Schreibzirkus

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Jana, Juliane und Diana präsentieren den Schreibzirkus 2016

Der Schreibzirkus oder Writers‘ Circus ist ein Schreibevent, das wir am Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina entwickelt haben. Es eignet sich besonders gut, um in großen Gruppen auf kreative und spielerische Art und Weise miteinander in einen Austausch über das Thema Schreiben zu kommen. Die Teilnehmenden erarbeiten in Kleingruppen verschiedene Zirkusdarstellungen rund um das Thema Schreiben und orientieren sich dabei an verschiedenen Zirkusfiguren. Schließlich kreieren alle gemeinsam eine große Zirkusshow mit verschiedensten Nummern: Großer Spaß und ein tolles Warm-Up für Konferenzen, Tagungen oder auch als Teambuilding-Maßnahme im Schreibzentrum!

Erprobt haben wir den Writers‘ Circus äußerst erfolgreich auf folgenden Konferenzen:

Wer den Schreibzirkus ausprobieren möchte kann sich das Material als pdf herunterladen: schreibzirkus_deutsche_version_cc-license . Es steht unter creative commons license, d.h. es darf genutzt, weiter verbreitet und auch weiter entwickelt werden. Wichtig ist nur, dass es nicht für kommerzielle Zwecke genutzt wird und dass auf unsere Urheberschaft verwiesen wird. Viel Spaß!

Und hier gibt es das Material zum Schreibzirkus zum Download auf Englisch: writers-circus_cc_license
Creative Commons License
Schreibzirkus by Schreibzentrum Europa-Universität Viadrina is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

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Writers‘ Circus by Schreibzentrum Europa-Universität Viadrina is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

 

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Eindrücke von der 5. Peer- SchreibtutorInnen- Konferenz in Jena

Interessierte Teilnehmende

Interessierte Teilnehmende

von Anja Poloubotko und Anja Schulz

 Herzlich Willkommen, steht auf dem Plakat am Haupteingang zur Friedrich- Schiller- Universität in Jena. Ich gehe in das Gebäude, eine Treppe führt mich in den ersten Stock. Dort sind drei Räume hergerichtet für Vorträge und Workshops, auf dem Gang bekomme ich Kaffee und Gebäck. Ich fühle mich eingeladen. Hier und dort gibt es schon kleine Gesprächsrunden um das Schreiben, Gedankenaustausch und Vorfreude auf die 5. Peer- SchreibtutorInnen Konferenz der Schreibzentren.

So viele neue Gesichter! Das wichtigste ist zunächst das Kennenlernen der Teilnehmenden untereinander. Im letzten Jahr fand die Peer- SchreibtutorInnen Konferenz in Göttingen statt, dort trafen sich rund 40 TutorInnen und MitarbeiterInnen. Dieses Jahr gibt es ca. 70 KonferenzteilnehmerInnen.  Neu sind  unter anderem die Schreibzentren Frankfurt am Main und Hamburg. Und es gibt über 20 Beiträge, zum Teil auch auf Englisch.

Viele Veranstaltungen finden parallel statt und es fällt mir schwer zu entscheiden, ob ich nun lieber am Workshop „Was ist ein Essay? Montaigne und Bacon wieder/ holen, wieder/lesen und wieder/ schreiben“ oder am Workshop „Schreibgruppen organisieren und begleiten“ teilnehmen werde. Und danach entweder zu „Kitchen Stories“ oder zu „Problematische Grenzsituationen in der Schreibberatung“ gehe. Den Workshop „Gestaltung von Lese- Workshops – Übungen und Handouts“ möchte ich auch nicht verpassen.

Ich wähle zunächst den Workshop „Schreibgruppen organisieren und begleiten“ von Simone Tschirpke und Anja Poloubotko. Darin erfahre ich viel über Herausforderungen und mögliche Konflikte, die in Schreibgruppen mit sehr heterogenen Teilnehmenden auftreten können. Einige ZuhörerInnen des Workshops werden gebeten ein Rollenspiel vorzuführen. Sie schlüpfen in vorgeschriebene Rollen und werden zu „Paula Peiler“, „Agatha Ängstlich“, „Paul Plauder“ und“ Greta Kritiker“. Dann gibt es noch eine Leiterin („Britta Begleiter“),  die weder mit den Teilnehmern noch mit deren Texte wirklich vertraut ist. Gezeigt wird eine Schreibgruppe in der Extremsituation, die keine Regel der Zusammenarbeit kennt. Anschließend tragen wir in einem Cluster zusammen, worauf wir achten sollten, wenn wir selbst eine Schreibgruppe betreuen: Kommunikationsregeln in der Gruppe festlegen, gemeinsame Ziele definieren, die Rolle des Leiters erklären, Rahmenbedingungen einhalten (Regelmäßigkeit, bestimmter Ort), eine angenehme Arbeitsatmosphäre schaffen, Probleme der Zusammenarbeit offen besprechen und vieles mehr. Dieser Workshop ist sehr interaktiv, durch das Rollenspiel wird eine sehr lockere Atmosphäre geschaffen. Alle  sind gleichermaßen eingeladen zu diskutieren, auch die Teilnehmenden, die selber noch keine Erfahrung in der Arbeit und Betreuung mit Schreibgruppen haben, bekommen einen guten Einblick.

Rollenspiel zur Organisation von Schreibgruppen

Rollenspiel zur Organisation von Schreibgruppen

Danach gehe ich zum Workshop „Problematische Grenzsituationen in der Schreibberatung“ der von Katina Linguri, Katharina Meyer und Leonardo Dalessandro (Goethe- Universität Frankfurt) geleitet wird. Hier sammle ich viele wertvolle Tipps in kleinen Gruppendiskussionen zu den Themen „Diskriminierende Äußerungen“, „Psychische Instabilität“ und „Übergriffiges Verhalten“. Es wird deutlich, dass bereits einige Tutoren und Tutorinnen „unangemessenes und grenzüberschreitendes“ Verhalten seitens der Ratsuchenden in der Schreibberatung erfahren haben. Wie geht man mit Ratsuchenden um, die aufdringlich werden und private Verabredungen nach der Beratung wünschen? Wie geht man mit Ratsuchenden um, die in der Beratung anfangen zu weinen? Was mache ich mit solchen, die in ihren Hausarbeiten über ein politisch sensibles Thema schreiben und ethisch fragwürdige Einstellungen vertreten? All diese Fragen werden thematisch zunächst in Kleingruppen angeregt diskutiert und anschließend im Plenum vorgestellt. Ich finde es sehr nützlich, dass solche Themen, über das eigene Schreibzentrum hinaus auf PeertutorInnen- Konferenzen besprochen werden können. Andere TutorInnen haben ähnliche Erfahrungen gemacht und wir suchen gemeinsam nach Lösungswegen.

In den Pausen bleibt nicht nur Zeit zum Reden und Diskutieren, wir wollen uns Jena anschauen und beschließen, vom Hauptgebäude der Uni einige Minuten Richtung Altstadt zu laufen. Die Altstadt ist gemütlich und klein. Vom Citytower bekommen wir ganz schnell einen Überblick über Stadt und Umgebung und genießen eine Weile die Aussicht über die endlosen bunten Laubwälder, die Jena umgeben.

Zurück in der Universität, es ist Samstagnachmittag, klingt Musik aus den Lautsprechern im Konferenzraum (Hörsaal 9): „Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt bleibt dumm!“ Es ist Werbung für den Workshop, „Wie wirken Fragen in der Peer- Schreibberatung?“.  Viele TeilnehmerInnen haben sich in diesem Raum bereits eingefunden. Der Workshop ist sowohl für TutorenInnen, die noch wenig praktische Erfahrung mit Schreibberatung haben hilfreich, als auch für solche, die bereits seit längerem beraten. Es geht um die Anwendung von Fragetechniken in der Beratung. Die Schreibtutoren aus Bielefeld stellen in einem Rollenspiel sehr schön dar, wie offene und geschlossene Fragen seitens der Beratenden jeweils auf die  Ratsuchenden wirken (können). Sowohl geschlossene als auch offene Fragen sind in einer Schreibberatung notwendig, wobei es wichtig ist, eine Balance zu finden. Geschlossene Fragen helfen bestimmte Daten abzufragen, wohingegen offene Fragen sinnvoll sind, um Ratsuchende „reden zu lassen“. Die Verwendung von offenen Fragen stellt eine vertrauensvolle Atmosphäre her, in der sich die Ratsuchenden angenommen fühlen. Wir als SchreibberaterInnen sollten uns ein Beispiel an Kindern nehmen und stets eine neugierige Grundhaltung annehmen.

Im Hörsaal 7 gibt es einen weiteren interessanten Beitrag: „Inklusion durch kollaborative Übungen in interkulturellen Schreibworkshops“. David Kreitz und Nadine Stahlberg vom internationalen Schreibzentrum der Universität Göttingen stellen ihr Workshopkonzept vor und lassen gleichzeitig Raum für Selbstarbeit. Wichtig ist für die Workshops, die das wissenschaftliche Schreiben auf Deutsch fördern sollen, die Zusammensetzung der TeilnehmerInnen in den Schreibgruppen, die Mischung aus MuttersprachlerInnen und Nicht- Muttersprachlern. Denn das leitende Konzept der Inklusion ist das Einschließen von Unterschiedlichkeiten, die von einander im Team profitieren können und eine Einheit bilden.  Viele Workshopteilnehmer bringen ihr Erfahrungswissen mit ein. Schwierig ist es zum Beispiel in heterogenen Gruppen eine Struktur festzulegen, die alle zu Wort kommen lässt. Kleine Übungen können hier weiterhelfen, wie zum Bespiel ein Blitzlicht zu Beginn einer Sitzung zu gestalten, indem die Teilnehmenden spontan über ihre Eindrücke und Ideen berichten können. Darüber hinaus sollten die interkulturellen Schreibgruppen zum selbstständigen und autonomen Arbeiten animieren werden. Das Seminar „Schreiben(d) lernen im Team“ zum Beispiel, das an der Viadrina Universität in Frankfurt/ Oder angeboten wird, versucht diese Idee umzusetzen. Dabei lernen Studierende unterschiedlicher kultureller Herkunft zusammen. Sie besuchen Lehrveranstaltungen zum wissenschaftlichen Schreiben und arbeiten parallel dazu in kleinen Schreibteams (4- 6 Mitglieder), in denen sie selbst ihre Sitzungen mit kreativen Schreibübungen organisieren.

Cluster zu einem Rollenspiel

Im Beitrag von Ina Brauckhoff (Schreib- Lese- Zentrum Münster) erfahren wir über ihr Dissertationsprojekt „Tutoring für Schreiber mit der Fremdsprache Deutsch – wissenschaftliche Studien“. Sie untersucht, welche Sprachhandlungsmuster der Schreibberater gegenüber Nicht- Muttersprachlern geeignet sind. Wir hören uns eine Audioaufzeichnung an, in der deutlich wird, dass die von der Beraterin durchgeführte Beratung, nach den Regeln der Non- Direktivität zu keinem Ergebnis führt. Der Ratsuchenden werden wichtige Informationen über Text- und Argumentationsstrukturen zu Beginn der Textarbeit nicht gegeben. Daher fällt es der Ratsuchenden schwer, ihre Fehler einzuordnen. Ihr wird nicht bewusst, dass es um die Prozesshaftigkeit des Schreibens und Lernens geht, anstatt um die  einmalige Überarbeitung ihres Textes. Durch das non- direktive Vorgehen der Beraterin und das passive Verhalten der Ratsuchenden wird kein eindeutiges Ziel der Beratung festgelegt und der Gesprächsgegenstand nicht eingegrenzt. Dies führt zu Orientierungslosigkeit, Beraterin und Ratsuchende können daher an keinem konkreten Textausschnitt arbeiten. Während wir diskutieren, grenzt  Ina Brauckhoff ihre Fragestellung weiter ein. Sie möchte herausfinden, in welchen Fällen direktive und non- direktive Beratungsstrategien bei Nicht- Muttersprachlern angewendet werden sollten. Für ihre Untersuchung hat sie bis jetzt 52 Gespräche mit ausländischen und 21 Gespräche mit deutschen Schreibenden aufgezeichnet. Auf die Ergebnisse bin ich sehr gespannt.

Die Autorinnen signieren ihr Buch Zukunftsmodell Schreibberatung

Die Autorinnen signieren ihr Buch Zukunftsmodell Schreibberatung

 

Zum Abschluss des Konferenzwochenendes gibt es noch viele Diskussionen über die Workshops, Gespräche über das neue Buch „Zukunftsmodell Schreibberatung. Eine Anleitung zur Begleitung von Schreibenden im Studium“,  von Ella Grieshammer, Franziska Liebetanz, Nora Peters und Jana Zegenhagen, Austausch von Kontaktdaten, Umarmungen, gemeinsame Pläne. Peter Braun, Leiter des Schreibzentrums Jena, moderiert die Plenarveranstaltung am Sonntag, zu der alle Teilnehmenden noch einmal zusammen kommen. Er bedankt sich für die zahlreichen Beiträge der TeilnehmerInnen und stellt die brennende Fragen in den Raum, wo denn die 6. Peer- SchreibtutorInnen Konferenz stattfinden wird? Es wird immer stiller. Die Spannung steigt. Etwas Rascheln und Flüstern gibt es im Hörsaal. Die Frage bleibt zunächst offen. Doch jetzt, im Dezember, wissen wir es: Wir sehen uns im September 2013 zur 6. Peer -SchreibtutorInnen Konferenz in Bochum wieder!

Workshops und Weiterbildungen

In der letzten Woche hatte ich das Vergnügen, an zwei Brainstorming-Sessions in der Vorbereitung für das nächste Semester teilzunehmen. Wir haben überlegt, welche Weiterbildungen das Schreibzentrum anbieten könnte und welche Workshops.

Die Weiterbildungen („ongoing education“) sind für die vielen Mitarbeitenden im Schreibzentrum gedacht. Einerseits gibt es die gemeinsamen Teamtreffen, von denen ich ja bereits berichtet habe. Im Frühjahr werden fünf Stück stattfinden, eins davon zusammen mit den Writing Fellows, die sonst ihre eigenen Meetings haben. Andererseits gibt es aber auch Weiterbildungen in kleineren Gruppen. Dafür werden verschiedene Angebote gemacht und alle müssen sich mindestens eins aussuchen, an dem sie teilnehmen. Ein Beispiel: Im Moment guckt sich eine Gruppe die Homepage kritisch an und bezieht sich dabei auf einen Aufsatz von Muriel Harris im Writing Center Journal (Vol 30, Nr. 2, 2010), in dem sie überlegt, wie Schreibzentren ihre Öffentlichkeitsarbeit „more sticky“ gestalten können, also so, dass unsere Botschaften besser rüberkommen und besser haften bleiben. Die Gruppe entwickelt neue Entwürfe und wird diese demnächst in einer Videokonferenz mit Muriel besprechen.

Die Workshops richten sich an Studierende, Promovierende und Lehrende. Es gibt ein riesiges Angebot, oft mehrere pro Woche. Ich habe schon an ganz verschiedenen teilgenommen, zum Beispiel „Improving Style“, der sich über vier Termine erstreckte, aber auch an kurzen Workshops wie „Writing Research Proposals“, „Writing CVs“, „Professional Blogging“ oder „Presenting with Prezi“, die jeweils 1-2 Stunden dauerten. Die Workshops werden hauptsächlich von dem Leitungsteam angeboten und sind zugleich auch Öffentlichkeitsarbeit für das Schreibzentrum. Für die sich wiederholenden Workshops gibt es einen Fundus an Handouts, so dass ich denke, der Aufwand hält sich in Grenzen. Der Nutzen erscheint mir dagegen ziemlich hoch: Das Schreibzentrum ist durch die Ankündigungen der Workshops sehr präsent und erreicht andere Leute, als nur durch das Beratungsangebot. Viele Teilnehmende gehen gleich vom Workshop rüber zur Rezeption und machen einen Termin für eine Beratung aus.

Was ich sehr schön fand: unter anderem angeregt durch meinen Votrag zu „Schreiben wir!“ haben wir beim Brainstorming auch viel über „Writing for Pleasure“ geredet und ein Reihe von Schreibnächten im Frühjahr ins Auge gefasst. Und vielleicht wird sich das hiesige Schreibzentrum auch an der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten beteiligen!

Brainstorming Schreibzentrum

Ein Ausschnitt aus dem Brainstorming zu Schreibzentrumsworkshops

Qualität ist wichtig! Open Space Tagung am 22. und 23.3. in Bochum

Immer wieder fällt mir beim Lesen der Fachliteratur auf, dass betont wird, wie wichtig es für die Professionalisierung der Schreibdidaktik war, dass es einen Austausch über Qualitätsstandards gab (und gibt). Deshalb, und weil mich die Bochumer Kolleginnen darum gebeten haben, möchte ich hier nochmal auf das Treffen hinweisen, das im März in Bochum stattfinden wird:

Das Schreibzentrum der Ruhr-Universität Bochum lädt ein zum Open Space zu den Themen „Vernetzung und Qualitätskriterien in der Schreibdidaktik“ am 22./23.3.2012
In den letzten Jahren haben wir, die Mitarbeiterinnen des Schreibzentrums an der Ruhr-Universität Bochum, im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen immer häufiger das Bedürfnis wahrgenommen, die mittlerweile sehr große SchreibdidaktikerInnen-Szene im deutschsprachi-gen Raum besser kennenzulernen, um sich über die unterschiedlichen Angebote und Arbeits-weisen auszutauschen und sich eventuell weiter zu vernetzen. Da wir dieses Bedürfnis teilen, würden wir gerne alle zu einem offenen Austausch an die RUB einladen, die im Bereich der Schreibdidaktik tätig sind – egal ob mit oder ohne institutionelle Anbindung, MitarbeiterInnen an Schreibzentren, FreiberuflerInnen, SchreibberaterInnen etc.
Diesem offenen Austausch wollen wir einen Rahmen geben: Wir bieten am 22. und 23. März 2012, jeweils von 10 bis 18 Uhr, eine Veranstaltung an, die sich an die Open-Space-Methode anlehnt. Jeder kann dort seine Anliegen zu den Themen „Vernetzung und Qualitätskriterien in der Schreibdidaktik“ vorschlagen und bearbeiten. Diese Veranstaltung kann natürlich nur dann erfolgreich sein, wenn sich möglichst viele in den verschiedenen Bereichen der Schreibdidaktik Tätige aktiv beteiligen. Jeder, der ein Anliegen einbringt, wird beim Open Space genügend Zeit und Raum haben, um mit einer Gruppe von Interessierten zu diskutieren und gegebenenfalls etwas zu erarbeiten.
Das bedeutet ganz konkret: Es gibt keine Workshops oder Vorträge, sondern prinzipiell offene Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen, die die Teilnehmenden entweder zu Beginn des Open Space oder – noch besser – im Vorfeld vorschlagen. Wir übernehmen also die organisato-rische Vorbereitung, die inhaltliche Gestaltung liegt in den Händen aller Teilnehmenden.
Wir möchten den Veranstaltungsbeitrag so gering wie möglich halten und gehen davon aus, dass er sich auf ca. dreißig Euro belaufen wird, die für Essen und Getränke anfallen.
Wir bitten Sie spätestens bis zum 31. Dezember 2011 um Rückmeldung, ob Sie teilnehmen wollen. Und wenn Sie ein Thema bzw. Anliegen für das Open Space haben, wäre es schön, wenn wir ganz rasch von Ihnen hören! Auf unserer Homepage (www.sz.rub.de) stellen wir in den kommenden Wochen organisatorische Informationen z.B. zu Unterkunft, Anreise, Abend-programm etc. bereit.
Wir freuen uns auf ein Kennenlernen/Wiedersehen in Bochum

schreibzentrum(at)rub.de

Writing across the curriculum

Brad Hughes ist nicht nur der Leiter des hiesigen Schreibzentrums, sondern auch der Leiter des writing-across-the-curriculum-Programms (wac).Und da meine Bürokollegin Stephanie White Teaching Assistant Direktorin für wac ist, bekomme ich von diesem Programm besonders viel mit.

Co-Teaching

Gestern zum Beispiel bin ich mit ihr zu einer Vorlesung über Wissenschaftsgeschichte gegangen. Die Studierenden haben im Rahmen der Vorlesung die Aufgabe, in Kleingruppen wikis zu erstellen, die sich mit bestimmten Aspekten von Wissenschaftsgeschichte auseinandersetzen. Stephanie war für eine Vorlesung als „Co-Teacher“ eingeladen und hatte mit dem Professor zusammen eine Einheit über wikis vorbereitet. Stephanie stellte zunächst das Schreibzentrum vor und ließ die Studierenden anschließend zunächst ein kurzes Freewriting machen, bei dem sie sich fragen sollten: „What are wikis useful for?“ Die Ideen, die den Studierenden dabei einfielen, besprachen sie zunächst mit den Leuten, mit denen sie zusammen saßen und dann wurden sie für alle zusammen an der Tafel gesammelt. Als nächstes besprachen Stephanie und der Professor am Beispiel der Wikipedia-Seite zu Wissenschaftsgeschichte typische Eigenschaften von wikis, zum Beispiel die vielen Links, die kurzen Abschnitte, Zwischenüberschriften, usw. Sie nutzten das auch gleich, um darüber aufzuklären, wie die Studierenden Wikipedia nutzen bzw. nicht nutzen sollen und hoben hervor, dass Quellenbelege bei Onlinepublikationen mindestens genauso wichtig sind wie in gedruckten wissenschaftlichen Texten. Anschließend analysierten die Studierenden in Kleingruppen eine andere wiki-Seite zur Quantenphysik und stellten ihre Ergebnisse vor. Nachdem die Studierenden sich aktiv mit wikis auseinander gesetzt hatten, waren auch die Vorstellungen von den eigene wiki-Seiten konkreter geworden und so schloss sich eine Fragerunde zur Aufgabenstellung mit dem Professor an. Zum Abschluss sollten die Studierenden sich eine Sache aufschreiben, an die sie sich auf jeden Fall erinnern möchten, wenn sie ihr eigenes Wiki erstellen und Stephanie erinnerte noch einmal daran, dass sie auch als Kleingruppe wegen ihrer wiki-Seite ins Schreibzentrum kommen können.

Obwohl es nicht so leicht war, in einem riesigen Vorlesungssaal Kleingruppenarbeit zu initiieren und die Studierenden zu involvieren, haben die Fragen der Studierenden gezeigt, dass die Vorlesung sie angeregt hat, sich mit ihrem wiki-Projekt konkret auseinanderzusetzen.

Stephanie White coteaches wiki lecture

Stephanie beim Co-Teaching zu wikis

Brown Bag Lunch Hour

Eine andere wac-Veranstaltung war eine sogenannte Brown Bag Lunch Hour im Fachbereich Politikwissenschaften. Brown Bag Hours sind Veranstaltungen, die in der Mittagspause abgehalten werden, damit die Leute dafür Zeit in ihren vollen Kalendern finden können. Die Uni bietet dabei einen Mittagssnack an (in diesem Falle Pizza) oder die Leuten bringen ihr Essen mit. Der Name kommt von den Braunen Tüten, in denen das Mittagessen angeblich transportiert wird. (Ich sehe immer nur Plastiktüten oder Styroporcontainer, in braunen Tüten wird eher der Alkohol transportiert, aber das nur als Beobachtung am Rande!).

Bei dieser Veranstaltung waren jüngere Lehrende aus den Politikwissenschaften da, vor allem Teaching Assistants. Brad sprach darüber, wie wichtig es ist, Schreiben und Lernen zu verbinden, um nachhaltige Lernergebnisse zu ermöglichen. Er verwies auf die Ergebnisse der NSSE-Studie von 2008, die dies eindrucksvoll belegt hat. Er sprach über einige Möglichkeiten, was für Schreibaufgaben jenseits von Essays und Hausarbeiten in der Lehre genutzt werden könnten, was sinnvolle Schreibaufgaben kennzeichnet und wie man Feedback geben und benoten kann, ohne sich selbst zu überlasten. Anschließend ergänzte ein Politik-Student, der als Writing Fellow im Schreibzentrum arbeitet, was aus seiner Sicht als Student und als Writing Fellow eine gute Aufgabenstellung ausmacht und wie Feedback hilfreich sein kann. Es schloss sich eine lebhafte Diskussions- und Fragerunde an.

 Workshops für Lehrende und Teaching Assistants

Eine weitere Aufgabe des wac-Programms ist es, regelmäßig Workshops für Lehrende und Teaching Assistants anzubieten, die sich mit ähnlichen Themen befassen wie die Brown Bag Lunch Hour. Stephanie bietet zum Beispiel Workshops dazu an, Aufgabenstellungen für Schreibaufgaben zu entwickeln, Feedback zu geben, Peer Feedback zu organisieren oder Bewertungskriterien für studentische Texte zu entwickeln und zu kommunizieren.

 Schreibintensive Lehre

Einige Seminare sind an der UW Madison in fast allen Fachbereichen schreibintensive Seminare, sogenannte „Comm B“-Kurse. Alle BA-Studierenden müssen zunächst allgemeine Schreibkurse belegen („Comm A“, entspricht den Compositionkursen, d.h. den Schreibkursen, die alle amerikanischen Unis anbieten) und dann einen Comm B-Kurs, der innerhalb des Hauptfaches stattfindet, fachwissenschaftliche Inhalte vermittelt und gleichzeitig schreibintensiv gelehrt wird. So bekommen die Studierenden einen Einstieg in das fachwissenschaftliche Schreiben. Die Lehrenden dieser Kurse durchlaufen ein Training bei Stephanie und Brad und haben die Möglichkeit, in ihren Kursen mit Writing Fellows zu arbeiten, die sie bei der Rückmeldung auf die studentischen Texte und bei der Entwicklung von Schreibaufgaben entlasten.

 Einzelberatungen

Stephanie ist außerdem die Ansprechpartnerin für alle Lehrenden, die schreibdidaktische Unterstützung suchen. Oft finden diese Gespräche in unserem Büro statt, so dass ich mitbekomme, wie vielfältig die Inhalte dieser Gespräche sind. Manchmal kommen Lehrende und wissen nicht, wie sie ein bestimmtes Genre oder eine Komponente einführen sollen. Zum Beispiel: Was ist ein „Thesis-Statement“ und wie schreibt man das? Stephanie geht dann ganz ähnlich vor wie eine Schreibberaterin in der Schreibberatung: Durch offene Fragen und durch Wiederspiegeln des Gehörten versucht sie zunächst, herauszufinden, was ein bestimmter Begriff für die Lehrenden bedeutet. Denn bei den vielen unterschiedlichen Fächern, aus denen die Lehrenden kommen, kann sie unmöglich alle Textsorten kennen. Aber sie gibt natürlich auch Hinweise aus ihrer Sicht als Schreibdidaktikerin und entwickelt, je nach Bedarf, mit den Lehrenden Unterrichtseinheiten oder kommt in die Seminare, um selbst etwas anzuleiten oder ein „Co-Teaching“ durchzuführen.

Andere Lehrende wissen nicht, wie sie Feedback auf Texte geben können, das den Studierenden wirklich weiter hilft. So war neulich eine Lehrende da, die einen Stapel studentischer Essays hervorholte und meinte, dass einige so sehr am Thema vorbei geschrieben seien oder formal so falsch seien, dass sie nicht wisse, wie sie damit umgehen solle. Stephanie ist dann gemeinsam mit ihr einige der Essays durchgegangen und hat mit ihr gemeinsam nach Formulierungen gesucht, die eine produktive Rückmeldung ermöglichen.

Newsletter Time to Write

Der Newsletter Time to Write

Ressourcen

Das wac-Programm sieht sich außerdem dafür zuständig, Ressourcen zur Verfügung zu stellen, mit denen die Lehrenden arbeiten können. So gibt es ein umfangreiche Sammlung mit Handouts. Außerdem gibt es ein eigens an der UW erstelltes Sourcebook, das 270 Seiten umfasst und verschiedenste Schreibaufgaben, Feedbacktechniken, Bewertungsraster usw. enthält. Einmal im Semester wird außerdem ein gedruckter Newsletter an die Lehrenden verschickt.

Wac Sourcebook

Das Sourcebook wac

Kurzum: Das wac-Programm ist ein tolles und umfangreiches Programm hier an der Uni. Ich finde es sehr eindrucksvoll, wie die verschiedenen Programme des Schreibzentrums (Beratung, Writing Fellows und wac) miteinander verknüpft sind. Mein Eindruck ist, dass es auch deshalb so gut funktioniert, weil die Uni als Institution dahinter steht. Nicht nur finanziell, sondern auch strukturell, indem die Comm-B-Kurse obligatorischer Bestandteil der Bachelorstudiengänge sind. Bis dahin ist es bei uns noch ein langer Weg, auch wenn es inzwischen immerhin einige Workshops für Lehrende gibt, die sich mit produktiven Rückmeldungen auf studentische Texte befassen. Und zumindest vom Schreiblabor Bielefeld gibt es ein strukturiertes Programm, das Lehrende auf schreibintensive Lehre vorbereitet

Saturday Night Fever: Ich hab mit John Travolta getanzt, aber meine Evolution hinkt noch hinterher!

Wie findet ihr diese Überschrift? Im Blog-Workshop des Schreibzentrums ging es unter anderem darum, wie man mit Überschriften LeserInnen gewinnen kann. Es gibt bestimmt Menschen auf der Welt, die „John Travolta“ als E-Mail-Alert eingerichtet haben und jetzt auf unsere Seite kommen. Ob die sich für Schreibzentren interessieren, weiß ich nicht. Aber es ist auch nicht gelogen: Ich war am Samstag hiesigen „Freakfest“. Auf dem Beweisfoto bin ich allerdings gut getarnt:

Katrin Girgensohn und John Travolta

Was ich auch im Blog-Workshop gelernt habe, ist: „A lot of Blogging is thinking aloud“. Soll heißen, Bloggen muss nicht unbedingt kunstvoll oder großartig sein, man darf auch einfach schreiben, was einem so durch den Kopf geht. Jake Stockinger, der den Workshop mit geleitet hat, schreibt z.B. jeden Morgen einen Eintrag rund um das Thema Klassische Musik. Jeden Morgen! Das sind sozusagen öffentliche Morgenseiten. Und er hat sehr viele Leserinnen und Leser.

Ich habe gemerkt, dass ich noch nicht ganz im Web 2.0 angekommen bin. Das Bloggen macht mir Spaß und eigentlich bin ich fasziniert von der Möglichkeit, öffentlich laut zu denken. Ich finde es schön, die Gelegenheit zu haben, meine Gedanken ohne Umwege zu teilen, zum Beispiel ohne Druckkosten und Verleger. Andererseits verbringe ich unglaublich viel Lebenszeit damit, „auf leuchtende rechteckige Flächen zu starren“ – wie die hiesige Satirezeitschrift „The Onion“ neulich so schön bemerkt hat (http://www.theonion.com/articles/report-90-of-waking-hours-spent-staring-at-glowing,2747/). Ich habe keine Lust, das noch mehr auszuweiten und mich z.B. in „sozialen Netzwerken“ zu tummeln. Das würde nicht nur meine Augen überlasten, sondern auch mein Hirn. Wenn ich abends im Bett die Augen zumachen flackert es noch eine Weile weiter, falls ich vor dem Schlafen gehen am Computer saß. Meine Evolution ist noch nicht so weit wie die Technik. So waren alle begeistert von dem Twitter-Account zur Konferenz, wie ja in Limerick auch schon, aber warum sollte ich auch noch dauernd auf ein Taschen-Rechteck schauen, wenn ich irgendwo bin?

E-Learning ist aber trotzdem was Tolles. So läuft jetzt das Online-Modul unseres Zertifikats für Schreibzentrumsarbeit und Literacy Management  und ich bin begeistert, ozeanübergreifend weiter bei der Gruppe sein zu können und über die Entwicklung der vielen tollen Projekte im Austausch sein zu können. Einigen ist die Plattform zu altmodisch und sie arbeiten lieber ganz öffentlich. Das finde ich gut, kann aber genauso gut verstehen, wenn das nicht alle möchten.

Nicht missen möchte ich auch solche Tools wie Dropbox, die es möglich machen, Dateien miteinander zu teilen. Nadja Sennewald und ich haben via Dropbox transatlantisch unser Manuskript fertig gestellt und es am Freitag beim Verlag eingereicht, so dass unser Buch „Einführung in die Schreibforschung und Schreibdidaktik“ im Frühjahr bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erscheinen wird – yeah!

Wer weiß, vielleicht wird meine Evolution ja doch schneller von Statten gehen als ich das jetzt denke. Vielleicht erfindet ja auch jemand mal runde Bildschirme für mich, oder solche, die nach Papier duften?

Wie auch immer: Happy Halloween!

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