Schreibzentrums-Geburtstag 2017: Der Festakt

Im Folgenden berichten drei Stimmen vom offiziellen Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Schreibzentrums, der am 4. Mai 2017 im feierlichen Ambiente des Logensaals der Europa-Universität Viadrina stattfand.

Erste Stimme:

Alle um mich herum sind wuselig . So viele Menschen. Ich bin ganz aufgeregt. Eben waren schon einige Leute an mir dran und haben mein Mikrofon getestet, einen Laptop  angeschlossen und mich zurecht geschoben. Ich kenne das Prozedere schon – bald geht´s los. Ja! Jetzt! Jetzt geht’s los. Alles wird ruhig und die erste Rednerin tritt an mich heran: Sie stellt sich als Franziska Liebetanz vor, die Leiterin des Schreibzentrums, das heute Abend sein 10-jähriges Bestehen hier im Logensaal feiert. Sie eröffnet den Festakt sehr herzlich und voll Freude darüber, dass so viele Menschen erschienen sind. Anschließend bedankt sie sich bei den vielen Menschen, die alle zu der Organisation und Durchführung des heutigen Abends beigetragen haben. Das mag ich immer besonders! Und Frau Liebetanz macht das ganz besonders schön. Ihre Tutor*innen scheinen ihr besonders wichtig zu sein, für sie gibt es viel Lob und Dank. Schön, dass die Studierenden an diesem Abend besonders gewürdigt werden. Ach, und noch jemand hat Geburtstag: Das Zentrum für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen blickt auf sein fünf-jähriges Bestehen zurück. Frau Liebetanz überbringt Glückwünsche und überreicht Susanne Schwarz, einer Mitarbeiterin des ZSFL, stellvertretend einen Blumenstrauß. Das ZSFL ist heute die Dachorganisation des Schreibzentrums, wie ich höre. Also doppelt Grund zu feiern! Jetzt übergibt Franziska das Wort an unseren Präsidenten, Prof. Dr. Alexander Wöll.

Herrn Wöll kenne ich schon ganz gut, er spricht öfter mal bei feierlichen Anlässen. Heute spricht er Grußworte und lobt die Verdienste des Schreibzentrums, blickt auf dessen Erfolge und internationale Reichweite. Die „Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ erwähnt er. Eine Erfindung unseres Schreibzentrums, die sich in der ganzen Welt verbreitet… Das klingt toll! Nun erzählt er etwas allgemeiner über die Viadrina – wie sie gegründet wurde, worin unser Stiftungsauftrag besteht und was unsere Universität auszeichnet. Ich glaube, für die vielen externen Gäste, die uns nicht kennen, ist das wirklich interessant. Sie hören jedenfalls gespannt zu. Überhaupt scheint das Publikum sehr aufmerksam zu sein.

Die nächste Rednerin kenne ich nicht. Sie wird angekündigt als Prof. Dr. Julie Nelson Christoph aus den USA. Oh ha! Gäste aus Übersee, welch eine Freude! Und oh, sie spricht auf Deutsch. Das ist eine Überraschung! Und sie spricht total gut! Auch das Publikum ist beeindruckt – das merke ich. Prof. Christoph berichtet, wie unser Schreibzentrum ihre Arbeit beeinflusst hat, vor allem die Arbeit von Katrin Girgensohn. Ohne die Begegnung der beiden Frauen vor einigen Jahren hätte die Amerikanerin ihren Forschungsschwerpunkt nicht auf deutsche Schreibzentren gelegt. Aus ihren Worten spricht Überzeugung und ehrlicher Dank, das Publikum belohnt sie mit eingängigem Applaus. Sie überreicht ihre mitgebrachten Geschenke: Julie hat die beiden Logos der Schreibzentren – ihres und das der Viadrina – zu einem gemeinsamen Logo zusammengeführt und dieses auf Sticker drucken lassen. Ein Geschenk von Herzen! Alle klatschen Beifall, es gibt innige Umarmungen – ein Geburtstag ganz nach meinem Geschmack. Heart warming!

Es sprach: Das Rednerinnenpult

Bevor die zweite Stimme erklingt, hören wir etwas anderes: Musik! Und auch hier wird dreistimmig gespielt. In diesem Fall sind es zwei Geigen und eine Bratsche, auf denen Musiker*innen des Uni-Orchesters „Viaphoniker“ dem Schreibzentrum ein Ständchen bringen.

Viaphoniker

 Zweite Stimme:

Es ist einfach wunderbar. Jetzt kommt mein großer Moment: Ich darf strahlen und Bilder an die Wand werfen, große Bilder, wandfüllende Bilder. Eben noch habe ich den Pinguin gezeigt, der mit seinem perfekt sitzenden Frack für guten Stil wirbt. Aber es geht gar nicht um Mode für Tiere, wie ich jetzt begreife, nein, es geht ums Schreiben! Auch dabei kann man sich mit Stilfragen beschäftigen: Man lernt doch nie aus! – Dabei habe ich als Beamer ja schon sehr viel erlebt.

Leinwand Logensaal Viadrina

Nun wurden heute Abend schon ein paar kurze Ansprachen gehalten, aber jetzt, endlich, kommt meine große Stunde und ich kann zeigen, was ich kann: Dr. Katrin Girgensohn ist tritt ans Pult, beginnt zu erzählen, von früher und wie es mit dem Schreibzentrum losging und ich untermale ihre Rede mit Bildern von damals. Sie spricht über die Anfänge des Schreibzentrums, über die allerersten schreibdidaktischen Angebote im Wintersemester 2002/03, noch vor der Gründung des Schreibzentrums: Die ist nämlich  auf das Jahr 2007 zu datieren: Vor 10 Jahren also bekam das Schreiben einen eigenen Raum an der Viadrina, in dem von nun an Workshops und Schreibseminare stattfanden. Und natürlich zahllose Beratungsgespräche zwischen Schreibtutorinn*en und ratsuchenden Studierenden. Nach wie vor sind sie das Herzstück der Arbeit im Schreibzentrum.

Rasch werfe ich Fotos von jungen Frauen an die Wand, den ersten Studentinnen, die die Ausbildung zu Schreibberaterinnen absolvierten und den guten Ruf des Schreibzentrums mitbegründeten. Ach, was sind die süß! So jung und voller Tatendrang… Unglaublich! Wie ich nun höre, sind ein paar Akteurinnen der ersten Stunde heute Abend hier im Saal – wenn ich mal so ein bisschen nach rechts unten schiele, kann ich sie sehen. Glücklich und stolz sehen sie aus. Und auch Bilder der Rednerin präsentiere ich: Damals trug sie wohl zu besonderen Anlässen auch mal einen Cowboyhut – sehr cool! Langsam wird diese Show echt unterhaltsam…

Katrin Girgensohn

Dr. Katrin Girgensohn

Jetzt, ein neuer Meilenstein: Es gibt eine längerfristige Finanzierung, die den Aufbau einer größeren Einrichtung erlaubt, nämlich des so genannten Zentrums für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen, das 2012 um das Schreibzentrum herum entstanden ist. Diese Entwicklung steht in Verbindung mit Franziska Liebetanz – die Leiterin des Schreibzentrums, die vorhin gesprochen. Sie war eine der Schreibberaterinnen der ersten Stunde, auf den Bildern eben war sie noch sehr jung. Seit 2011 leitet sie des Schreibzentrum der Viadrina, von der Pieke auf hat sie es mit aufgebaut.

Jetzt ein neues Bild: Fröhliche Menschen in leichter Sommerkleidung; wir befinden uns im Jahr 2014 und erfahren: Das Schreibzentrum der Viadrina hat eine große Konferenz mit mehr als 240 Teilnehmer*innen ausgerichtet, die Konferenz der European Writing Centers Association (EWCA). Und damals sind offenbar eine Menge von Schreibforscher*innen und Schreibdidaktiker*innen nach Frankfurt gekommen. Aus dem In- und Ausland sind sie an die Oder gereist und haben sich ausgetauscht und weiter genetzwerkt– bei großer Hitze, wie wir hören. – Hach, mir wird langsam auch ganz schön warm…

Wir sbefinden uns jetzt in der Gegenwart. Die Prezi zeigt die Jahreszahl 2018, dahinter ein Plus. Katrin Girgensohn hofft, dass es das Schreibzentrum auch über 2020 hinaus, wenn die aktuelle Finanzierung ausläuft, bestehen wird. Außerdem wünscht sie sich, dass das Schreibzentrum bald auf den Hauptcampus ziehen kann, denn momentan ist es im etwas abseits gelegenen Seminargebäude in der August-Bebel-Str. 12 untergebracht. Also, wenn es nach mir ginge: Ich würde ihr beide Wünsche sofort erfüllen! Jetzt gibt es ordentlich Applaus vom Publikum, recht so! Die Geschichte des Schreibzentrums ist erzählt. Und ach, wie schade: Meine große Show ist beendet. Ich mache Feierabend und gebe ab an meine beiden Kollegen, die Funkmikrofone, die zur Feier des Tages im kleinen Schwarzen erschienen sind.

Es sprach: Der Beamer

Und wieder hören wir die drei Streicher*innen: Nach Stücken von Bach oder Mozart etwas von den Beatles: Was für eine schöne Überraschung! Das Publikum ist gerührt.

Viaphoniker im Logensaal der Viadrina

Dritte Stimme:

Endlich! Der Veranstaltungstechniker hat längst alles vorbereitet, mein Kollege und ich liegen seit einer Stunde einsatzbereit auf den Tischen, der Beamer und das Pult hatten ihren Auftritt und nun sind wir endlich dran! Ich darf uns kurz vorstellen: Wir, zwei adrette Herren in Schwarz, sind die beiden Funkmikrofone, die Moderatoren der Podiumsdiskussion. Nun haben wir unseren großen Auftritt! Vier Personen treten nach vorn und nehmen auf den Sesseln Platz. Frau Liebetanz schenkt Wasser ein, nimmt mich in die Hand und schon geht sie los, die Podiumsdiskussion zum Thema Schreiben an den Fakultäten. Zu Gast sind Frau Prof. Dagmara Jajeśniak-Quast als Vertreterin der Wirtschaftswissenschaften, Frau Prof. Eva Kocher von der Juristischen Fakultät und Frau Dr. Nadja Sennewald, eine Literaturwissenschaftlerin aus dem anderen Frankfurt. Vier erfolgreiche Wissenschaftlerinnen auf der Bühne und ich habe die Ehre… Es beginnt sogleich ein angeregtes Gespräch über den Stellenwert des Schreibens an den verschiedenen Fakultäten. Mein Kollege und ich wandern von Hand zu Hand, werden herumgereicht. Ohne uns würde hier gar nichts gehen. Auch das Publikum lassen wir sprechen und Fragen stellen.
Besonders spannend findet das Publikum die Frage nach den Schreibritualen der Wissenschaftlerinnen. Frau Prof. Jajeśniak-Quast begeistert alle mit ihren offenen und ehrlichen Schilderung zu ihrem „Schreibanzug“ und ihrer Dachstube, in der sie zum Schreiben die Einsamkeit sucht. Frau Prof. Eva Kocher hingegen beginnt bei jeder Schreibeinheit am Anfang eines Textes und geht diesen komplett durch, bevor sie daran weiterschreibt. Wir erfahren, dass das Schreiben auch für Jurist*innen an der Uni eine zentrale Tätigkeit im Job ist. Diese Erzählungen werden mir sicher lange im Gedächtnis bleiben.

Podiumsdiskussion_Schreibzentrum

Podiumsdiskussion

Am Ende diskutiert die Runde noch die Frage, wie Texte geschrieben sein sollten, damit man sie gern liest. Dr. Nadja Sennewald meldet sich zu Wort: Klarheit!, das ist für sie das wichtigste Merkmal eines guten Texts. Auch das Schreibinterview vergeht wie im Flug. Franziska lädt die Gäste zum Abschluss des offiziellen Teils ein, sich ins Gräfin-Dönhoff-Gebäude zu begeben, wo auf den runden Geburtstag angestoßen werden darf und ein paar Geburtstagsüberraschungen warten. Wir zwei haben unseren Dienst jetzt zwar getan und werden uns nun zurückziehen. Was die Gastgeber*innen sich aber für die Gäste ausgedacht haben, würde ich dennoch gern wissen…

Es sprachen: Die Funkmikrofone

Mehr zum Schreibzentrumsgeburtstag:

Die Party

Das Drumherum

Der Workshop

Das Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina feiert seinen 10. Geburtstag – Einblicke in unser Jubiläumsprogramm

Pinguin mit KroneWir feiern unseren ersten zweistelligen Geburtstag: vor 10 Jahren, mit Beginn des Sommersemesters 2007, wurde das Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina eröffnet. Vorläufer hatte es schon gegeben, z. B. seit 2005 die studentische Schreibsprechstunde, aber mit Eröffnung des Raumes im Gebäude August-Bebel-Str. 12 war es richtig offiziell geboren, unser Schreibzentrum – und hat sich seit dem prächtig entwickelt. Das wurde entsprechend gefeiert:

mit einem Festakt

mit einer Party

mit verschiedensten Aktivitäten zum Jubiläumssemester

und

– mit einem Workshop für die Writing Center Community.

Wer mehr wissen möchte folgt den Links.

Übrigens: Auch wenn wir Jubiläumssemester feiern, finden unsere regelmäßigen internen Weiterbildungen für das Schreibzentrumsteam wie gewohnt statt. In diesem Semester ging es unter anderem darum, das Schreiben in Teams zu erproben und zu überlegen, wie wir Studierende beraten können, die gemeinsam Texte verfassen. Dieser Blogbeitrag ist ein Ergebnis dieser Weiterbildung, denn natürlich wollten wir das Schreiben in Teams auch praktisch erproben.

Schreibzirkus

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Jana, Juliane und Diana präsentieren den Schreibzirkus 2016

Der Schreibzirkus oder Writers‘ Circus ist ein Schreibevent, das wir am Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina entwickelt haben. Es eignet sich besonders gut, um in großen Gruppen auf kreative und spielerische Art und Weise miteinander in einen Austausch über das Thema Schreiben zu kommen. Die Teilnehmenden erarbeiten in Kleingruppen verschiedene Zirkusdarstellungen rund um das Thema Schreiben und orientieren sich dabei an verschiedenen Zirkusfiguren. Schließlich kreieren alle gemeinsam eine große Zirkusshow mit verschiedensten Nummern: Großer Spaß und ein tolles Warm-Up für Konferenzen, Tagungen oder auch als Teambuilding-Maßnahme im Schreibzentrum!

Erprobt haben wir den Writers‘ Circus äußerst erfolgreich auf folgenden Konferenzen:

Wer den Schreibzirkus ausprobieren möchte kann sich das Material als pdf herunterladen: schreibzirkus_deutsche_version_cc-license . Es steht unter creative commons license, d.h. es darf genutzt, weiter verbreitet und auch weiter entwickelt werden. Wichtig ist nur, dass es nicht für kommerzielle Zwecke genutzt wird und dass auf unsere Urheberschaft verwiesen wird. Viel Spaß!

Und hier gibt es das Material zum Schreibzirkus zum Download auf Englisch: writers-circus_cc_license
Creative Commons License
Schreibzirkus by Schreibzentrum Europa-Universität Viadrina is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

Creative Commons License
Writers‘ Circus by Schreibzentrum Europa-Universität Viadrina is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International License.

 

EWCA conference 2016 – in the (he)art of success(ful) writing

From 7th to 10th july, our team participated in the European Writing Centers Association’s Conference and the foregoing Peer Tutor Day.

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Looking forward to the keynote (foto: Franziska Liebetanz).

This year, the EWCA Conference was hosted by the Writing Center of the University of Łódz (Uniwersytet Łódzki). Łódz is in the middle of Poland and we went with 10 people from our Writing Center team to the conference. On Wednesday, four of us went by train from Frankfurt (Oder) to Łódz, we enjoyed taking a very slow train, seeing the countryside of Poland and having time to talk and relax. Another colleague of us came by car, because she took her baby and boyfriend with her to the conference. One day later the rest of our team came in the evening. We all stayed in a student dorm next to the University building. The student dorm was a typical old building made from prefabricated slabs, with a lot of levels but not much privacy because of a very light construction. However, it was very close to the conference and in convenient distance to town. We enjoyed being there all together.

As Writing Center of the European University Viadrina we have a special connection to our neighbours from Poland. We work at a University which has a strong partnership with the AM University in Poznan, we have many polish students and of course three of our peer tutors are from Poland. Even some of our Writing Center team speak polish or try to speak more or less. So we all were very excited to travel to Poland, to talk to our polish colleagues, to exchange our expertise with Writing Center work and to learn from our Writing Center Colleagues from all over the world. Two of our peer tutors also gave their workshop in polish to share their experiences with Writing Center work in Poland.

During the conference, the elections for the new EWCA board were hold. The new board constists of nine engaged writing center people from all over Europe and the USA. We are happy to announce that the director of our Writing Center, Franziska Liebetanz, will be the organization’s chair for the next two years. We are sure that she and the other board members will continue the great work of the former boards and help to further advance Writing Center work and the close co-operations of the European Writing Center community.

In the following blog entry, some of our team members want to share their impressions from the conference:

Exploring the Writing Center map

At the conference in Łódz, in the center of Poland, most inspiring to me was getting to know tutors with initiatives at the rather „periphery“  of the European Writing Center map.

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A former factory site in the city, now hosting a lot of alternative restaurants and bars (foto: Franziska Liebetanz).

For example, it was stimulating to hear various stories from the Writing Center of Niš, Serbia, with very committed Peer-Tutors in a kind of „start-up“-setting in the process of establishing itself. Writers coming there do not exclusively refer to an academic context, but might (also) discuss their own creative writing or a motivation letter.

Talking to people from Armenia, the Ukraine and Turkey, the importance of (external) institutional support and funding for sustainable Writing Center work became especially visible. It is good to see how the concept of (peer-)tutoring in academic writing can gain ground in academic contexts to which it (hitherto) might seem unfamiliar.

Being hosted in the center of the Polish Writing Center landscape, Michał Żytyniec and I were excited to hold a session in polish about how Writing Center work can find more ground also in Poland. Deriving partly from our experiences, an interesting discussion evolved, with people differently related and engaged in this field: Coming from a secondary school aiming to bridge the gap to universities, from the Law faculty wishing to teach students writing in English, from the Writing Centre in Łódz … We hope that this initial exchange can be a starting point for a network that helps to bring academic writing more to the center of curricula and university environments in Poland and are willing to contribute to this.

(Pascal)

The Pecha Kucha Sessions

A format that seems to be special at EWCA conferences is that of the Pecha Kucha Powerpoint Presentation. Presenters prepare a presentation with 20 slides, with an automatic change of slides every 20 seconds. The slides should show visual images rather than much text. In Łódz we enjoyed three Pecha Kuchas. In the first one, Olesya Shatunova shared her concept of quick and short writing prompt sessions that she uses to enhance the writing fluency of her students at a Japanese university. Simon Freise presented his ideas about tutoring sessions and writing center encounters that are not “normal” and brought this together with the theoretical framework of the sociologist Zygmunt Baumann about ambivalence, asking where the place of diversity in a Writing Center can be. Kelsey Monzka-Boettiger, Nevena Radulovic, Danilo Asanin, Aleksandra Jankvic, Milena Simic and Stevan Dinic introduced their community writing center in Niš, Serbia, in their Pecha Kucha session. This Writing Center is sponsored by the “American corner”, a local branch of a US-American governmental program. It is the only Writing Center in Serbia and is located outside the university, but inviting students from the university. All the tutors work on a volunteer basis. The short and visual format made these brief insights into three very different topics very inspiring and refreshing.

(Katrin)

My favourite workshop

I really enjoyed the many great talks with Writing Center colleagues from all over the world and the beautiful city of Łódz. Moreover, the conference programme, persisting of a lot of presentations and workshops, was very inspiring to me.

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Hexagonal writing (foto: Anne Kirschbaum).

On Saturday, I joined the workshop of Katja Günther and Ingrid Scherübl. The method they introduced was the strategic hexagon: Unlike the research pentagon we often use in our Writing Center, this method aims not mainly at planning texts, but is meant to sharpen ones writing process. It sets one off to think about the limitations that the assignment, the norms to follow, the time, the author and the readers set for ones writing project. After I had done the method during the workshop, it felt less painful to me to decide what my next steps would be with the article I currently work on – and to see, which priorities I want to set while working. I guess it will take me some time to go through my insights again and to put them into practice, but still I feel that I progressed some steps in the right direction.

(Anne)

 

Diana und Dilnaz

Exploring the city together with new friends (foto: Dilnaz Alhan).

What belongs into your heart of successful writing?

The EWCA in Łódz touched my heart on several dimensions.

First of all, I enjoyed the lovely and dynamic atmosphere and interactions among all participants with ever-enriching moments, conversations and unexpected happenings. I recognized how easily we can put ourselves into deep talks about our passion concerning our work as well as private things.

Secondly, I was very encouraged to stay stuck to the notion of networking, collaborative work and international tandems, due to the keynote of Brandon Hardy. In order to implement the spirit within our Writing Centers sustainably and all over the surface of the world on a long-term scale, it is essential, that we try to step out of our comfort zones and start thinking processes more outside the box, allowing ourselves to cooperate and work together internationally. I am glad for the respond towards the workshop “International tandem for writing and exchange” my colleague Alyssa and me conducted and all lovely and enthusiastic contributions towards it. It touched my heart to see how the fire of excitement started to spread among the participants of the workshop. Moreover, first blog entries and promises to involve into the project made my heart jumping.

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Our travel-activity (foto: Anne Kirschbaum).

A nice side effect of the conference was the travel together with my lovely team. We had lots of fun playing a famous German game called “Stadt-Land-Fluss” and replacing the standard categories “city”, “country” and “river” with writing center-related ones such as “type of writer” or “equipment of the writing center”. By this, we developed new types of writers and figured out what belongs into the equipment of a writing center and what not. The new type of writer named “The Radish” became popular within our team: The Radish type of writer likes to write tricky and difficult parts of his or her texts at a very first stage of his or her writing. Furthermore, he or she is in love with challenging kinds of phrases and structures of his or her text. This writer is very eloquent both in written and spoken words.

During the whole time of the conference my heart was dug into an ocean of friendship and the warm atmosphere of belonging. I spent very beautiful moments on our balcony in abstract and philosophical conversations with some team members about the power of love and it’s sometimes appearing impossibility, using the metaphor of an elephant to explain. Moreover, I was deeply touched by the amazing grasp of a hidden value catalog within people hearts. I am thankful in eternity for this conference and the nice community.

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Networking at it’s best (foto: Dilnaz Alhan).

“Don’t walk behind me – I may not lead!

Don’t walk in front of me – I may not follow!

Just walk beside me and be my friend!”

(Albert Camus)

(Diana)

 

Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten – ein Rückblick

Vor etwas mehr als einem Monat, am 3. März 2016, veranstalteten wir die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten: Von 16 bis 1 Uhr luden wir Studierende aller Fakultäten der Europa-Universität Viadrina in die Bibliothek ein, um dort an ihren Schreibprojekten zu arbeiten. In der motivierenden Gesellschaft anderer Schreibender und unterstützt durch unser Begleitprogramm aus Workshops und Schreibberatungen konnte die Nacht produktiv genutzt werden. Ob Abschlussarbeit, Falllösung oder Essay – alles, was noch nicht aufgeschrieben oder gedacht wurde, konnte in dieser Nacht besprochen und auf das Papier gebracht werden.

Noch Wochen nach der Veranstaltung sehen wir Studierende, die wir in der Langen Nacht in Workshops, in Schreibberatungen oder am Empfangstisch kennengelernt haben, im Schreibzentrum zur Schreibsprechstunde wieder. Grund genug für unser Team, noch einmal zurückzublicken und unsere Eindrücke von der Langen Nacht niederzuschreiben:

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„Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten (LNdaH) fühlte sich für mich eher an wie eine „Lange Nacht, um nachts in der Bibliothek mal ordentlich zum Arbeiten zu kommen“. Die Themen der Schreibberatung waren demnach vielfältig; vom Schulreferat bis zur Doktorarbeit. Die Zeit verging schnell, so dass aus meiner Sicht eher eine kurze Nacht daraus wurde. Eigentlich schade, dass es die Gelegenheit zur nächtlichen Kurzweil in der Bibliothek nicht öfters gibt.“ (Pascal)

„Bereits zum 7. Mal haben wir vom Schreibzentrum die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten nun schon veranstaltet – doch es ist immer wieder so aufregend und spannend wie beim ersten Mal im Jahr 2010. Neu in diesem Jahr war für uns der Veranstaltungsort: die Uni-Bibliothek. Von der zentralen Lage auf dem Campus hat die LNdaH in diesem Jahr deutlich profitiert. Viel mehr Studierende als sonst nutzten den Abend, um mit ihren Schreibprojekten voran zu kommen. Die von den Schreib-Peer-Tutor*innen angebotenen Schreibberatungen waren restlos ausgebucht und auch die Workshops wurden sehr gut besucht.“ (Simone)

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Ideenschmiede im Lerncontainer (Foto: Franziska Liebetanz).

„Es war schön, das Schreibzentrum für eine lange Nacht von der Peripherie der August-Bebel-Straße 12 in das Herz der Uni zu verlagern. So konnten wir (auch wenn ich es nur gefühlt habe und nicht statistisch beweisen kann) zusätzlich die Menschen ansprechen, die Tag für Tag in den Fahrstuhl steigen und bis zum Abend den Lesesaal nur für eine Kaffeepause verlassen. Ich glaube, die in die Bibliothek beheimateten disziplinierten Eigenbrötler*innen könnten wir dauerhaft als Zielgruppe gewinnen, wenn wir in Kooperation mit der Uni-Bibo einen kleinen SZ-Ableger in einem der Lerncontainer gründen würden. Quasi jede Woche einen Langen Tag der aufgeschobenen Hausarbeiten!“ (Simon)

„Auch von zu Hause konnte man sich von der Atmosphäre der Langen Nacht anstecken lassen: Auf Twitter war ziemlich viel los. Die Tweets mit dem Hashtag #LNdaH haben einen Einblick in den Ablauf der Langen Nacht in ganz Deutschland ermöglicht. Schöne Fotos wurden gepostet, auf denen einladende Schreibräume und motivierte Schreibende zu sehen waren. Die digitale Teilnahme an dieser Schreibaktion kann auch Spaß machen! Man muss nur aufpassen, Social Media wirklich zur Inspiration und nicht zum Aufschieben zu nutzen.“ (Michał)

„Die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten bleibt mir in Erinnerung als ein kleiner Rausch im Land der Schreibdidaktik. Die Gesichter von Ratsuchenden sehe ich vor mir und die dazugehörigen Anliegen hängen noch in meinem Ohr; ob Zitation, Textfeedback oder Hausarbeiten schreiben in Jura. Am Infostand auf die Zielscheibe hinzuweisen – der eigene Arbeitsstand innerhalb der Nacht kann markiert werden – hat Spaß gemacht. Zu sehen, dass Teilnehmende von Workshop zu Workshop an ihren Plätzen blieben und sich eine kleine Stammgemeinschaft abzeichnete, empfand ich als sehr befriedigend. Ich hatte das Gefühl, dass die Bibliothek einen guten Veranstaltungsort bildete. Sie wird von Studierenden ohnehin mit dem wissenschaftlichem Arbeiten verbunden und die LNdaH könnte für die Teilnehmenden das i-Tüpfelchen eben dafür dargestellt haben.“ (Alyssa)

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Am Büffet konnten Schreibende ihre Energiereserven auffüllen (Foto: Franziska Liebetanz).

„Mir ist eine Situation während der Langen Nacht besonders im Gedächtnis geblieben; wahrscheinlich weil sie die tolle Atmosphäre spürbar macht, die an diesem Abend herrschte. Ich saß am Begrüßungsstand vor der Bibliothek und war in ein Gespräch mit einem Promovierenden vertieft, als ein Studierender mich höflich, aber doch ungeduldig unterbrach und mich fragte, wo denn die Liste für die Anmeldung zur Schreibsprechstunde hin sei. Er komme gerade aus einer Beratung und sei so begeistert von der Offenheit des Gesprächs und den vielen interessanten Hinweisen, dass er sich sofort noch einmal eintragen wollte. Ich habe ihm die Liste schmunzelnd hingeschoben und ihm geantwortet, dass wir glücklicherweise die halbe Nacht da sind und vorher sogar noch etwas Zeit bleibt, um sich am Büffet zu bedienen. Damit war sein Glück an diesem Abend perfekt, er war von guten Gesprächen und gutem Essen gesättigt.“ (Anja)

Viele bekannte Gesichter von der Langen Nacht nun im Schreibzentrum wiederzutreffen und auch die vielen dankbaren Kommentare von Schreibenden während der Langen Nacht bestätigen unsere eigenen positiven Eindrücke und zeigen uns, dass wir mit dieser Veranstaltung immer wieder aufs Neue für eine veränderte Schreibkultur werben können: eine Schreibkultur, für die Offenheit, konstruktive Rückmeldung und Austausch zentral sind.

Weitere Stimmen zur Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten finden Interessierte unter anderem auch hier:

http://www.wlnjournal.org/blog/2015/03/the-long-night-against-procrastination-2015-a-german-perspective/

https://schreibnacht.wordpress.com/

Zehn Jahre Schreibcenter der Uni Klagenfurt – Herzlichen Glückwunsch!

Klagenfurt

Am 14.und 15. November 2014 hat das Schreibcenter der Alpen Adria Universität Klagenfurt sein 10jähriges Jubiläum gefeiert und aus diesem Anlass auch zu einer Tagung eingeladen, die gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Wissenschaftliches Schreiben (Gewiss) ausgerichtet wurde. Außerdem wurde eine Lange Nacht des Schreibens veranstaltet. Ich möchte hier ein paar Eindrücke teilen, die ich mitgenommen habe, ganz ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

In Erinnerung bleibt mir zum Beispiel der Film, den das Schreibcenter anlässlich des Jubiläums produziert hat. Darin kommen unter anderem Lehrende zu Wort, die mit dem Schreibcenter zusammenarbeiten, um die Lehre durch Schreiben aktiver und studierendenzentrierter zu gestalten. Es wird von den vielen Facetten berichtet, die den Alltag des Schreibcenters ausmachen – neben der Arbeit mit Studierenden gibt es zum Beispiel Schulkooperationen und viele weitere Kooperationen in der Region Kärnten. Gespickt wird der Film mit vielen Zitaten über das Schreiben, die Lehrende, Forschende und SchriftstellerInnen vortragen – einer sogar auf dem Kopf stehend.

Im Eröffnungsvortrag erinnerte Gerd Bräuer an die Entstehungszeit des Schreibcenters, die er begleitete. Das Motto damals war zunächst: „Mit wenig Geld viel bewirken“, denn, wie so oft in unserem Bereich, war die Anfangszeit vor allem von viel Engagement der Beteiligten getragen. Unbestritten ist sehr viel bewirkt worden und die Arbeit des Schreibcenters dreht sich keineswegs nur um das Schreiben, sondern auch sehr viel um das Lernen und Lehren. Bei dem „wenig Geld“ dürften Schreibzentren aber nicht stehen bleiben, mahnte Gerd Bräuer im Hinblick auf die vielen Schreibzentrumsgründungen der letzten Jahre an. Zu groß ist sonst die Gefahr, dass Schreibdidaktik nur zu kosmetischen Veränderungen führt und nicht zu einer nachhaltigen Entwicklung der Lehr-Lernkulturen im Sinne des Literacy Management.

Ein Workshop von Alexandra Peischer brachte die Schreibberatung zusammen mit der Systemischen Beratung. Es war für mich nicht das erste Mal, dass ich versucht habe, zu verstehen was die systemische Beratung von der nicht-direktiven, schreibendenzentrierten Beratung unterscheidet, die in vielen Schreibzentren der Beratungsansatz ist (siehe zum Beispiel den Aufsatz von Ulrike Lange und Maike Wiethoff im Band „Schreiben“ von Stephanie Dreyfürst und Nadja Sennewald). Auch dieses Mal fand ich die Unterschiede in den Beratungsansätzen theoretisch wenig fassbar. Allerdings konnten wir einige Werkzeuge der systemischen Beratung in Rollenspielen erproben. Durch diese praktische Herangehensweise konnte ich erleben, inwiefern einige dieser Werkzeuge den „Beratungskoffer“ für die Schreibberatung sinnvoll ergänzen. Das war überzeugend und hat mir Lust auf mehr gemacht.

Als Ergänzung zur Schreibberatung haben Birgit Huemer und Marcus Rheindorf ihren Ratgeber vorgestellt: „Das Betreuungsgepräch: ein Ratgeber für die Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten“. Das von der Universität Luxembourg herausgegebene Booklet basiert auf den in vielen Schreibberatungen gesammelten Erfahrungen zur Betreuungsproblematik und richtet sich explizit an Lehrende, nicht an SchreibdidaktikerInnen. Es geht darin u.a. darum, das Betreuungsverhältnis zu definieren und zu klären, welche unterschiedlichen Betreuungsleistungen in den unterschiedlichen Phasen von Schreibprozessen erforderlich sind. Ein weiteres Kapitel unterstützt dabei, eine gemeinsame Sprache der Betreuenden und der Betreuten zu entwickeln, um das Sprechen über das wissenschafliche Arbeiten zu erleichtern. Die AutorInnen plädieren dabei dafür, sich bewusst mit dem Gebrauch von Metaphern auseinanderzusetzen. Ein Kapitel zum Textfeedback erläutert schließlich die verschiedenen Dimensionen des Feedbacks auf wissenschafliche Arbeiten und betont dabei, dass diese jeweils auch abhängig davon sind, in welcher Studienphase die Schreibenden sind – StudienanfängerInnen bräuchten anderes Feedback als Studierende, die ihre Abschlussarbeit schreiben.

Otto Kruse stellte in einem Vortrag Forschungsergebnisse aus einer Fragebogenstudie mit BA-Studierenden und deren Lehrenden vor, die in Kooperation mit der Universität Konstanz entstanden ist. Diese Studie basiert auf dem in einem EU-Projekt entwickelten, ursprünglich länderübergreifenden und mehrsprachigen „European Writing Questionnaire“. Ziel der Studie ist es, Daten zu gewinnen, mit denen ein Verständnis für Schreibkulturen an Hochschulen entwickelt wird und die z.B. Schreibzentren bei der Argumentation für ihre Arbeit unterstützen können. Die Schwerpunkte sind dabei Schreib- und allgemeine Studienkompetenzen, Schreibpraktiken, Einstellungen zum Schreiben, Genres im Studium und Interpretation der Genres, Vergleich zwischen Fächergruppen bzw. Disziplinen, Vergleich von Stufen des Studiums, Vergleich von Lehrenden vs. Studierenden (Selbst- und Fremdeinschätzung der Kompetenzen) und der Bedarf an Unterstützung für das Schreiben aus Sicht Studierender. Die Ergebnisse vorzustellen würde an dieser Stelle zu weit gehen. Das Instrument dieses Fragebogens erscheint mir jedenfalls sinnvoll, auch wenn sich gezeigt hat, dass es gar nicht so einfach ist, bestimmte Dinge zu erfragen. Zum Beispiel scheinen die Befragten unter dem Begriff „Hausarbeit“ nicht immer das gleiche zu verstehen.

An dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Glückwunsch zum 10jährigen Geburtstag und vielen Dank für die gelungene Feier an alle Beteiligten!

 

 

Ich, polnische Muttersprachlerin an einem deutschen Schreibzentrum

*Po Polsku*
Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich an einem Schreibzentrum in Deutschland arbeiten werde, hätte ich diese Idee bestimmt für verrückt gehalten. Ich, polnische Muttersprachlerin in einem deutschen Schreibzentrum an einer deutschen Universität??? Damals kaum zu glauben. Aber es ist doch wahr geworden.
Über mich
Ich heiße Alicja, komme aus Swiebodzin in Polen, 60 km von der deutsch-polnischen Grenze entfernt, und studiere den Masterstudiengang Interkulturelle Kommunikation an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Mit der Uni bin ich nicht nur durch das Studium, sondern auch durch meine Arbeit am Schreibzentrum verbunden. Mit diesem Blog-Eintrag möchte ich meine Arbeitsstelle vorstellen und auch ein paar Erfahrungen und Reflexionen teilen, die verdeutlichen, was das Schreibzentrum für mich bedeutet und wie ich die Arbeit als Schreib-Peer-Tutorin wahrnehme.
Ich habe die Arbeit am Schreibzentrum im April dieses Jahres angefangen. Ich halte diese Tätigkeit für eine große Herausforderung und ein wunderbares Abenteuer zugleich. Gerade sitze ich im Schreibzentrum (Raum 115 des Unigebäudes in der August-Bebel-Straße) und schreibe diesen Eintrag. Obwohl ich erst den vierten Monat als Schreib-Peer-Tutorin arbeite, habe ich sowohl die Ziele und Voraussetzungen, als auch das Team unseres Zentrums schon ziemlich gut kennen gelernt. Außer mir sitzt im Raum eine andere Peer-Schreibberaterin, die sich auf eine Schreibberatung im Rahmen des Writing-Fellow-Programms vorbereitet. Mehr davon könnt Ihr unter https://schreibzentrum.wordpress.com/ erfahren. Es gibt noch eine andere Person, die sich intensiv mit dem Programm der EWCA-Konferenz (European Writing Centers Association: http://www.europa-uni.de/de/struktur/zfs/schreibzentrum/EWCA2014/index.html) beschäftigt. Die Konferenz fand vom 19. bis 22. Juli statt. Das war ein großes Ereignis für uns und für die ganze Uni.

Unsere Arbeit im Schreibzentrum
Aber jetzt zurück zum Raum, in dem ich sitze… Ich möchte auf die Lern- und Arbeitsatmosphäre in unserem Team aufmerksam machen. Sie ist einfach freundlich und stressfrei. Dank dieser Atmosphäre habe ich meine Haltung zum Schreiben verändert. Früher habe ich immer gedacht, dass das Schreiben ausschließlich das Festhalten von Gedanken auf Papier oder am PC ist. Aber es ist nicht so! Schreiben ist ein Prozess, der in einem Dialog mit sich selbst und mit anderen geschieht. Da viele meiner KommilitonInnen meine frühere Meinung zum Schreiben teilen, möchte ich meine neue Einstellung und die im Schreibzentrum herrschende Atmosphäre weitergeben und zwar an Lehrende, Studierende und alle, denen ich im Kontext des wissenschaftlichen Schreibens begegne. Ich möchte, dass auch andere das Schreiben aus einer neuen Perspektive betrachten. Dadurch können sie nicht nur eine positive Einstellung zum Schreiben entwickeln, sondern auch ihre Schreibkompetenz verbessern und viel Spaß und Freude am Schreiben haben. Und was bedeutet mir die Arbeit als Schreib-Peer-Tutorin? Einerseits ist es meine Beschäftigung an der Uni, andererseits verbessere ich dadurch meine Schreibkompetenzen. Darüber hinaus helfe ich anderen Studierenden dabei, ihre Schreibkompetenzen zu entwickeln. Aber das ist natürlich nur eine Seite dieser Tätigkeit. Tatsächlich ist meine Arbeit als Schreibberaterin ein wunderbares Abenteuer, das mit unaufhörlicher Begegnung mit Menschen und mit Austausch von Wissen, Erfahrungen, Werten, Lächeln und Freude verbunden ist. Ich freue mich, dass ich auf diese Art und Weise mein Studium an der Universität Viadrina und den Aufenthalt im deutsch-polnischen Grenzgebiet bereichern kann.
Jetzt erkläre ich euch, womit wir uns am Schreibzentrum befassen und warum das Zentrum an der Universität so wichtig ist. Ich hoffe, ihr gelangt dank dieser Informationen zur Überzeugung, dass es sich lohnt, Schreibzentren an Schulen und Universitäten in Polen zu gründen.
Wenn ich in einem Satz sagen müsste, was das Schreibzentrum an unserer Universität ist, würde ich es als einen Ort bezeichnen, an dem sich alles um das Schreiben dreht. Hier begegnen sich Wissenschaft und Forschung, hier beziehen sich die Tätigkeiten wissenschaftlicher MitarbeiterInnen und Studierender auf das wissenschaftliche und literarische Schreiben sowie Schreibprozesse. Außenstehende könnten meinen, dass das Schreibzentrum lediglich eine Einrichtung ist, die den Studierenden und Promovierenden beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten Hilfe leistet. Ich möchte dieser Annahme jedoch widersprechen und darauf aufmerksam machen, dass unser Schreibzentrum nicht nur für Studierende oder Promovierende, sondern auch für Lehrende, SchülerInnen und Auswärtige ein breites und abwechslungsreiches Angebot hat. Beispielsweise arbeiten in unserem Schreibzentrum wissenschaftliche MitarbeiterInnen, die im internationalen Kontext durch Forschung, Konferenzen und Veröffentlichungen zur Entwicklung der Schreibwissenschaft beitragen und an den Schreibdiskursen teilnehmen.
Außer den wissenschaftlichen MitarbeiterInnen sind in unserem Zentrum auch Studierende eingestellt. Das ganze Team besitzt eine fundierte Ausbildung. Um Schreibberaterin zu werden, habe ich drei Seminare zum wissenschaftlichen Schreiben und der Schreibberatung besucht und das Zertifikat zur Schreib-Peer-Tutorin erhalten. Das alles war ziemlich zeitaufwendig und anspruchsvoll, aber bringt mir jetzt viel Zufriedenheit und Nutzen. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich den Anforderungen der Ausbildung zur Schreibberaterin gerecht wurde, und dass ich zusammen mit deutschen MuttersprachlerInnen arbeite. Außerdem kann ich mich dank der Arbeit am Schreibzentrum auch ständig weiterentwickeln und von den Schreibenden, die uns aufsuchen, viel lernen, z.B. aktives Zuhören, Empathie oder den freundlichen Umgang mit Menschen.
Aber zurück zu unserem Angebot. Wir bieten den Studierenden aller Studiengänge individuelle Schreibberatung auf Augenhöhe, d.h. peer-to-peer Beratung, bezüglich der Schreibprozesse, des wissenschaftlichen Schreibens, der wissenschaftlichen Texte und des wissenschaftlichen Arbeitens an. Außer den individuellen Treffen haben wir Schreibgruppen (z.B. Schreibgruppe für Abschlussarbeiten), in denen die Studierenden ihre Fähigkeiten bezüglich des Schreibens und der Überarbeitung von Texten entwickeln. Während unterschiedlicher Seminare, Workshops oder sog. Lunchtime Lessons (meine LTL dreht sich um „Schreiben in der Fremdsprache“) können sich Studierende mit den unterschiedlichen Anforderungen des wissenschaftlichen Schreibens vertraut machen. Sie lernen unterschiedliche Schreibstrategien und können ihre individuellen Schreibkompetenzen entwickeln und ausbauen. In unserem Schreibzentrum herrscht eine angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre, die zur Weiterbildung und zum Austausch in Gruppen, Seminaren und Werkstätten anregt. Für Promovierende bieten wir Schreibworkshops und –beratung an. Auch eine Unterstützung der Lehrveranstaltungen für Lehrende bezüglich des wissenschaftlichen Schreibens bieten wir an. Im Writing-Fellow-Programm helfen unsere BeraterInnen den Studierenden beim wissenschaftlichen Schreiben und geben Feedback zu den angefertigten Texten, die sie in einem bestimmten Seminar verfassen müssen.
Zu unserem Angebot gehört auch die Unterstützung von SchülerInnen bei der Entwicklung der Schreibfähigkeiten, was den Übergang von der Schule zum Studium erleichtern kann. Das Schreibzentrum an der Universität Viadrina ist somit sowohl ein wissenschaftlicher und didaktischer Ort, als auch ein Ort der Begegnungen, an dem man Wissen und Erfahrungen zum wissenschaftlichen Schreiben und den Schreibprozessen austauscht.

Schreiben kann schön sein
Zum Schluss des Blog-Eintrags möchte ich noch etwas unterstreichen: Schreiben, besonders wissenschaftliches Schreiben kann vielen Menschen langweilig, zeitraubend und wenig zufriedenstellend erscheinen. Es kann, aber es muss nicht so sein. Unser Schreibzentrum an der Viadrina beweist etwas völlig Anderes. Schreiben macht Spaß, ist interessant und hilft Schreibenden in wissenschaftlicher und sozialer Hinsicht weiter. Das bestätigen meine Erfahrungen und Gefühle. Das bestätige ich, polnische Studentin, die an einer deutschen Universität studiert und in einem deutschen Schreibzentrum arbeitet.
Alicja Pitak

Peer Schreib TutorInnen Konferenz 2013

Bereits zum sechsten Mal hat am vergangenen Wochenende die Peer Schreib TutorInnen Konferenz stattgefunden. Was in Frankfurt (Oder) 2008 mit 20 Teilnehemenden begonnen hatte, ist mittlerweile zu einem großen Event geworden, für das sich 150 Peer TutorInnen und SchreibzentrumsmitarbeiterInnen angemeldet hatten. Das Team des Bochumer Schreibzentrums schuf einen wunderbaren Rahmen mit Café, zu gestaltender Deutschlandkarte und perfekter Organisation.

Am ersten Tag hielt Otto Kruse einen Keynote-Vortrag. Es war für die Teilnehmenden sehr spannend, den Autor von „Keine Angst vor dem leeren Blatt“  live zu erleben. In seinem Vortrag unterstrich Otto, wie wichtig es ist, in der prozessorientierten Schreibberatung auch Sprachwissen zu vermitteln. Unter Sprachwissen versteht er ein Wissen über Formulierungen, die in wissenschaftlichen Texte bewusst eingesetzt werden können, zum Beispiel um Vorsicht bzw. Distanz zu einer Position zu signalisieren.

Anschließend gab es zahlreiche Workshops und einige Vorträge, alle vorbereitet von verschiedenen Schreibzentren. Unser Schreibzentrum war vertreten mit einem Workshop über die Gestaltung von Konferenz-, Lehr- und Schreibzentrumspostern, den Anja Poloubotko und Michal Zytyniec durchführten. Marlene Schulze und Katrin Girgensohn erprobten in einem weiteren Workshop die „beschreibende Gliederung“, eine Methode im Rahmen der Peer TutorInnen Ausbildung nach Kenneth Bruffee. In anderen Workshops wurden kreative Methoden in der Schreibberatung erprobt und diskutiert, in eine Google+-Community für Peer Schreib TutorInnen eingeführt, Mission Statements für Schreibzentren entwickelt, Beratungsmethoden ausprobiert, Forschung zu Mehrsprachigkeit in Schreibzentren vorgestellt und vieles mehr. Wir konnten zahlreiche neue Impulse mitnehmen, uns mit anderen austauschen und gemeinsam neue Ideen entwickeln.

Der zweite Teil der Tagung war als ein Open Space gestaltet. Ein Open Space ist ein sehr offenes Format, bei dem sich mehrmals Gruppen zusammenfinden, um gemeinsam Themen zu bearbeiten. Zur Einstimmung gab Katrin Girgensohn einen Rückblick auf die Geschichte der Schreibzentren in Deutschland und auf die vielen Erfolge, die wir schon dem Engagement von Peer TutorInnen zu verdanken haben, wie zum Beispiel die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten oder die Fachzeitschrift JoSch (Journal der Schreibberatung). Dieser Rückblick machte Lust darauf, über eigene Themen und Anliegen nachzudenken und diese einzubringen. Die Themen wurden von den Anwesenden gesammelt und dann bestimmten Decken zugeteilt. Decken deshalb, weil die Gruppen sich auf Decken und Kissen gruppierten. In vielen Gruppen wurden Themen aus den voran gegangenen Workshops wieder aufgegriffen und weiter besprochen oder bearbeitet. Andere beschäftigten sich mit darüber hinaus gehenden, die Peer TutorInnen betreffenden Themen. So entstanden z.B. konkrete Pläne für ein gemeinsames Wiki mit Schreibmethoden für Schreibberatungen und Schreibworkshops. Auf einer anderen Decke überlegten Peer TutorInnen, die demnächst mit dem Studium fertig werden, wie es im Anschluss an das Studium für sie weitergehen kann: Wo lassen sich die in der Schreibberatungspraxis gewonnenen Kompetenzen im Beruf einbringen? Die Themenvielfalt war spannend und führte dazu, dass viele als „Hummeln“ von einer Decke zur anderen fliegen wollten. Das Format des Open Space erlaubt das Hummeln ausdrücklich. Doch meistens waren die Diskussionen dann doch so spannend, dass die Hummeln an den Decken hängen blieben.

Auch der Sonntag wurde noch einmal im Open Space Format gestaltet. Diesmal ging es dabei darum, Anliegen zu bearbeiten, die über die Peer TutorInnen Konferenz hinaus umgesetzt werden können. Dabei entstanden viele konkrete Vorhaben. So wird die Google+-Community der Peer TutorInnen weiter bestehen, sich über eine gemeinsame Ethik verständigen und auch die Erstellung eines Schreibmethoden- und Schreibworkshop-Wikis begleiten. Es fanden sich auch Peer Tutorinnen zusammen, die dafür sorgen werden, dass auf der im Juli 2014 stattfindenden Konferenz der European Writing Centers Association das Engagement der Peer TutorInnen im deutschsprachigen Raum sichtbar wird. So soll es dort einen Peer Tutor Day geben, eigene Panels für Peer TutorInnen und eine Ausstellung, die die Arbeit und Vernetzung visualisiert. Ebenfalls sehr wichtig ist die Bildung einer Speziellen Interessengruppe (SIG), die die Anliegen der Peer TutorInnen in der neu gegründeten Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung vertreten wird. Die Gruppe möchte sich zum einen der Öffentlichkeitsarbeit widmen und diese Gesellschaft insbesondere bei Peer TutorInnen bekannt machen. Zum anderen möchte sie eng mit der SIG zur Erarbeitung von Qualitätsstandards für die Peer TutorInnen Ausbildung zusammen arbeiten. Die Gruppe formulierte das Anliegen, dass Peer TutorInnen-Ausbildungen bundesweit in Umfang und Inhalten vergleichbar werden, dass verschiedene Beratungsansätze integriert und wechselseitige Hospitationen ermöglicht werden.

Die Peer TutorInnen Konferenz 2013 wird uns lange als eine Veranstaltung in Erinnerung bleiben, auf der wir nicht nur viel von- und miteinander gelernt haben, sondern auf der auch in bildungspolitischer Hinsicht Vieles in Bewegung gekommen ist. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im Rahmen der EWCA Konferenz 2014 in Frankfurt (Oder) und im Rahmen der nächsten Peer Schreib TutorInnen Konferenz 2014 in Frankfurt am Main!

Weitere Eindrücke gibt es übrigens bei Twitter: #ptk13

Anja, Michal, Marlene, Josi, Franziska und Katrin

Eindrücke von der 5. Peer- SchreibtutorInnen- Konferenz in Jena

Interessierte Teilnehmende

Interessierte Teilnehmende

von Anja Poloubotko und Anja Schulz

 Herzlich Willkommen, steht auf dem Plakat am Haupteingang zur Friedrich- Schiller- Universität in Jena. Ich gehe in das Gebäude, eine Treppe führt mich in den ersten Stock. Dort sind drei Räume hergerichtet für Vorträge und Workshops, auf dem Gang bekomme ich Kaffee und Gebäck. Ich fühle mich eingeladen. Hier und dort gibt es schon kleine Gesprächsrunden um das Schreiben, Gedankenaustausch und Vorfreude auf die 5. Peer- SchreibtutorInnen Konferenz der Schreibzentren.

So viele neue Gesichter! Das wichtigste ist zunächst das Kennenlernen der Teilnehmenden untereinander. Im letzten Jahr fand die Peer- SchreibtutorInnen Konferenz in Göttingen statt, dort trafen sich rund 40 TutorInnen und MitarbeiterInnen. Dieses Jahr gibt es ca. 70 KonferenzteilnehmerInnen.  Neu sind  unter anderem die Schreibzentren Frankfurt am Main und Hamburg. Und es gibt über 20 Beiträge, zum Teil auch auf Englisch.

Viele Veranstaltungen finden parallel statt und es fällt mir schwer zu entscheiden, ob ich nun lieber am Workshop „Was ist ein Essay? Montaigne und Bacon wieder/ holen, wieder/lesen und wieder/ schreiben“ oder am Workshop „Schreibgruppen organisieren und begleiten“ teilnehmen werde. Und danach entweder zu „Kitchen Stories“ oder zu „Problematische Grenzsituationen in der Schreibberatung“ gehe. Den Workshop „Gestaltung von Lese- Workshops – Übungen und Handouts“ möchte ich auch nicht verpassen.

Ich wähle zunächst den Workshop „Schreibgruppen organisieren und begleiten“ von Simone Tschirpke und Anja Poloubotko. Darin erfahre ich viel über Herausforderungen und mögliche Konflikte, die in Schreibgruppen mit sehr heterogenen Teilnehmenden auftreten können. Einige ZuhörerInnen des Workshops werden gebeten ein Rollenspiel vorzuführen. Sie schlüpfen in vorgeschriebene Rollen und werden zu „Paula Peiler“, „Agatha Ängstlich“, „Paul Plauder“ und“ Greta Kritiker“. Dann gibt es noch eine Leiterin („Britta Begleiter“),  die weder mit den Teilnehmern noch mit deren Texte wirklich vertraut ist. Gezeigt wird eine Schreibgruppe in der Extremsituation, die keine Regel der Zusammenarbeit kennt. Anschließend tragen wir in einem Cluster zusammen, worauf wir achten sollten, wenn wir selbst eine Schreibgruppe betreuen: Kommunikationsregeln in der Gruppe festlegen, gemeinsame Ziele definieren, die Rolle des Leiters erklären, Rahmenbedingungen einhalten (Regelmäßigkeit, bestimmter Ort), eine angenehme Arbeitsatmosphäre schaffen, Probleme der Zusammenarbeit offen besprechen und vieles mehr. Dieser Workshop ist sehr interaktiv, durch das Rollenspiel wird eine sehr lockere Atmosphäre geschaffen. Alle  sind gleichermaßen eingeladen zu diskutieren, auch die Teilnehmenden, die selber noch keine Erfahrung in der Arbeit und Betreuung mit Schreibgruppen haben, bekommen einen guten Einblick.

Rollenspiel zur Organisation von Schreibgruppen

Rollenspiel zur Organisation von Schreibgruppen

Danach gehe ich zum Workshop „Problematische Grenzsituationen in der Schreibberatung“ der von Katina Linguri, Katharina Meyer und Leonardo Dalessandro (Goethe- Universität Frankfurt) geleitet wird. Hier sammle ich viele wertvolle Tipps in kleinen Gruppendiskussionen zu den Themen „Diskriminierende Äußerungen“, „Psychische Instabilität“ und „Übergriffiges Verhalten“. Es wird deutlich, dass bereits einige Tutoren und Tutorinnen „unangemessenes und grenzüberschreitendes“ Verhalten seitens der Ratsuchenden in der Schreibberatung erfahren haben. Wie geht man mit Ratsuchenden um, die aufdringlich werden und private Verabredungen nach der Beratung wünschen? Wie geht man mit Ratsuchenden um, die in der Beratung anfangen zu weinen? Was mache ich mit solchen, die in ihren Hausarbeiten über ein politisch sensibles Thema schreiben und ethisch fragwürdige Einstellungen vertreten? All diese Fragen werden thematisch zunächst in Kleingruppen angeregt diskutiert und anschließend im Plenum vorgestellt. Ich finde es sehr nützlich, dass solche Themen, über das eigene Schreibzentrum hinaus auf PeertutorInnen- Konferenzen besprochen werden können. Andere TutorInnen haben ähnliche Erfahrungen gemacht und wir suchen gemeinsam nach Lösungswegen.

In den Pausen bleibt nicht nur Zeit zum Reden und Diskutieren, wir wollen uns Jena anschauen und beschließen, vom Hauptgebäude der Uni einige Minuten Richtung Altstadt zu laufen. Die Altstadt ist gemütlich und klein. Vom Citytower bekommen wir ganz schnell einen Überblick über Stadt und Umgebung und genießen eine Weile die Aussicht über die endlosen bunten Laubwälder, die Jena umgeben.

Zurück in der Universität, es ist Samstagnachmittag, klingt Musik aus den Lautsprechern im Konferenzraum (Hörsaal 9): „Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt bleibt dumm!“ Es ist Werbung für den Workshop, „Wie wirken Fragen in der Peer- Schreibberatung?“.  Viele TeilnehmerInnen haben sich in diesem Raum bereits eingefunden. Der Workshop ist sowohl für TutorenInnen, die noch wenig praktische Erfahrung mit Schreibberatung haben hilfreich, als auch für solche, die bereits seit längerem beraten. Es geht um die Anwendung von Fragetechniken in der Beratung. Die Schreibtutoren aus Bielefeld stellen in einem Rollenspiel sehr schön dar, wie offene und geschlossene Fragen seitens der Beratenden jeweils auf die  Ratsuchenden wirken (können). Sowohl geschlossene als auch offene Fragen sind in einer Schreibberatung notwendig, wobei es wichtig ist, eine Balance zu finden. Geschlossene Fragen helfen bestimmte Daten abzufragen, wohingegen offene Fragen sinnvoll sind, um Ratsuchende „reden zu lassen“. Die Verwendung von offenen Fragen stellt eine vertrauensvolle Atmosphäre her, in der sich die Ratsuchenden angenommen fühlen. Wir als SchreibberaterInnen sollten uns ein Beispiel an Kindern nehmen und stets eine neugierige Grundhaltung annehmen.

Im Hörsaal 7 gibt es einen weiteren interessanten Beitrag: „Inklusion durch kollaborative Übungen in interkulturellen Schreibworkshops“. David Kreitz und Nadine Stahlberg vom internationalen Schreibzentrum der Universität Göttingen stellen ihr Workshopkonzept vor und lassen gleichzeitig Raum für Selbstarbeit. Wichtig ist für die Workshops, die das wissenschaftliche Schreiben auf Deutsch fördern sollen, die Zusammensetzung der TeilnehmerInnen in den Schreibgruppen, die Mischung aus MuttersprachlerInnen und Nicht- Muttersprachlern. Denn das leitende Konzept der Inklusion ist das Einschließen von Unterschiedlichkeiten, die von einander im Team profitieren können und eine Einheit bilden.  Viele Workshopteilnehmer bringen ihr Erfahrungswissen mit ein. Schwierig ist es zum Beispiel in heterogenen Gruppen eine Struktur festzulegen, die alle zu Wort kommen lässt. Kleine Übungen können hier weiterhelfen, wie zum Bespiel ein Blitzlicht zu Beginn einer Sitzung zu gestalten, indem die Teilnehmenden spontan über ihre Eindrücke und Ideen berichten können. Darüber hinaus sollten die interkulturellen Schreibgruppen zum selbstständigen und autonomen Arbeiten animieren werden. Das Seminar „Schreiben(d) lernen im Team“ zum Beispiel, das an der Viadrina Universität in Frankfurt/ Oder angeboten wird, versucht diese Idee umzusetzen. Dabei lernen Studierende unterschiedlicher kultureller Herkunft zusammen. Sie besuchen Lehrveranstaltungen zum wissenschaftlichen Schreiben und arbeiten parallel dazu in kleinen Schreibteams (4- 6 Mitglieder), in denen sie selbst ihre Sitzungen mit kreativen Schreibübungen organisieren.

Cluster zu einem Rollenspiel

Im Beitrag von Ina Brauckhoff (Schreib- Lese- Zentrum Münster) erfahren wir über ihr Dissertationsprojekt „Tutoring für Schreiber mit der Fremdsprache Deutsch – wissenschaftliche Studien“. Sie untersucht, welche Sprachhandlungsmuster der Schreibberater gegenüber Nicht- Muttersprachlern geeignet sind. Wir hören uns eine Audioaufzeichnung an, in der deutlich wird, dass die von der Beraterin durchgeführte Beratung, nach den Regeln der Non- Direktivität zu keinem Ergebnis führt. Der Ratsuchenden werden wichtige Informationen über Text- und Argumentationsstrukturen zu Beginn der Textarbeit nicht gegeben. Daher fällt es der Ratsuchenden schwer, ihre Fehler einzuordnen. Ihr wird nicht bewusst, dass es um die Prozesshaftigkeit des Schreibens und Lernens geht, anstatt um die  einmalige Überarbeitung ihres Textes. Durch das non- direktive Vorgehen der Beraterin und das passive Verhalten der Ratsuchenden wird kein eindeutiges Ziel der Beratung festgelegt und der Gesprächsgegenstand nicht eingegrenzt. Dies führt zu Orientierungslosigkeit, Beraterin und Ratsuchende können daher an keinem konkreten Textausschnitt arbeiten. Während wir diskutieren, grenzt  Ina Brauckhoff ihre Fragestellung weiter ein. Sie möchte herausfinden, in welchen Fällen direktive und non- direktive Beratungsstrategien bei Nicht- Muttersprachlern angewendet werden sollten. Für ihre Untersuchung hat sie bis jetzt 52 Gespräche mit ausländischen und 21 Gespräche mit deutschen Schreibenden aufgezeichnet. Auf die Ergebnisse bin ich sehr gespannt.

Die Autorinnen signieren ihr Buch Zukunftsmodell Schreibberatung

Die Autorinnen signieren ihr Buch Zukunftsmodell Schreibberatung

 

Zum Abschluss des Konferenzwochenendes gibt es noch viele Diskussionen über die Workshops, Gespräche über das neue Buch „Zukunftsmodell Schreibberatung. Eine Anleitung zur Begleitung von Schreibenden im Studium“,  von Ella Grieshammer, Franziska Liebetanz, Nora Peters und Jana Zegenhagen, Austausch von Kontaktdaten, Umarmungen, gemeinsame Pläne. Peter Braun, Leiter des Schreibzentrums Jena, moderiert die Plenarveranstaltung am Sonntag, zu der alle Teilnehmenden noch einmal zusammen kommen. Er bedankt sich für die zahlreichen Beiträge der TeilnehmerInnen und stellt die brennende Fragen in den Raum, wo denn die 6. Peer- SchreibtutorInnen Konferenz stattfinden wird? Es wird immer stiller. Die Spannung steigt. Etwas Rascheln und Flüstern gibt es im Hörsaal. Die Frage bleibt zunächst offen. Doch jetzt, im Dezember, wissen wir es: Wir sehen uns im September 2013 zur 6. Peer -SchreibtutorInnen Konferenz in Bochum wieder!

Schreibmarathon am Schreibzentrum

– ein Bericht von  von Annemarie Bracht (Schreibzentrum Ruhr-Uni Bochum) und Michał Żytyniec (Schreibzentrum Viadrina)

„Das ist Mandy aus München, sie mag gerne Melone; ich bin Simone aus Stuttgart und esse gerne Suppe…“ – mit diesem netten „Ich-packe-meinen-Koffer“-Spiel macht kennenlernen richtig Spaß und man kann sich Namen sogar merken! So der vielversprechende Beginn einer schreibintensiven und erfolgreichen Woche beim diesjährigen Schreibmarathon der Europa-Universität Viadrina.

An fünf Tagen konnten insgesamt fünfzehn Studierende die Zeit nutzen und in der anregenden und produktiven Atmosphäre des Schreibzentrums an ihren Hausarbeiten feilen: vom Planen, übers Schreiben der Rohfassung bis hin zur Korrektur war alles dabei.

Ruhige Schreibatmosphäre im Schreibzentrum

Ruhige Schreibatmosphäre im Schreibzentrum
(Foto: Annemarie Bracht)

Während der Raum des Schreibzentrums ausschließlich zum Schreiben reserviert war, luden im Nebenraum Snackbar und zu Sitzgruppen drapierte Tische zum Austausch in der Pause ein. In beiden Räumen sorgten Blumen, ebenso wie Kekse, Papier und bunte Stifte für eine freundliche Atmosphäre.

Im Anfangsworkshop von Mandy Pydde hatten die Schreibenden eine Möglichkeit, bereits am Montag eigene Vorhaben für die Woche auf einer Zielscheibe zu markieren. Im Freewriting zum Thema „Mein Schreibprojekt erzählt …“ konnten sie gleich die erste Schreibmethode erproben, um sich dann im Austausch untereinander von der Wichtigkeit des Sprechens beim Schreiben zu überzeugen. Am Mittwoch fand auch die Beratung durch die professionellen Schreibberater statt, die mitten auf der Marathon-Strecke Hinweise und Stärkung für den weiteren Lauf angeboten haben.

Schreibberatung

Schreibberatung im Nebenraum
(Foto: Annemarie Bracht)

„Oh du meine geliebte Hausarbeit

es ist so weit

doch das Ende ist blau.

Und es entsteht ein toller Bau.

Doch kenn ich dich noch nicht genug,

Obwohl mein Vorgehen ist klug.

Ich werde alles tun, was nötig ist,

Sodass Du dann echt zufrieden bist;

Wie der Professor, der dich hoch erfreut liest J“

So lautet eines der zwei Tage später gemeinschaftlich entstandenen sogenannten „Knick-Gedichte“. Dabei geht es darum, reihum auf eine vorgegebene Zeile je zwei neue Verse zu schreiben, diese nach hinten zu knicken und an seinen Nachbarn weiterzugeben.

Aber nicht immer ging es so amüsant in den kleinen Warm-Up-Übungen zu, denn am Dienstag wurde fleißig zum Thema „Was fasziniert mich an meiner Hausarbeit?“ geclustert. Am Donnerstag half ein kleiner „Schreibeinstimmer“, sich selbst und seine gegenwärtige Stimmung zu reflektieren und sich positiv auf seine Schreibtätigkeit einzustimmen. Am letzten Tag erwartete die Teilnehmer eine kleine Überraschung: jeder durfte sich eine tolle Postkarte mit ermutigenden Sprüchen wie „Du schaffst das!“ oder „Entspann dich!“ aussuchen und freundliche Worte seines Dozenten an sich selber richten. Durch die Übungen haben sich die „Marathon-Schreiber“ mit den Strategien angefreundet, die ein spielerischer und kreativer Umgang mit Schreiben bietet.

Ziele beim Schreiben der Hausarbeit

Eine Teilnehmerin vor der Zielscheibe, auf der die Teilziele visualisert werden konnten.
(Foto: Annemarie Bracht)

Am Ende dieses fünftägigen Marathons stehen, wie die von den Teilnehmern ausgefüllten Feedbackbögen belegen, viele neugeschriebene Seiten von insgesamt fünfzehn Hausarbeiten. Zusätzlich auch die Erkenntnis, dass durch das Schreiben in der Gruppe eine produktive  Arbeitsatmosphäre entsteht, die sich jeder alleine so nicht schaffen kann. Dennoch bedeutet das nicht, Warten bis zur nächsten „Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“. Die weiten Strecken muss niemand mehr alleine laufen. Die anderen Kommilitonen legen die gleiche Strecke mit den gleichen Hindernissen zurück. Wegzehrung finden alle in der Anlaufstelle namens Schreibzentrum. Auf dem Weg begegnet man auch anderen Läufern, mit denen man den Frust teilen und Erfolge feiern kann.

Einen Bericht zum Schreibmarathon gibt es auch bei Spiegel Online.

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