkner. Der Zug fährt zwischen Ostbahnhof und Fangschleuse nicht! Und weil es so schön ist, gab es auch noch einen Verkehrsunfall vor dem Kießlingplatz. Also ist wohl Laufen angesagt, für die Tapferen, die es nach Frankfurt/Oder geschafft haben. Mit mir sind es immerhin vier!

Alles in allem war es eine aufregende, abwechslungsreiche und vor allem arbeitsintensive Woche für alle Beteiligten! Ich war besonders erstaunt darüber, dass die Studierenden sich auf den Weg aus Berlin hierher gemacht haben, trotz der Umstände. Und es hat allen, laut ihrer Aussage, etwas gebracht! Eine schöne Erfahrung…

 

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Schreibzirkus

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Jana, Juliane und Diana präsentieren den Schreibzirkus 2016

Der Schreibzirkus oder Writers‘ Circus ist ein Schreibevent, das wir am Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina entwickelt haben. Es eignet sich besonders gut, um in großen Gruppen auf kreative und spielerische Art und Weise miteinander in einen Austausch über das Thema Schreiben zu kommen. Die Teilnehmenden erarbeiten in Kleingruppen verschiedene Zirkusdarstellungen rund um das Thema Schreiben und orientieren sich dabei an verschiedenen Zirkusfiguren. Schließlich kreieren alle gemeinsam eine große Zirkusshow mit verschiedensten Nummern: Großer Spaß und ein tolles Warm-Up für Konferenzen, Tagungen oder auch als Teambuilding-Maßnahme im Schreibzentrum!

Erprobt haben wir den Writers‘ Circus äußerst erfolgreich auf folgenden Konferenzen:

Wer den Schreibzirkus ausprobieren möchte kann sich das Material als pdf herunterladen: schreibzirkus_deutsche_version_cc-license . Es steht unter creative commons license, d.h. es darf genutzt, weiter verbreitet und auch weiter entwickelt werden. Wichtig ist nur, dass es nicht für kommerzielle Zwecke genutzt wird und dass auf unsere Urheberschaft verwiesen wird. Viel Spaß!

Und hier gibt es das Material zum Schreibzirkus zum Download auf Englisch: writers-circus_cc_license
Creative Commons License
Schreibzirkus by Schreibzentrum Europa-Universität Viadrina is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

Creative Commons License
Writers‘ Circus by Schreibzentrum Europa-Universität Viadrina is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

 

EWCA conference 2016 – in the (he)art of success(ful) writing

From 7th to 10th july, our team participated in the European Writing Centers Association’s Conference and the foregoing Peer Tutor Day.

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Looking forward to the keynote (foto: Franziska Liebetanz).

This year, the EWCA Conference was hosted by the Writing Center of the University of Łódz (Uniwersytet Łódzki). Łódz is in the middle of Poland and we went with 10 people from our Writing Center team to the conference. On Wednesday, four of us went by train from Frankfurt (Oder) to Łódz, we enjoyed taking a very slow train, seeing the countryside of Poland and having time to talk and relax. Another colleague of us came by car, because she took her baby and boyfriend with her to the conference. One day later the rest of our team came in the evening. We all stayed in a student dorm next to the University building. The student dorm was a typical old building made from prefabricated slabs, with a lot of levels but not much privacy because of a very light construction. However, it was very close to the conference and in convenient distance to town. We enjoyed being there all together.

As Writing Center of the European University Viadrina we have a special connection to our neighbours from Poland. We work at a University which has a strong partnership with the AM University in Poznan, we have many polish students and of course three of our peer tutors are from Poland. Even some of our Writing Center team speak polish or try to speak more or less. So we all were very excited to travel to Poland, to talk to our polish colleagues, to exchange our expertise with Writing Center work and to learn from our Writing Center Colleagues from all over the world. Two of our peer tutors also gave their workshop in polish to share their experiences with Writing Center work in Poland.

During the conference, the elections for the new EWCA board were hold. The new board constists of nine engaged writing center people from all over Europe and the USA. We are happy to announce that the director of our Writing Center, Franziska Liebetanz, will be the organization’s chair for the next two years. We are sure that she and the other board members will continue the great work of the former boards and help to further advance Writing Center work and the close co-operations of the European Writing Center community.

In the following blog entry, some of our team members want to share their impressions from the conference:

Exploring the Writing Center map

At the conference in Łódz, in the center of Poland, most inspiring to me was getting to know tutors with initiatives at the rather „periphery“  of the European Writing Center map.

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A former factory site in the city, now hosting a lot of alternative restaurants and bars (foto: Franziska Liebetanz).

For example, it was stimulating to hear various stories from the Writing Center of Niš, Serbia, with very committed Peer-Tutors in a kind of „start-up“-setting in the process of establishing itself. Writers coming there do not exclusively refer to an academic context, but might (also) discuss their own creative writing or a motivation letter.

Talking to people from Armenia, the Ukraine and Turkey, the importance of (external) institutional support and funding for sustainable Writing Center work became especially visible. It is good to see how the concept of (peer-)tutoring in academic writing can gain ground in academic contexts to which it (hitherto) might seem unfamiliar.

Being hosted in the center of the Polish Writing Center landscape, Michał Żytyniec and I were excited to hold a session in polish about how Writing Center work can find more ground also in Poland. Deriving partly from our experiences, an interesting discussion evolved, with people differently related and engaged in this field: Coming from a secondary school aiming to bridge the gap to universities, from the Law faculty wishing to teach students writing in English, from the Writing Centre in Łódz … We hope that this initial exchange can be a starting point for a network that helps to bring academic writing more to the center of curricula and university environments in Poland and are willing to contribute to this.

(Pascal)

The Pecha Kucha Sessions

A format that seems to be special at EWCA conferences is that of the Pecha Kucha Powerpoint Presentation. Presenters prepare a presentation with 20 slides, with an automatic change of slides every 20 seconds. The slides should show visual images rather than much text. In Łódz we enjoyed three Pecha Kuchas. In the first one, Olesya Shatunova shared her concept of quick and short writing prompt sessions that she uses to enhance the writing fluency of her students at a Japanese university. Simon Freise presented his ideas about tutoring sessions and writing center encounters that are not “normal” and brought this together with the theoretical framework of the sociologist Zygmunt Baumann about ambivalence, asking where the place of diversity in a Writing Center can be. Kelsey Monzka-Boettiger, Nevena Radulovic, Danilo Asanin, Aleksandra Jankvic, Milena Simic and Stevan Dinic introduced their community writing center in Niš, Serbia, in their Pecha Kucha session. This Writing Center is sponsored by the “American corner”, a local branch of a US-American governmental program. It is the only Writing Center in Serbia and is located outside the university, but inviting students from the university. All the tutors work on a volunteer basis. The short and visual format made these brief insights into three very different topics very inspiring and refreshing.

(Katrin)

My favourite workshop

I really enjoyed the many great talks with Writing Center colleagues from all over the world and the beautiful city of Łódz. Moreover, the conference programme, persisting of a lot of presentations and workshops, was very inspiring to me.

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Hexagonal writing (foto: Anne Kirschbaum).

On Saturday, I joined the workshop of Katja Günther and Ingrid Scherübl. The method they introduced was the strategic hexagon: Unlike the research pentagon we often use in our Writing Center, this method aims not mainly at planning texts, but is meant to sharpen ones writing process. It sets one off to think about the limitations that the assignment, the norms to follow, the time, the author and the readers set for ones writing project. After I had done the method during the workshop, it felt less painful to me to decide what my next steps would be with the article I currently work on – and to see, which priorities I want to set while working. I guess it will take me some time to go through my insights again and to put them into practice, but still I feel that I progressed some steps in the right direction.

(Anne)

 

Diana und Dilnaz

Exploring the city together with new friends (foto: Dilnaz Alhan).

What belongs into your heart of successful writing?

The EWCA in Łódz touched my heart on several dimensions.

First of all, I enjoyed the lovely and dynamic atmosphere and interactions among all participants with ever-enriching moments, conversations and unexpected happenings. I recognized how easily we can put ourselves into deep talks about our passion concerning our work as well as private things.

Secondly, I was very encouraged to stay stuck to the notion of networking, collaborative work and international tandems, due to the keynote of Brandon Hardy. In order to implement the spirit within our Writing Centers sustainably and all over the surface of the world on a long-term scale, it is essential, that we try to step out of our comfort zones and start thinking processes more outside the box, allowing ourselves to cooperate and work together internationally. I am glad for the respond towards the workshop “International tandem for writing and exchange” my colleague Alyssa and me conducted and all lovely and enthusiastic contributions towards it. It touched my heart to see how the fire of excitement started to spread among the participants of the workshop. Moreover, first blog entries and promises to involve into the project made my heart jumping.

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Our travel-activity (foto: Anne Kirschbaum).

A nice side effect of the conference was the travel together with my lovely team. We had lots of fun playing a famous German game called “Stadt-Land-Fluss” and replacing the standard categories “city”, “country” and “river” with writing center-related ones such as “type of writer” or “equipment of the writing center”. By this, we developed new types of writers and figured out what belongs into the equipment of a writing center and what not. The new type of writer named “The Radish” became popular within our team: The Radish type of writer likes to write tricky and difficult parts of his or her texts at a very first stage of his or her writing. Furthermore, he or she is in love with challenging kinds of phrases and structures of his or her text. This writer is very eloquent both in written and spoken words.

During the whole time of the conference my heart was dug into an ocean of friendship and the warm atmosphere of belonging. I spent very beautiful moments on our balcony in abstract and philosophical conversations with some team members about the power of love and it’s sometimes appearing impossibility, using the metaphor of an elephant to explain. Moreover, I was deeply touched by the amazing grasp of a hidden value catalog within people hearts. I am thankful in eternity for this conference and the nice community.

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Networking at it’s best (foto: Dilnaz Alhan).

“Don’t walk behind me – I may not lead!

Don’t walk in front of me – I may not follow!

Just walk beside me and be my friend!”

(Albert Camus)

(Diana)

 

Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten – ein Rückblick

Vor etwas mehr als einem Monat, am 3. März 2016, veranstalteten wir die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten: Von 16 bis 1 Uhr luden wir Studierende aller Fakultäten der Europa-Universität Viadrina in die Bibliothek ein, um dort an ihren Schreibprojekten zu arbeiten. In der motivierenden Gesellschaft anderer Schreibender und unterstützt durch unser Begleitprogramm aus Workshops und Schreibberatungen konnte die Nacht produktiv genutzt werden. Ob Abschlussarbeit, Falllösung oder Essay – alles, was noch nicht aufgeschrieben oder gedacht wurde, konnte in dieser Nacht besprochen und auf das Papier gebracht werden.

Noch Wochen nach der Veranstaltung sehen wir Studierende, die wir in der Langen Nacht in Workshops, in Schreibberatungen oder am Empfangstisch kennengelernt haben, im Schreibzentrum zur Schreibsprechstunde wieder. Grund genug für unser Team, noch einmal zurückzublicken und unsere Eindrücke von der Langen Nacht niederzuschreiben:

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„Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten (LNdaH) fühlte sich für mich eher an wie eine „Lange Nacht, um nachts in der Bibliothek mal ordentlich zum Arbeiten zu kommen“. Die Themen der Schreibberatung waren demnach vielfältig; vom Schulreferat bis zur Doktorarbeit. Die Zeit verging schnell, so dass aus meiner Sicht eher eine kurze Nacht daraus wurde. Eigentlich schade, dass es die Gelegenheit zur nächtlichen Kurzweil in der Bibliothek nicht öfters gibt.“ (Pascal)

„Bereits zum 7. Mal haben wir vom Schreibzentrum die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten nun schon veranstaltet – doch es ist immer wieder so aufregend und spannend wie beim ersten Mal im Jahr 2010. Neu in diesem Jahr war für uns der Veranstaltungsort: die Uni-Bibliothek. Von der zentralen Lage auf dem Campus hat die LNdaH in diesem Jahr deutlich profitiert. Viel mehr Studierende als sonst nutzten den Abend, um mit ihren Schreibprojekten voran zu kommen. Die von den Schreib-Peer-Tutor*innen angebotenen Schreibberatungen waren restlos ausgebucht und auch die Workshops wurden sehr gut besucht.“ (Simone)

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Ideenschmiede im Lerncontainer (Foto: Franziska Liebetanz).

„Es war schön, das Schreibzentrum für eine lange Nacht von der Peripherie der August-Bebel-Straße 12 in das Herz der Uni zu verlagern. So konnten wir (auch wenn ich es nur gefühlt habe und nicht statistisch beweisen kann) zusätzlich die Menschen ansprechen, die Tag für Tag in den Fahrstuhl steigen und bis zum Abend den Lesesaal nur für eine Kaffeepause verlassen. Ich glaube, die in die Bibliothek beheimateten disziplinierten Eigenbrötler*innen könnten wir dauerhaft als Zielgruppe gewinnen, wenn wir in Kooperation mit der Uni-Bibo einen kleinen SZ-Ableger in einem der Lerncontainer gründen würden. Quasi jede Woche einen Langen Tag der aufgeschobenen Hausarbeiten!“ (Simon)

„Auch von zu Hause konnte man sich von der Atmosphäre der Langen Nacht anstecken lassen: Auf Twitter war ziemlich viel los. Die Tweets mit dem Hashtag #LNdaH haben einen Einblick in den Ablauf der Langen Nacht in ganz Deutschland ermöglicht. Schöne Fotos wurden gepostet, auf denen einladende Schreibräume und motivierte Schreibende zu sehen waren. Die digitale Teilnahme an dieser Schreibaktion kann auch Spaß machen! Man muss nur aufpassen, Social Media wirklich zur Inspiration und nicht zum Aufschieben zu nutzen.“ (Michał)

„Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten bleibt mir in Erinnerung als ein kleiner Rausch im Land der Schreibdidaktik. Die Gesichter von Ratsuchenden sehe ich vor mir und die dazugehörigen Anliegen hängen noch in meinem Ohr; ob Zitation, Textfeedback oder Hausarbeiten schreiben in Jura. Am Infostand auf die Zielscheibe hinzuweisen – der eigene Arbeitsstand innerhalb der Nacht kann markiert werden – hat Spaß gemacht. Zu sehen, dass Teilnehmende von Workshop zu Workshop an ihren Plätzen blieben und sich eine kleine Stammgemeinschaft abzeichnete, empfand ich als sehr befriedigend. Ich hatte das Gefühl, dass die Bibliothek einen guten Veranstaltungsort bildete. Sie wird von Studierenden ohnehin mit dem wissenschaftlichem Arbeiten verbunden und die LNdaH könnte für die Teilnehmenden das i-Tüpfelchen eben dafür dargestellt haben.“ (Alyssa)

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Am Büffet konnten Schreibende ihre Energiereserven auffüllen (Foto: Franziska Liebetanz).

„Mir ist eine Situation während der Langen Nacht besonders im Gedächtnis geblieben; wahrscheinlich weil sie die tolle Atmosphäre spürbar macht, die an diesem Abend herrschte. Ich saß am Begrüßungsstand vor der Bibliothek und war in ein Gespräch mit einem Promovierenden vertieft, als ein Studierender mich höflich, aber doch ungeduldig unterbrach und mich fragte, wo denn die Liste für die Anmeldung zur Schreibsprechstunde hin sei. Er komme gerade aus einer Beratung und sei so begeistert von der Offenheit des Gesprächs und den vielen interessanten Hinweisen, dass er sich sofort noch einmal eintragen wollte. Ich habe ihm die Liste schmunzelnd hingeschoben und ihm geantwortet, dass wir glücklicherweise die halbe Nacht da sind und vorher sogar noch etwas Zeit bleibt, um sich am Büffet zu bedienen. Damit war sein Glück an diesem Abend perfekt, er war von guten Gesprächen und gutem Essen gesättigt.“ (Anja)

Viele bekannte Gesichter von der Langen Nacht nun im Schreibzentrum wiederzutreffen und auch die vielen dankbaren Kommentare von Schreibenden während der Langen Nacht bestätigen unsere eigenen positiven Eindrücke und zeigen uns, dass wir mit dieser Veranstaltung immer wieder aufs Neue für eine veränderte Schreibkultur werben können: eine Schreibkultur, für die Offenheit, konstruktive Rückmeldung und Austausch zentral sind.

Weitere Stimmen zur Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten finden Interessierte unter anderem auch hier:

http://www.wlnjournal.org/blog/2015/03/the-long-night-against-procrastination-2015-a-german-perspective/

https://schreibnacht.wordpress.com/

Hochschulperle für Writing Fellow Programme – bitte bis 26.1. abstimmen!

WF Zeichnung 2Wir freuen uns über Unterstützung beim Wettbewerb um die “Hochschulperle des Jahres 2014”. Im August 2014 haben wir die „Hochschulperle des Monats“ für die Writing Fellows Programme der Goethe Universität Frankfurt/Main und der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) gewonnen:

http://www.stifterverband.info/wissenschaft_und_hochschule/hochschulperle/2014/2014-08/index.html

Writing Fellows sind schreibdidaktisch ausgebildete Studierende, die mit Lehrenden verschiedener Fächer eng zusammen arbeiten und schriftliches und mündliches Feedback auf die studentischen Schreibaufgaben geben. Im April letzten Jahres hatte Writing Fellow Anne hier über ihre Erfahrungen berichtet. Bis 26. Januar 2015, 11.00 Uhr darf nun darüber abgestimmt werden, ob die Writing Fellows Programme auch die Jahresperle gewinnen. Wir würden uns sehr über Unterstützung freuen, um die Idee der Writing Fellows und damit auch Schreibzentren bekannter zu machen.

Hier geht es zum Voting zur Unterstützung der Writing Fellows Programme:

http://www.stifterverband.info/wissenschaft_und_hochschule/hochschulperle/2014/voting/index.html

Für weitere Informationen:

Writing Fellows Europa-Universität Viadrina: http://www.europa-uni.de/de/struktur/zfs/schreibzentrum/Angebote/fuer_Studierende/writing_fellows/index.html

Writing Fellows der Goethe Universität Frankfurt/Main: http://www.uni-frankfurt.de/48203334/writingfellows

Herzlichen Dank für’s Abstimmen und für’s Weiterleiten!

Zehn Jahre Schreibcenter der Uni Klagenfurt – Herzlichen Glückwunsch!

Klagenfurt

Am 14.und 15. November 2014 hat das Schreibcenter der Alpen Adria Universität Klagenfurt sein 10jähriges Jubiläum gefeiert und aus diesem Anlass auch zu einer Tagung eingeladen, die gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Wissenschaftliches Schreiben (Gewiss) ausgerichtet wurde. Außerdem wurde eine Lange Nacht des Schreibens veranstaltet. Ich möchte hier ein paar Eindrücke teilen, die ich mitgenommen habe, ganz ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

In Erinnerung bleibt mir zum Beispiel der Film, den das Schreibcenter anlässlich des Jubiläums produziert hat. Darin kommen unter anderem Lehrende zu Wort, die mit dem Schreibcenter zusammenarbeiten, um die Lehre durch Schreiben aktiver und studierendenzentrierter zu gestalten. Es wird von den vielen Facetten berichtet, die den Alltag des Schreibcenters ausmachen – neben der Arbeit mit Studierenden gibt es zum Beispiel Schulkooperationen und viele weitere Kooperationen in der Region Kärnten. Gespickt wird der Film mit vielen Zitaten über das Schreiben, die Lehrende, Forschende und SchriftstellerInnen vortragen – einer sogar auf dem Kopf stehend.

Im Eröffnungsvortrag erinnerte Gerd Bräuer an die Entstehungszeit des Schreibcenters, die er begleitete. Das Motto damals war zunächst: „Mit wenig Geld viel bewirken“, denn, wie so oft in unserem Bereich, war die Anfangszeit vor allem von viel Engagement der Beteiligten getragen. Unbestritten ist sehr viel bewirkt worden und die Arbeit des Schreibcenters dreht sich keineswegs nur um das Schreiben, sondern auch sehr viel um das Lernen und Lehren. Bei dem „wenig Geld“ dürften Schreibzentren aber nicht stehen bleiben, mahnte Gerd Bräuer im Hinblick auf die vielen Schreibzentrumsgründungen der letzten Jahre an. Zu groß ist sonst die Gefahr, dass Schreibdidaktik nur zu kosmetischen Veränderungen führt und nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung der Lehr-Lernkulturen im Sinne des Literacy Management.

Ein Workshop von Alexandra Peischer brachte die Schreibberatung zusammen mit der Systemischen Beratung. Es war für mich nicht das erste Mal, dass ich versucht habe, zu verstehen was die systemische Beratung von der nicht-direktiven, schreibendenzentrierten Beratung unterscheidet, die in vielen Schreibzentren der Beratungsansatz ist (siehe zum Beispiel den Aufsatz von Ulrike Lange und Maike Wiethoff im Band „Schreiben“ von Stephanie Dreyfürst und Nadja Sennewald). Auch dieses Mal fand ich die Unterschiede in den Beratungsansätzen theoretisch wenig fassbar. Allerdings konnten wir einige Werkzeuge der systemischen Beratung in Rollenspielen erproben. Durch diese praktische Herangehensweise konnte ich erleben, inwiefern einige dieser Werkzeuge den „Beratungskoffer“ für die Schreibberatung sinnvoll ergänzen. Das war überzeugend und hat mir Lust auf mehr gemacht.

Als Ergänzung zur Schreibberatung haben Birgit Huemer und Marcus Rheindorf ihren Ratgeber vorgestellt: „Das Betreuungsgepräch: ein Ratgeber für die Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten“. Das von der Universität Luxembourg herausgegebene Booklet basiert auf den in vielen Schreibberatungen gesammelten Erfahrungen zur Betreuungsproblematik und richtet sich explizit an Lehrende, nicht an SchreibdidaktikerInnen. Es geht darin u.a. darum, das Betreuungsverhältnis zu definieren und zu klären, welche unterschiedlichen Betreuungsleistungen in den unterschiedlichen Phasen von Schreibprozessen erforderlich sind. Ein weiteres Kapitel unterstützt dabei, eine gemeinsame Sprache der Betreuenden und der Betreuten zu entwickeln, um das Sprechen über das wissenschafliche Arbeiten zu erleichtern. Die AutorInnen plädieren dabei dafür, sich bewusst mit dem Gebrauch von Metaphern auseinanderzusetzen. Ein Kapitel zum Textfeedback erläutert schließlich die verschiedenen Dimensionen des Feedbacks auf wissenschafliche Arbeiten und betont dabei, dass diese jeweils auch abhängig davon sind, in welcher Studienphase die Schreibenden sind – StudienanfängerInnen bräuchten anderes Feedback als Studierende, die ihre Abschlussarbeit schreiben.

Otto Kruse stellte in einem Vortrag Forschungsergebnisse aus einer Fragebogenstudie mit BA-Studierenden und deren Lehrenden vor, die in Kooperation mit der Universität Konstanz entstanden ist. Diese Studie basiert auf dem in einem EU-Projekt entwickelten, ursprünglich länderübergreifenden und mehrsprachigen „European Writing Questionnaire“. Ziel der Studie ist es, Daten zu gewinnen, mit denen ein Verständnis für Schreibkulturen an Hochschulen entwickelt wird und die z.B. Schreibzentren bei der Argumentation für ihre Arbeit unterstützen können. Die Schwerpunkte sind dabei Schreib- und allgemeine Studienkompetenzen, Schreibpraktiken, Einstellungen zum Schreiben, Genres im Studium und Interpretation der Genres, Vergleich zwischen Fächergruppen bzw. Disziplinen, Vergleich von Stufen des Studiums, Vergleich von Lehrenden vs. Studierenden (Selbst- und Fremdeinschätzung der Kompetenzen) und der Bedarf an Unterstützung für das Schreiben aus Sicht Studierender. Die Ergebnisse vorzustellen würde an dieser Stelle zu weit gehen. Das Instrument dieses Fragebogens erscheint mir jedenfalls sinnvoll, auch wenn sich gezeigt hat, dass es gar nicht so einfach ist, bestimmte Dinge zu erfragen. Zum Beispiel scheinen die Befragten unter dem Begriff „Hausarbeit“ nicht immer das gleiche zu verstehen.

An dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Glückwunsch zum 10jährigen Geburtstag und vielen Dank für die gelungene Feier an alle Beteiligten!

 

 

Advent, Advent – ein Grenzgang des Schreibzentrums

Lebendiger Adventskalender Türchen 11Dieses Jahr hat das Schreibzentrum ein Türchen des lebendigen Adventskalenders  der Stadt Frankfurt (Oder) und Słubice gestaltet.

Seit vier Jahren öffnen verschiedene soziale, kulturelle und gewerbliche Institutionen einen Tag ihre Türen und laden alle Bürgerinnen und Bürger der Städte Frankfurt (Oder) und Słubice ein, gemeinsam eine schöne und inspirierende weihnachtliche Zeit in Frankfurt (Oder) und in Słubice zu verbringen.

Das Schreibzentrum der Viadrina hatte besonderes Glück  – wir durften in der frisch renovierten Stadtbibliothek „Biblioteka Publiczna MiG“ in Słubice unser Türchen öffnen, um mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Studierenden beider Städte polnische, deutsche und deutsch-polnische Gedichte zu schreiben.

MIchal Zytinicec und Franziska Liebetanz

MIchal Zytinicec und Franziska Liebetanz

Für uns sind solche Anlässe bereichernd und ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Sie ermöglichen uns, unsere Lust am Schreiben, an Texten und an Gesprächen mit Menschen auch außerhalb der Universität zu teilen. So saßen wir an einem Tisch mit mehreren Damen aus Polen und einigen Studierenden. Bei Kerzenlicht und Gebäck erprobten wir verschiedene Gedichtformen.

Es war eine Schreibrunde der besonderen Art, da nicht alle Teilnehmenden die jeweils andere Sprache konnten: Nicht alle sprachen Deutsch und Polnisch. Dennoch verfassten wir sogar Gemeinschaftsgedichte,  in denen sich die deutschen und polnischen Strophen abwechselten. Ich war gerührt, da fast  alle gemeinschaftlich verfassten Gedichte einen Sinn ergaben. Das stellten wir fest, als Michal vom Schreibzentrum und Alicja, eine der teilnehmenden Studentinnen, spontan die jeweils fremdsprachigen Textteile übersetzten. Auch die anschließend von den Teilnehmenden einzeln geschriebenen Texte waren sehr schön und ernteten viel Applaus. Wir hörten Lobpreisungen der Gewürznelke, Philosphisches zur gefrorenen Oder zwischen unseren beiden Ländern und auch viele versöhnliche Anspielungen auf das deutsch-polnische Verhältnis.

Schneefall an der Grenze

Auf der Grenze sollte ich Polnisch und Deutsch sprechen

Guten Tag! Dzień dobry!

Auf Wiedersehen! Do widzenia!

Czas istnieje – nie tak szybko – jeszcze lepiej się poznamy

Miłość, przyjaźń, przebaczenie

Schöne Weihnachtsatmosphäre

To już blisko

Już blisko Święta i Nowy Rok

Mir wurde wieder einmal bewusst, dass wir direkt an der Grenze arbeiten oder leben, wo so oft die Sprachen nicht die einzige Hürde zu sein scheinen. Und dennoch war es so schön,  zusammen an einem Tisch zu sitzen und gemeinsam zu dichten, zu lachen und zu staunen. Was für ein wunderbar weihnachtlicher Adventsnachmittag!

Teilnehmende am lebendigen Adventskalender des Schreibzentrums

Ich danke Michał, der mir so gut zur Seite stand, mit mir plante, organisierte und den ganzen Nachmittag so toll all unsere Worte und Reime übersetzte.

Die Organisatorinnen des lebendigen Adventskalenders sind:

Anna-Maria Schönfeld (Freiwilligenzentrum Frankfurt (Oder)),

Milena Manns (Quartiersmanagement / Stiftung SPI / B-L-Programm Soziale Stadt),

Stefanie Piekos (Geschäftsstraßenmanagerin / IGIS e.V.),

Katrin Becker (Frankfurter-Słubicer Kooperationszentrum).

Gemeinsam alleine schreiben – Mellon Wisconsin Writing Camps für Promovierende

Das Semester ist hier schon seit Mai zu Ende und ein Großteil der Studierenden ist längst nach Hause oder sonstwohin gefahren. Aber es laufen auch Sommerkurse und das Schreibzentrum ist weiterhin offen – wenn auch mit reduzierten Öffnungszeiten. Diese relative Ruhepause lässt Raum für andere Projekte, zum Beispiel die Disseration Camps des Schreibzentrums. Die Camps sind eine Kooperation des Schreibzentrums mit der Graduate School der Universität, die über die Mellon Foundation finanziert werden. Die Camps bieten Promovierenden in der Schreibphase die Möglichkeit, konzentriert über einen bestimmten Zeitraum an ihren Arbeiten zu schreiben und dabei die Unterstützung des Schreibzentrums zu bekommen – ähnlich wie bei unseren Schreibmarathons in Frankfurt (Oder). Nach einem sehr erfolgreichen Probelauf im letzten Sommer wurden in diesem Sommer gleich drei Camps angeboten: Zwei für jeweils eine Woche und eins über sechs Wochen. Über hundert Promovierende hatten sich für die insgesamt 60 Plätze in den Camps beworben. Sie mussten dafür online einen Bewerbungsbogen ausfüllen und auch die Dissertationsbetreuer mussten online eine Enschätzung abgeben. Wer ausgewählt wurde, musste 40 Dollar einbezahlen, um sich den Platz zu sichern, die zurück gezahlt wurden wenn man das Camp tatsächlich mitgemacht hat. Außerdem konnten diejenigen, die nicht in Madison wohnen, die Fahrtkosten bezahlt bekommen und Kinderbetreuung gab es auch auf Wunsch.

Schreibübung im Camp für Promovierende

Nancy leitet eine Schreibübung an.
Foto: Writing Center Madison

Die Camps starteten morgens mit einer kurzen Schreibübung und damit, dass alle ihre Ziele für den Tag formulierten. Dann suchten sich alle Plätze und schrieben los. Mittags gab es Workshopangebote für diejenigen, die wollten und im langen Camp trafen sich die Teilnehmenden zusätzlich täglich in Kleingruppen, um sich über ihre Texte auszutauschen. Und natürlich konnten alle Teilnehmenden im Schreibzentrum mit Schreibtutoren über ihre Texte sprechen. Auch zum Abschluss kamen noch einmal alle zusammen zu einer ganz kurzen Übung. Besonder schön finde ich folgende Übung: Alle Teilnehmenden stellen sich in einer Reihe auf, in der Reihenfolge dessen, wieviel sie an diesem Tag geschrieben haben – von einem Absatz bis hin zu mehreren Seiten. Nachdem alle stehen, bekommen sie die Aufgabe, zu begründen, warum diese Menge, die sie an diesem Tag geschafft haben, genau richtig ist. Dadurch entsteht eine positive Stimmung und es wird deutlich, dass Quantität alleine nichts aussagt. Das kann denen, die als Schreibtypen keine Vielschreiber sind, Druck nehmen.

Bei der Abschlussveranstaltung des langen Camps waren Vertreter der Graduate Schools, diverse Dekane und Vertreter der Stiftung anwesend. Alle Teilnehmenden hielten eine einminütige Rede darüber, was ihnen das Camp gebracht hat. Offenbar sind die Ziele, die das Schreibzentrum verfolgt hatte, aufgegangen: Schreibroutinen aufbauen, Gemeinschaft stiften und die Texte vorantreiben.  Ich finde die Idee sehr gut, diesen Erfolg für die Geldgeber, Kooperationspartner und Dekane sichtbar zu machen. Die waren denn auch so begeistert, dass nun eine Diskussion aufgekommen ist, ob solche Camps obligatorisch sein sollten. Das wird sich aber hoffentlich nicht durchsetzen, die Promotion hier ist schon mit genug Vorgaben belastet und es ist doch wunderbar, dass diejenigen, die sich eine Schreib-Gemeinschaft wünschen, diese bekommen können!

Peer Tutoren Ausbildung in Oklahoma – Preparing for Surprise is Education

Neulich war ich am Writing Center der University of Oklahoma, bei Michele Eodice, Moira Ozias und ihrem Team. Michele leitet das Schreibzentrum, Moira ist Associate Director. Außerdem gibt es noch einen Graduate Assistant Director und eine Office Managerin, die sich um alles Organisatorische kümmert. Und dann sind da natürlich noch ca. 20 Schreibberaterinnen und –berater (sowohl Graduates als auch Undergraduates). Das Schreibzentrum hat tolle Räume, in denen es sogar ein Piano gibt.

Ausbildungsmodelle für Peer TutorInnen

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir unser Gespräch über die Ausbildung der Peer Tutoren. Ich habe ja an dieser Stelle schon einige Male von der Aus- und Weiterbildung am Schreibzentrum in Madison berichtet, und auch von anderen Hochschulen die ich besucht habe. Insgesamt würde ich sagen, dass allen Schreibzentrumsleitenden, die ich gesprochen habe, sowohl eine Grundausbildung als auch die kontinuierliche Weiterbildung sehr wichtig sind. Aber die Modelle dafür sind durchaus unterschiedlich. An einigen Schreibzentren müssen die Studierenden erst die Ausbildung durchlaufen, bevor sie sich für die Arbeit im Schreibzentrum bewerben können. In anderen Schreibzentren bewerben sie sich erst, um dann die Aubildung zu durchlaufen, aber manchmal läuft es auch parallel: die Ausbildung erfolgt während die Beratenden schon anfangen zu arbeiten. Weiterbildungen gibt es überall, manchmal wöchentlich, manchmal nur monatlich, manchmal unregelmäßig. Auch Mentoring gehört dazu. In einigen Schreibzentren haben die erfahreneren TutorInnen regelmäßige Gespräche mit den

mit Moira vor dem Writing Center
(Foto: Michele Eodice)

neueren, in anderen übernimmt das Leitungsteam die Mentoring-Gespräche.

Keine Lehrbuch-Vorschriften

In Oklahoma führt Moira am Ende jedes Semester mit allen TutorInnen einzeln Gespräche und leitet daraus ab, was es für Weiterbildungsbedarf gibt und welche Schwerpunkte die Ausbildungsklasse für die angehenden TutorInnen haben soll. Michele sagte mir im Gespräch, für sie sei es besonders wichtig, Studierende nicht mit Dogmen zu belasten. Sie ist gegen Lehrbuch-Vorschriften, wie z.B. „Sei nicht-direktiv!“ oder „Schreibe nie in den Text der Studierenden!“ oder „Gehe in diesen Schritten vor!“. Daher mag sie auch den Begriff Training nicht. „To prepare against surprise is training“, meinte sie, denn wenn man für etwas trainiert wurde sei man der Meinung man könne es nun und wisse wie es geht. Sie findet den Begriff „education“ besser: „To prepare for surprise is education”. Zu dieser Vorbereitung auf Überraschungen gehört es zum Beispiel, dass man Improvisationsregeln verinnerlicht: Ja sagen, zu dem was kommt und spontan darauf reagieren. Eine solche Haltung kann man nicht mit einem Lehrbuch lernen, meinte sie. Deshalb nutzt sie für die Ausbildung der TutorInnen auch keins, sondern bespricht mit ihnen Studien, die in Schreibzentren durchgeführt und veröffentlicht wurden, wie z.B. „Scaffolding the Writing Center“ von Isabelle Thompson. Mit diesem Artikel hat das Team ein ganzes Semester lang in der Weiterbildung gearbeitet. Erst haben sie die im Artikel identifizierten Strategien besprochen, erprobt und Vor- und Nachteile erarbeitet. Dann haben alle Beratenden aus diesem eine persönliche Forschungsfrage abgeleitet und das Semester über bearbeitet, z.B. indem eigene Beratungen aufgezeichnet und angeguckt wurden. Aus einer publizierten Schreibzentrumsforschung wurden also persönliche kleine Forschungsprojekte abgeleitet, die es den TutorInnen erlaubten, ihre eigenen Beratungstätigkeiten strukturiert zu reflektieren.

Nicht dogmatisch werden

Auch generell plädiert Michele dafür, die Schreibzentrumsarbeit nicht zu dogmatisch zu sehen, sondern offen zu bleiben für Neues. So lasse sie auch mal Leute im Schreibzentrum mitarbeiten, die die Ausbildung noch nicht durchlaufen haben, wenn sie sie gerne dabei haben möchte und es gerade anders nicht passt.

Blick ins Writing Center der University of Oklahoma

Surprise!

Ich finde sowohl die Idee, Weiterbildung mit eigener Forschung zu verbinden, als auch die Grundhaltung, keine Dogmen aufzustellen und offen für Überraschungen zu sein, sehr inspirierend. Und apropos Überraschungen: Ich konnte das auch gleich testen! Am Freitag überraschte mich das Madisoner Schreibzentrumsteam mit einer echten Surprise-Party zu meinem Geburtstag. Das kannte ich nur aus Filmen bisher. Ich habe mich sehr gefreut!

Surprise Party für mich am Writing Center in Madison

Qualität ist wichtig! Open Space Tagung am 22. und 23.3. in Bochum

Immer wieder fällt mir beim Lesen der Fachliteratur auf, dass betont wird, wie wichtig es für die Professionalisierung der Schreibdidaktik war, dass es einen Austausch über Qualitätsstandards gab (und gibt). Deshalb, und weil mich die Bochumer Kolleginnen darum gebeten haben, möchte ich hier nochmal auf das Treffen hinweisen, das im März in Bochum stattfinden wird:

Das Schreibzentrum der Ruhr-Universität Bochum lädt ein zum Open Space zu den Themen „Vernetzung und Qualitätskriterien in der Schreibdidaktik“ am 22./23.3.2012
In den letzten Jahren haben wir, die Mitarbeiterinnen des Schreibzentrums an der Ruhr-Universität Bochum, im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen immer häufiger das Bedürfnis wahrgenommen, die mittlerweile sehr große SchreibdidaktikerInnen-Szene im deutschsprachi-gen Raum besser kennenzulernen, um sich über die unterschiedlichen Angebote und Arbeits-weisen auszutauschen und sich eventuell weiter zu vernetzen. Da wir dieses Bedürfnis teilen, würden wir gerne alle zu einem offenen Austausch an die RUB einladen, die im Bereich der Schreibdidaktik tätig sind – egal ob mit oder ohne institutionelle Anbindung, MitarbeiterInnen an Schreibzentren, FreiberuflerInnen, SchreibberaterInnen etc.
Diesem offenen Austausch wollen wir einen Rahmen geben: Wir bieten am 22. und 23. März 2012, jeweils von 10 bis 18 Uhr, eine Veranstaltung an, die sich an die Open-Space-Methode anlehnt. Jeder kann dort seine Anliegen zu den Themen „Vernetzung und Qualitätskriterien in der Schreibdidaktik“ vorschlagen und bearbeiten. Diese Veranstaltung kann natürlich nur dann erfolgreich sein, wenn sich möglichst viele in den verschiedenen Bereichen der Schreibdidaktik Tätige aktiv beteiligen. Jeder, der ein Anliegen einbringt, wird beim Open Space genügend Zeit und Raum haben, um mit einer Gruppe von Interessierten zu diskutieren und gegebenenfalls etwas zu erarbeiten.
Das bedeutet ganz konkret: Es gibt keine Workshops oder Vorträge, sondern prinzipiell offene Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen, die die Teilnehmenden entweder zu Beginn des Open Space oder – noch besser – im Vorfeld vorschlagen. Wir übernehmen also die organisato-rische Vorbereitung, die inhaltliche Gestaltung liegt in den Händen aller Teilnehmenden.
Wir möchten den Veranstaltungsbeitrag so gering wie möglich halten und gehen davon aus, dass er sich auf ca. dreißig Euro belaufen wird, die für Essen und Getränke anfallen.
Wir bitten Sie spätestens bis zum 31. Dezember 2011 um Rückmeldung, ob Sie teilnehmen wollen. Und wenn Sie ein Thema bzw. Anliegen für das Open Space haben, wäre es schön, wenn wir ganz rasch von Ihnen hören! Auf unserer Homepage (www.sz.rub.de) stellen wir in den kommenden Wochen organisatorische Informationen z.B. zu Unterkunft, Anreise, Abend-programm etc. bereit.
Wir freuen uns auf ein Kennenlernen/Wiedersehen in Bochum

schreibzentrum(at)rub.de

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